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Landgericht Köln Urteil vom 08.06.2011 – 23 O 274/09

ECLI:DE:LGK:2011:0608.23O274.09.00

Tenor

Die Be­klag­te wird ver­urteilt, an den Klä­ger 12.192,74 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 05.10.2009 zu zah­len.

Im üb­ri­gen wird die Klage ab­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen der Klä­ger zu 2 % und die Be­klag­te zu 98 %.

Das Urteil ist vor­läu­fig voll­streck­bar, für den Klä­ger je­doch nur gegen Si­cher­heits­leis­tung in Höhe von 120 % des zu voll­stre­cken­den Be­tra­ges.

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Tat­be­stand

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Der Klä­ger unter­hielt wäh­rend des streit­gegen­ständ­li­chen Zeit­raums eine pri­va­te Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rung nach dem hier ein­schlä­gi­gen Tarif Voll­Med Ak­zent bei der Be­klag­ten. Dem Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis lagen die aus der Akte er­sicht­li­chen Ver­si­che­rungs- und Ta­rif­be­din­gun­gen zu­grun­de.

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Im Juli 2007 wur­den dem Klä­ger durch den be­han­deln­den Zahn­arzt Dr. W im Unter­kie­fer rechts 3 Im­plan­ta­te in regio 45, 46 und 47 und im Unter­kie­fer links 2 Im­plan­ta­te in regio 36 und 37 ge­setzt. Es han­del­te sich dabei um Ke­ra­mik­im­plan­ta­te (Zir­kon­oxid­im­plan­ta­te). Sei­ner­zeit er­stat­te­te die Be­klag­te die Be­hand­lungs­kos­ten, nach­dem der Klä­ger unter dem 24.07.2007 fol­gen­de Er­klä­rung unter­schrie­ben hatte:

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„Die L-Krankenversicherung AG zahlt mir für die im­plan­to­lo­gi­schen Maß­nah­men in Form von Ke­ra­mi­kim­pan­ta­ten (Heil- und Kos­ten­plä­ne über 7.359,06 € und 5.194,38 €) die ta­rif­ge­mä­ßen Auf­wen­dun­gen aus An­lass mei­ner an­ste­hen­den zahn­ärzt­li­chen Be­hand­lung in der Ta­ges­kli­nik Dr. W und Dr. T, wie im Schrei­ben vom 09.07.2007 zu­ge­sagt. So­fern sich in den nächs­ten 5 Jah­ren – ge­rech­net ab dem Datum der In­ser­tion der Im­plan­ta­te im Unter­kie­fer – he­raus­stellt, dass die Ver­sor­gung mit Ke­ra­mik­im­plan­ta­ten nicht zu dem er­war­ten­den dauer­haf­ten Be­hand­lungs­er­folg ge­führt haben, er­klä­re ich mich damit ein­ver­stan­den, dass die Kos­ten für die even­tu­el­le Be­hand­lung auf­grund von Kom­pli­ka­tio­nen bzw. von Ver­lus­ten der Im­plan­ta­te im Unter­kie­fer sowie einer even­tu­el­len Neu­ver­sor­gung des Zahn­er­sat­zes nicht von der L-Krankenversicherung AG über­nom­men wer­den.“

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Im Jahr 2008 begab sich der Klä­ger er­neut in zahn­ärzt­li­che Be­hand­lung der Zahn­ärz­te Dr. H und Prof. Dr. L2. Es wurde eine Neu­ver­sor­gung der regio 47 auf­grund ein­ge­tre­te­ner Pe­ri­im­plan­ti­tis am Im­plan­tat in regio 47 vor­ge­nom­men. Der Klä­ger reich­te  die Rech­nun­gen des be­han­deln­den Zahn­arz­tes vom 31.08.2008 und vom 13.07.2008 bei der Be­klag­ten zur Er­stat­tung ein, des wei­te­ren Rech­nun­gen vom 16.04.2009, 05.04.2009, 26.06.2009, 12.06.2009, 28.07.2009 und 26.07.2006. Letz­te­re be­tref­fen die In­ser­tion von Ke­ra­mik­im­plan­ta­ten in den Re­gio­nen 15, 16 und 23, 24, 25 und deren Nach­sor­ge. Wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf die vor­ge­nann­ten Rech­nun­gen Bezug ge­nom­men. Die Be­klag­te lehn­te Er­stat­tungs­leis­tun­gen ab mit Aus­nah­me einer Tei­lers­tat­tung auf die Rech­nung vom 12.06.2009 in Höhe von 47,52 €, die mit dem Selbst­be­halt ver­rech­net wurde. Nach Rechts­hän­gig­keit wurde auf die Rech­nung vom 28.07.2009 ein wei­te­rer Be­trag in Höhe von 38,94 € an­erkannt. Auch die­ser wurde mit dem Selbst­be­halt ver­rech­net. Die Selbst­be­hal­te für die Jahre 2008 und 2009 sind un­strei­tig nun­mehr aus­ge­schöpft.

