BGH Beschluss vom 09.10.2008 – I ZR 181/05
I. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
I ZR 181/05
BESCHLUSS
vom
9. Oktober 2008
in dem Rechtsstreit
Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 9. Oktober 2008 durch
den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und die Richter Pokrant, Prof.
Dr. Büscher, Dr. Schaffert und Dr. Bergmann
beschlossen:
Die Anhörungsrüge gegen das Urteil vom 17. Juli 2008 wird auf
Kosten der Klägerinnen zurückgewiesen.
Gründe
Die gemäß § 321a ZPO statthafte und auch im Übrigen zulässige Anhö-
rungsrüge ist nicht begründet.
1. Die Klägerinnen rügen, mit den Ausführungen im Senatsurteil vom
17. Juli 2008 (Tz. 26)
Zwar haben die Klägerinnen bestritten, dass in den Vertrag die Allgemei- nen Geschäftsbedingungen der Beklagten einbezogen worden sind, de- nen zufolge japanisches Recht gelten und ein japanisches Gericht aus- schließlich zuständig sein soll. Sie haben aber selbst nicht geltend ge- macht, dass die Parteien eine Rechtswahl getroffen oder eine Zuständig- keit vereinbart hätten, die die internationale Zuständigkeit der deutschen Gerichte nahelegen würde.
sei ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Das Berufungsgericht habe zur
Einbeziehung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten in den
streitgegenständlichen Vertrag zwischen der Beklagten und ihrer japanischen
Auftraggeberin keine Feststellungen getroffen. Der Rechtsstreit sei daher noch
nicht entscheidungsreif gewesen. Eine internationale Zuständigkeit japanischer
Gerichte könnte sich auf der Grundlage der Allgemeinen Geschäftsbedingun-
gen der Beklagten ergeben. Dies setze allerdings voraus, dass diese wirksam
in den Vertrag einbezogen worden seien. Da das Berufungsgericht insoweit
keine Feststellungen getroffen habe, hätte der Rechtsstreit an das Berufungs-
gericht zurückverwiesen werden müssen, um entsprechende Feststellungen
nachzuholen. Auf eine Rechtswahlvereinbarung zwischen den Vertragspartnern
komme es demgegenüber nicht an.
Diese Rüge hat keinen Erfolg. Die Klägerinnen haben mit ihrem Vorbrin-
gen nicht dargelegt, dass der Senat ihren Anspruch auf rechtliches Gehör in
entscheidungserheblicher Weise verletzt hat (§ 321a Abs. 2 Satz 4, Abs. 1 Nr. 2
ZPO). Sie haben nicht dargetan, welchen konkreten entscheidungserheblichen
Vortrag der Senat unter Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG unberücksichtigt
gelassen habe. Im Übrigen haben die Klägerinnen auch nicht vorgetragen, dass
die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten Regelungen enthalten
hätten, aus denen sich die internationale Zuständigkeit der deutschen Gerichte
ergeben hätten.
2. Die Klägerinnen machen weiterhin geltend, sofern sich ergebe, dass
die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten nicht wirksam in den
Vertrag einbezogen worden seien, müsse geprüft werden, ob sich nach japani-
schem Recht eine internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte unter dem
Gesichtspunkt des Erfüllungsortes ergebe. Erfüllungsort des Frachtvertrages
sei - insoweit dürfte nach japanischem Recht nichts anderes gelten - regelmä-
ßig der Ort, an dem das Gut abzuliefern sei. Es sei daher davon auszugehen,
dass auch nach japanischem Recht eine örtliche Zuständigkeit der Gerichte am
Ablieferungsort bestehe. Dies wiederum rechtfertige den Schluss auf eine inter-
nationale Zuständigkeit deutscher Gerichte.
Aus diesem Vorbringen ergibt sich ebenfalls nicht, dass der Senat den
Anspruch der Klägerinnen auf rechtliches Gehör in entscheidungserheblicher
Weise verletzt hat (§ 321a Abs. 2 Satz 4, Abs. 1 Nr. 2 ZPO). Die Klägerinnen
haben im Revisionsverfahren nicht geltend gemacht, dass sich die Zuständig-
keit der deutschen Gerichte - wenn nicht aus Art. 1 Abs. 1, Art. 31 Abs. 1 lit. b
CMR -, so doch auch bei Anwendung japanischen Rechts ergäbe und dass
entsprechender Vortrag der Klägerinnen hierzu unberücksichtigt geblieben sei.
Bornkamm
Pokrant
Büscher
Schaffert
Bergmann
Vorinstanzen: LG Mönchengladbach, Entscheidung vom 11.07.2002 - 7 O 40/01 - OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 28.09.2005 - I-18 U 165/02 -