Gesetze / Landesrecht Brandenburg / Gerontopsychiatrische Fachkraft-Weiterbildungsverordnung
GerPsychFWVAnlage 1 (zu § 3 Abs. 4)
Rahmenplan für die Weiterbildungs- und Prüfungsverordnung zur Fachkraft
für gerontopsychiatrische Betreuung und Pflege
Lernbereiche
1. Einführung (16 Stunden)
Persönliche Motive für die Arbeit mit gerontopsychiatrisch erkrankten Menschen und für die Teilnahme an der Weiterbildung
Gegenseitiges Kennenlernen der Arbeitsfelder und des beruflichen Rollenverständnisses
Einstellung zum Alter und Altern generell, zum eigenen Altern sowie zu Krankheit und Behinderung; gesellschaftliche Ideale von Jugend und Makellosigkeit
Demografischer Wandel und die damit zu erwartenden Konsequenzen für die Betreuung und Pflege (Hochaltrigkeit, Singularisierung, Feminisierung; Laienpflege und Semiprofessionalisierung)
Bezüge zur Situation im Land Brandenburg (Versorgungsstrukturen in der Altenhilfe und der Pflege, ärztliche und psychiatrische Versorgung)
Für die Pflege und Betreuung alter Menschen zukünftig notwendige Kompetenzen
2. Biografiearbeit (96 Stunden)
davon
theoretischer Unterricht: 80 Stunden
Praxisaufträge: 16 Stunden
2.1 Einführung in die Biografiearbeit und ihre bezugswissenschaftlichen Grundlagen
Funktion der Biografiearbeit einschließlich Eigenbezug; entwicklungspsychologische Bedeutung der Reminiszenz
Entwicklungspsychologie der Lebensspanne in ihren gerontologischen Bezügen; Ergebnisse der empirischen Forschung zu Variabilität, Plastizität, Mehrdimensionalität und Multidirektionalität des Alterns; Alternsstile
Soziologisches Lebenslagenkonzept (Lebenslagen, Beziehungswelten, Lebenskrisen, Biografien)
Zeitgeschichte (Bedeutung der Kohorte als biografischer Bezug)
Einstellung zu und Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeitsvariablen (z. B. Kontrollerleben, Attributionsstile und Abwehrformen)
Die biografische Rolle von Gesundheit und Krankheit
Das Lebensumfeld in der Biografie und Lebensräume im Alter
Methoden der biografischen Erhebung und Darstellung
2.2 Praxisauftrag
Hausarbeit: Erstellen von zwei Biografien Demenzkranker
2.3 Biografiearbeit in Beratung, Betreuung und Pflege
Auswertung des Praxisauftrags aus Nummer 2.2 unter Anwendung von Analyseverfahren
Reflexion und Erweiterung der Erhebungsmethoden (z. B. Beobachtungsverfahren, Einbeziehung des gesamten Betreuungsalltags und anderer Berufsgruppen)
Gesprächsführung mit unterschiedlichen Klienteln und Angehörigen
Angehörige als Ressource und Experten; Information und Beratung von Angehörigen zur Bedeutung der Biografie im Alter und bei verschiedenen Krankheitsbildern
Umgang mit Tabus und Lebenskrisen, Reflexion von Erfahrungen
Konsequenzen von biografischen Aspekten und Verhaltensbeobachtung für Diagnostik, Hilfeplanung, Pflegeplanung und Konzeptionen für Betreuung und Beschäftigung
Besonderheiten der Biografiearbeit in der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege sowie in der offenen Altenhilfe
2.4 Praxisauftrag
Hausarbeit: Überarbeitung der Biografien aus Nummer 2.2 und Suche nach biografischen Bezügen zu aktuellem Verhalten
3. Gesundheit und Krankheit im Alter (262 Stunden)
davon
theoretischer Unterricht einschließlich Exkursion: 190 Stunden
Praxisaufträge: 72 Stunden
3.1 Alterungsprozesse und Erkrankungen (Interdependenz von Anlagen, Umwelt und Lebensstil)
Organbezogene Alterungsprozesse: Skelett, Muskeln, Haut, Sinnesorgane, innere Organe
Sexualität im Alter
Wesentliche somatische Erkrankungen im Alter (z. B. Herz-Kreislauf, Lunge, Stoffwechselerkrankungen, onkologische Erkrankungen)
Schmerz
Multimorbidität
Zusammenhänge und Wechselwirkungen (z. B. Diabetes-Niereninsuffizienz-Delir)
Prinzipien der Medikation bei Multimorbidität
Rehabilitation (Grundlagen, Ziele, Methoden)
rechtliche Regelungen (SGB V, SGB XI)
psychologische und ethische Probleme der Lebensstiländerung
effiziente Hilfsmittelversorgung
Ernährung
Beitrag zu Gesundheit, Krankheit und Befinden
Krankheitsrisiken als Folge von Fehlernährung
Sterben und Tod
Palliativpflege
ethische Fragen
Rechtsfragen