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Der Klä­ger be­haup­tet, es habe sich bei den streit­gegen­ständ­li­chen Zahn­be­hand­lun­gen ins­ge­samt um me­di­zi­nisch not­wen­di­ge Heil­be­hand­lun­gen ge­han­delt, ins­be­son­de­re sei die Ver­wen­dung des Werk­stof­fes Zir­kon­oxid als me­di­zi­nisch not­wen­dig an­zu­se­hen. Der Klä­ger leide an einer Ti­tan­un­ver­träg­lich­keit. Der Klä­ger ist der Auf­fas­sung, die Neu­ver­sor­gung der regio 47 sei nicht von der Er­klä­rung vom 24.07.2007 er­fasst, da diese sich nur auf die spe­zi­fi­schen Ri­si­ken be­zie­he, die sich ge­ra­de aus der Ver­wen­dung der Ke­ra­mik­im­plan­ta­te er­gä­ben, ins­be­son­de­re der be­klag­ten­seits be­haup­te­ten er­höh­ten Bruch­ge­fahr oder der Spö­dig­keit, der ge­rin­ge­ren Elas­ti­zi­tät bzw. der er­höh­ten An­fäl­lig­keit auf Zug­span­nun­gen. Vor­lie­gend hät­ten sich diese Ri­si­ken aber sämt­lich nicht rea­li­siert.

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Der Klä­ger hat ur­sprüng­lich be­an­tragt, 1. die Be­klag­te zur Zah­lung von 12.500,54 € nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB zu ver­urtei­len, 2. die Be­klag­te zur Zah­lung wei­te­rer 1.338,27 € nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB zu ver­urtei­len. Die Par­tei­en haben mit Rück­sicht auf die An­erken­nung eines wei­te­ren Teil­rech­nungs­be­tra­ges durch die Be­klag­te den Rechts­streit in Höhe eines Teil­be­tra­ges von 38,94 € in der Haupt­sa­che für er­le­digt er­klärt und wech­sel­sei­ti­ge Kos­ten­an­trä­ge ge­stellt.

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Der Klä­ger be­an­tragt nun­mehr,

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1. die Be­klag­te zur Zah­lung von 12.461,60 € nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB zu ver­urtei­len,

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2. die Be­klag­te zur Zah­lung wei­te­rer 1.338,27 € nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB zu ver­urtei­len.

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Die Be­klag­te be­an­tragt,

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die Klage ab­zu­wei­sen.

