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BGH Urteil vom 07.06.2006 – 2 StR 42/06
2. Strafsenat
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
vom
7. Juni 2006
in der Strafsache
gegen
wegen Untreue
Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat in der Sitzung vom 7. Juni 2006,
an der teilgenommen haben:
Vorsitzende Richterin am Bundesgerichtshof
Dr. Rissing-van Saan
und die Richterin am Bundesgerichtshof
Dr. Otten,
der Richter am Bundesgerichtshof
Rothfuß,
die Richterin am Bundesgerichtshof
Roggenbuck,
der Richter am Bundesgerichtshof
Dr. Appl,
Staatsanwalt
als Vertreter der Bundesanwaltschaft,
Rechtsanwalt
als Verteidiger,
Justizangestellte
als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle,
für Recht erkannt:
Die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landge-
richts Darmstadt vom 31. Oktober 2005 wird verworfen.
Die Kosten des Rechtsmittels und die der Angeklagten dadurch
entstandenen notwendigen Auslagen fallen der Staatskasse zur
Last.
Von Rechts wegen
Gründe:
1
Das Landgericht hatte die Angeklagte durch Urteil vom 18. Januar 2005
wegen ("schwerer") Untreue zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt
und die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Auf die auf den
Strafausspruch beschränkte Revision der Staatsanwaltschaft hatte der Senat
durch Urteil vom 20. Juli 2005 das Urteil im Strafausspruch aufgehoben und die
Sache im Umfang der Aufhebung zu neuer Verhandlung und Entscheidung an
eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. Durch Urteil vom
31. Oktober 2005 hat das Landgericht die Angeklagte erneut zu einer Freiheits-
strafe von zwei Jahren verurteilt und die Vollstreckung der Strafe wiederum zur
Bewährung ausgesetzt. Dagegen richtet sich die zuungunsten der Angeklagten
eingelegte Revision der Staatsanwaltschaft mit der Sachrüge. Das Rechtsmittel,
das vom Generalbundesanwalt vertreten wird, hat keinen Erfolg.
I.
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Nach den rechtskräftigen Feststellungen des Urteils des Landgerichts
Darmstadt vom 18. Januar 2005 war die Angeklagte, die schon ab 1987 Gelder
veruntreut hatte, Angestellte bei der D.-Bank, zuletzt Leiterin einer Filiale. Bis
zum 5. August 2002 nahm die Angeklagte zahlreiche Manipulationen zu Lasten
von Kundenkonten vor. Sie verursachte hierdurch einen Schaden der D.-Bank
in Höhe von 2.229.278,60 € (Wertberichtigung von 1.829.278,60 € und Rück-
stellung von 400.000 € für die zu erwartenden Forderungen der geschädigten
Kunden). Die Angeklagte hat etwa 400.000 € für ihre Immobilien verwendet und
weitere ca. 500.000 € für Kleider, Schuhe und Reisen ausgegeben. Sie hat ge-
genüber der Bank ein notarielles Schuldanerkenntnis über 1.869.910 € nebst
Unterwerfung in die sofortige Zwangsvollstreckung in ihr gesamtes Vermögen
abgegeben, zahlt aus ihrem Arbeitseinkommen monatlich 950 € auf die Schuld
und ist auch im Übrigen bemüht, durch Verwertung sämtlicher vorhandener
Vermögenswerte den Schaden wiedergutzumachen.
II.
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Der Strafausspruch hält nunmehr der rechtlichen Überprüfung stand; die
Revisionsbegründung der Beschwerdeführerin zeigt keinen Rechtsfehler auf.
1. Die Strafzumessung ist grundsätzlich Sache des Tatrichters. Seine
Aufgabe ist es, aufgrund des umfassenden Eindrucks aus der Hauptverhand-
lung von Tat und Täter die wesentlichen entlastenden und belastenden Um-
stände festzustellen, sie zu bewerten und gegeneinander abzuwägen. Das Re-
visionsgericht kann nur eingreifen, wenn die Zumessungserwägungen in sich
fehlerhaft sind, gegen rechtlich anerkannte Strafzwecke verstoßen oder wenn
sich die verhängte Strafe nach oben oder unten von ihrer Bestimmung, gerech-
ter Schuldausgleich zu sein, so weit löst, dass sie nicht mehr innerhalb des dem
Tatrichter eingeräumten Spielraums
liegt. Eine
ins Einzelne gehende
Richtigkeitskontrolle ist ausgeschlossen (BGHSt 34, 345, 349; 29, 319, 320;
BGHR StGB § 46 Abs. 1 Beurteilungsrahmen 1, 3 und 6).
