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Hessischer Verwaltungsgerichtshof Beschluss vom 14.02.2024 – 3 B 1614/23
ECLI:DE:VGHHE:2024:0214.3B1614.23.00
Tenor
DieBeschwerdedesAntragstellersgegendenBeschlussdesVerwaltungsgerichtsDarmstadtvom25.Oktober2023 - 6L509/23.DA - wirdzurückgewiesen.
DerAntragstellerhatdieKostendesBeschwerdeverfahrenszutragen.
DerStreitwertwirdauchfürdasBeschwerdeverfahrenauf2.500,00Eurofestgesetzt.
Gründe
1
Dieam7.November2023eingegangeneBeschwerdedesAntragstellersvom25.Oktober2023,mitdererbeantragt,
denangefochtenenBeschlussdesVerwaltungsgerichtsDarmstadt(Az.:6L509/23.DA)dahingehendabzuändern,dassdieaufschiebendeWirkungderKlagevom28.Februar2023gegendenBescheidderAntragsgegnerinvom 25.Januar2023hinsichtlichderZiffern1.)und2.)derVerfügungwiederherzustellen,hilfsweisedenBeschwerdeführerweiterhinzudulden,
istunzulässig, soweitsieaufdieWiederherstellungderaufschiebendenWirkungderKlagehinsichtlichderZiffer2.)derVerfügungderAntragsgegnerinvom25.Oktober2023gerichtetist.DenninsoweitfehltesbereitsaneinerinhaltlichenAuseinandersetzungmitdenGründenderverwaltungsgerichtlichenEntscheidung.
2
ImÜbrigenistsiezulässig,insbesonderestatthaft.
3
SiehatjedochinderSachekeinenErfolg.
4
MitderBeschwerdeverfolgtderAntragsteller,einnigerianischerStaatsangehöriger,seinenvordemVerwaltungsgerichterfolglosenAntragweiter,dieaufschiebendeWirkungseinerbeimVerwaltungsgerichtanhängigenKlagegegendieFeststellungdesNichtbestehensdesRechtsaufEinreiseundAufenthaltgemäß§2Abs.4Satz1FreizügG/EUinderFassungvom20.April2023(BGBl.INr.106,inKraftabdem25.April2023)wiederherzustellen.HilfsweiseistdieBeschwerdeaufdenErlasseinereinstweiligenAnordnungaufAufsetzungderAbschiebungimHinblickaufeinebeabsichtigteEheschließungmiteineritalienischenStaatsangehörigengerichtet.
5
DasBeschwerdevorbringen,aufdessenÜberprüfungderSenatbeschränktist(§146Abs.4Satz6VwGO),rechtfertigtkeineAufhebungoderAbänderungdeserstinstanzlichenBeschlusses.DasVerwaltungsgerichthatdenAntragzuRechtmitdemangefochtenenBeschlussvom25.Oktober2023abgelehnt.
6
Nach§146Abs.4Satz3VwGOmussdieBeschwerdeeinenbestimmtenAntragenthalten,dieGründedarlegen,ausdenendieEntscheidungabzuändernoderaufzuhebenist,undsichmitderangefochtenenEntscheidungauseinandersetzen.MangeltesaneinemdieserErfordernisse,istdieBeschwerdenach§146Abs.4Satz4VwGOalsunzulässigzuverwerfen.