Exkursion in eine Rehabilitationsklinik zum Thema Rehabilitation im Alter
3.2 Praxisauftrag
Hausarbeit: Rehabilitation im Alter – der Prozess der Rehabilitation eines Klienten Präsentation der Hausarbeit unter Einbeziehung von Medien
3.3 Grundlagen der Neurologie und neurologische Erkrankungen
Apoplex
Parkinson
Neurologische Spätfolgen (z. B. Polyneuropathien, Spätdyskinesien)
Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten
3.4 Gerontopsychiatrie (Selbstverständnis, Krankheitsbilder, Assessment, Behandlungs- und Pflegekonzepte)
Vorstellung des Praxisauftrags aus Nummer 2.4
Selbstverständnis der Gerontopsychiatrie
Gerontopsychiatrie als Teildisziplin der Psychiatrie, Beziehung der Gerontopsychiatrie zu Gerontologie und Geriatrie
Psychische Erkrankungen im Alter und alternde psychische Erkrankungen; psychiatrische Komorbidität bei körperlichen Erkrankungen
Psychiatrische Nosologie (Begrifflichkeiten und Schulen; Überblick zum Verständnis unterschiedlicher ärztlicher Diagnosen)
Ausgewählte Krankheitsbilder nach ICD-10
organische Krankheitsbilder einschließlich symptomatischer psychischer Störungen (Schwerpunkt: Demenzformen, Delir)
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
Schizophrenie, schizoaffektive und wahnhafte Störungen
affektive Störungen (Depression, Manie, bipolare Psychosen)
neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (Phobien, Zwangs-, Angststörungen, Somatisierungstendenzen)
Verhaltensauffälligkeiten; Persönlichkeitsstörungen
psychiatrische Multimorbidität Suizidalität (Erkennung und Krisenintervention)
Rechtliche Regelungen (z. B. Betreuungsgesetz, Brandenburgisches Psychisch-Krankengesetz, SGB IX)
Ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungsformen der Gerontopsychiatrie; Übergangspflege und Nachsorge
Gerontopsychiatrisches Assessment
multidisziplinäre Diagnostik (Methoden und Beiträge der einzelnen Professionen)
Demenzdiagnostik
ärztliche und psychologische Methoden und Verfahren
Gedächtnissprechstunden
Spezielle pflegediagnostische Ansätze zur Demenz z. B. DCM, NDB
Behandlungsmethoden
medikamentöse Möglichkeiten; Nebenwirkungen
nichtmedikamentöse Ansätze (Milieutherapie, Einzel- und Gruppenverfahren)
Gerontopsychiatrische Pflegeplanung (einschließlich Beteiligung von Angehörigen an der Pflege)
3.5 Praxisaufträge
Hausarbeit: Planung und Umsetzung eines multiprofessionellen Therapiekonzeptes mit dem Schwerpunkt Pflegediagnostik
Hospitation: in einer ausgewählten Einrichtung, z. B. in einer geriatrischen Rehabilitation, gerontopsychiatrischen Tagespflege, Kurzzeitpflege, psychiatrischen Abteilung, Gedächtnissprechstunde
Ziel: Analyse der Konzeption der Hospitationseinrichtung auf der Grundlage von Fragenkatalogen
4. Pflege- und Betreuungsmethoden und Belastungen in der Pflege (80 Stunden)
4.1 Vorstellung und Auswertung der Praxisaufträge aus Lernbereich 3
4.2 Gerontopsychiatrische Hilfe- und Pflegeplanung
Biografieorientierter Ansatz (case- und care-management)
Personenzentrierte Ansätze (z. B. nach Rogers, Kitwood, Böhm, Feil, Richard)
Kommunikation und Interaktion bei unterschiedlichen Krankheitsbildern (insbesondere neuropsychologische Forschung zur Entwicklung der Kommunikationsbeeinträchtigung im dementiellen Prozess)
Alltagsgestaltung (individuelle Förderung, Beratung von Angehörigen)
Biografieorientierte Beschäftigung und Tagesstrukturierung
Alternative Pflegemethoden
Heilpädagogische Ansätze (z. B. Basale Stimulation, Kinästhetik, Bewegungsförderung, Bobath, Snoezelen); Möglichkeiten und Grenzen bei verschiedenen Zielgruppen
Musiktherapie, Kunsttherapie
Sterbebegleitung
Dokumentation
4.3 Methodengeleitetes Handeln einschließlich kritischer Auseinandersetzung mit der unreflektierten Übernahme von Pflegekonzepten und -methoden
4.4 Gewalt und Aggression in der professionellen Betreuung und Pflege und in der Laienpflege
Multifaktorielle Ursachen von Gewalt durch familiäre und professionelle Pflegepersonen und ihre Auswirkungen
Diagnostische Möglichkeiten
Interventionskonzepte
Rechtliche Regelungen (z. B. Strafgesetzbuch)
