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BGH Beschluß vom 03.11.2003 – NotZ 10/03
Senat fuer Notarsachen
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
3. November 2003
in dem Verfahren
NotZ 10/03
Nachschlagewerk: ja
BGHZ:
nein
BGHR: ja
BNotO §§ 6 b, 10
Einem Bewerber steht nicht die Befugnis zu, Antrag auf Verpflichtung der
Justizverwaltung zu stellen, eine freigewordene Notarstelle unter Bezeichnung
des bisherigen Amtsinhabers auszuschreiben.
BGH, Beschluß vom 3. November 2003 - NotZ 10/03 - OLG Hamburg
wegen Ausschreibung
Der Bundesgerichtshof, Senat für Notarsachen, hat am 3. November 2003
durch den Vorsitzenden Richter Dr. Rinne, die Richter Tropf und Dr. Kurzwelly
sowie die Notare Dr. Ebner und Eule
beschlossen:
Die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluß
des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg, Senat für No-
tarsachen, vom 23. April 2003 wird zurückgewiesen.
Der Antragsteller hat die Gerichtskosten des Beschwerdeverfah-
rens zu tragen und die der Antragsgegnerin im Beschwerde-
rechtszug entstandenen notwendigen Auslagen zu erstatten.
Der Geschäftswert des Beschwerdeverfahrens wird auf 24.000
festgesetzt.
Gründe:
I.
Der 64 Jahre alte Antragsteller war bis 1999 Notar mit dem Amtssitz in
H. . Er hat vor dem Oberlandesgericht eine Reihe von Anträgen gestellt,
die die Ausschreibung von Notarstellen und deren Unterlassung, den Inhalt der
Ausschreibung und die Zulässigkeit von Notarsozietäten zum Gegenstand ha-
ben. Das Oberlandesgericht hat die Anträge als unzulässig verworfen. Mit der
sofortigen Beschwerde verfolgt er sie, zum Teil mit abgewandeltem Inhalt, wei-
ter.
II.
Das Rechtsmittel hat keinen Erfolg.
1. Der Antrag, acht Notarstellen, die durch Ausscheiden des
Amtsinhabers aus dem Amt oder auf sonstige Weise frei geworden sind sowie
eine erhebliche zusätzliche Anzahl von Notarstellen ("Nullstellen") sofort auszu-
schreiben, ist jedenfalls deshalb unzulässig, weil der Antragsteller nicht geltend
macht, durch die Ablehnung der Ausschreibung oder ihre Unterlassung in sei-
nen Rechten verletzt zu sein. Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats
handelt die Landesjustizverwaltung bei der Feststellung der Zahl der zu beset-
zenden Notarstellen ausschließlich in Ausübung ihrer Organisationsgewalt; ein
Antrag auf Ausschreibung einer Notarstelle ist deshalb, von hier nicht vorlie-
genden Ausnahmefällen abgesehen, unzulässig (zuletzt Beschl. v. 31. März
2003 - NotZ 24/02, ZNotP 2003, 230 = NJW 2003, 2458). Dasselbe gilt für die
Anträge, die Ausschreibung von Notarstellen "für (näher bezeichnete) Stadtteile
oder Amtsgerichtsbezirke zu unterlassen". Ausschließlich im Bereich der Orga-
nisationsgewalt der Antragsgegnerin verbleiben auch die Anträge, die begehr-
ten "Nullstellen" auf einen Stadtteil oder Amtsgerichtsbezirk "zu beschränken",
diese "Beschränkung" auch bei der nächsten (näher bezeichneten) Ausschrei-
bung vorzunehmen und im laufenden Bewerbungsverfahren einzuhalten. Die
nach § 10 Abs. 1 Satz 2 BNotO in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern
eröffnete Möglichkeit, dem Notar, abweichend von Satz 1 der Vorschrift, der als
Amtssitz die gesamte politische Gemeinde vorsieht, einen bestimmten Stadtteil
oder einen Amtsgerichtsbezirk als Amtssitz zuzuweisen, dient ausschließlich
dem Interesse einer geordneten Rechtspflege (§ 4 BNotO). Der Umstand, daß
der Antragsgegner von der Ermächtigung keinen Gebrauch macht, eröffnet dem
Antragsteller nicht die Möglichkeit, eine gerichtliche Überprüfung nach § 111
BNotO herbeizuführen. Entsprechendes gilt für das weitere Begehren, den am-
tierenden Notaren einen Stadtteil oder einen Amtsgerichtsbezirk als Amtssitz
zuzuweisen.
