BGH Beschluss vom 26.11.2007 – AnwZ (B) 102/05
Senat fuer Anwaltssachen
BUNDESGERICHTSHOF
AnwZ (B) 102/05
BESCHLUSS
vom
26. November 2007
in dem Verfahren
wegen Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft
Der Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Vorsitzenden
Richter Terno, die Richter Dr. Ernemann, Dr. Frellesen und Schaal sowie die
Rechtsanwälte Dr. Wüllrich, Dr. Frey und Prof. Dr. Quaas nach mündlicher Ver-
handlung
am 26. November 2007
beschlossen:
Die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen die Beschlüs- se des 1. Senats des Anwaltsgerichtshofs des Landes Nordrhein- Westfalen vom 17. Juni und 18. Juli 2005, mit denen der Befan- genheitsantrag des Antragstellers abgelehnt und das dagegen eingelegte Rechtsmittel als unzulässig verworfen worden ist, wird als unzulässig verworfen.
Die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss des 1. Senats des Anwaltsgerichtshofs des Landes Nordrhein- Westfalen vom 17. Juni 2005, mit dem der Antrag auf gerichtliche Entscheidung zurückgewiesen worden ist, wird zurückgewiesen.
Der im Beschwerdeverfahren gestellte Antrag auf Schadensersatz wird zurückgewiesen.
Der Antragsteller hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen und der Antragsgegnerin die ihr im Beschwerdeverfahren entstande- nen notwendigen außergerichtlichen Auslagen zu erstatten.
Der Geschäftswert 50.000 € festgesetzt.
für das Beschwerdeverfahren wird auf
Gründe
I.
Der im Jahr 1938 geborene Antragsteller ist seit dem 14. September
1999 als Rechtsanwalt beim Amtsgericht und beim Landgericht B. zugelas-
sen. Mit Bescheid vom 13. August 2002 forderte ihn die Antragsgegnerin ge-
mäß §§ 8a, 15 BRAO a.F. auf, zur Überprüfung der Widerrufsvoraussetzungen
nach § 14 Abs. 2 Nr. 3 BRAO ein fachärztliches Gutachten über seinen Ge-
sundheitszustand vorzulegen. Den dagegen gerichteten Antrag auf gerichtliche
Entscheidung wies der Anwaltsgerichtshof mit Beschluss vom 14. Februar 2003
(1 ZU 65/02) mit der Maßgabe zurück, dass die in der angegriffenen Verfügung
enthaltene Ermächtigung des von der Antragsgegnerin bestimmten Arztes, im
Bedarfsfall weitere Gutachter hinzuzuziehen, aufgehoben wurde. Die sofortige
Beschwerde des Antragstellers gegen diesen Beschluss wurde vom erkennen-
den Senat mit Beschluss vom 4. März 2005 (AnwZ (B) 53/03) als unzulässig
verworfen.
In der Zwischenzeit hatte die Antragsgegnerin den Antragsteller mit
Schreiben vom 27. Mai 2003 aufgefordert, sich mit dem von ihr bestimmten
Gutachter in Verbindung zu setzen, und ihm mit Schreiben vom 29. Oktober
2003 erneut aufgegeben, bis zum 1. Dezember 2003 das Gutachten vorzule-
gen. Diesen Aufforderungen kam der Antragsteller nicht nach. Daraufhin wider-
rief die Antragsgegnerin mit Bescheid vom 4. Dezember 2003 die Zulassung
des Antragstellers zur Rechtsanwaltschaft gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 3 BRAO in
Verbindung mit §§ 15, 8a Abs. 1 Satz 1 BRAO a.F.