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Die Be­klag­te ist der Auf­fas­sung, dass die mit den  Li­qui­da­tio­nen vom 31.08.2008 und vom 13.07.2008 ab­ge­rech­ne­te Neu­ver­sor­gung der regio 47 von der Er­klä­rung des Klä­gers vom 24.07.2007 er­fasst wür­den. Da­rüber hi­naus be­strei­tet die Be­klag­te hin­sicht­lich sämt­li­cher Rech­nun­gen die me­di­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit der Be­hand­lung. In­so­weit be­haup­tet sie, es lägen keine hin­rei­chen­den wis­sen­schaft­li­chen Daten zur Ver­wen­dung des Werk­stof­fes Zir­kon­oxid vor. Die Be­klag­te be­strei­tet eine Ti­tan­al­ler­gie des Klä­gers. Auch die Se­da­tions­form (Voll­nar­ko­se bzw. TIVA) sei nicht me­di­zi­nisch not­wen­dig ge­we­sen.  Da­rüber hi­naus er­hebt die Be­klag­te ge­büh­ren­recht­li­che und ta­rif­li­che Ein­wen­dun­gen. Wegen der dies­be­züg­li­chen Ein­zel­hei­ten wird auf die Schrift­sät­ze vom 30.11.2009 und vom 08.03.2010 Bezug ge­nom­men. Die Be­klag­te be­ruft sich wei­ter­hin auf die feh­len­de Fäl­lig­keit, da ihr eine Kopie der Rech­nung des Her­stel­lers des ver­wen­de­ten Im­plan­tat­sys­tems sowie hin­sicht­lich der Rech­nun­gen vom 31.08.2008, 13.07.2008 und 16.04.2009 die zahn­ärzt­li­chen Be­fund­unter­la­gen nicht vor­ge­le­gen hät­ten. Die Be­klag­te er­hebt des wei­te­ren Ein­wen­dun­gen gegen die gel­tend ge­mach­ten vor­ge­richt­li­chen An­walts­kos­ten. Wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf den Schrift­satz vom 30.11.2009 Bezug ge­nom­men.

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Wegen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schrift­sät­ze sowie die zu den Akten ge­reich­ten Urkun­den Bezug ge­nom­men.

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Die Klage ist der Be­klag­ten am 05.10.2009 zu­ge­stellt wor­den. Die Kam­mer hat Be­weis er­ho­ben gemäß dem Be­weis­be­schluss vom 21.01.2010 in Ver­bin­dung mit dem Be­schluss vom 18.10.2010 durch Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens und schrift­li­che Er­gän­zung des­sel­ben. Wegen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Gut­ach­ten vom 30.07.2010 und die er­gän­zen­de Stel­lung­nah­me des Sach­ver­stän­di­gen vom 03.02.2011 Bezug ge­nom­men.

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Ent­schei­dungs­grün­de

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Die Klage ist zu­läs­sig und ganz über­wie­gend be­grün­det. Die Klä­ge­rin hat gegen die Be­klag­te einen An­spruch auf Er­stat­tung von Be­hand­lungs­kos­ten in Höhe des te­no­rier­ten Be­tra­ges aus dem zwi­schen den Par­tei­en be­stehen­den Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges in Ver­bin­dung mit §§ 192 VVG, 1 I, II AVB.

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Gemäß § 1 I a  der dem Ver­si­che­rungs­ver­trag zu­grun­de lie­gen­den AVB der Be­klag­ten ge­währt der Ver­si­che­rer im Ver­si­che­rungs­fall den Er­satz von Auf­wen­dun­gen für Heil­be­hand­lun­gen. Ver­si­che­rungs­fall ist gemäß § 1 II der AVB die me­di­zi­nisch not­wen­di­ge Heil­be­hand­lung einer ver­si­cher­ten Per­son wegen Krank­heit. Da­run­ter ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung zu ver­ste­hen, dass es nach den ob­jek­ti­ven me­di­zi­ni­schen Be­fun­den und wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen zum Zeit­punkt der Be­hand­lung ver­tret­bar ist, die Maß­nah­me des be­han­deln­den Arz­tes als me­di­zi­nisch not­wen­dig an­zu­se­hen. Ver­tret­bar ist eine Heil­be­hand­lung dann, wenn sie in fun­dier­ter und nach­voll­zieh­ba­rer Weise das zu­grun­de lie­gen­de Lei­den diag­nos­tisch hin­rei­chend er­fasst und eine ihm ad­äqua­te ge­eig­ne­te The­ra­pie an­wen­det (vgl. BGH VersR 1979, 221; BGH VersR 1987, 287; BGH VersR 1991, 987; OLG Köln r+s 1995, 431; OLG Köln r+s 1998, 34; OLG Kob­lenz r+s 2002, 173). Davon ist dann aus­zu­ge­hen, wenn eine Be­hand­lungs­me­tho­de zur Ver­fü­gung steht und an­ge­wen­det wird, die ge­eig­net ist, die Krank­heit zu hei­len, zu lin­dern oder ihrer Ver­schlim­me­rung ent­gegen­zu­wir­ken.