2. Die Anträge, bei der begehrten Ausschreibung der acht frei geworde-
nen Notarstellen sowie bei der (näher bezeichneten) nächsten Stellenaus-
schreibung die Amtsstellen "konkret zu bezeichnen" (z.B. Notarstelle J. ,
B. ) und im Amtlichen Anzeiger statt im Justizministerialblatt bekannt
zu machen, betreffen die Art und Weise des Ausschreibungsverfahrens. Sie
sind nicht in gleicher Weise vom Individualinteresse künftiger Bewerber ent-
fernt, wie die zu 1 dargestellten Organisationsmaßnahmen. Denn die Aus-
schreibung hat den Zweck, den gleichmäßigen Zugang zum Beruf für alle Inter-
essenten, die die Befähigung zum Amt besitzen, zu ebnen. Mit der "konkreten
Bezeichnung" der Amtsstelle will der Antragsteller dem indirekten Einfluß der
Notarsozietäten auf die Besetzung frei werdender Stellen (vgl. Senat BGHZ
127,
83;
BVerfG,
vom
1.7.2002,
Absatz-Nr. 17,
http.//www.bverfg.de/) entgegenwirken. Gleichwohl fehlt es an der Klagebefug-
nis, denn die Bezeichnung der ausgeschriebenen Stelle nach dem frei gewor-
denen Notariat ist ungeeignet, die Rechtsstellung des Antragstellers zu verbes-
sern. Sie würde die Sozien nicht zwingen, sich mit einem Stellenbewerber zur
gemeinsamen Berufsausübung zu verbinden. Zudem liefe der Antrag auf eine
gesetzwidrige Organisationsmaßnahme hinaus. Der Notar ist Träger eines per-
sönlichen Amtes (§ 1 BNotO), eine Verselbständigung des Notaramtes im Sin-
ne einer Abtrennung von der Person des Notars ist dem Recht fremd (zuletzt
Sen.Beschl. v. 8. Juli 2002 - NotZ 28/01, ZNotP 2002, 403). Daß der An-
tragsteller durch die Ausschreibung im Justizministerialblatt in seinen Rechten
verletzt sein könnte, ist nicht ersichtlich.
3. Der Antrag, das Bestehen von Großnotariaten (mit mehr als drei Sozi-
en) zu untersagen, hat, wovon das Oberlandesgericht zu Recht ausgeht, die
Verpflichtung zum Erlaß einer Rechtsverordnung auf der Grundlage des § 9
Abs. 1 Satz 2 BNotO zum Gegenstand. Das Verfahren nach § 111 BNotO
i.V.m. den Vorschriften des Gesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen
Gerichtsbarkeit stellt eine solche Rechtsschutzmöglichkeit nicht zur Verfügung.
Auch dem allgemeinen Verwaltungsrechtsstreit (§§ 40 ff. VwGO) ist sie fremd.
Dies kann der Antragsteller nicht mit dem hilfsweisen Antrag auf Feststellung,
daß die bestehenden Großnotariate unzulässig sind, umgehen. Feststellungs-
anträge sind im Verfahren nach § 111 BNotO grundsätzlich nicht vorgesehen.
Einer der Ausnahmefälle, die der Senat entwickelt hat (vgl. zuletzt Beschl. v.
20. Juli 1998 - NotZ 36/97, BGHR BNotO § 111 Abs. 1 - Feststellungsantrag 7),
ist nicht gegeben.
4. Der Antrag, die Hamburgische Notarkammer wegen Befangenheit vom
Verfahren auszuschließen, liegt neben der Sache.
Rinne
Tropf
Kurzwelly
Ebner
Eule