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BGH Beschluss vom 01.07.2004 – 4 StR 128/04

4. Strafsenat

BUNDESGERICHTSHOF

4 StR 128/04

BESCHLUSS

vom

1. Juli 2004

in der Strafsache

gegen

wegen sexuellen Mißbrauchs eines Kindes u.a.

Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbun-

desanwalts und des Beschwerdeführers am 1. Juli 2004 gemäß §§ 154 Abs. 2,

349 Abs. 2 und 4 StPO beschlossen:

1. Das Verfahren wird eingestellt, soweit der Angeklagte

wegen sexuellen Mißbrauchs einer Schutzbefohlenen in

109 Fällen, begangen in der Zeit vom 16. Januar 1997

bis zum 22. Februar 1999, verurteilt worden ist. Insoweit

hat die Staatskasse die Kosten des Verfahrens und die

dem Angeklagten entstandenen notwendigen Auslagen

zu tragen.

2. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des

Landgerichts Bochum - Auswärtige Strafkammer Reck-

linghausen - vom 3. September 2003

a)

im Schuldspruch dahin geändert, daß der Ange-

klagte des sexuellen Mißbrauchs eines Kindes in

52 Fällen und des sexuellen Mißbrauchs einer

Schutzbefohlenen in 16 Fällen schuldig ist,

b)

im Gesamtstrafenausspruch mit den zugehörigen

Feststellungen aufgehoben.

3.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Ver-

handlung und Entscheidung, auch über die Kosten des

Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landge-

richts zurückverwiesen.

4. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

Gründe:

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen sexuellen Mißbrauchs ei-

nes Kindes in 52 Fällen sowie wegen sexuellen Mißbrauchs einer Schutzbefoh-

lenen in 125 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Nach der aus der Beschlußformel ersichtlichen Teileinstellung ist die auf die

Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklag-

ten unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

Auf Antrag des Generalbundesanwalts hat der Senat das Verfahren ge-

mäß § 154 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 StPO eingestellt, soweit der Angeklagte in

109 Fällen wegen sexuellen Mißbrauchs einer Schutzbefohlenen, begangen in

der Zeit vom 16. Januar 1997 (Beginn des Aufenthalts in der V. Kin-

derklinik) bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres der Geschädigten

(22. Februar 1999), verurteilt worden ist. Den Urteilsgründen ist nicht hinrei-

chend deutlich zu entnehmen, daß der Angeklagte die sexuellen Handlungen

an der Tochter seiner Lebensgefährtin nach deren Entlassung aus der Kinder-

klinik, mithin nach Vollendung ihres 16. Lebensjahres, gemäß § 174 Abs. 1

Nr. 2 StGB unter Mißbrauch der mit dem Schutzverhältnis verbundenen Ab-

hängigkeit vornahm. Da jedoch in nicht rechtsverjährter Zeit seit dem 25.

September 1996 bis zum 15. Januar 1997 16 Fälle des sexuellen Mißbrauchs

einer Schutzbefohlenen gemäß § 174 Abs. 1 Nr. 1 StGB rechtsfehlerfrei

festgestellt sind, hat der Senat das Urteil im Schuldspruch entsprechend

geändert.

Die verhängte Gesamtfreiheitsstrafe kann nicht bestehen bleiben, da

nicht auszuschließen ist, daß das Landgericht wegen der verbleibenden Taten

eine mildere Gesamtfreiheitsstrafe verhängt hätte.

Tepperwien Maatz Kuckein

Ernemann Sost-Scheible