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Nach Maß­ga­be die­ser Grund­sät­ze steht der Klä­ge­rin ein Er­stat­tungs­an­spruch gegen die Be­klag­te in der te­no­rier­ten Höhe zu. Im Ein­zel­nen:

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Hin­sicht­lich der Rech­nun­gen vom 31.08.2008 und vom 13.07.2008 liegt nach dem Er­geb­nis der durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me ins­ge­samt eine me­di­zi­nisch not­wen­di­ge Heil­be­hand­lung der Klä­ge­rin vor, deren Kos­ten von der Be­klag­ten in Höhe von 1.852,82 € zu er­stat­ten sind. Die Kam­mer folgt in­so­weit in vol­lem Um­fang den über­zeu­gen­den und nach­voll­zieh­ba­ren Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen in sei­nem Gut­ach­ten, der die durch­ge­führ­te Be­hand­lung zur Ret­tung des be­stehen­den Zahn­er­sat­zes und zur Be­hand­lung der Pe­ri­im­plan­ti­tis als not­wen­dig er­ach­tet hat. Auch die me­di­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit der zum Ein­satz ge­lang­ten Voll­nar­ko­se hat der Sach­ver­stän­di­ge nach­voll­zieh­bar mit dem Ein­griffs­um­fang be­grün­det. Das Gut­ach­ten ist über­zeu­gend, dabei über­aus fun­diert. Die Fach­kun­de des Sach­ver­stän­di­gen steht außer Zwei­fel. Die Be­klag­te ist auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen auch nicht auf­grund der von dem Klä­ger am 24.07.2007 ab­ge­ge­be­nen Er­klä­rung leis­tungs­frei ge­wor­den. Denn die Be­hand­lung wird unter Zu­grun­de­le­gung der Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen nach Auf­fas­sung der Kam­mer nicht von dem Wort­laut des ver­ein­bar­ten Leis­tungs­aus­schlus­ses er­fasst. Der Sach­ver­stän­di­ge hat in­so­weit aus­ge­führt, es habe sich nicht um eine Neu­ver­sor­gung der regio 47 mit Zahn­er­satz ge­han­delt, son­dern um die ope­ra­ti­ve Be­hand­lung einer Pe­ri­im­plan­ti­tis. Dabei sei  die Im­plan­tat­ober­flä­che in regio 47 ge­säu­bert wor­den, um das zu hohe Ein­wach­sen so­ge­nann­ter nicht fi­xier­ter Schleim­haut im Im­plan­tat­be­reich zu re­du­zie­ren. Aus­lö­ser für die­sen Ein­griff sei ver­mut­lich die Be­las­sung von Ze­ment­res­ten nach Ein­ze­men­tierung einer Brü­cke auf den dort be­find­li­chen Im­plan­ta­ten ge­we­sen. Diese Ent­zün­dung sei wohl nicht durch die Im­plan­ta­te selbst oder durch deren feh­ler­haf­te Ein­brin­gung ver­ur­sacht wor­den, son­dern durch das Be­las­sen von Ze­ment­res­ten auf den Im­plan­ta­ten. Der Ein­griff habe der Ret­tung des be­stehen­den Zahn­er­sat­zes ge­dient. Han­delt es sich damit weder um eine Neu­ver­sor­gung des Zahn­er­sat­zes noch um eine Be­hand­lung des Klä­gers auf­grund von durch die Im­plan­ta­te selbst, ihren Werk­stoff oder die feh­ler­haf­te Ein­brin­gung ge­ra­de der Im­plan­ta­te her­vor­ge­ru­fe­ne Kom­pli­ka­tio­nen bzw. Ver­lus­ten der Im­plan­ta­te, ist der Leis­tungs­aus­schluss nicht ein­schlä­gig.