Der Anwaltsgerichtshof hat den Antrag auf gerichtliche Entscheidung mit
Beschluss vom 17. Juni 2005 zurückgewiesen. In weiteren Beschlüssen vom
17. Juni und 18. Juli 2005 hat er einen Befangenheitsantrag des Antragstellers
zurückgewiesen und ein dagegen gerichtetes Rechtsmittel des Antragstellers
als unzulässig verworfen. Gegen diese Beschlüsse richtet sich die sofortige Be-
schwerde des Antragstellers. Darüber hinaus beantragt der Antragsteller im
Beschwerdeverfahren, dem Vorstand der Rechtsanwaltskammer und den Rich-
tern des Anwaltsgerichtshofs aufzugeben, ihm wegen vorsätzlicher Diffamie-
rung einen ins Ermessen des Gerichts gestellten Schadensersatzbetrag zu be-
zahlen.
II.
Die sofortige Beschwerde ist nicht statthaft, soweit sie sich gegen die Ab-
lehnung des Befangenheitsantrags des Antragstellers sowie gegen die Verwer-
fung seines dagegen eingelegten Rechtsmittels durch den Anwaltsgerichtshof
richtet.
In der Bundesrechtsanwaltsordnung ist eine sofortige Beschwerde gegen
eine Entscheidung des Anwaltsgerichtshofs in Zulassungssachen nach §§ 37 ff.
BRAO nur unter den Voraussetzungen des § 42 Abs. 1 BRAO vorgesehen. Ei-
ner der Fälle, die in dieser Vorschrift aufgeführt sind, liegt hier nicht vor. Auch
aus einer entsprechenden Anwendung der Vorschriften des Gesetzes über die
Angelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit (§ 42 Abs. 6 Satz 2 BRAO) ist
die Statthaftigkeit des Rechtsmittels des Antragstellers nicht herzuleiten. Ent-
scheidungen der Oberlandesgerichte in Verfahren der Freiwilligen Gerichtsbar-
keit sind unanfechtbar; dies gilt auch in Richterablehnungsverfahren, in denen
das Oberlandesgericht im ersten Rechtszug entschieden hat (BGH, Beschluss
vom 19. Dezember 2002 - V ZB 61/02, NJW-RR 2003, 644) und damit auch für
solche Entscheidungen des beim Oberlandesgericht angesiedelten Anwaltsge-
richtshofs (st. Rspr.; Senatsbeschluss vom 31. März 2006 - AnwZ (B) 119/05,
BRAK-Mitt. 2006, 174 m.w.Nachw.). Nicht statthaft ist damit nicht nur die sofor-
tige Beschwerde gegen den Beschluss vom 17. Juni 2005, mit der der Befan-
genheitsantrag des Antragstellers abgelehnt worden ist, sondern auch die so-
fortige Beschwerde gegen den Beschluss vom 18. Juli 2005, mit dem der An-
waltsgerichtshof selbst bereits über das nicht statthafte Rechtsmittel des An-
tragstellers gegen den Beschluss vom 17. Juni 2005 entschieden hat.
III.
Die sofortige Beschwerde ist dagegen zulässig, soweit sich der An-
tragsteller gegen die Zurückweisung seines Begehrens auf Aufhebung der Wi-
derrufsverfügung wendet (§ 42 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 4 BRAO). Sie hat in der Sa-
che jedoch keinen Erfolg. Die Zulassung des Antragstellers zur Rechtsanwalt-
schaft ist zu Recht nach § 14 Abs. 2 Nr. 3 BRAO widerrufen worden.
1. Es kann dahin gestellt bleiben, ob, wie der Antragsteller meint, der
Anwaltsgerichtshof nicht ordnungsgemäß besetzt und das Verfahren auch im
Übrigen fehlerhaft gewesen sei. Im Beschwerdeverfahren hat der Senat die Sa-
che in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht ohne Bindung an die Feststellun-
gen der Vorinstanz zu beurteilen. Er ist daher selbst dann, wenn das Verfahren
der Vorinstanz an einem wesentlichen Mangel leiden sollte, nach pflichtgemä-
ßem Ermessen befugt, in der Sache selbst zu entscheiden. Dies gilt auch im
Falle der vom Antragsteller erhobenen Besetzungsrüge (BGHZ 77, 327, 329;
Senatsbeschluss vom 2. April 2001 - AnwZ (B) 32/00, insoweit nicht abgedruckt
in NJW-RR 2001, 1426, unter III) und ebenso hinsichtlich der weiteren Rüge
des Antragstellers, ihm sei im vorinstanzlichen Verfahren Akteneinsicht versagt
und dadurch die Terminsvorbereitung unmöglich gemacht worden. Im Übrigen
war der Antragsteller vom Anwaltsgerichtshof auf die Möglichkeit hingewiesen
worden, die Akten in der Kanzlei des an der Entscheidung mitwirkenden
Rechtsanwalts B. einzusehen.