7
DieBeschwerdebegründungmuss,umdemDarlegungsgebotdes§146Abs.4Satz3VwGOzugenügen,erkennenlassen,auswelchenrechtlichenund tatsächlichenGründendiegerichtlicheAusgangsentscheidungunrichtigseinsollundgeändertwerdenmuss(VGHMannheim,Beschlussvom21.Juni2023 - 13S473/23 -, jurisRn.3;OVGBremen,Beschlussvom28.April2023 - 1B77/23 -, jurisRn.7;OVGMünster,Beschlussvom8.Juli2004 - 12B1233/04 -, jurisRn.3m.w.N.).DieserforderteinePrüfung,SichtungundrechtlicheDurchdringungdesStreitstoffsunddamiteinesachlicheAuseinandersetzungmitdenGründendesangefochtenenBeschlusses(VGHMannheim,Beschlussvom21.Juni2023,a.a.O.;VGHMünchen,Beschlussvom30.November2022 - 11CS22.2195 -, jurisRn.14).DerBeschwerdeführermussnichtnurdiePunktebezeichnen,indenenderBeschlussangegriffenwerdensoll,sondernauchangeben,auswelchenGründenerdieangefochteneEntscheidungindiesemPunktfürunrichtighält.HierfürreichteinebloßeWiederholungdeserstinstanzlichenVorbringensohneEingehenaufdiejeweilstragendenErwägungendesVerwaltungsgerichts,außerinFällenderNichtberücksichtigungoderdesOffenlassensdesfrüherenVortrags,grundsätzlichebensowenigauswiebloßepauschaleoderformelhafteRügen(VGHMannheim,Beschlussvom21.Juni2023,a.a.O.).LässtderBeschwerdeführereinetragendeBegründungdesVerwaltungsgerichtsunangefochten,sohaternichtdargelegt,weshalbdieEntscheidungzuändernseinsoll(VGHKassel,Beschlussvom25.Juli2023 - 3B403/23 -, unveröffentlicht;VGHMannheim,Beschlussvom12.April2002 -7S653/02-,jurisRn.6).
8
DieBeschwerderechtfertigtkeineAbänderungdesangegriffenenBeschlussesdesVerwaltungsgerichtsDarmstadtinBezugaufdieAblehnungdesvorläufigenRechtsschutzeshinsichtlichderFeststellungdesNichtbestehensdesRechtesaufEinreiseundAufenthaltgemäß§2Abs.4Satz1FreizügG/EU(vormals:§2Abs.7 Satz1FreizügG/EU)durchBescheidvom25.Januar2023.
9
SoweitderAntragstellermitseinerBeschwerdegeltendmacht,erseiaufgrundderbevorstehendenEheschließungmiteineritalienischenStaatsangehörigenalsnahestehendePersonimSinnedes§3aAbs.1Nr.3FreizügG/EUzubehandeln,führtdiesnichtzurRechtswidrigkeitderVerlustfeststellungnach§2Abs.4Satz1FreizügG/EU.AuchwenndieVerlobtedesAntragstellersentgegendenAusführungendesVerwaltungsgerichtsDarmstadtitalienischeStaatsangehörigeistundausweislichdermitSchriftsatzvom20.Oktober2023vorgelegtenGehaltsnachweiseseitApril2019beiderFirmaBalsArbeitnehmerinbeschäftigtwird,erweistsichdieVerlustfeststellungnichtalsermessensfehlerhaft.
10
DieVoraussetzungeneinerVerlustfeststellungnach§2Abs.4Satz1FreizügG/EU,liegenvor,wasmitderBeschwerdeauchnichtinfragegestelltwird.BeruhtdieAnnahmedesVorliegensderFreizügigkeit - wiehier - aufeinerTäuschungshandlung,sohandeltdieAusländerbehördebeidemEntzugderRechtsstellungdurchErlasseinerVerlustfeststellungnurdannermessensfehlerhaft,wenneinbesondererAusnahmefallvorliegt(DieneltinBergmann/Dienelt,14.Aufl., §2FreizügG/EURn.174m.w.N.;VGHKassel,Beschlussvom27.Januar2020 - 7A1466/17.Z - n.v.Rn.20;).