5. Betreuungs- und Pflegekonzepte für Demenzkranke (102 Stunden)
davon
theoretischer Unterricht: 40 Stunden
Praxisaufträge: 62 Stunden
5.1 Normalitätsprinzip
Bedürfnisorientierung
Tagesstrukturierung
Milieugestaltung
5.2 Gerontopsychiatrische Modelle
Spezialisierung, Teilintegration, Integration; Untersuchung der Eignung für bestimmte Bewohnerprofile; Ermittlung des Anpassungsbedarfs an eine veränderte Bewohnerschaft
Ambulante, teilstationäre und stationäre Modelle (z. B. Hausgemeinschaften, Wohngemeinschaften, Beratungs- und Koordinierungsstellen)
Innovationsbedarf
5.3 Konzeptabhängige Organisationsformen und Finanzierung
Betriebsorganisation
Arbeitsablaufgestaltung
Leistungsrecht und Entgeltsysteme (SGB V, SGB XI, BSHG) sowie andere relevante rechtliche Regelungen (z. B. BGB)
5.4 Praxisaufträge
Hospitation: Besuch einer ausgewählten Einrichtung der Gerontopsychiatrie
Ziel: schriftliche Darstellung und Analyse des Konzepts der Einrichtung und der gelebten Praxis, Reflexion der eigenen Praxis
Hausarbeit: Erstellung eines multiprofessionellen Betreuungskonzeptes mit dem Schwerpunkt Pflegeplanung
6. Anleitung, Beratung, Kooperation und Qualitätssicherung (100 Stunden)
6.1 Auswertung der Praxisaufträge aus Lernbereich 5
6.2 Rechtsgrundlagen für die Arbeit der gerontopsychiatrischen Fachkraft
Heimgesetz
Bürgerliches Gesetzbuch
Arbeitsgesetzbuch, Arbeitsschutzgesetz
Strafgesetzbuch
Brandenburgisches Psychisch-Krankengesetz
Betreuungsrecht
Brandenburgisches Datenschutzgesetz
Leistungsgesetze (SGB V, SGB XI, BSHG)
Brandenburgisches Weiterbildungsgesetz
6.3 Anleitung und Beratung
Anleiten, beraten und begleiten (Coaching) als gelenkter Lehr- und Lernprozess, Vermittlung eines didaktisch-methodischen Repertoires
Fachbezogene Anleitung von an der gerontopsychiatrischen Betreuung und Pflege Beteiligten
Beratung von Angehörigen zu Fragen der gerontopsychiatrischen Betreuung und Pflege
6.4 Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtung
Konzepte und Modelle berufs- und einrichtungsbezogener Qualifizierungsprozesse; Schlüsselqualifikationen
Heimpersonalverordnung, Weiterbildungsgesetz des Landes Brandenburg
Entwicklung und Realisierung von Qualifizierungsprogrammen für die konzeptgeleitete gerontopsychiatrische Betreuung und Pflege
Mitwirkung an der Fortbildungsplanung der Einrichtung
Vermittlung von Grundlagen und Informationen über wesentliche Methoden und Verfahren für die gerontopsychiatrische Betreuung und Pflege
6.5 Moderation und Kommunikation
Grundlagen der Kommunikation
Techniken der Gesprächsführung
Moderation von Besprechungen
Präsentation von Projekten
Übungen
6.6 Steuerung und Entwicklung
Initiierung, Entwicklung und Umsetzung von Konzepten für gerontopsychiatrische Betreuungs- und Pflegeangebote der eigenen Einrichtung
Management fachbezogener Projekte
Beratung der Leitung bei der Organisations- und Personalentwicklung
6.7 Vernetzung und Kooperation
Unterstützung der einrichtungs- und trägerübergreifenden Kooperation
Aufbau von Kooperationsbeziehungen und Vernetzungsstrukturen in der gerontopsychiatrischen Betreuung und Pflege – Möglichkeiten und Grenzen
Gremienarbeit
Teamarbeit
6.8 Qualitätssicherung
Betriebsphilosophie (Leitbild), Kundenorientierung
Qualitätsmanagement in der Betreuung und Pflege
Verfahren und Instrumente der Qualitätssicherung
7. Selbst- und Rollenverständnis (24 Stunden)
Das Menschenbild und seine Wirkung in beruflichen Bezügen
Werte und Normen im Arbeitsprozess der eigenen Institution
Reflexion des eigenen Selbst- und Rollenverständnisses
Umgang mit Hierarchie
Umgang mit den eigenen Ressourcen (Stress, Burn-out, Selbstpflege, Psychohygiene, Zeitmanagement und persönliche Arbeitsorganisation)
Umgang mit Aggression, Ekel und Gewalt in der Pflege
Reflexion der Entwicklung der Kompetenzen für die Tätigkeit als Fachkraft für gerontopsychiatrische Betreuung und Pflege im Verlauf der Weiterbildung
Eigene Lebens- und Berufswegplanung
8. Verfügungsstunden einschließlich Prüfung (40 Stunden)
Reflexion der Weiterbildung
Prüfung