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BGH Beschluss vom 08.08.2001 – 1 StR 258/01

1. Strafsenat

BUNDESGERICHTSHOF

1 StR 258/01

BESCHLUSS

vom

8. August 2001

in der Strafsache

gegen

wegen sexuellen Mißbrauchs eines Kindes u.a.

Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 8. August 2001 beschlossen:

1. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landge-

richts Memmingen vom 18. Dezember 2000 wird mit der Maß-

gabe verworfen, daß in den Fällen II. 2 und II. 3 der Urteils-

gründe jeweils die Verurteilung wegen tateinheitlichen sexuel-

len Mißbrauchs einer Schutzbefohlenen, in den Fällen II. 3

darüber hinaus die wegen tateinheitlichen Beischlafs zwischen

Verwandten entfällt.

2. Der Angeklagte trägt die Kosten des Rechtsmittels und die der

Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendi-

gen Auslagen.

Gründe:

Die auf die allgemeine Sachbeschwerde gestützte Revision des Ange-

klagten bleibt im Ergebnis ohne Erfolg.

Der Generalbundesanwalt hat ausgeführt:

"1. Die Verurteilung des Angeklagten im Fall II. 2 der Urteilsgründe we-

gen sexuellen Mißbrauchs einer Schutzbefohlenen (§ 174 Abs. 1 Nr. 3 StGB)

muß entfallen, weil dieses Vergehen verjährt ist. Bei der Verjährungsprüfung,

die bei tateinheitlichem Zusammentreffen mehrerer Tatbestände für jeden Tat-

bestand gesondert vorzunehmen ist (Tröndle/Fischer, StGB 50. Aufl. § 78 a

Rdn. 10 m.w.N.), ist, da nur der Tatzeitraum 1994/95 feststeht (UA S. 6), zu

Gunsten des Angeklagten vom frühest möglichen Zeitpunkt, mithin Januar

1994 als Tatzeitpunkt und Verjährungsbeginn nach § 78 a StGB auszugehen.

Ein Ruhen der Verjährung bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres der Ge-

schädigten am 29. März 2003 nach § 78 b Abs. 1 Nr. 1 StGB kommt schon

deshalb nicht in Betracht, weil diese Regelung den Tatbestand des § 174 StGB

nicht erfaßt. Die Verjährungsfrist von fünf Jahren gemäß § 78 Abs. 3 Nr. 4

StGB endete daher mit dem Januar 1999, so daß die erste Vernehmung des

Beschuldigten am 6. März 2000 (Strafakten Bd. I, Bl. 26 d.A.) nicht mehr zur

Unterbrechung der Verjährung geeignet war.

2. In dem ... (Komplex) II. 3 der Urteilsgründe hat die Verurteilung wegen

sexuellen Mißbrauchs einer Schutzbefohlenen ebenfalls zu entfallen, weil in-

soweit Strafverfolgungsverjährung eingetreten ist. Tatzeitraum war September

1993 bis 12. Mai 1994 (UA S. 6), so daß die Straftaten mit Ablauf einer Frist

von fünf Jahren nach Tatbeendigung (§§ 78 Abs. 3 Nr. 4, 78 a Satz 1 StGB)

verjährt waren. Als erste den Lauf der Verjährungsfrist unterbrechende Verfah-

renshandlung kommt die Vernehmung des Angeklagten am 6. März 2000

(§ 78 c Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StGB) in Betracht; zu diesem Zeitpunkt war jedoch

bereits Verjährungseintritt erfolgt.

Ebenfalls entfallen muß die tateinheitlich erfolgte Verurteilung wegen

Beischlaf zwischen Verwandten (§ 173 Abs. 1 StGB). Straftaten nach § 173

Abs. 1 StGB werden mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bedroht, so daß

ihre Verfolgung gemäß § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB mit Ablauf einer Frist von fünf

Jahren nach Beendigung der Tat (§ 78 a Satz 1 StGB) verjährt."

Dem schließt sich der Senat an.

Im übrigen hat die Nachprüfung des Schuldspruchs keinen Rechtsfehler

zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

Trotz des Wegfalls der genannten Vorwürfe kann der Ausspruch über

die verhängten Einzelstrafen und die Gesamtstrafe bestehen bleiben: Das

Landgericht hat gemäß § 52 Abs. 2 Satz 1 StGB die Einzelstrafen im Fall II. 2

dem Strafrahmen des § 178 a.F. StGB und in den drei Fällen im Komplex II. 3

dem Strafrahmen des § 176 Abs. 3 Nr. 1 a.F. StGB entnommen. In allen Fällen

verhängte es als Einzelstrafe jeweils die Mindeststrafe von einem Jahr. Bei

dieser Sachlage hält es der Senat für ausgeschlossen, daß die Strafkammer

ohne die tateinheitliche Verurteilung des Angeklagten aus § 174 Abs. 1 Nr. 3

StGB und § 173 Abs. 1 StGB zu geringeren Strafen gelangt wäre.

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