2. Nach § 14 Abs. 2 Nr. 3 BRAO ist die Zulassung zur Rechtsanwalt-
schaft zu widerrufen, wenn der Rechtsanwalt aus gesundheitlichen Gründen
nicht nur vorübergehend unfähig ist, den Beruf eines Rechtsanwalts ordnungs-
gemäß auszuüben, es sei denn, dass sein Verbleiben in der Rechtsanwalt-
schaft die Rechtspflege nicht gefährdet. Anknüpfungstatsachen dafür sind die in
der früheren Fassung der Vorschrift ausdrücklich genannten Beeinträchtigun-
gen, nämlich körperliche Gebrechen, Schwäche der körperlichen oder geistigen
Kräfte oder Sucht (Feuerich/Weyland, BRAO, 6. Aufl., § 14 Rdnr. 27). Durch
Art. 31 des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen und zur Anglei-
chung anderer Gesetze vom 27. April 2002 (BGBl. I S. 1467) wurden die vorge-
nannten Begriffe in § 14 Abs. 2 Nr. 3 BRAO durch den allgemeinen Begriff der
gesundheitlichen Gründe ersetzt. Auch in dieser Neufassung ist die Vorschrift
hinreichend bestimmt und damit verfassungsrechtlich unbedenklich. Der Begriff
"gesundheitliche Gründe" ist einer Auslegung durch die Rechtsprechung fähig,
weil er hinreichend klare Konturen besitzt. Zu seiner Auslegung ist auch die
bisherige Rechtsprechung zu der früheren Fassung der Vorschrift heranzuzie-
hen. Denn eine Änderung des sachlichen Regelungsgehalts der Vorschrift wur-
de mit der Neufassung nach der Begründung des Gesetzentwurfs nicht be-
zweckt (BT-Drucks. 14/7420 S. 34; Feuerich/Weyland, aaO). Danach setzt der
Widerrufsgrund - ebenso wie der Versagungsgrund nach § 7 Nr. 7 BRAO - nach
wie vor nicht voraus, dass der Rechtsanwalt geisteskrank oder geistesschwach
im Sinne des früheren § 6 Abs. 1 Nr. 1 BGB, körperlich, geistig oder seelisch
behindert im Sinne des § 1896 Abs. 1 BGB oder schuldunfähig im Sinne des
§ 20 StGB ist; entscheidend ist vielmehr, ob die körperlichen oder geistigen
Mängel solcher Art und so erheblich sind, dass der Rechtsanwalt deswegen zur
ordnungsgemäßen Berufsausübung - also insbesondere zur ordnungsgemäßen
und sorgfältigen Wahrnehmung der Interessen der Rechtsuchenden - dauernd
außerstande ist (st.Rspr.; Senatsbeschluss vom 12. März 2001 - AnwZ (B)
21/00, BRAK-Mitt. 2001, 231, unter II 2 a; Senatsbeschluss vom 2. April 2001
- AnwZ (B) 32/00, NJW-RR 2001, 1426, unter II 2).
