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BGH Beschluß vom 29.03.2000 – XII ZB 4/00

XII. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

29. März 2000

in dem Rechtsstreit

Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 29. März 2000 durch den

Vorsitzenden Richter Dr. Blumenröhr und die Richter Dr. Hahne, Sprick, We-

ber-Monecke und Prof. Dr. Wagenitz

beschlossen:

Die sofortige Beschwerde der Klägerin gegen den Beschluß des

22. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Dresden vom 18. Dezem-

ber 1999 wird auf Kosten der Klägerin zurückgewiesen.

Beschwerdewert: 25.030 DM.

Gründe

Die zulässige sofortige Beschwerde hat im Ergebnis keinen Erfolg.

Wegen des Sachverhalts wird auf die Entscheidung des Oberlandesge-

richts verwiesen. Der Klägerin kann Wiedereinsetzung in den vorigen Stand

gemäß § 233 ZPO nicht gewährt werden, weil sie nicht ohne Verschulden ge-

hindert war, die Frist zur Begründung der Berufung einzuhalten. Denn die Ver-

säumung beruhte auf einem ihr zuzurechnenden Organisationsverschulden

ihres Rechtsanwalts (§ 85 Abs. 2 ZPO).

Allerdings kann den Ausführungen des Oberlandesgerichts insoweit

nicht gefolgt werden, als es darauf abhebt, daß dem Vortrag des Rechtsan-

walts der Klägerin nicht zu entnehmen sei, daß er die allgemeine Anweisung

gegeben habe, ihm die Akten zu den im Kalender notierten Vorfristen vorzule-

gen, und daß ihm im vorliegenden Fall die betreffende Akte auch tatsächlich

vorgelegt worden sei.

Denn die Klägerin hat bereits in ihrem Wiedereinsetzungsantrag, den

sie in der sofortigen Beschwerde in zulässiger Weise ergänzt hat (vgl. Senats-

beschluß vom 20. Mai 1992 - XII ZB 43/92 = BGHR ZPO § 234 Abs. 1 Begrün-

dung 6 m.N.), darauf hingewiesen, daß allgemeiner Übung entsprechend die

Fristen - also auch die Vorfristen - täglich kontrolliert und die betreffenden Ak-

ten im Verlauf des jeweiligen Tages dem Rechtsanwalt vorgelegt werden. Das

bezog sich dem Sinnzusammenhang nach auch auf die vom Rechtsanwalt zu-

nächst für den 13. und später, wegen Terminsüberlastung, auf den 16. und

zuletzt auf den 20. September verfügten Wiedervorlagen. Diese Wiedervorla-

gen waren auch geeignet, der Gefahr einer Fristversäumnis zu begegnen.

Auch gereicht es dem Rechtsanwalt nicht zum Vorwurf, die Frist zur Begrün-

dung der Berufung bis zum letzten Tag auszuschöpfen, zumal er vorgetragen

hat, die Berufung noch am 20. September begründen und den Schriftsatz bei

Gericht einreichen zu können, da ihm die Sache bestens vertraut gewesen sei

(BGH, Beschluß vom 27. Mai 1997 - VI ZB 10/97 - NJW 1997, 2825 ff. m.w.N.).

Die mangelnde Wiedervorlage auf den 20. September ist daher auf ein Ver-

schulden des Büropersonals zurückzuführen, welches der Anwalt nicht zu ver-

treten hat.

Der Wiedereinsetzungsantrag hat jedoch aus einem anderen Grunde

keinen Erfolg. Zu einer einwandfreien Büroorganisation gehört es auch, daß

am Abend eines jeden Arbeitstages der Fristenkalender vom Büropersonal

daraufhin überprüft wird, ob alle für diesen Tag notierten Fristen eingehalten

und die fristwahrenden Handlungen - etwa durch Einreichung der Schriftsätze

bei Gericht oder Aufgabe zur Post - erledigt worden sind. Erst dann darf die

Frist im Kalender gelöscht werden. Damit soll sichergestellt werden, daß eine

übersehene Aktenvorlage jedenfalls noch am Abend des Fristablaufs entdeckt

und eine Fristversäumnis, gegebenenfalls auch durch einen Fristverlänge-

rungsantrag, verhindert werden kann. Daß im Büro ihres Rechtsanwalts eine

solche Ausgangskontrolle am Abend eines jeden Tages vorzunehmen sei, hat

die Klägerin nicht vorgetragen. Sie hat vielmehr nur angegeben, daß im Büro

ihres Rechtsanwalts die Übung bestehe, den Fristenkalender jeden Tag bei

Arbeitsbeginn zu kontrollieren und die Akten im Verlauf des jeweiligen Tages

dem Rechtsanwalt vorzulegen. Dieser Vortrag, der sich zur Regelung der Aus-

gangskontrolle nicht verhält, ist nicht geeignet, dem Wiedereinsetzungsantrag

zum Erfolg zu verhelfen. Denn die mangelnde Ausgangskontrolle ist ein Ver-

säumnis der Büroorganisation, welches dem Rechtsanwalt und damit der Klä-

gerin zuzurechnen ist.

Blumenröhr Hahne Sprick

Weber-Monecke Wagenitz