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BGH Beschluss vom 14.04.2008 – NotZ 129/07
Senat fuer Notarsachen
BUNDESGERICHTSHOF
NotZ 129/07
BESCHLUSS
vom
14. April 2008
in dem Verfahren
wegen Bestellung zur Notarin
Der Bundesgerichtshof, Senat für Notarsachen, hat durch den Vor-
sitzenden Richter Schlick, die Richterin Dr. Kessal-Wulf, den Richter
Dr. Herrmann, die Notarin Dr. Doyé und den Notar Dr. Ebner
am 14. April 2008
beschlossen:
Die sofortige Beschwerde der Antragstellerin gegen den
Beschluss des 1. Senats für Notarsachen des Oberlan-
desgerichts Frankfurt am Main vom 23. Oktober 2007
- 1 Not 3/07 - wird zurückgewiesen.
Die Antragstellerin hat die Kosten des Beschwerdeverfah-
rens zu tragen und dem Antragsgegner sowie dem weite-
ren Beteiligten die im Beschwerdeverfahren entstandenen
außergerichtlichen Kosten zu erstatten.
Der Geschäftswert für das Beschwerdeverfahren wird auf
50.000 €
festgesetzt.
Gründe:
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I. Der Antragsgegner schrieb am 1. Juli 2006 im Justiz-Ministerial-
Blatt für Hessen (JMBl. S. 353) für den Amtsgerichtsbezirk L.
eine Notarstelle in V. aus. Auf diese bewarben sich insgesamt
drei Rechtsanwälte, unter ihnen die Antragstellerin und der weitere Be-
teiligte. Das Auswahlverfahren wurde gemäß Abschnitt A II des Runder-
lasses über die Ausführung der Bundesnotarordnung (BNotO) vom
25. Februar 1999 (JMBl. S. 222), geändert durch Runderlass vom
10. August 2004 (JMBl. S. 323) durchgeführt. Für den dritten Bewerber
wurde die höchste Gesamtpunktzahl (127,30 Punkte) ermittelt; der weite-
re Beteiligte nahm mit 64,35 Punkten den zweiten Rang ein. Da der
rangbeste Bewerber die örtliche Wartezeit (§ 6 Abs. 2 Nr. 2 BNotO) nicht
erfüllt hatte und vom Antragsgegner daher nicht berücksichtigt wurde,
rückte der weitere Beteiligte auf die erste Rangstelle vor; dahinter kam
die Antragstellerin mit 60,85 Punkten. Der Antragsgegner unterrichtete
die Antragstellerin mit Verfügung vom 7. Februar 2007, dass beabsichtigt
sei, die ausgeschriebene Stelle mit dem weiteren Beteiligten zu beset-
zen.
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Das Oberlandesgericht hat den Antrag der Antragstellerin auf ge-
richtliche Entscheidung mit dem Inhalt, den Bescheid des Antragsgeg-
ners vom 7. Februar 2007 in der Fassung seines Zweitbescheides vom
22. Februar 2007 aufzuheben und diesen zu verpflichten, die ausge-
schriebene Stelle mit ihrer Person zu besetzen, zurückgewiesen. Hierge-
gen richtet sich ihre sofortige Beschwerde, mit der sie ihr Begehren wei-
terverfolgt.
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II. Die sofortige Beschwerde ist gemäß § 111 Abs. 4 BNotO i.V. mit
§ 42 Abs. 4 BRAO zulässig, aber in der Sache unbegründet. Die Aus-
wahlentscheidung des Antragsgegners erweist sich im Verhältnis der An-
tragstellerin zum weiteren Beteiligten, auf das es hier allein ankommt, als
rechtsfehlerfrei. Der Antragsgegner hat den ihm durch § 6 Abs. 3 Satz 1
und 2 BNotO bei der Bewerberauswahl zustehenden Beurteilungsspiel-
raum (BGHZ 124, 327, 330 ff.) auf der Grundlage der Runderlasses in-
soweit zutreffend angewandt und ausgeschöpft.