Dies ist beim Antragsteller der Fall. Es besteht eine gesetzliche Vermu-
tung dafür, dass der Antragsteller aus gesundheitlichen Gründen nicht nur
vorübergehend unfähig ist, seinen Beruf als Rechtsanwalt ordnungsgemäß aus-
zuüben (§ 16 Abs. 3a i.V.m. § 8 BRAO; diese Bestimmungen sind durch das
Gesetz zur Stärkung der Selbstverwaltung der Rechtsanwaltschaft vom
26. März 2007, BGBl. I S. 358, ohne inhaltliche Änderung an die Stelle der bis
ten). Die Voraussetzungen für das Eingreifen der Vermutung nach § 16
se gesetzliche Vermutung nicht widerlegt. Damit ist der Widerruf nach § 14
Abs. 2 Nr. 3 BRAO zu Recht erfolgt.
a) Die Antragsgegnerin hatte den Antragsteller aufgefordert, ein Gutach-
ten über seinen Gesundheitszustand vorzulegen. Diese Aufforderung entsprach
den in § 16 Abs. 3a Satz 1 in Verbindung mit § 8 BRAO (§ 15 Satz 1 i.V.m. § 8a
BRAO a.F.) bestimmten Anforderungen. Sie war erforderlich, um durch das
Gutachten klären zu lassen, ob der Widerrufsgrund des § 14 Abs. 2 Nr. 3 BRAO
vorliegt. Der Antragsteller hat das Gutachten ohne zureichenden Grund nicht
innerhalb der von der Antragsgegnerin gesetzten Frist vorgelegt. Dies begrün-
det die gesetzliche Vermutung nach § 16 Abs. 3a Satz 2 BRAO (§ 15 Satz 2
BRAO a.F.). Diese Vorschriften sind entgegen der Auffassung des Antragstel-
lers nicht verfassungswidrig (Senatsbeschluss vom 4. Mai 1998 - AnwZ (B)
81/97, BRAK-Mitt. 1999, 39, unter III 3a).
(1) Die in der Aufforderung der Antragsgegnerin vom 13. August 2002
und - ergänzend - im Beschluss des Anwaltsgerichtshofs vom 14. Februar 2003
dargelegten Umstände hatten der Antragsgegnerin, wie es § 16 Abs. 3a Satz 1
in Verbindung mit § 8 Abs. 1 Satz 1 BRAO (§ 15 Satz 1 i.V.m. § 8a Abs. 1
Satz 1 BRAO a.F.) verlangt, hinreichende Veranlassung gegeben, daran zu
zweifeln, dass der Antragsteller aufgrund seiner geistigen Verfassung noch in
der Lage ist, den Anwaltsberuf ordnungsgemäß auszuüben. Das Verhalten des
Antragstellers in gerichtlichen Verfahren sowie seine Äußerungen über Richter,
Staatsanwälte und die Justiz insgesamt ließen ernsthaft daran zweifeln, dass
der Antragsteller sich noch in einer geistigen Verfassung befindet, in der er die
für einen Rechtsanwalt unabdingbare Fähigkeit zu sachlicher Prüfung und Stel-
lungnahme besitzt (vgl. Senatsbeschluss vom 2. April 2001 - AnwZ (B) 32/00,
NJW-RR 2001, 1426, unter II 3 a). Hinsichtlich der Verhaltensauffälligkeiten des
Antragstellers nimmt der Senat auf die Darstellung im Bescheid der Antrags-
gegnerin vom 13. August 2002 sowie im Beschluss des Anwaltsgerichtshofs
vom 14. Februar 2003 Bezug. Ergänzend wird - beispielhaft - auf folgende Um-
stände verwiesen.
In einem Prozesskostenhilfeverfahren hat der Antragsteller beim Landge-
richt D. einen Schriftsatz vom 14. April 2001 eingereicht, der einen "Teil-
klageentwurf" für eine beabsichtigte Klage einer Mandantin des Antragstellers
gegen den S. Landtag enthält (Beiakte … , "Teilklageentwurf").