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Die Be­klag­te kann sich, nach­dem ihr die von dem Sach­ver­stän­di­gen bei­ge­zo­ge­nen Be­fund­unter­la­gen zur Ein­sicht vor­ge­le­gen haben, auch nicht mit Er­folg auf eine feh­len­de Fäl­lig­keit be­ru­fen. Ge­büh­ren­recht­li­che Ein­wen­dun­gen sind sei­tens der Be­klag­ten nicht subs­tan­tiiert er­ho­ben wor­den. Der Selbst­be­halt für 2008 ist un­strei­tig er­reicht und kann nicht in Abzug ge­bracht wer­den.

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Hin­sicht­lich der Rech­nun­gen vom 16.04.2009 und vom 05.04.2009 hat die Klä­ge­rin nach dem Er­geb­nis der durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me eben­falls zur Über­zeu­gung der Kam­mer be­wei­sen kön­nen, dass die die­sen zu­grun­de lie­gen­de Be­hand­lung des Klä­gers me­di­zi­nisch not­wen­dig war. Der Sach­ver­stän­di­ge hat aus­ge­führt, die durch­ge­führ­te Be­hand­lung des Klä­gers mit Zir­kon­oxid­im­plan­ta­ten sei me­di­zi­nisch not­wen­dig ge­we­sen. Es habe auch bei be­reits be­stehen­der im­plan­to­lo­gi­scher Ver­sor­gung des Klä­gers im Unter­kie­fer mit Ke­ra­mik­im­plan­ta­ten kei­nen Sinn ge­macht, hier eine Ver­sor­gung mit einem an­de­ren Ma­te­rial durch­zu­füh­ren, zumal die Unter­kie­fer­im­plan­ta­te gut ein­ge­heilt ge­we­sen seien. Es komme hinzu, dass eine Al­ler­gie gegen Titan nicht zwei­fels­frei aus­zu­schlie­ßen sei. Auf­grund des Ein­griffs­um­fan­ges hat der Sach­ver­stän­di­ge auch die Nar­ko­se für me­di­zi­nisch not­wen­dig er­ach­tet.

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Die Be­klag­te kann auch nicht mit ihrem Ein­wand durch­drin­gen, die in den Li­qui­da­tio­nen an­ge­setz­ten Stei­ge­rungs­sät­ze seien, so­weit sie über den 3,5 fa­chen Satz hi­naus­gin­gen, man­gels vor­he­ri­ger schrift­li­cher Leis­tungs­zu­sa­ge nach dem Ta­rif­be­din­gun­gen nicht er­stat­tungs­fä­hig, § 4 Zif­fer 2.2 der Ta­rif­be­din­gun­gen. Nach die­ser Vor­schrift sind Mehr­kos­ten durch be­son­de­re Ver­ein­ba­run­gen nur dann er­stat­tungs­fä­hig, wenn sie vor der Be­hand­lung schrift­lich zu­ge­sagt wor­den sind. Eine schrift­li­che Leis­tungs­zu­sa­ge ist sei­tens der Be­klag­ten vor­lie­gend un­strei­tig nicht er­teilt wor­den. Je­doch ist ihr von dem Klä­ger vor Durch­füh­rung der Be­hand­lung der Be­hand­lungs­plan über­mit­telt wor­den mit der Bitte um Er­tei­lung einer Kos­ten­zu­sa­ge. Dies hat sie ins­ge­samt ab­ge­lehnt. Lagen aber die Vo­raus­set­zun­gen vor, unter denen eine Li­qui­da­tion über dem 3,5fa­chen Satz er­fol­gen konn­te, be­stand für die Be­klag­te eine Ver­pflich­tung, eine ent­spre­chen­de Leis­tungs­zu­sa­ge zu er­tei­len. Denn die Ta­rif­be­din­gung kann aus Sicht eines ver­stän­di­gen Ver­si­che­rungs­neh­mers nicht da­hin­ge­hend aus­ge­legt wer­den, dass der Be­klag­ten hin­sicht­lich der Er­tei­lung von Leis­tungs­zu­sa­gen für me­di­zi­nisch not­wen­di­ge Be­hand­lun­gen, die in ge­büh­ren­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Weise ab­ge­rech­net wer­den, ein Er­mes­sen zu­ste­hen soll, das nur auf Er­mes­sens­feh­ler hin zu über­prü­fen wäre. Viel­mehr soll diese Ta­rif­be­din­gung der Be­klag­ten nur die Mög­lich­keit ein­räu­men, um­fang­rei­che Be­hand­lungs­maß­nah­men und den be­ab­sich­tig­ten An­satz von den Ge­büh­ren­rah­men der GOZ über­stei­gen­den Stei­ge­rungs­sät­zen vorab zu über­prü­fen. Die Ab­rech­nung von Stei­ge­rungs­sät­zen über dem 3,5-fa­chen Satz ist bei be­stehen­der Ho­no­rar­ver­ein­ba­rung aber dann zu­läs­sig, wenn sie im Ein­zel­fall durch be­son­de­re Schwie­rig­kei­ten und/oder einen be­son­de­ren Auf­wand ge­recht­fer­tigt und dies vom be­han­deln­den Zahn­arzt ent­spre­chend be­grün­det wird. Dass diese Vo­raus­set­zun­gen vor­lie­gend ge­ge­ben sind, hat die Be­klag­te nicht be­strit­ten.

