Rechtsprechung / Amtsgericht Düsseldorf
Amtsgericht Düsseldorf Urteil vom 05.05.1998 – 38 C 18502/97
ECLI:DE:AGD:1998:0505.38C18502.97.00
Tenor
hat das Amtsgericht Düsseldorf
im schriftlichen Verfahren nach Schriftsatznachlaß
bis zum 14. April 1998
durch die Richterin am Amtsgericht X
für R e c h t e r k a n n t :
Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger zu 1. sowie
an die Klägerin zu 2. jeweils 325,00 DM nebst 4 % Zin-
sen seit dem 10.10.1998 zu zahlen.
Die Kosten des Rechtsstreits werden der Beklagten auf-
erlegt.
Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.
Von der Darstellung des Tatbestandes wird gem. § 495 a Abs. 2
ZPO abgesehen.
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :
Die Klage ist begründet.
Die Kläger haben aus dem jeweils mit der Beklagten abge-
schlossenen Reisevertrag aufgrund einer Reisepreisminderung
gem. § 651 d BGB noch Anspruch auf Zahlung von je 325,00 DM.
Die Kläger haben nach Wertung des Gerichts aufgrund ihrer Un-
terbringung in einem FKK-Hotel Anspruch auf eine Reisepreis-
minderung von zumindest 50 % des Reisepreises, so daß bei dem
gezahlten Reisepreis von insgesamt 2.580,00 DM nach Zahlung
von einmal 265,00 DM und nach Zahlung von weiteren 130,00 DM
ebenfalls nach Anspruch des Klägers zu 1. und der Klägerin
zu 2. auf Zahlung von je 325,00 DM besteht.
Die Unterbringung der Kläger in einem FKK-Hotel ist ein so
schwerwiegender Mangel, daß eine Reisepreisminderung in Höhe
von 50,00 DM gerechtfertigt erscheint. Die Kläger wären auch zu
einer Kündigung des Reisevertrages berechtigt gewesen.
Die Kläger haben hier zwar eine Roulette-Reise gebucht, bei der
dem Reiseveranstalter das Leistungsbestimmungsrecht nach §
325 BGB zusteht.
Es war insoweit aber auf die Verkehrssitte und den Empfänger-
horizont des Reisenden abzustellen (vgl. Führich, Reiserecht,
2. Aufl., Rdnr. 133).
Dies ergibt sich im übrigen auch aus § 157 BGB. Nach dieser
Vorschrift sind Verträge so auszulegen, wie Treu und Glauben
mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.
Unter Berücksichtigung des vorstehenden Grundsatzes ist davon
auszugehen, daß auch bei einer Roulette-Reise eine "normale"
Unterbringung des Reisenden Vertragsgegenstand geworden ist.
Die Unterbringung in einem FKK-Hotel ist aber keine solche
"normale" Unterbringung.
Auch in der heutigen Zeit entspricht es nicht jedermanns Geschmack,
sich in einer FKK-Anlage aufzuhalten, fremde nackte Menschen
um sich herum zu sehen und sogar selber nackt herumzulaufen.
Es kann auch davon ausgegangen werden, daß nur ein ganz ge-
ringer Teil der Reisenden einen FKK-Urlaub bucht.
Die Kläger brauchten auch in Anbetracht des Leistungsbestim-
mungsrechtes der Beklagten daher nicht damit zu rechnen, in
einer FKK-Anlage untergebracht zu werden.
Etwas anderes könnte nach Auffassung des Gerichts nur dann
gelten, wenn die Beklagte in ihrem "Roulette-Angebot" aus-
drücklich auf die Möglichkeit der Unterbringung auch in einer
FKK-Anlage hingewiesen hätte.
Dieser Bewertung steht auch nicht entgegen, daß nach Angaben
der Beklagten im Restaurant generell ab 20.00 Uhr Kleidung
erforderlich war und in der Hotelanlage Zonen vorhanden wa-
ren, in denen Textilzwang bestand.
Die Verweisung des Reisenden auf bestimmte Zonen des Hotels
stellt eine zu große Einschränkung dar.
Auch der Kleiderzwang im Restaurant ab 20.00 Uhr ist kein
Ausgleich für die restliche Zeit des Tages. Der Reisende hat
auch Anspruch auf ungestörten Aufenthalt im Restaurant bis
20.00 Uhr.
Nach allem haben die Kläger den von ihnen geltend gemachten
Anspruch auf Reisepreisminderung von noch 325,00 DM für jeden
Kläger.
Die prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 91, 708
Ziff 11, 713 ZPO.