Darin heißt es unter anderem (aaO, S. 5):
"Es ist jedoch schon jetzt offenkundig, dass jedenfalls deutsche Richter hier kein Recht mehr sprechen können, weil sie als Partei- ernannte keine Rechtsbindung haben und sich als vom Volk Un- absetzbare ungestraft und sanktionslos jedes noch so ungerechte Urteil erlauben können, so dass ihrer Rechtsgleichgültigkeit oder Beeinflussung durch alle möglichen Personen und Gruppen Tür und Tor geöffnet sind, denn eine Unrechtssprechungskorrektur durch den einzig Befugten, nämlich das regelmäßig unrechtsspre- chende Richter abwählende Volk, findet nicht statt. Deshalb sind Rechtsbeugung und Verfassungshochverrat im Amt tatbestands- mäßig keine Seltenheit, werden aber nie bestraft, weil Vorsatz wegen allgemeinen Desinteresses am Recht, der verbreiteten Un-
fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, und dem fehlenden Unrechtsbewusstsein bei Unrecht praktisch nie gege- ben ist, und selbst wenn, von den Gewalteinheits- und Parteige- nossen in der Staatsanwaltschaft übersehen würde."
Dieser Grundeinstellung entsprechend bezichtigte der Antragsteller in
zahlreichen Verfahren, in denen er als bevollmächtigter Rechtsanwalt auftrat,
die beteiligten Richter und Staatsanwälte, die seinen Anträgen nicht entspra-
chen, der uneidlichen Falschaussage, der Strafvereitelung, der Rechtsbeugung
und des Verfassungshochverrats im Amt (z.B. Beiakte ………………., Bl. 78;
Beiakte ………………, Bl. 52). Er warf Richtern "konstant grundrechtsblinde
Verhandlungsführung", "völlig rechtsstaatlichen Sittenverfall", "böswilligste rich-
terliche Voreingenommenheit" und "Verschwörung zu Lasten meines Mandan-
ten" vor (Beiakte ………… S. 3 f. des Schriftsatzes vom 25. Januar 2002).
Ernsthafte Zweifel daran, dass der Antragsteller aufgrund seiner geisti-
gen Verfassung noch das leisten kann, was Rechtsuchende von einem Rechts-
anwalt als unabhängigem Organ der Rechtspflege erwarten dürfen, werden
nicht zuletzt durch Ausführungen des Antragstellers in dessen Schreiben vom
10. Juni 2002 (Beiakte …………) begründet, das unter anderem an die Justiz-
minister und -senatoren des Bundes und der Länder gerichtet ist. Dort heißt es:
"Besonders bei Richtern ist, wenn sie so aufs Animalische regre- dieren, der Kontrast zwischen Amtstracht und Affenhirn grotesk- makaber, weil er seine Todes- und sonstigen Tierurteile in feierli- cher Menschform ausspricht. Es ist daher, zusätzlich zu Montes- quieus, die heute mögliche technische Gewaltentrennung einzu- führen, die über angeschlossene Hirnstrommesser (EEG) Richter bei Verhandlung, Beratung und Urteilsverkündung blitzschnell selbsttätig stumm schaltet, sobald ihre Hirnaktivität in die subho- miniden Zerebralzonen abirrt, deren bestialische Erzeugnisse Menschen unzumutbar sind. Gesetzlicher Richter, Art. 101 (1) 2 GG, ist also nur der bei seiner urteilsbildenden Tätigkeit an den Ir- rationalinhibitor angeschlossene. Da diese Apparatur zurzeit noch etwas unansehnlich ist, sollte sie b.a.w. zur Wahrung der äußeren
Würde des Gerichts unter der im Zuge der EU-Rechtsangleichung von den Briten zu übernehmenden Wollperücke verborgen wer- den. Im Laufe einiger weiterer Megajahre könnte es uns gelingen, das Tier-Mensch-Übergangsfeld (TMÜ) endlich zu verlassen und den ausschließlich rationalen, also allein ethisch wertvollen Über- menschen, vgl. Nietzsches Zarathustra, justizgesteuert selbsteli- gierend heranzuzüchten, damit diese derzeit unvollkommene Spe- zies ihrem vorausgeworfenen Anspruch: "Pfeile der Sehnsucht nach dem anderen Ufer" auch in praktischer Hinsicht gerecht wird."
