Rechtsprechung / Landessozialgericht Berlin-Brandenburg

Landessozialgericht Berlin-Brandenburg Beschluss vom 20.01.2014 – L 13 SB 149/13 B ER

ECLI:DE:LSGBEBB:2014:0120.L13SB149.13BER.0A

Orientierungssatz

Für die vorläufige Feststellung eines Grades der Behinderung von 90 auf 100 im einstweiligen Rechtschutzverfahrens fehlt es bei einem berufstätigen Betroffenen regelmäßig an einem Anordnungsgrund.(Rn.4)

Verfahrensgang

vorgehend SG Berlin, 19. Juni 2013, S 46 SB 1045/13 ER, Beschluss

Tenor

Die Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss des Sozialgerichts Berlin vom 19. Juni 2013 wird zurückgewiesen.

Außergerichtliche Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten.

Gründe

1

Die Beschwerde des Antragstellers, mit der er begehrt,

2

unter Aufhebung des Beschlusses des Sozialgerichts den Antragsgegner im Wege der einstweiligen Anordnung bis zum rechtskräftigen Abschluss des vor dem Sozialgericht Berlin anhängigen Hauptsacheverfahrens (Az.: S 46 SB 1045/13) zu verpflichten, bei ihm einen Grad der Behinderung von 100 vorläufig festzustellen,

3

ist zulässig, jedoch unbegründet.

4

Der Antragsteller hat ungeachtet der Frage, ob die begehrten Feststellungen des Vorliegens eines (höheren) Grades der Behinderung als Statusentscheidung überhaupt einer einstweiligen Regelung zugänglich ist, jedenfalls den für den Erlass einer einstweiligen Anordnung gemäß § 86 b Abs. 2 Satz 2 Sozialgerichtsgesetz (SGG) erforderlichen Anordnungsgrund, d. h. die besondere Dringlichkeit des Erlasses der begehrten einstweiligen Anordnung, nicht glaubhaft gemacht (vgl. § 86 b Abs. 2 Satz 4 SGG i. V. m. §§ 920 Abs. 2, 294 Zivilprozessordnung - ZPO -). Ist das Begehren, wie hier, auf den Erlass einer vorläufigen Regelung gerichtet, die den Ausgang des Hauptsacheverfahrens vorweg nimmt, müssen besondere Gründe vorliegen, die eine solche Anordnung gebieten. Daran fehlt es hier. Es ist nicht ansatzweise ersichtlich, welche schwerwiegenden Nachteile dem – seinen Angaben zufolge nicht berufstätigen – Antragsteller drohen, wenn seinem Begehren auf Feststellung eines höheren Grades der Behinderung – von derzeit 90 auf 100 – nicht sofort entsprochen wird. Vor diesem Hintergrund ist es dem Antragsteller, dem Regelfall entsprechend, zuzumuten, dass die Klärung seiner Ansprüche dem gerichtlichen Hauptsacheverfahren vorbehalten bleibt. Der Antragsteller sei darauf hingewiesen, dass das vorläufige Rechtsschutzverfahren nicht dazu dient, unter Abkürzung des gerichtlichen Hauptsacheverfahrens die geltend gemachte materielle Rechtsposition vorab zu realisieren.

5

Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 193 Abs. 1 Satz 3 SGG analoger Anwendung.

6

Dieser Beschluss kann nicht mit der Beschwerde an das Bundessozialgericht angefochten werden (§ 177 SGG).