BGH Beschluss vom 10.05.2007 – V ZR 246/06
V. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
10. Mai 2007
in dem Rechtsstreit
Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 10. Mai 2007 durch den
Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Krüger und die Richter Dr. Klein, Dr. Lemke,
Dr. Schmidt-Räntsch und Dr. Roth
beschlossen:
Auf die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers wird das Urteil
des 6. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Oldenburg vom
27. Oktober 2006 aufgehoben.
Der Rechtstreit wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung,
auch über die Kosten des Beschwerdeverfahrens, an einen ande-
ren - nach dem Geschäftsverteilungsplan zu bestimmenden -
Zivilsenat des Berufungsgerichts zurückverwiesen.
Der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens beträgt
177.733,83 €.
Gründe
I.
Mit notariellem Vertrag vom 4. Februar 1999 kaufte der Kläger von den
Beklagten unter Gewährleistungsausschluss ein Einfamilienhaus mit Keller-
räumen, in die 1984 Wasser eingedrungen war. Vor Abschluss des Vertrags
erklärten die Beklagten auf Nachfrage, dass der Keller nicht feucht sei und es
Schwierigkeiten mit Feuchtigkeit nicht gegeben habe. Nach Übergabe des
Grundstücks an den Kläger drang im Jahr 2001 erneut Wasser in den Keller
ein. Vor diesem Hintergrund möchte sich der Kläger von dem Kaufvertrag lösen
und macht hierzu eine arglistige Täuschung der Beklagten geltend. Die Klage
ist
in beiden Vorinstanzen erfolglos geblieben. Die Revision hat das
Oberlandesgericht nicht zugelassen. Dagegen richtet sich die Nichtzulas-
sungsbeschwerde des Klägers.
II.
Die Nichtzulassungsbeschwerde ist begründet und führt nach § 544
Abs. 7 ZPO zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zurückverwei-
sung des Rechtsstreits an das Berufungsgericht, wobei der Senat von der Mög-
lichkeit des § 563 Abs. 1 Satz 2 ZPO Gebrauch macht.
1. Die Beschwerde rügt zu Recht, dass das Berufungsgericht unter Ver-
stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG davon ausgegangen ist, es könne nicht festge-
stellt werden, dass es vor Abschluss des Kaufvertrages - abgesehen von dem
unstreitigen Wassereinbruch im Jahr 1984 - Feuchtigkeitsprobleme gegeben
habe und dies den Beklagten bekannt gewesen sei. Das Berufungsgericht hat
sich zwar mit der schriftlichen Zeugenaussage des Zeugen P. befasst, ist
jedoch nicht auf die entgegen stehende Bekundung des Zeugen eingegangen,
der Keller sei mehrmals durch die vorderen Fenster leer gepumpt worden. Da
das Berufungsgericht den Zeugen weder für unglaubwürdig gehalten noch des-
sen Angaben für unglaubhaft erachtet hat, liegt ein Gehörsverstoß vor, der auch
entscheidungserheblich ist, weil nicht auszuschließen ist, dass die Berücksichti-
gung der übergangenen Angabe des Zeugen zur Bejahung einer arglistigen
Täuschung geführt hätte.
2. Für die erneute Sachbehandlung weist der Senat darauf hin, dass die
Beklagten auf Nachfrage nicht nur erklärt haben, der Keller sei nicht feucht,
sondern darüber hinaus mit Blick auf die Vergangenheit, dass es Schwierigkei-
ten mit Feuchtigkeit nicht gegeben habe. Da Fragen des Vertragspartners voll-
ständig und richtig beantwortet werden müssen (vgl. nur BGHZ 74, 383, 392;
BGH, Urt. v. 14 Januar 1993, IX ZR 206/91, NJW 1993, 1323, 1324), erfüllt die
vergangenheitsbezogene Erklärung ohne weiteres den objektiven Tatbestand
einer arglistigen Täuschung. Arglist schiede danach nur aus, wenn die Kläger
den Wassereinbruch im Jahr 1984 bei ihrer Erklärung nicht einmal mehr im
"Begleitbewusstsein" gehabt hätten oder aber auf den Vorfall hingewiesen hät-
ten. Feststellungen hierzu fehlen. Sollte das Berufungsgericht unter diesem Ge-
sichtspunkt zur Bejahung einer arglistigen Täuschung der Beklagten gelangen,
käme es auf die - ebenfalls ein arglistiges Verhalten nahe legenden - Behaup-
tungen des Klägers zu dem fehlenden Schwarzanstrich und zu den Begleitum-
ständen hierzu nicht mehr an.
Krüger Klein Lemke
Schmidt-Räntsch Roth
Vorinstanzen:
LG Oldenburg, Entscheidung vom 28.02.2006 - 1 O 2534/04 - OLG Oldenburg, Entscheidung vom 27.10.2006 - 6 U 57/06 -