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BGH Beschluss vom 06.01.2004 – 5 StR 440/03
5. Strafsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom 6. Januar 2004 in der Strafsache gegen
wegen vorsätzlicher Körperverletzung
Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 6. Januar 2004
beschlossen:
Auf die Revision des Angeklagten E wird das
Urteil des Landgerichts Berlin vom 4. April 2003 im Ge-
samtstrafausspruch gegen diesen Angeklagten mit den
zugehörigen Feststellungen aufgehoben.
Die weitergehende Revision wird nach § 349 Abs. 2 StPO
als unbegründet verworfen.
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Ver-
handlung und Entscheidung, auch über die Kosten
der Revision, an das Amtsgericht Tiergarten in Berlin
– Strafrichter – zurückverwiesen.
G r ü n d e
Das Landgericht hat gegen den Angeklagten E wegen vor-
sätzlicher Körperverletzung eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 20
verhängt
und
hieraus
unter Einbeziehung
einer Freiheitsstrafe
von einem Jahr und drei Monaten (mit Bewährung) aus dem Urteil des
Amtsgerichts Neuruppin vom 22. Mai 2002 eine Gesamtfreiheitsstrafe von
einem Jahr und fünf Monaten (ohne Bewährung) gebildet.
Die Revision des Angeklagten ist zum Schuld- und Einzelstrafaus-
spruch unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO). Hingegen hält der nach § 55
Abs. 1 StGB gebildete Gesamtstrafausspruch sachlichrechtlicher Prüfung
nicht stand.
Die rechtskräftig verhängte Freiheitsstrafe für eine 1997 begangene
Tat wäre gar nicht einbeziehungsfähig gewesen, wenn bei ihrer Verhängung
im Mai 2002 eine Gesamtstrafbildung mit der Geldstrafe aus dem Strafbefehl
vom 1. Februar 1999 in Betracht gekommen wäre, weil dann – unabhängig
davon, ob es zur Gesamtstrafbildung gekommen ist – der letztgenannte Zeit-
punkt die nach § 55 Abs. 1 StGB maßgebliche Zäsur gebildet hätte und die
hier abgeurteilte Tat erst im Jahre 2001, also nach diesem Zeitpunkt began-
gen worden ist. Ob eine solche anderweits maßgebliche Zäsur vorlag, richtet
sich danach, ob die Geldstrafe aus dem Strafbefehl im Mai 2002 bereits voll-
streckt war. Zu diesem maßgeblichen Umstand verschweigt sich das Urteil.
Selbst wenn die Geldstrafe – was aufgrund ihrer Höhe und wegen des
Zeitablaufs nicht fernliegt – damals vollstreckt gewesen sein sollte, könnte
die nachträgliche Gesamtstrafe keinen Bestand haben, weil das Landgericht
nicht geprüft hat, ob gemäß § 55 Abs. 1 Satz 1, § 53 Abs. 2 Satz 2 StGB eine
gesonderte Verhängung der Geldstrafe in Betracht zu ziehen ist. Die Nicht-
erörterung dieser Frage erweckt die Besorgnis, daß das Landgericht das ihm
insoweit eröffnete Ermessen übersehen haben könnte, da sich die Vernei-
nung gesonderter Geldstrafenverhängung hier jedenfalls nicht von selbst
versteht.
Bei dieser Sachlage braucht der Senat über die nachrangige Frage
der Versagung von Strafaussetzung zur Bewährung für die verhängte Ge-
samtfreiheitsstrafe nicht zu entscheiden. Der Senat weist allerdings darauf
hin, daß das insoweit gefundene Ergebnis angesichts der Zubilligung von
Strafaussetzung in der einbezogenen Sache gemäß § 56 Abs. 2 StGB, des
Fehlens insoweit gewichtiger neu aufgetretener Gesichtspunkte zum Nachteil
des Angeklagten seit jener rechtskräftigen Entscheidung und der gewichtigen
Milderungsgründe in dieser Sache (UA S. 77) kaum vertretbar erscheint.
Die erneute Entscheidung über die Frage nachträglicher Gesamtstraf-
bildung, gegebenenfalls der Strafaussetzung zur Bewährung, obliegt nun-
mehr dem Strafrichter (§ 354 Abs. 3 StPO).
Harms Basdorf Gerhardt
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