BGH Beschluss vom 23.09.2004 – IX ZB 292/03
IX. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
23. September 2004
in dem Insolvenzverfahren
Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter Dr. Fischer, die Richter Raebel, Neškovi(cid:1), Vill und die Richterin Lohmann
am 23. September 2004
beschlossen:
Auf die Rechtsmittel des Insolvenzverwalters werden der Be-
schluß der 2. Zivilkammer des Landgerichts Stralsund vom 4. De-
zember 2003 und der Beschluß des Amtsgerichts Stralsund vom
11. September 2003 geändert:
Die Auslagen des Insolvenzverwalters werden in Höhe von
2.558,77 € zuzüglich 16 % Umsatzsteuer (409,40 €) zu Lasten
der
Insolvenzmasse festgesetzt.
Dem Insolvenzverwalter wird gestattet, diesen Betrag aus der In-
solvenzmasse zu entnehmen.
Die Insolvenzmasse hat die Kosten der Rechtsmittelverfahren zu
tragen.
Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf
848,05 € festgesetzt.
Gründe
I.
Das Amtsgericht hat am 12. April 2000 das Insolvenzverfahren über das
Vermögen der Schuldnerin eröffnet und den Rechtsbeschwerdeführer zum In-
solvenzverwalter bestellt. Die Tätigkeit des Insolvenzverwalters hat zwei Jahre
und elf Monate gedauert. Der Insolvenzverwalter hat beantragt, seine Ausla-
genpauschale für das erste Jahr auf 15 % und für die kommenden Jahre auf
jeweils 10 % der Vergütung, insgesamt 2.558,77 € zuzügli ch 409,40 € Umsatz-
steuer festzusetzen. Das Insolvenzgericht hat die Vergütung auf 7.310,77 €
zuzüglich Umsatzsteuer und die Auslagen auf lediglich 1.827,69 € zuzüglich
292,43 € Umsatzsteuer festgesetzt. Nach Ansicht des Insolvenzger ichts beträgt
der pauschale Auslagenersatz gemäß § 8 Abs. 3 InsVV im ersten Jahr 15 %
der gesetzlichen Vergütung, für die gesamte Restdauer des Verfahrens dage-
gen nur 10 %. Das Beschwerdegericht hat die in Höhe des abgelehnten Betra-
ges eingelegte sofortige Beschwerde zurückgewiesen. Mit der Rechtsbe-
schwerde verfolgt der Insolvenzverwalter sein Begehren weiter.
II.
Nr. 1 ZPO). Sie ist auch im übrigen zulässig, obwohl der Senat die von der
Rechtsbeschwerde erörterte Rechtsfrage inzwischen durch Beschluß vom
23. Juli 2004 (IX ZB 257/03, ZIP 2004, 1715) entschieden hat. Eine erneute
Sachentscheidung ist zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfor-
derlich (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 ZPO), weil die Rechtsbeschwerde im hier zu
entscheidenden Fall aus den im Beschluß vom 23. Juli 2004 (aaO) genannten
Gründen ebenfalls sachlich gerechtfertigt ist.
Der Insolvenzverwalter kann für jedes angefangene Folgejahr den Aus-
lagenpauschsatz in Höhe von 10 % der gesetzlichen Vergütung fordern, höch-
stens jedoch in Höhe von 250 € je angefangenen Monat de r Dauer der Tätig-
keit. Zur Begründung nimmt der Senat auf den genannten Beschluß vom
23. Juli 2004 (IX ZB 257/03, aaO) Bezug.
Die dem Rechtsbeschwerdeführer zustehende Auslagenpauschale be-
rechnet sich danach wie folgt:
15 % aus 7.310,77 € für das erste Jahr
10 % von 7.310,77 € für das zweite Jahr
10 % von 7.310,77 € für das dritte Jahr
zuzüglich 16 % Umsatzsteuer
1.096,62 €
731,08 €
731,08 €
2.558,78 €
409,41 €
Dem Antrag des Insolvenzverwalters ist daher in vollem Umfang stattzu-
geben.
Fischer Raebel Neškovi(cid:1)
Vill Lohmann