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So­weit die Be­klag­te man­gels ihr vor­pro­zes­sual vor­lie­gen­der Kran­ken­unter­la­gen zu­nächst die feh­len­de Prüf­bar­keit des Prei­ses der Im­plan­ta­te sowie ein­zel­ner Ge­büh­ren­zif­fern aus den vor­ge­nann­ten Rech­nun­gen ge­rügt hat, hat sie mög­li­che ge­büh­ren­recht­li­che Ein­wen­dun­gen  nach Ein­sicht­nah­me in die Kran­ken­unter­la­gen nicht wei­ter subs­tan­tiiert, so dass eine Aus­deh­nung der Be­weis­auf­nah­me in­so­weit nicht ver­an­lasst war. Nicht er­stat­tungs­fä­hig waren mit Rück­sicht auf § 4 III GOZ aber die Kos­ten des Spi­ral­boh­rers. Dabei han­delt es sich um Pra­xis­ma­te­rial im Sinne der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung, das dem Pa­tien­ten nicht ge­son­dert in Rech­nung ge­stellt wer­den kann. Er­stat­tungs­fä­hig sind aus den vor­ge­nann­ten Rech­nun­gen daher ins­ge­samt  6.835,14 €.

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Hin­sicht­lich der Rech­nun­gen vom 26.06.2009 und vom 12.06.2009 ist eine me­di­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit eben­falls ge­ge­ben. Dies folgt zwang­los da­raus, dass es sich in­so­weit um Nach­sor­ge­be­hand­lun­gen hin­sicht­lich der zuvor in­se­rier­ten Ke­ra­mik­im­plan­ta­te han­delt. So­weit die Be­klag­te hin­sicht­lich der Kos­ten für die in­di­vi­du­el­le Farb­ge­stal­tung und die Kont­rol­le der Prä­pa­ra­tions­gren­zen unter dem Mik­ros­kop ge­büh­ren­recht­li­che Ein­wen­dun­gen er­ho­ben hat, kann sie hier­mit nicht durch­drin­gen. Zwar lie­gen den vor­ge­nann­ten Be­hand­lungs­maß­nah­men äs­the­ti­sche Grün­de zu­grun­de, je­doch be­steht eine Er­stat­tungs­pflicht nach der stän­di­gen Recht­spre­chung der Kam­mer den­noch. Denn die Be­klag­te ist auf­grund des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges ver­pflich­tet, die Kos­ten für Zahn­er­satz zu tra­gen. Dass die­ses Leis­tungs­ver­spre­chen auch die Kos­ten um­fasst, die dafür an­fal­len, dass der Zahn­er­satz äu­ßer­lich so ge­stal­tet wird, dass er in sei­nem Aus­se­hen dem Aus­se­hen na­tür­li­cher Zähne so weit wie mög­lich an­ge­nä­hert wird, ver­steht sich aus Sicht der Kam­mer von selbst. In Abzug zu brin­gen ist je­doch der vom Klä­ger in der Kla­ge­for­de­rung nicht be­rück­sich­tig­te von der Be­klag­ten be­reits vor­pro­zes­sual ge­leis­te­te Tei­lers­tat­tungs­be­trag in Höhe von 47,52 €, der durch An­rech­nung auf den Selbst­be­halt er­bracht wurde. Es ver­bleibt ein zu er­stat­ten­der Be­trag in Höhe von 3.404 ,90 €.

