Rechtsprechung / BGH

BGH Urteile vom 22.09.2004 – IV ZR 274/03

IV. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

22. September 2004

in dem Rechtsstreit

Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 22. September

2004 durch den Vorsitzenden Richter Terno und die Richter Dr. Schlich-

ting, Seiffert, Wendt und Felsch

beschlossen:

Die Beschwerde der Beklagten gegen die Nichtzulassung

der Revision in dem Urteil des 7. Zivilsenats des Oberlan-

desgerichts Stuttgart vom 27. November 2003 wird zu-

rückgewiesen, weil sie nicht aufzeigt, daß die Rechtssa-

che grundsätzliche Bedeutung hat oder die Fortbildung

des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Recht-

sprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts er-

Auf die von der Nichtzulassungsbeschwerde angespro-

chenen Rechtsfragen zu § 12 Abs. 3 VVG im Hinblick auf

die Klagerhöhung vom April 2003 kommt es nicht an, weil

die Klägerin die Klagfrist des § 12 Abs. 3 VVG hinsichtlich

der Versicherungsleistungen aus beiden Unfallzusatzver-

sicherungsverträgen bereits mit der am 23. Januar 2003

bei Gericht eingereichten Klage auf Versicherungsleistun-

gen aus dem älteren Vertrag (NR. 5124680) gewahrt hat.

Denn die gesamte vorgerichtliche Korrespondenz der Par-

teien betraf die Frage der Leistungspflicht aus beiden

Versicherungsverträgen, und es war dabei vorwiegend um

die für beide Verträge gleichermaßen entscheidende Fra-

ge gegangen, ob der Ehemann der Klägerin durch einen

Unfall ums Leben gekommen war, während die Höhe der

Versicherungsleistung nicht im Streit stand. Schließlich

waren schon der Klagschrift die Vertragsdatenblätter bei-

der Versicherungsverträge und das darauf bezogene An-

spruchsschreiben der Klägerin beigefügt.

Daraus konnte die Beklagten unbeschadet der Höhe des

Leistungsantrages erkennen, daß es der Klägerin mit ihrer

Klage von vorn herein um die gerichtliche Geltendma-

chung ihrer Rechte aus beiden Versicherungsverträgen

ging. Anhaltspunkte dafür, daß die Klägerin auf Versiche-

rungsleistungen aus dem zweiten Versicherungsvertrag

hätte verzichten wollen, waren für die Beklagte nicht ge-

geben. Dementsprechend hat sie sich bereits in der Klag-

erwiderung vom 20. Februar 2003, mithin sogar noch in-

nerhalb der Frist des § 12 Abs. 3 VVG und etwa zwei Mo-

nate vor der Erhöhung der Klage auf die Versicherungslei-

stungen aus dem jüngeren Vertrag (Nr. 5641367), dahin-

gehend verteidigt, daß der Klägerin aus keinem der bei-

den Verträge Versicherungsleistungen zustünden (vgl. da-

zu BGH, Urteile vom 27. Februar 1991 - IV ZR 66/90 -

VersR 1991, 450 unter 1 a; 27. Juni 2001 - IV ZR 130/00 -

VersR 2001, 1013 unter II 1; OLG Hamm VersR 1988,

458; OLG Nürnberg VersR 2003, 846, 848; Prölss in

Prölss/Martin, VVG 27. Aufl. § 12 Rdn. 66; Römer in Rö-

mer/Langheid, VVG 2. Aufl. § 12 Rdn. 40).

Aus der Senatsentscheidung vom 13. Januar 1982 (IVa

ZR 162/80 - VersR 1982, 489 unter II) ergibt sich für die

hier zu treffende Entscheidung nichts anderes. Denn in

dem dort entschiedenen Fall waren gegen den Deckungs-

schutz fordernden Versicherungsnehmer einer Haftpflicht-

versicherung von einer ganzen Reihe von Gläubigern

Haftpflichtansprüche erhoben worden, die lediglich in ei-

nem gewissen zeitlichen und kausalen Zusammenhang

standen, rechtlich aber selbständig und quantitativ nicht

überschaubar waren. Damit ist der vorliegende Fall, in

dem es lediglich um zwei gleichgelagerte, von vorn herein

gemeinsam erhobene Ansprüche der Klägerin aus dem-

selben Versicherungsfall geht, nicht vergleichbar.

Die Beklagte trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens

Streitwert: 23.006,09 €

Terno Dr. Schlichting Seiffert

Wendt Felsch