Abwegige persönliche Meinungen eines Rechtsanwalts und diffamieren-
de Äußerungen über Richter, Staatsanwälte und die Justiz insgesamt rechtferti-
gen zwar noch nicht die Aufforderung zur Vorlage eines Gutachtens über den
Gesundheitszustand des Rechtsanwalts (vgl. BVerfG, NJW 1983, 1535, 1538,
zu politischen Gesinnungen). Die Grundeinstellung des Antragstellers gegen-
über Richtern und Staatsanwälten führte aber dazu, dass zahlreiche Verfahren,
die der Antragsteller im Interesse seiner Mandanten zu führen hatte, von der
Sache abglitten, zum Nachteil sowohl der Mandanten als auch der gegneri-
schen Partei durch von vornherein ungerechtfertigte Richterablehnungen und
andere prozessuale Schritte verzögert wurden und darüber hinaus Verfahren in
sachfernen Bereichen, insbesondere im Standes- und Strafrecht, nach sich zo-
gen, die für die Mandanten des Antragstellers sinn- und aussichtslos waren.
Damit lagen insgesamt Umstände vor, die ernsthaft darauf hindeuteten, der An-
tragsteller könnte von seinen Vorstellungen in krankhafter Weise derart be-
herrscht sein, dass dies sich zugleich und in schwerwiegender Weise auf seine
Fähigkeit auswirkte, die Belange seiner Mandanten noch sachgerecht und mit
der gebotenen Sorgfalt wahrzunehmen. In diesem Fall aber wären die Interes-
sen der einzelnen Rechtsuchenden und das Gemeinwohlinteresse an einer ge-
ordneten Rechtspflege insgesamt beeinträchtigt. Die Antragsgegnerin und der
Anwaltsgerichtshof haben deshalb - bei Würdigung aller Umstände - die Vor-
aussetzungen für die Anordnung der Vorlage eines Gutachtens nach § 16
(2) Der Antragsteller hat das Gutachten ohne zureichenden Grund nicht
innerhalb der von der Antragsgegnerin bis zum 1. Dezember 2003 gesetzten
Frist vorgelegt (§ 16 Abs. 3a Satz 2 BRAO, § 15 Satz 2 BRAO a.F.). Der Lauf
dieser Frist wurde durch die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen
den Beschluss des Anwaltsgerichtshofs vom 14. Februar 2003, mit dem dieser
den Antrag auf gerichtliche Entscheidung gegen die Anordnung der Vorlage des
Gutachtens zurückgewiesen hatte, nicht gehemmt.
Zu der in § 42 Abs. 4 Satz 2 BRAO angeordneten aufschiebenden Wir-
kung der sofortigen Beschwerde kommt es jedenfalls dann nicht, wenn das
Rechtsmittel - wie im Falle der damaligen sofortigen Beschwerde des An-
tragstellers (Senatsbeschluss vom 4. März 2005 - AnwZ (B) 53/03) - nach § 42
Abs. 1 BRAO nicht statthaft ist. Ein nicht statthafter Rechtsbehelf hat keine auf-
schiebende Wirkung (vgl. zu § 80 VwGO: Schoch, in Schoch/Schmidt-Aßmann,
Pietzner, VwGO, 14. Ergänzungslieferung 2007, § 80 Rdn. 67). Die aufschie-
bende Wirkung soll die Schaffung irreparabler Tatsachen verhindern, die sich
aus der sofortigen Vollziehung der behördlichen Maßnahme ergeben können;
dadurch soll die Möglichkeit offengehalten werden, dass dem Rechtsschutzsu-
chenden durch die beantragte Aufhebung des beanstandeten Bescheids wirk-
samer Rechtsschutz zuteil wird (vgl. BVerfGE 51, 268, 284; BVerfGE 80, 244,
252; BVerwG, NJW 1993, 1610, 1611). Wenn ein Rechtsmittel nicht statthaft ist,
kommt die Gewährung von Rechtsschutz von vornherein nicht in Betracht. Es
besteht dann auch keine Rechtfertigung für den Eintritt der aufschiebenden
Wirkung des gleichwohl eingelegten Rechtsmittels (vgl. BVerwGE 20, 240, 243;
BVerwG, NJW 1993, 1610, 1611).
