Rechtsprechung / BGH

BGH Beschluss vom 04.04.2000 – 5 StR 105/00

5. Strafsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom 4. April 2000 in der Strafsache gegen

wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer

Menge u. a.

Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 4. April 2000

beschlossen:

1. Auf die Revision des Angeklagten D wird das Urteil

des Landgerichts Dresden vom 27. September 1999 nach

a) im Urteilstenor dahin richtiggestellt, daß die Ange-

klagten D und K der unerlaubten Einfuhr

von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in

Tateinheit mit unerlaubtem Handeltreiben mit Betäu-

bungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig sind,

b) im Ausspruch der Gesamtstrafe gegen den Ange-

klagten D aufgehoben.

2. Die weitergehende Revision wird nach § 349 Abs. 2 StPO

als unbegründet verworfen.

3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Ver-

handlung und Entscheidung, auch über die Kosten des

Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landge-

richts zurückverwiesen.

G r ü n d e

Die Revision des Angeklagten D ist weitgehend unbegründet im

Sinne des § 349 Abs. 2 StPO aus den Gründen der Antragsschrift des Gene-

ralbundesanwalts vom 8. März 2000.

Der Senat stellt jedoch den Urteilstenor – in Übereinstimmung mit den

Gründen des angefochtenen Urteils – in dem Sinne richtig, daß der Be-

schwerdeführer und der Mitangeklagte K , der nicht Revision eingelegt

hat (§ 357 StPO), jeweils nur einer tateinheitlich begangenen Tat, die zwei

Tatbestände erfüllt, schuldig sind.

Zudem muß die gegen den Angeklagten D verhängte Gesamt-

strafe aufgehoben werden. Hierzu hat der Generalbundesanwalt zutreffend

ausgeführt:

„Indes kann die Gesamtstrafe keinen Bestand haben, weil das Land-

gericht § 55 Abs. 1 Satz 1 StGB verkannt hat. Danach ist die neue Tat

nur dann ‚vor der früheren Verurteilung begangen’, wenn sie zuvor

beendet war (vgl. BGH NJW 1999, 1344, 1346 und 1997, 750, 751

[insoweit in BGHSt 44, 355 und BGHSt 42, 268 nicht abgedruckt]).

Das tateinheitlich begangene Handeltreiben (§ 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG)

des Angeklagten war bei Erlass des Urteils des Landgerichts Dresden

vom 18. August 1997 noch nicht beendet. Der Angeklagte befand sich

bis zum Februar 1998 in Besitz von einem Kilogramm des am

1. Mai 1997 eingeführten und später hochgestreckten Amphetamins,

das in seinem Einvernehmen im Juni 1997 dem T zum Kauf

angeboten und später ‚für einen gelegentlichen Weiterverkauf vorrätig’

gehalten wurde (UA S. 19). Der unerlaubte Besitz von Betäubungs-

mitteln zum Zwecke gewinnbringender Veräußerung stellt jedoch un-

erlaubtes Handeltreiben dar (vgl. BGH NStZ 1996, 93); die im

Mai 1997 begonnene Tat war mithin erst im Februar 1998 beendet, als

das Amphetamin sichergestellt wurde, und die vom Landgericht vor-

genommene nachträgliche Gesamtstrafenbildung deshalb rechtlich

nicht möglich. Vielmehr hätte eine Gesamtstrafe mit der durch das

Urteil des Landgerichts Dresden vom 16. September 1999 verhängten

Strafe gebildet werden müssen, die vor Erlass des angefochtenen

Urteils rechtskräftig wurde (UA S. 9). Allerdings hat das Landgericht

auf Grund seiner Annahme, das Urteil vom 18. August 1997 entfalte

Zäsurwirkung, einen – hier an sich rechtlich nicht gebotenen – Här-

teausgleich (vgl. BGHSt 41, 310, 313; 43, 216, 217; 44, 179, 185/186)

vorgenommen. Gleichwohl lässt sich im Revisionsverfahren nicht

zweifelsfrei ausschließen, dass das Gesamtstrafübel für den Ange-

klagten geringer bemessen worden wäre, wenn die zweijährige Ein-

zelstrafe als solche Bestand behalten hätte. Einer Aufhebung von

Feststellungen bedarf es nicht; der zu neuer Entscheidung berufene

Tatrichter kann ergänzende treffen.“

Harms Häger Basdorf

Gerhardt Raum