BGH Urteil vom 20.06.2002 – IX ZR 219/99
IX. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
20. Juni 2002
in dem Rechtsstreit
Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Richter Kirchhof,
Dr. Fischer, Dr. Ganter, Raebel und Kayser
am 20. Juni 2002
beschlossen:
Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 2. Zivilsenats des
Oberlandesgerichts Stuttgart vom 21. Mai 1999 wird nicht ange-
nommen.
Die Kosten des Revisionsverfahrens fallen der Klägerin zur Last.
Streitwert für die Revisionsinstanz: 114.522,79 € (223.987,12 DM)
Gründe
Das Rechtsmittel wirft keine entscheidungserheblichen Fragen von
grundsätzlicher Bedeutung auf und verspricht im Ergebnis keinen Erfolg
(§ 554b ZPO a.F.).
Wäre § 5 Nr. 1 Buchst. b Satz 3 der AGB der Klägerin in dem von der
Revision vertretenen Sinne auszulegen, so wäre die Klausel gemäß § 138
Abs. 1 BGB nichtig. Denn die Abtretung aller aus dem Weiterverkauf entste-
henden Forderungen mit dem Ziel, sämtliche Forderungen der Klägerin auch
aus anderen Rechtsgeschäften zu sichern, hätte die Gemeinschuldnerin zum
Vertragsbruch gegenüber ihren weiteren Vorbehaltslieferanten angehalten (vgl.
dazu BGH, Urteil vom 9. März 1977 - VIII ZR 178/75, NJW 1977, 2261 f). Die in
§ 5 Nr. 1, 1. Satz enthaltene schuldrechtliche Freigabeverpflichtung der Kläge-
rin gleicht eine solche Benachteiligung der anderen Vorbehaltslieferanten nicht
aus. Deren schutzwürdige Interessen würden nur durch eine dinglich wirkende
Freigaberegelung berücksichtigt (BGHZ 72, 308, 310 f; BGH, Urteil vom
16. März 1995 - IX ZR 72/94, NJW 1995, 1668, 1669 unter II. 1. b) aa); vom
8. Dezember 1998 - XI ZR 302/97, WM 1999, 126, 127). Im übrigen soll auch
die schuldrechtliche Freigabeverpflichtung nur eingreifen, wenn sämtliche For-
derungen der Klägerin zuzüglich eines Sicherheitszuschlages abgesichert sind.
Kirchhof
Fischer
Ganter
Raebel
Kayser