Gesetze / Rechtsprechung / BGH
BGH Beschluss vom 05.11.2002 – 5 StR 249/02
5. Strafsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom 5. November 2002 in der Strafsache gegen
wegen Vergewaltigung u.a.
Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 5. November 2002
beschlossen:
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landge-
richts Berlin vom 2. Januar 2002 wird nach § 349 Abs. 2
StPO als unbegründet verworfen.
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und
die dadurch der Nebenklägerin entstandenen notwendigen
Auslagen zu tragen.
Ergänzend zum Antrag des Generalbundesanwalts ist folgendes anzumer-
ken:
Der Senat findet vorliegend keinen durchgreifenden Grund zur Beanstan-
dung darin, daß das Landgericht die Anträge auf Vernehmung der spani-
schen Ermittlungsrichterin gemäß § 244 Abs. 5 Satz 2 StPO abgelehnt hat
und sich bei den zugrunde liegenden Überlegungen zum Umfang der Aufklä-
rungspflicht weitgehend nur auf erst während der Hauptverhandlung durch
Vermittlung des Bundeskriminalamtes eingeholte Auskünfte von Seiten der
spanischen Ermittlungsbehörden gestützt hat. Freilich wäre grundsätzlich ein
rechtzeitiges Bemühen um weitergehende, möglichst vollständige Beiziehung
der Erkenntnisse aus den spanischen Ermittlungsakten angezeigt gewesen,
seitens der Staatsanwaltschaft bereits vor Anklageerhebung, seitens des
Tatgerichts sogleich danach. Bei der gegebenen, den die Einlassung verwei-
gernden Angeklagten erdrückend belastenden Beweislage, der die Verteidi-
gung lediglich auf Vermutungen gestützte Entlastungsüberlegungen entge-
gengesetzt hat, ergibt sich hieraus noch kein die Revision begründender
Verfahrensfehler.
Der Zulässigkeit (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO) der weiteren Rügen der Verlet-
zung der Aufklärungspflicht und des Beweisantragsrechts steht bereits die
unzulängliche Bezeichnung von Beweismitteln entgegen, betreffend die spa-
nischen Ermittlungsakten auch der Beweisthematik (vgl. BGHSt 30, 131,
142 f.; BVerfGE 63, 45, 68 ff.). Es ist nicht ersichtlich, daß insoweit konkrete-
rer Vortrag mindestens im Rahmen der Revision für die Verteidigung – etwa
durch Kontaktaufnahme zum spanischen Verteidiger des Angeklagten – un-
möglich gewesen wäre, aus deren Vortrag sich auch nicht ergibt, daß sie
etwa von sich aus vor der Hauptverhandlung Bemühungen um Einsicht in
jene Akten entfaltet hätte.
Harms Basdorf Gerhardt
Brause Schaal