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BGH Beschluss vom 16.02.2001 – 2 StR 501/00
2. Strafsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
16. Februar 2001
in der Strafsache
gegen
1.
2.
3.
wegen Totschlags u.a.
Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbun-
desanwalts und nach Anhörung der Angeklagten und der Nebenklägerinnen
am 16. Februar 2001 gemäß § 349 Abs. 1, Abs. 2, § 354 Abs. 1 StPO be-
schlossen:
1. Die Revisionen der Nebenklägerinnen gegen das Urteil des
Landgerichts Gießen vom 21. Juni 2000 werden, soweit sie
sich gegen die Verurteilung des Angeklagten A. wenden,
auf ihre Kosten als unzulässig verworfen.
2. Auf die Revisionen der Nebenklägerinnen wird das Urteil des
Landgerichts Gießen vom 21. Juni 2000, soweit es die Ange-
klagte M. betrifft, im Strafausspruch dahin geändert, daß
a) gegen die Angeklagte auf eine Freiheitsstrafe von einem
Jahr und zehn Monaten erkannt wird, deren Vollstreckung
zur Bewährung ausgesetzt wird;
b) die Gesamtgeldstrafe aus dem Beschluß des Amtsgerichts
Gießen vom 19. Januar 2000 aufrechterhalten bleibt.
3. Im übrigen werden die Revisionen der Nebenklägerinnen als
unbegründet verworfen.
4. Die Nebenklägerinnen haben die Kosten ihrer Rechtsmittel so-
wie die den Angeklagten hierdurch entstandenen notwendigen
Auslagen zu tragen.
Gründe:
Das Landgericht hat den Angeklagten A. wegen Totschlags und ge-
fährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren
verurteilt und seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an-
geordnet. Die Angeklagte M. hat es wegen Beihilfe zur gefährlichen Körper-
verletzung unter Einbeziehung der Einzelstrafen aus einer früheren Ge-
samtgeldstrafe zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren unter Strafaus-
setzung zur Bewährung, den Angeklagten H. wegen Beihilfe zur gefähr-
lichen Körperverletzung zur Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten
unter Strafaussetzung zur Bewährung verurteilt; es hat diese Angeklagten vom
Vorwurf der Beteiligung an dem vom Mitangeklagten A. begangenen Tot-
schlag, den Angeklagten A. vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und der
Vergewaltigung freigesprochen. Die hiergegen eingelegten Revisionen der Ne-
benklägerinnen sind unzulässig, soweit sie sich gegen die Verurteilung des
Angeklagten A. wenden; hinsichtlich der Angeklagten M. führen sie zur
Änderung des Rechtsfolgenausspruchs; im übrigen sind sie unbegründet im
Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.
1. Soweit es den Angeklagten A. betrifft, geht aus den Revisionsbe-
gründungen nicht hervor, daß die Nebenklägerinnen das Urteil mit dem Ziel
einer Änderung des Schuldspruchs wegen einer Gesetzesverletzung anfech-
ten, die zum Anschluß als Nebenkläger berechtigt (§ 400 Abs. 1 StPO). Die
Ausführungen zur Sachrüge betreffen im wesentlichen nur die Angeklagten
M. und H. ; ob die Nebenklägerinnen sich hinsichtlich des Angeklagten
A. auch gegen den Schuldspruch wenden oder lediglich die Strafzumes-
sung beanstanden, bleibt offen. Die Revision ist daher unzulässig (vgl. Klein-
knecht/Meyer-Goßner StPO 44. Aufl. § 400 Rdn. 6 m.w.N.).
2. Die hinsichtlich der Angeklagten M. und H. zulässigen Revi-
sionen sind unbegründet, soweit sie eine Verurteilung auch wegen Beteiligung
an der Tötung von Ad. H. erstrebten. Das Landgericht hat mit
rechtsfehlerfreien Erwägungen einen Tötungsvorsatz der erheblich intelligenz-
geminderten und mit schweren Persönlichkeitsstörungen belasteten Ange-
klagten verneint, die sich zudem zur Tatzeit in einer Lage vollständiger Unter-
ordnung und Abhängigkeit gegenüber dem gewalttätigen, ihnen überlegenen
Mitangeklagten A. befanden. Das Landgericht hat auf Grund erheblicher
Indizien angenommen, die Angeklagten hätten während der zwei Tage andau-
ernden Mißhandlungen des Tatopfers durch den Mitangeklagten zwar erkannt
und gebilligt, daß ihre Untätigkeit - hinsichtlich des Angeklagten H.
auch die aktive Mitwirkung - die Körperverletzungshandlungen des A. förder-
ten, jedoch nicht mit dem Tod ihrer Mutter gerechnet. Der Angriff der Revision
auf diese Beweiswürdigung zeigt einen Rechtsfehler nicht auf; die nach ihrer
Ansicht unzureichende Berücksichtigung strafschärfender Gesichtspunkte kann
die Nebenklage nicht angreifen (§ 400 Abs. 1 StPO).
3. Die entsprechend § 301 StPO vorzunehmende Prüfung des Urteils auf
Rechtsfehler zu Lasten der Angeklagten führt zur Herabsetzung der gegen die
Angeklagte M. verhängten Freiheitsstrafe und zur Aufrechterhaltung der
einbezogenen Gesamtgeldstrafe. Nach den Urteilsfeststellungen wurde gegen
die Angeklagte M. durch Beschluß des Amtsgerichts Gießen vom
19. Januar 2000 eine Gesamtgeldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 15 DM fest-
gesetzt, welche noch nicht erledigt ist. Das Landgericht hat gegen die Ange-
klagte eine - zur Bewährung ausgesetzte - Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jah-
ren "unter Einbeziehung der Strafen aus der ... vorausgegangenen Verurtei-
lung" (UA S. 25 ff.) verhängt. Hierbei ist weder eine Einzelstrafe für die jetzt
abgeurteilte Tat festgesetzt worden, noch sind die dem Gesamtstrafenbeschluß
vom 19. Januar 2000 zugrundeliegenden Einzelstrafen mitgeteilt. § 53 Abs. 2
Satz 2 StGB ist nicht erörtert. Dies ist rechtsfehlerhaft.
Der Senat hat entsprechend § 354 Abs. 1 StPO auf eine Freiheitsstrafe
von einem Jahr und zehn Monaten unter Strafaussetzung zur Bewährung er-
kannt und die Gesamtgeldstrafe gemäß § 53 Abs. 2 Satz 2 StGB aufrechter-
halten. Von einer Zurückverweisung konnte abgesehen werden, weil ange-
sichts der Gesamtumstände eine andere Entscheidung als das Absehen von
der Einbeziehung der Gesamtgeldstrafe nicht in Betracht käme und weil die
Angeklagte durch deren Aufrechterhaltung unter Herabsetzung der Freiheits-
strafe nicht beschwert sein kann.
4. Die nach § 268 a StPO zu treffenden Entscheidungen und Maßnah-
men bleiben dem Tatgericht vorbehalten (BGHR StPO § 354 Abs. 1 Sachent-
scheidung 1).
Bode Otten Rothfuß
Fischer Elf