Rechtsprechung / BGH

BGH Beschluss vom 18.07.2005 – II ZB 16/04

II. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

18. Juli 2005

in dem Rechtsstreit

Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 18. Juli 2005 durch

den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Goette und die Richter Kraemer, Münke,

Dr. Strohn und Dr. Reichart

beschlossen:

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß des 6. Zivilsenats

des Oberlandesgerichts Rostock vom 12. Juli 2004 wird auf

Kosten der Beklagten als unzulässig verworfen.

Gründe

I. Das Landgericht hat die Beklagte durch Vorbehalts-Teil-Urteil vom

25. Februar 2004 verurteilt, an den Kläger 13.204,02 € nebst Zinsen zu zahlen.

Gegen die ihr am 2. März 2004 zugestellte Entscheidung hat die Beklagte am

18. März 2004 Berufung eingelegt. Das Oberlandesgericht hat die Beklagte mit

Beschluß vom 10. Mai 2004 darauf hingewiesen, daß es beabsichtige, die Be-

rufung als unzulässig zu verwerfen, weil die Berufung nicht innerhalb der am

3. Mai 2004 abgelaufenen Begründungsfrist begründet worden sei. Die Beklag-

te hat am 12. Mai 2004 wegen der Versäumung der Berufungsbegründungsfrist

Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt und die Berufung begründet.

Mit dem angefochtenen Beschluß hat das Oberlandesgericht den Wiederein-

setzungsantrag zurückgewiesen und die Berufung der Beklagten als unzulässig

verworfen. Hiergegen wendet sich die Beklagte mit der Rechtsbeschwerde.

II. Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 577 Abs. 1 ZPO als unzulässig zu

verwerfen. Sie ist zwar statthaft, §§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 522 Abs. 1 Satz 4

ZPO, und auch rechtzeitig eingelegt und begründet worden. Die einmonatige

Frist des § 575 ZPO zur Einlegung und Begründung der Rechtsbeschwerde ist

nicht in Gang gesetzt worden. Die Akten ergeben nicht, daß der angefochtene

Beschluß der Beklagten zugestellt worden ist. Daß die Beschwerdeschrift die

Zustellung als am 19. Juli 2004 erfolgt angibt, kann hieran nichts ändern.

Die Rechtsbeschwerde ist jedoch unzulässig, da die Voraussetzungen

des § 574 Abs. 2 ZPO nicht vorliegen. Die Sache hat weder grundsätzliche Be-

deutung, noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer

einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdege-

richts.

1. Die von der Rechtsbeschwerde als grundsätzlich bezeichnete Frage

stellt sich hier nicht. Das Berufungsgericht hat es dem Prozeßbevollmächtigten

der Beklagten nicht als Organisationsverschulden angelastet, daß er sich die

Akten nicht hat vorlegen lassen, um die Fristennotierung zu prüfen. Vielmehr

hat es in Anwendung der feststehenden Grundsätze der höchstrichterlichen

Rechtsprechung das eigene Verschulden des Prozeßbevollmächtigten darin

gesehen, daß er bei Vorlage der Akten zum Zwecke der Einlegung der Beru-

fung nicht anhand der Handakten geprüft hat, ob die weiteren Fristen und Vor-

fristen notiert worden waren.

2. Die Zulassung der Rechtsbeschwerde ist auch nicht zur Fortbildung

des Rechts erforderlich. Nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichts-

hofes hat der Anwalt die Einhaltung seiner Anweisungen zur Berechnung einer

Frist, ihrer Notierung auf den Handakten, die Eintragung im Fristenkalender so-

wie die Quittierung der Kalendereintragung durch einen Erledigungsvermerk auf

den Handakten zwar nicht bei jeder Vorlage der Handakten, aber immer dann

zu prüfen, wenn ihm die Handakten im Zusammenhang mit einer fristgebunde-

nen Prozeßhandlung vorgelegt werden (vgl. BGH, Beschl. v. 5. Februar 2003

- VIII ZB 115/02, ZIP 2003, 1050, 1051 m.w.Nachw.). Danach hätte der Pro-

zeßbevollmächtigte der Beklagten bei Fertigung der Berufungsschrift die Notie-

rung der Berufungsbegründungsfrist überprüfen müssen. Hätte er dieser Pflicht

genügt, wäre ihm, wie das Oberlandesgericht mit Recht angenommen hat, auf-

gefallen, daß die Berufungsbegründungsfrist - entgegen seiner generellen An-

weisung - in den Handakten nicht notiert war.

3. Der Zulassungsgrund der Sicherung einer einheitlichen Rechtspre-

chung liegt nicht vor, weil die Entscheidung des Berufungsgerichts mit der vor-

stehend zitierten höchstrichterlichen Rechtsprechung in Einklang steht.

Goette

Kraemer

Münke

Strohn

Reichart