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BGH Beschluss vom 06.02.2004 – 2 StR 366/03
2. Strafsenat
BUNDESGERICHTSHOF
2 StR 366/03
BESCHLUSS
vom
6. Februar 2004
in der Strafsache
gegen
wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge
Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbun-
desanwalts und des Beschwerdeführers am 6. Februar 2004 gemäß § 349
Abs. 2 und 4 StPO beschlossen:
1. Auf die Revision des Angeklagten M. wird das Urteil des
Landgerichts Aachen vom 8. Januar 2003, soweit es ihn be-
trifft, im Fall II. 8 der Urteilsgründe (Fall 9 der Anklage) und im
Gesamtstrafenausspruch, jeweils mit den zugehörigen Fest-
stellungen, aufgehoben.
2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu erneuter Ver-
handlung und Entscheidung, auch über die Kosten des
Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts
zurückverwiesen.
3. Die weitergehende Revision wird verworfen.
Gründe:
Das Landgericht hat den Angeklagten M. wegen Handeltreibens mit
Grundstoffen, die zur unerlaubten Herstellung von Betäubungsmitteln verwen-
det werden sollten, in vier Fällen und wegen unerlaubten Handeltreibens mit
Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in vier Fällen, davon in einem Fall
in Tateinheit mit unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer
Menge zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt (Einzelstra-
fen: 5 Jahre, 5 Jahre, 5 Jahre, 5 Jahre, 5 Jahre, 4 Jahre, 4 Jahre 6 Monate, 5
Jahre) und den Verfall von 1.758.844 Euro angeordnet. Seine auf Verfahrens-
rügen und die Sachrüge gestützte Revision hat nur im Fall II. 8 der Urteilsgrün-
de Erfolg, im übrigen erweist sie sich aus den Erwägungen in der Antragsschrift
des Generalbundesanwalts vom 21. Oktober 2003 als unbegründet im Sinne
von § 349 Abs. 2 StPO.
Nach den Urteilsfeststellungen habe der Angeklagte gemeinsam mit
dem Mitangeklagten I. beabsichtigt, in den Kokainhandel einzusteigen.
Konkret soll vereinbart worden sein, daß mit den Erlösen aus den Ecstasyge-
schäften für einen Betrag von 30.000 DM 4 kg Kokain aus Südamerika einge-
führt werden sollten. Die Ankaufsbemühungen des Angeklagten I. , der
bereits einen Betrag von 20.000 DM zurückgelegt gehabt habe, seien bereits
so weit gediehen gewesen, daß das Rauschgift am 23. Oktober 2001 zur Ab-
holung in Südamerika bereit gelegen habe.
Diese Feststellungen entbehren, soweit sie die Beteiligung des Ange-
klagten M. betreffen, der sich ebenso wie der Mitangeklagte I. nicht
zur Sache eingelassen hatte, einer tragfähigen Tatsachengrundlage. Die
Kammer hat ihre Überzeugung allein auf ein im Urteil wiedergegebenes über-
wachtes Telefongespräch zwischen dem Mitangeklagten I. und einem
Ecstasyabnehmer gestützt. Diesem Telefongespräch, soweit es im Urteil wie-
dergegeben ist, läßt sich zwar ausreichend entnehmen, daß der Mitangeklagte
I. konkrete Vorkehrungen zur Besorgung von 4 kg Kokain aus Südamerika
getroffen hatte. Der Name des Angeklagten M. wird aber von
I. nur in dem Zusammenhang genannt, daß er mit diesem zusammen mit
dem Gewinn aus anderen Rauschgiftgeschäften ein weiteres Geschäft habe
machen wollen, wobei I. "drüben was holen kann". Danach bleibt aber of-
fen, ob diese in dem Gespräch bekundete Absicht zur Zusammenarbeit bereits
zu einer Vereinbarung mit dem Angeklagten M. geführt hat und - falls ei-
ne solche vorgelegen hat - welchen Inhalt sie hatte.
Die Sache bedarf danach weiterer Aufklärung, wobei der Mitangeklagte
I. , dessen Revision verworfen wurde, ggfs. als Zeuge in Betracht kommt.
Die Aufhebung des Schuldspruchs in diesem Fall bewirkt auch die Aufhebung
der Einzelstrafe und der Gesamtstrafe.
Angesichts der weiteren erheblichen Einzelstrafen hatte der Senat aus
prozeßökonomischen Erwägungen die Einstellung des Verfahrens hinsichtlich
dieses Falls nach § 154 Abs. 2 StPO unter Aufrechterhaltung der Gesamtstrafe
erwogen, sieht sich daran aber durch die Entscheidung des Bundesverfas-
sungsgerichts vom 7. Januar 2004 - 2 BvR 1704/01 - gehindert.
Rissing-van Saan Detter Bode
Otten Roggenbuck