Rechtsprechung / BGH

BGH Beschluss vom 05.10.2004 – 1 StR 284/04

1. Strafsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

5. Oktober 2004

in der Strafsache

gegen

wegen Vergewaltigung u.a.

Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 5. Oktober 2004 beschlos-

sen:

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts

München I vom 13. Februar 2004 wird als unbegründet verworfen,

da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtferti-

gung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die

der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwen-

digen Auslagen zu tragen.

Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts und un-

ter Berücksichtigung des weiteren Revisionsvorbringens vom 3.,

23. und 24. August 2004 bemerkt der Senat:

Entgegen der Auffassung der Revision ergibt sich kein Rechtsfeh-

ler daraus, daß das Landgericht nur dem Antrag auf Anhörung ei-

nes psychiatrischen Sachverständigen gefolgt ist und nicht auch

über die Einholung des gleichzeitig beantragten psychologischen

Gutachtens entschieden hat. Dabei steht es im Ermessen des

Tatrichters, welchen Sachverständigen er beauftragt, wenn sich

die Kompetenz von Sachverständigen verschiedener oder ähnli-

cher Fachrichtungen überschneidet (vgl. BGHSt 34, 355 ff.; BGH,

Beschl. vom 19. August 1993 - 1 StR 395/93). Psychologische

Kenntnisse gehören zum Rüstzeug auch des Psychiaters; außer-

dem sind die Fachkenntnisse eines Psychologen dann nicht aus-

reichend, wenn - worauf die Revision beharrt - eine geistige Er-

krankung oder aktuelle psychopathologische Ursachen Einfluß

auf die Glaubhaftigkeit der Zeugenaussage haben können; dann

ist ein Psychiater zu hören (BGHSt 23, 8 ff.; Senge in KK 5. Aufl.

§ 73 Rdn. 5). Zudem hat der Generalbundesanwalt zu Recht dar-

auf hingewiesen, daß eine psychologische Untersuchung der Ge-

schädigten nur mit deren Einwilligung zulässig ist (BGHSt 36,

217, 219), wobei die Revision entgegen § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO

das Vorliegen einer entsprechenden Zustimmung nicht dargetan

hat.

Im übrigen ist die Beweiswürdigung allein Sache des Tatrichters,

welche vom Revisionsgericht nur auf Rechtsfehler überprüfbar ist.

Solche sind vorliegend nicht ersichtlich. Insbesondere hat das

Landgericht die von der Revision als Indizien angeführten Um-

stände, das Heimbegleiten der Geschädigten durch den Ange-

klagten nach der Tat, bei welchem es zu der Drohung mit der Tö-

tung des Kindes und der Familie der Geschädigten kam, und de-

ren mehrfache Ansätze auf diesem Heimweg, sich vor ein Auto zu

werfen, ebenso berücksichtigt wie die Aufnahme einer neuen Be-

ziehung durch die Geschädigte zu einem anderen Mann nur we-

nige Tage nach der Tat. Die Strafkammer mußte hieraus nicht,

wie die Revision glaubt, Schlußfolgerungen dahin ziehen, daß die

Angaben der Geschädigten zum Tatgeschehen unglaubhaft sind.

Nack Kolz Hebenstreit

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