b) Der Antragsteller hat die gesetzliche Vermutung nach § 16 Abs. 3a
Satz 2 BRAO (§ 15 Satz 2 BRAO a.F.) durch das von ihm vorgelegte Schreiben
des Facharztes für Psychiatrie Dr. E. vom 25. November 2002 und die
ärztliche Bescheinigung des Nervenarztes Dr. B. vom 30. Januar 2003 nicht
widerlegt. Dr. E. hat in seinem Schreiben mitgeteilt, dass sich aus den
übersandten Akten und den im Internet eingesehenen Artikeln keine Aussagen
über die Geschäftsfähigkeit des Antragstellers machen ließen; seine Stellung-
nahme ist schon deshalb nicht aussagekräftig. Dr. B. hat erklärt, dass eine
von ihm am 30. Januar in seiner Praxis durchgeführte neurologische und psy-
chiatrische Untersuchung des Antragstellers keinen Anhalt für eine psychische
Erkrankung oder eine Minderung der geistigen Leistungsfähigkeit erbracht ha-
be. Auch diese Bescheinigung ist nicht geeignet, die Vermutung des § 16
Abs. 3a Satz 2 BRAO (§ 15 Satz 2 BRAO a.F.) zu widerlegen, da sie sich, wie
der Anwaltsgerichtshof zu Recht ausgeführt hat, mit den Verhaltensauffälligkei-
ten des Antragstellers im Rechtsverkehr nicht befasst und dementsprechend
auch nicht zu der maßgeblichen Frage äußert, ob der Antragsteller aufgrund
seiner darin zum Ausdruck kommenden geistigen Verfassung noch in der Lage
ist, den Anwaltsberuf ordnungsgemäß auszuüben. Aus dem gleichen Grund
sind auch die Ausführungen des Sachverständigen S. in der Haupt-
verhandlung eines gegen den Antragssteller geführten Strafverfahrens (…-
……………………. AG B. ) sowie das an den Senat gerichtete Schreiben
vom 20. Februar 2007 der Fachärztin für Psychiatrie P. K. nicht aus-
sagekräftig.
c) Ist danach kraft Gesetzes zu vermuten, dass der Antragsteller aus ge-
sundheitlichen Gründen nicht nur vorübergehend unfähig ist, den Beruf eines
Rechtsanwalts ordnungsgemäß wahrzunehmen, so ist damit zugleich eine Ge-
fährdung der Rechtspflege bei einem Verbleiben des Antragstellers in der
Rechtsanwaltschaft indiziert (BGH, Senatsbeschluss vom 26. Mai 1997 - AnwZ
(B) 4/97, BRAK-Mitt. 1997, 200, unter III; Senatsbeschluss vom 2. April 2001
- AnwZ (B) 32/00, aaO, unter II 3 b). Besondere Umstände, welche die Annah-
me rechtfertigen könnten, dass eine solche Gefährdung ausnahmsweise nicht
besteht, sind beim Antragsteller nicht gegeben.
IV.
Der im Beschwerdeverfahren gestellte Antrag auf Zuerkennung von
Schadensersatz ist unzulässig; im Zulassungsverfahren ist kein Raum für die
Entscheidung über Schadensersatzansprüche (vgl. Senatsbeschluss vom
2. April 2001 - AnwZ (B) 32/00 - insoweit nicht abgedruckt in NJW-RR 2001,
1426, unter II).
V.
Der festgesetzte Gegenstandswert entspricht dem vom Senat in Fällen
des Zulassungswiderrufs üblicherweise festgesetzten Wert (st. Rspr.; vgl. Se-
natsbeschluss vom 14. Februar 2000 - AnwZ (B) 17/98).
Terno
Ernemann
Frellesen
Schaal
Wüllrich
Frey
Quaas
Vorinstanz:
AGH Hamm, Entscheidung vom 17.06.2005 - 1 ZU 74/03 -