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1. Es bestehen keine Bedenken dagegen, dass der Antragsgegner
zur Auswahl unter mehreren Bewerbern um eine freie Notarstelle deren
fachliche Leistung nach dem Punktesystem gemäß seines Runderlasses
vom 25. Februar 1999 in der - im Hinblick auf die verfassungsrechtlichen
Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE 110, 304, 324 ff.)
modifizierten - Fassung vom 10. August 2004 ermittelt (Senat, Beschlüs-
se vom 24. Juli 2006 - NotZ 3/06 = ZNotP 2006, 392, 393 f. Rn. 13 und
NotZ 11/06 = NJW 2006, 3211 f. Rn. 7). Dies wird auch von der Antrag-
stellerin grundsätzlich nicht in Zweifel gezogen.
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2. Der Antragsgegner hat für die Antragstellerin und den weiteren
Beteiligten folgende Bewertung zum Ausgangspunkt genommen und zur
Grundlage seiner Besetzungsentscheidung gemacht:
Bewerber
Rang
2. Staatsexamen
RA-Tätigkeit
Fortbildungen
Beurkundungen
Sonderpunkte
Summe
weiterer Beteiligter
Antragstellerin
1
40,05
23,5
0
0,8
0
64,35
2
24,05
32
0
1,8
3 Fachanwältin für Familienrecht
60,85
6
7
Die dagegen gerichteten Angriffe der Antragstellerin gehen fehl.
a) Das betrifft zum einen die Entscheidung des Antragsgegners, an
die Antragstellerin für ihre Tätigkeit als Fachanwältin für Familienrecht
3 Sonderpunkte zu vergeben. Die Antragstellerin hat weder dargelegt,
weshalb eine Zuerkennung weiterer Sonderpunkte überhaupt angezeigt
gewesen wäre, noch ist ihrem Vortrag zu entnehmen, dass mehr als 3,5
zusätzliche Sonderpunkte geboten gewesen wären. Nur dann aber ließe
sich der zum weiteren Beteiligten bestehende Punkteabstand überbrü-
cken.
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(1) Die Tätigkeit als Fachanwalt kann Hinweise darauf geben, in-
wieweit der jeweilige Schwerpunkt der Anwaltstätigkeit "notarnäher" oder
"notarferner" ausgestaltet ist (vgl. Senat, Beschluss vom 24. Juli 2006
- NotZ 11/06 - aaO S. 3213 Rn.16 ff.). Dabei genügt die bloße Verleihung
einer Fachanwaltsbezeichnung für sich allein nicht, um der anwaltlichen
Tätigkeit ein "notarnahes" Gepräge zu geben. Die Qualifikation als Fach-
anwalt muss vielmehr auf einem Gebiet erworben werden, das typi-
scherweise den materiellen Kernbereich notarieller Tätigkeit berührt; das
kann - neben anderen Rechtsgebieten - auch für das Familienrecht zu
bejahen sein (Senat, Beschluss vom 24. Juli 2006 aaO).
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Die Befugnis, auf einem den materiellen Kernbereich notarieller
Tätigkeit berührenden Rechtsgebiet die Fachanwaltsbezeichnung zu füh-
ren, ist ein gewichtiges Indiz für eine "notarnahe" anwaltliche Tätigkeit,
das grundsätzlich die Vergabe von Sonderpunkten rechtfertigt. Das hin-
dert die Landesjustizverwaltung indes nicht, sofern der Sachverhalt dafür
Anlass gibt, auch insoweit etwaige Besonderheiten zu berücksichtigen
- beispielsweise im Hinblick auf Dauer oder Umfang der "notarnah" ge-
prägten anwaltlichen Tätigkeit - und diese in der Anzahl der zuerkannten
Sonderpunkte zum Ausdruck zu bringen (vgl. Senat, Beschluss vom
18. April 2008 - NotZ 123/07 - unter III 4 b), indem sie die üblicherweise
vergebenen Sonderpunkte im Einzelfall über- oder auch unterschreitet.