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Das Landgericht hat keinen wesentlichen Strafschärfungsgrund uner-
wähnt gelassen. Soweit die Beschwerdeführerin rügt, dass belastende Umstän-
de nicht berücksichtigt worden seien, etwa die Verwendung von 375.000 € für
den Bau des gemeinsamen exklusiven Wohnhauses, der Verlust von 140.000 €
an der Börse und die Ausgabe von 25.000 bis 40.000 € jährlich für Kleider,
Schuhe und Reisen, handelt es sich nicht um bestimmende Strafzumessungs-
gründe. Dass die Angeklagte einen erheblichen Schaden angerichtet hat, hat
das Landgericht nicht verkannt. In seiner Würdigung hat es indessen den straf-
mildernden Umständen ein außergewöhnliches Gewicht beigemessen, insbe-
sondere der bisherigen Unbestraftheit, dem frühzeitigen und rückhaltlosen Ges-
tändnis, dem ernsthaften und zielstrebigen Bemühen um Schadenswiedergut-
machung und insbesondere der Täterpersönlichkeit und den Auswirkungen der
Tat auf die Angeklagte. Die außerordentliche Höhe der von der Angeklagten
vereinnahmten Gelder wird somit durch die Besonderheiten des Falles in einem
solchen Maße relativiert, dass die verhängte Freiheitsstrafe vom Revisionsge-
richt nicht als rechtsfehlerhaft angesehen werden kann (vgl. BGH wistra 1999,
417). Auch sonstige Zumessungsfehler sind nicht ersichtlich.
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Zwar hat das Landgericht der Angeklagten erneut zugute gehalten, dass
sie nunmehr mit dem Bewusstsein leben müsse, ihr eigenes und auch das Le-
ben ihres noch zu ihr stehenden Ehemannes in wirtschaftlicher Hinsicht zerstört
zu haben. Diese Wendung ist wiederum bedenklich, weil nachteilige Folgen der
Tat für den Täter nicht schlechthin strafmildernd zu berücksichtigen sind, worauf
der Senat schon in seiner ersten aufhebenden Entscheidung Seite 5 un-
ten/Seite 6 oben hingewiesen hat (Senatsurteil vom 20. Juli 2005 - 2 StR
168/05 -; vgl. auch Stree in Schönke/Schröder StGB 27. Aufl. § 46 Rdn. 55).
Das Landgericht hat dies jedoch letztlich auch nicht verkannt (UA S. 5), da es
nunmehr bei seiner Bewertung entscheidend auf besondere individuelle Um-
stände abstellt. Soweit das Landgericht ausführt, dass die Angeklagte ihr Leben
lang an den finanziellen Folgen ihrer Tat zu tragen haben wird und sich nie wie-
der etwas Neues wird aufbauen können, ist dies zwar allgemein voraussehbare
Folge der Verursachung eines großen Vermögensschadens. Hier unternimmt
die Angeklagte tatsächlich aber alle Anstrengungen, den Zahlungsansprüchen
der Geschädigten gerecht zu werden. Dies unterscheidet den vorliegenden Fall
von anderen, in denen der Täter weder ernsthaft willens noch in der Lage ist,
Schadenswiedergutmachung zu leisten. Darüber hinaus gründet sich die Wer-
tung der Tatfolgen für die Angeklagte vor allem auf den Umstand, dass die An-
geklagte die Tat zutiefst bereut, sich gegenüber allen Menschen ihres bisheri-
gen beruflichen und privaten Umfeldes zutiefst schämt und außerordentlich un-
ter den Folgen ihrer Tat leidet.
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2. Die Aussetzung der Vollstreckung der erkannten Freiheitsstrafe zur
Bewährung ist rechtlich unbedenklich. Sie liegt zudem im Interesse der Ge-
schädigten, da sie es der Angeklagten ermöglicht, Schadensersatzzahlungen
aus ihrem jetzigen Arbeitseinkommen zu leisten.
Rissing-van Saan Otten Rothfuß
Roggenbuck Appl