11
EsbestehenkeineBedenken,wenndieAusländerbehördedurcheinenstatusfeststellendenVerwaltungsaktinFormeinerVerlustfeststellungklarstellt,dasseindrittstaatsangehörigerAusländer - wiederAntragsteller - nicht(mehr)aufgrundeinerEheschließungmiteinerUnionsbürgerinfreizügigkeitsberechtigtist,ohneeinenmöglichenAnspruchaufErteilungeinerAufenthaltskartenach§3aFreizügG/EUimRahmendesErmessenszuberücksichtigen(OK-MNet,§2FreizügG/EU,AbschnittK.IV.,Stand:20.Januar2024,Rn.36).DieVerlustfeststellungführtzueinerKlarstellungderzukünftigenRechtsstellung.DerAntragstelleristnachErgehenderVerlustfeststellungnichtmehraufgrundUnionsrechtsoriginärfreizügigkeitsberechtigt,sondernihmkannnuraufgrunddes§3aAbs.1 FreizügG/EUeinAufenthaltsrechtdurchErteilungeinerAufenthaltskarteverliehenwerden.DabeihandeltessichumjeweilseigenständigeRegelungsgegenstände.DiesenWechseldesaufenthaltsrechtlichenStatuskanndieAusländerbehördeimRahmendesohnehinintendiertenErmessens(soDieneltinBergmann/Dienelt,14.Aufl.,§2FreizügG/EURn.174;BreckwoldtinGK-AufenthG,Stand:Juni2022,§2FreizügG/EURn.284)vornehmen,ohneermessensfehlerhaftzuhandeln.NachAuffassungdesbeschließendenSenatsistdaherdieFrage,obderAntragstellertrotzTäuschungüberdasBesteheneinerehelichenLebensgemeinschaftmiteinerUnionsbürgerineinenAnspruchaufErteilungeinerAufenthaltskarteausGründendes§3aFreizügG/EUhat,nichtinzidentimRahmenderErmessensausübungeinerEntscheidungüberdieVerlustfeststellungnach§2Abs.4Satz1FreizügG/EUzuprüfen.DieseAnspruchsgrundlageistvielmehralsGegenstandeineszubescheidendenBegehrensaufNeuerteilungeinerAufenthaltskarteanzusehen(OK-MNet,§2FreizügG/EU,AbschnittK.IV.,Stand:20.Januar2024,Rn.35).
12
DasVerwaltungsgerichthateinenAnordnungsanspruchdesAntragstellersaufvorübergehendeAussetzungderAbschiebung(Duldung)nach§60aAbs.2Satz1AufenthGwegenderunterdenSchutzdesArt.6Abs.1GGfallendenEheschließungsfreiheitzuRechtverneint.NachderRechtsprechungdesSenatssetztdiesvoraus,dassdieEheschließungimBundesgebietunmittelbarbevorsteht(VGHKassel,Beschlussvom26.September2018 - 3B1320/18 -, unveröffentlicht).Diesistdannanzunehmen,wenndieEheschließungbeimzuständigenStandesamtangemeldetistundalleerforderlichenUnterlagenvorgelegtundgeprüftwordensind,sodassdasStandesamteinen(zeitnahen)TerminzurEheschließungbereitsbestimmthatoderjederzeitbestimmenkönnte.AlleindieVorlagedererforderlichenUnterlagen(imSinnevon§12Abs.2PStG)reichtregelmäßignochnichtaus,weilsichdarannochdieinhaltlichePrüfungderVoraussetzungenunddamitdesFehlensvonEhehindernissennach§13Abs.1Satz1undAbs.4Satz1PStGanschließt.AnvollständigenUnterlagenfehltesauch,wenndieerforderlicheUrkundenüberprüfungimHerkunftslandnochnichtabgeschlossenist(sieheauchz.B.VGHMünchen,Beschlussvom17.November2023 - 10CE23.1912 -, jurisRn.5;Beschlussvom 10.August2023 - 10CE23.1340 -, jurisRn.4;VGHMannheim,Beschlussvom14.November2023 - 11S1623/23 -, jurisRn.5).
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WiederAntragstellerselbsteinräumt,istdieUrkundenüberprüfungbishernichtabgeschlossen;offenbaristauchnichtabsehbar,wievielZeitdiesnochinAnspruchnehmenwird.Daherkannnichtangenommenwerden,dassbereitsallenotwendigenUnterlagenvorgelegtundgeprüftsindundsomitdieEheschließungunmittelbarbevorsteht.
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DieKostenentscheidungberuhtauf§154Abs.2VwGO.
15
DieFestsetzungdesStreitwertsfürdasBeschwerdeverfahrenberuhtauf§47Abs.1,§53Abs.2Nr.1und2,§52Abs.1und2GKGundfolgtderFestsetzungindererstenInstanz.
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DieserBeschlussistunanfechtbar(§152Abs.1VwGO,§68Abs.1Satz5i.V.m. §66Abs.3Satz3GKG).