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Hin­sicht­lich der Rech­nun­gen vom 28.07.2009 und vom 26.07.2009 steht nach dem Er­geb­nis der durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me eben­falls die me­di­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit der die­sen Rech­nun­gen zu­grun­de lie­gen­den Be­hand­lung zur Über­zeu­gung der Kam­mer fest, dies auch ein­schließ­lich der von der Be­klag­ten be­an­stan­de­ten Ge­büh­ren­zif­fer 404 GOZ. Unter Be­rück­sich­ti­gung der über­ein­stim­men­den Er­le­di­gungs­er­klä­rung ver­bleibt ein von der Be­klag­ten zu er­stat­ten­der wei­te­rer Be­trag aus die­ser Be­hand­lung in Höhe von 99,88 €.

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Der Zins­an­spruch be­ruht auf § 291 BGB. Der Kla­ge­an­trag war man­gels An­ga­be eines an­de­ren Datums da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass Zin­sen ab Rechts­hän­gig­keit ver­langt wer­den, §§ 133, 157 BGB. Dies hat der Klä­ger im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung auch klar­ge­stellt. Die Kla­ge­schrift wurde der Be­klag­ten am 05.10.2009 zu­ge­stellt. Die Zins­hö­he er­gibt sich aus dem Ge­setz, § 288 I BGB.

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Ein An­spruch des Klä­gers auf Er­stat­tung vor­ge­richt­li­cher An­walts­kos­ten be­steht da­gegen nicht. Der Klä­ger hat seine Ak­tiv­le­gi­ti­ma­tion trotz Be­strei­tens durch die Be­klag­te weder be­legt noch ent­spre­chen­den Be­weis an­ge­bo­ten. Un­strei­tig steht hin­ter dem Klä­ger ein Rechts­schutz­ver­si­che­rer, der die vor­ge­richt­li­chen An­walts­ge­büh­ren in der gel­tend ge­mach­ten Höhe an den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers ent­rich­tet hat. Mit der Zah­lung ist die For­de­rung im Wege des ge­setz­li­chen For­de­rungs­über­gan­ges auf den Rechts­schutz­ver­si­che­rer über­ge­gan­gen, § 86 VVG. Der Klä­ger hat zwar vor­ge­tra­gen, von die­sem zur Gel­tend­ma­chung der vor­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­ge­büh­ren er­mäch­tigt wor­den zu sein, dies ist je­doch sei­tens der Be­klag­ten zu­läs­si­ger­wei­se be­strit­ten wor­den. Wei­te­rer Vor­trag des Klä­gers ist da­rauf­hin nicht er­folgt. Auch ein Beleg für die be­haup­te­te Er­mäch­ti­gung ist nicht vor­ge­legt, ein Be­weis nicht an­ge­tre­ten wor­den.

29

Die pro­zes­sua­len Neben­ent­schei­dun­gen be­ru­hen auf §§ 91 a, 92, 708 Nr. 11, 709 S. 1, 2 ZPO. So­weit die Par­tei­en den Rechts­streit über­ein­stim­mend für er­le­digt er­klärt haben, waren die Kos­ten nach bil­li­gem Er­mes­sen unter Be­rück­sich­ti­gung der Sach- und Rechts­la­ge der Be­klag­ten auf­zu­er­le­gen, § 91a ZPO. Denn sie hat sich durch die nach Rechts­hän­gig­keit er­folg­te Zah­lung auf eine vor­pro­zes­sual ab­ge­lehn­te Rech­nungs­posi­tion frei­wil­lig in die Rolle des Unter­le­ge­nen be­ge­ben.

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Streit­wert:

31

bis zum 02.05.2011              12.500,54 €

32

seit­her                            12.461,60 €