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(2) Die Antragstellerin hat binnen laufender Bewerbungsfrist (§ 6b
Abs. 4 Satz 1 BNotO) lediglich allgemein auf ihre im März 2001 erworbe-
ne zusätzliche Qualifikation als Fachanwältin für Familienrecht verwie-
sen. Wenn der Antragsgegner dies zum Ausgangspunkt für die Zuerken-
nung von 3 Sonderpunkten genommen hat, die er - wie dem Senat eben-
so wie dem Oberlandesgericht aus anderen Bewerbungsverfahren be-
kannt ist - bei vergleichbarer Sachlage regelmäßig vergibt, so ist dies
nicht zu beanstanden und trägt auch der Dauer der bisherigen Tätigkeit
angemessen Rechnung. Die Antragstellerin beschränkt sich unverändert
auf generelle Ausführungen, weshalb sich eine fachanwaltliche Tätigkeit
auf dem Gebiet des Familienrechts unter Einschluss der spezifisch erb-
rechtlichen Bezüge als "notarnah" erweist, ohne eine Verbindung zu den
in ihrer eigenen Praxis konkret gewonnenen Erfahrungen und Kenntnis-
sen herzustellen. Ihre Auffassung, aus dem Erwerb der Qualifikation als
Fachanwältin für Familienrecht ergebe sich "zwangsläufig", dass damit
"zahlreiche notarnahe Tätigkeiten entfaltet" würden, trifft in dieser Allge-
meinheit nicht zu und verkennt die vom Senat (aaO) hervorgehobene In-
dizwirkung, wonach die zusätzliche Qualifikation zwar den Schluss auf
eine "notarnahe" Tätigkeit zulässt, ohne dass dieser Umstand für sich al-
lein die von der Antragstellerin begehrte hohe Zahl von Sonderpunkten
gebietet.
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b) Zum anderen kommt es von vornherein nicht darauf an, ob der
Antragsgegner die von der Antragstellerin in das Bewerbungsverfahren
eingebrachten Beurkundungen ausreichend gewichtet hat, von denen die
Antragstellerin meint, sie hätten mit 18 x 0,2 Punkten (statt mit 18 x 0,1
Punkten) in Ansatz gebracht werden müssen. Denn auch dadurch würde
die Antragstellerin nicht auf eine Punktzahl kommen, die sie auf die erste
Rangstelle vorrücken ließe. Auf der Bewertung der Urkundsgeschäfte
kann die Auswahlentscheidung des Antragsgegners daher ersichtlich
nicht beruhen.
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(1) Überdies hat der Senat bereits entschieden, dass Urkundsge-
schäfte das ihnen zukommende spezifische Gewicht erhalten, wenn der
Antragsgegner zwischen ihrer Anzahl, ihrer zeitlichen Vornahme und ih-
rer Bewältigung während einer Notarvertretung von mehr als zwei Wo-
chen differenziert. Allein der Anzahl der Urkundsgeschäfte kommt nur ei-
ne beschränkte Aussagekraft für die fachliche Qualifikation eines Bewer-
bers zu, weil der Lern- und Vorbereitungseffekt bei der Beurkundung mit
der Zahl der Urkundsgeschäfte abnimmt; zudem ist mit steigender Zahl
der Urkundsgeschäfte mit einer Wiederholung der Art der Beurkun-
dungsvorgänge zu rechnen. Es ist ferner ohne weiteres nachzuvollzie-
hen, dass bei Notarvertretungen von längerer Dauer die Bewältigung al-
ler - auch schwieriger - notarieller Tätigkeiten abverlangt wird, weil sich
diese nicht bis zur Rückkehr des Amtsinhabers aufschieben lassen.
Wenn der Antragsgegner in Abschnitt A II Nr. 3 Buchst. d) seines Rund-
erlasses dafür einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen zum Maßstab
nimmt, liegt dies innerhalb des ihm zugewiesenen Ermessensspielraums.
Es werden dadurch für alle Bewerber gleiche Ausgangsbedingungen ge-
schaffen, auf die sie sich einrichten können; die damit verbundene Gene-
ralisierung und Schematisierung ist unvermeidlich und von der Antrag-
stellerin hinzunehmen (Senat, Beschluss vom 24. Juli 2006 - NotZ
21/06 - Rn. 12, bei juris abrufbar).
