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BGH Beschluss vom 08.11.2004 – AnwZ (B) 80/03

Senat fuer Anwaltssachen

BUNDESGERICHTSHOF

AnwZ (B) 80/03

BESCHLUSS

vom

8. November 2004

in dem Verfahren

wegen Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft

Der Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Präsidenten

des Bundesgerichtshofes Professor Dr. Hirsch, den Richter Dr. Ganter, die

Richterin Dr. Otten und den Richter Dr. Ernemann sowie die Rechtsanwälte

Dr. Schott, Dr. Frey und Dr. Wosgien nach mündlicher Verhandlung am 8. No-

vember 2004 beschlossen:

Die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen den Be-

schluß des 1. Senats des Anwaltsgerichtshofs des Landes

Nordrhein-Westfalen vom 16. Mai 2003 wird zurückgewiesen.

Der Antragsteller hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen

und der Antragsgegnerin die ihr im Beschwerdeverfahren ent-

standenen notwendigen außergerichtlichen Auslagen zu er-

statten.

Der Geschäftswert für das Beschwerdeverfahren wird auf

50.000 Euro festgesetzt.

Gründe

I.

Der 1942 geborene Antragsteller wurde 1976 als Rechtsanwalt bei dem

Amtsgericht und Landgericht S. zugelassen. Im Januar 2002 hatte die An-

tragsgegnerin erstmals die Zulassung des Antragstellers zur Rechtsanwalt-

schaft nach § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO widerrufen und die sofortige Vollziehung

angeordnet. Nachdem sie im Februar 2002 die Anordnung der sofortigen Voll-

ziehung und im März die Widerrufsverfügung widerrufen hatte, hat sie mit Be-

scheid vom 19. November 2002 seine Zulassung zur Rechtsanwaltschaft er-

neut wegen Vermögensverfalls widerrufen. Den dagegen gerichteten Antrag

auf gerichtliche Entscheidung hat der Anwaltsgerichtshof zurückgewiesen. Da-

gegen wendet sich der Antragsteller mit der sofortigen Beschwerde.

II.

Das Rechtsmittel ist zulässig (§ 42 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 4 BRAO), bleibt

jedoch in der Sache ohne Erfolg.

1. Gerät der Rechtsanwalt in Vermögensverfall, ist seine Zulassung zur

Rechtsanwaltschaft zu widerrufen, es sei denn, daß dadurch die Interessen der

Rechtsuchenden nicht gefährdet sind (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO). Ein Vermö-

gensverfall liegt nach dieser Vorschrift vor, wenn der Rechtsanwalt in ungeord-

nete, schlechte finanzielle Verhältnisse, die er in absehbarer Zeit nicht ordnen

kann, geraten und außerstande ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen;

Beweisanzeichen hierfür sind insbesondere die Erwirkung von Schuldtiteln und

Vollstreckungsmaßnahmen gegen ihn (st.Rspr.; Senatsbeschluß vom 25. März

1991 - AnwZ (B) 80/90, NJW 1991, 2083 unter II 1 m.Nachw.).

Diese Voraussetzungen lagen bei Erlaß der Widerrufsverfügung vor. Zu

diesem Zeitpunkt wurde wegen der in der Verfügung aufgeführten Verbindlich-

keiten die Zwangsvollstreckung gegen den Antragsteller betrieben.

Der Widerrufsgrund ist auch nicht nachträglich entfallen. Soweit er in der

Folge diese Verbindlichkeiten mindestens teilweise beglichen hat oder es ihm

gelungen war, Ratenzahlungsvereinbarungen mit den Gläubigern abzuschlie-

ßen, steht dem gegenüber, daß es wegen weiterer - im einzelnen in dem ange-

fochtenen Beschluß aufgelisteter - Verbindlichkeiten zu neuen Zwangsvollstre-

ckungsmaßnahmen gegen ihn kam. Auch insoweit hatte sich der Antragsteller

zwar bemüht, die Verbindlichkeiten bis zum Termin vor dem Anwaltsgerichtshof

zu begleichen oder zu einer Regelung mit den Gläubigern zu kommen, ande-

rerseits kam es auch danach wiederum zu neuen Zwangsvollstreckungsmaß-

nahmen, etwa wegen rückständiger Kanzleimieten in Höhe von 4.352,96 Euro

(Nr. 63 der Aufstellung der Antragsgegnerin) und einer Forderung der Firma

Jean B. über 338,95 Euro (Nr. 64 der Aufstellung).

Auch mit Einsatz seines Immobilienvermögens - insoweit ist teilweise

Zwangsversteigerung erfolgt - war es dem Antragsteller ersichtlich nicht mög-

lich, seine Vermögensverhältnisse zu konsolidieren. Wegen rückständiger So-

zialversicherungsbeiträge seit Oktober 2001 in Höhe von 13.831,44 Euro hat

die BKK für steuerberatende und juristische Berufe gegen ihn - erfolglos - voll-

streckt. Auf ihren Antrag wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Mit Verfügung

vom 13. Februar 2004 des Präsidenten des Oberlandesgerichts H. ist er seines

Amtes als Notar vorläufig enthoben worden.

Anhaltspunkte dafür, daß die Interessen der Rechtsuchenden durch den

Vermögensverfall hier ausnahmsweise nicht gefährdet sind, liegen nicht vor.

Hirsch Ganter Otten Ernemann Schott Frey Wosgien