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(2) Die Antragstellerin kann in diesem Zusammenhang nicht gel-
tend machen, der weitere Beteiligte sei mit Rechtsanwälten zu einer So-
zietät verbunden, von denen mehrere den Zweitberuf des Anwaltsnotars
ausübten, so dass er häufiger und einfacher Gelegenheit zu - auch län-
gerfristigen - Notarvertretungen habe, während ihr als Einzelanwältin die
Möglichkeit versagt sei, mehr als zwei Wochen in ihrer Kanzlei abwesend
zu sein und außerhalb Notarvertretungen wahrzunehmen; auch würden
die von ihr vertretenen Notare nur für höchstens zwei Wochen Urlaub
nehmen, so dass sich auch deshalb keine Gelegenheit für längerfristige
Notarvertretungen im Sinne des Runderlasses biete. Das übersieht, dass
der weitere Beteiligte lediglich 0,8 Beurkundungspunkte vorzuweisen hat,
so dass eine Bevorzugung im Bereich der praktischen Vorbereitung auf
das Amt des Anwaltsnotars durch Beurkundungstätigkeit, die der Antrag-
stellerin verschlossen ist, nicht erkennbar wird. Das Punktesystem des
Runderlasses zielt auch nicht, wie die Antragstellerin meint, auf eine Be-
nachteiligung gerade der als Einzelanwälte tätigen Bewerber ab; eine
absolute Chancengleichheit aller Bewerber wäre zudem mit keinem Aus-
wahlsystem zu garantieren (vgl. Senat, Beschlüsse vom 26. März 2007
- NotZ 39/06 - ZNotP 2007, 234, 236 Rn. 18; vom 20. November 2006
- NotZ 4/06 - ZNotP 2007, 109, 112 Rn. 19).
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3. Auch eine Gesamtschau der für die Antragstellerin und den wei-
teren Beteiligten zu berücksichtigenden Umstände führt zu keinem ande-
ren Ergebnis.
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a) Zwar ist vor der endgültigen Auswahlentscheidung zu fragen, ob
die in das Punktesystem aufgenommenen Kriterien und sonst in die Be-
wertung eingeflossenen Gesichtspunkte im jeweiligen Einzelfall ange-
messen gewichtet sind. Dabei ist zu prüfen, ob der ermittelte Rang eines
Bewerbers etwa deswegen dessen fachliche Eignung im Vergleich zu
schlechter platzierten Mitbewerbern unzutreffend widerspiegelt, weil die
für ihn errechnete Gesamtpunktzahl maßgeblich durch eine einseitige
Betonung eines der festen Bewertungskriterien bedingt ist, etwa auf der
Teilnahme an einer Vielzahl von Fortbildungsveranstaltungen beruht,
während eine Beurkundungstätigkeit nicht in nennenswertem Umfang
ausgeübt wurde; denn die fachliche Eignung lässt sich nur unter Heran-
ziehung beider Komponenten - der theoretischen Fortbildung wie der
praktisch erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse - zuverlässig beurtei-
len (Senat, Beschlüsse vom 24. Juli 2006 - NotZ 3/06 - aaO S. 394
Rn. 16 und vom 23. Juli 2007 - NotZ 35/07 - Rn. 9, bei juris abrufbar).
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Hier verhält es sich jedoch so, dass beide Bewerber in ihrer Vorbe-
reitung auf das Amt des Notars mit den Bereichen der theoretischen
Fortbildung und der notariellen Beurkundungstätigkeit nahezu völlig aus-
fallen. Der Senat hat in seiner bisherigen Rechtsprechung insbesondere
die Bedeutung einer auf den angestrebten Zweitberuf des Anwaltsnotars
spezifisch ausgerichteten berufspraktischen Erfahrung hervorgehoben
(Beschluss vom 24. Juli 2006 - NotZ 3/06 - ZNotP 2006 aaO S. 394
Rn. 18). Er sieht sich darin in Übereinstimmung mit dem Bundesverfas-
sungsgericht, das schon für das früher angewandte Bewertungssystem
betont hat, eine für die konkrete Bewerbungsentscheidung ausschlagge-
bende Punktzahl dürfe nicht ohne nennenswerte praktische Erfahrung er-
reicht werden (BVerfGE 110, 304, 332 ff.). Denn mit einem beinahe
gänzlichen Verzicht auf notarielle Praxis würde ein wesentliches Merk-
mal für die Eignungsprognose fast vollständig entwertet (vgl. BVerfGE
110, 304, 335).
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b) Soweit es hier um das Verhältnis der Antragstellerin zum weite-
ren Beteiligten geht, kann somit nur auf die Examensnote und die Dauer
der anwaltlichen Tätigkeit abgestellt werden. Insoweit hat die Antragstel-
lerin das deutlich schwächere Examen aufzuweisen; den dadurch be-
dingten Punkteabstand kann sie durch ihre länger währende Zulassung
als Rechtsanwältin nicht vollständig ausgleichen. Unter diesem Ge-
sichtspunkt hat der Antragsgegner den weiteren Beteiligten zutreffend
als den punktestärkeren Bewerber ermittelt.
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Auf Weiteres kommt es nicht an. Das Prinzip der Bestenauslese,
durch das dem wichtigen Gemeinwohlbelang der vorsorgenden Rechts-
pflege gedient wird, ist an den Kriterien der Eignung, Befähigung und
fachlichen Leistung ausgerichtet (BVerfGE 73, 280, 296; BVerfG (K),
DNotZ 2006, 69, 70) und unabhängig von der Zugehörigkeit des Bewer-
bers zu einem bestimmten Geschlecht. Es lässt sich daraus, anders als
die Antragstellerin dies für sich beansprucht, weder der Grundsatz ablei-
ten, einer Bewerberin gebühre generell der Vorzug, auch wenn sie keine
gegenüber dem Mitbewerber zumindest gleichwertige fachliche Qualifika-
tion aufweist, noch kann es Instrument dafür sein, eine - tatsächliche
oder vermeintliche - Unterrepräsentation von Notarinnen am Ort der aus-
geschriebenen Stelle auszugleichen. Die von der Antragstellerin heraus-
gestellte gesellschaftliche Doppelbelastung von Frauen durch Beruf,
Haushalt und Familie, der sie nach eigenem Vorbringen selbst ohnehin
nicht ausgesetzt ist, gehört gleichfalls nicht als Kriterium in ein der
Bestenauslese verpflichtetes notarielles Auswahlverfahren.
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4. Endlich kann die Antragstellerin keine bessere persönliche Eig-
nung daraus ableiten, dass sie an dem angestrebten notariellen Amtssitz
bereits als Rechtsanwältin niedergelassen ist. Die Bundesnotarordnung
macht die Einhaltung einer örtlichen Wartezeit zur Regelvoraussetzung
für die Bestellung zum Notar (§ 6 Abs. 2 Nr. 2 BNotO). Diese wird auch
vom weiteren Beteiligten erfüllt, da er seit mindestens drei Jahren in dem
in Aussicht genommenen Amtsbereich hauptberuflich als Rechtsanwalt
tätig ist. Der Amtsbereich entspricht dabei dem Bezirk des Amtsgerichts,
in dem der Notar seinen Amtssitz hat (§ 10a BNotO); der Bewerber auf
die ausgeschriebene Stelle muss also nicht schon an seinem späteren
Amtssitz anwaltlich tätig geworden sein. Darauf hat das Oberlandesge-
richt zutreffend hingewiesen. Weiteres sieht die Bundesnotarordnung
nicht vor.
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Soweit die Antragstellerin den Rechtsanwälten, mit denen der wei-
tere Beteiligte in einer anwaltlichen Sozietät verbunden ist, berufsrechtli-
che Verstöße vorwirft, die ausschließlich deren Zweitberuf als Anwalts-
notar betreffen, können diese dem weiteren Beteiligten ersichtlich nicht
zugerechnet werden, weil er - wie das Oberlandesgericht ebenfalls zu
Recht ausgeführt hat - selbst noch nicht zum Notar bestellt worden ist.
Schlick Kessal-Wulf Herrmann
Doyé Ebner
Vorinstanz:
OLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 23.10.2007 - 1 Not 3/07 -