Rechtsprechung / BGH

BGH Urteil vom 18.02.2008 – II ZR 132/06

II. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL und TEILVERSÄUMNISURTEIL

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ:

BGHR:

ja

ja

Verkündet am: 18. Februar 2008 Vondrasek Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

AktG §§ 52, 62, 93 Abs. 3 Nr. 1, 4, 116; BGB §§ 812, 818

"Rheinmöve"

a) Eine verdeckte gemischte Sacheinlage (vgl. BGH, Urt. v. 9. Juli 2007

- II ZR 62/06, "Lurgi", ZIP 2007, 1751; z.V.b. in BGHZ) liegt auch dann vor, wenn

eine insolvente Gesellschaft sich zum Zweck ihrer "übertragenden Sanierung" an

dem erhöhten Kapital einer Aktiengesellschaft als Auffanggesellschaft mit dem

Ziel beteiligt, dass diese ihre Aktiva und Passiva übernimmt. Das gilt auch dann,

wenn die Aktiengesellschaft ein Nachgründungsverfahren (§ 52 AktG) durchführt.

b) Das gemäß § 183 Abs. 2 Satz 1 AktG unwirksame Austauschgeschäft ist, soweit

nicht dingliche Ansprüche eingreifen, nach Bereicherungsrecht (§§ 812, 818

BGB) unter Anwendung der Saldotheorie rückabzuwickeln. Die §§ 57, 62 AktG

sind hier nicht anwendbar (vgl. BGH aaO). Unberührt bleibt der Anspruch der AG

auf

(erneute)

Zahlung

des

Ausgabebetrages

der

c) Schuldhaft handelnde Verwaltungsmitglieder der Auffang-AG haften ggf. gemäß

§§ 93 Abs. 2, 116 AktG für eine etwaige Schadensdifferenz zwischen den über-

nommenen Aktiva und den Passiva sowie gemäß § 93 Abs. 3 Nr. 4, § 116 AktG

für die nicht wirksam erbrachte Einlage.

BGH, Urteil und Teilversäumnisurteil vom 18. Februar 2008 - II ZR 132/06 -

OLG Koblenz

LG Mainz

Der

II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche

Verhandlung vom 18. Februar 2008 durch den Vorsitzenden Richter

Prof. Dr. Goette und die Richter Kraemer, Dr. Strohn, Caliebe und Dr. Reichart

für Recht erkannt:

Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 6. Zivilsenats des

Oberlandesgerichts Koblenz vom 20. April 2006 im Kostenpunkt

- mit Ausnahme der Kostenentscheidung zugunsten der Beklagten

zu 5 - sowie insoweit aufgehoben, als die Berufung des Klägers im

Verhältnis zu den Beklagten zu 1 bis 4 zurückgewiesen worden

ist.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zur neuen Verhandlung

und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisions- und des

Nichtzulassungsbeschwerdeverfahrens, soweit darüber durch den

Senatsbeschluss vom 11. Oktober 2007 nicht erkannt ist, an das

Berufungsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

1

Der Kläger ist Insolvenzverwalter des Vermögens der R.

(nachfolgend: R.-AG), die im Januar 2000 als Vorratsgesellschaft entstanden

und später als Auffanggesellschaft für die "übertragende Sanierung" der

R. GmbH & Co. KG (nachfolgend: KG) eingesetzt wor-

den ist. Diese KG betrieb einen Möbelhandel mit zahlreichen Filialen; ihre Be-

triebsimmobilien wurden von ihrer Komplementär-GmbH (im Folgenden: GmbH)

gehalten. Beide Gesellschaften gerieten im Jahr 1999 in Insolvenz; als Insol-

venzverwalter wurde zunächst der - im Mai 2002 durch den Beklagten zu 1 als

Insolvenzverwalter abgelöste - Beklagte zu 2 bestellt. Er entwickelte nach er-

folglosem Versuch des Verkaufs von Unternehmensteilen der KG für diese ein

Fortführungsmodell, dem gemäß die KG am 18. Juli 2000 57 % und ihr ehema-

liger Geschäftsführer, der Beklagte zu 3, 43 % des Grundkapitals (50.000,00 €)

der damals noch als Vorratsgesellschaft firmierenden R.-AG übernahmen. Der

Beklagte zu 2 wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden, die Beklagten zu 3 und 4

wurden zu Vorständen der R.-AG bestellt. Im Zuge einer am 14. August 2000

beschlossenen Barkapitalerhöhung um 1,7 Mio. € zeichnete die KG neue Aktien

im Nennbetrag von 971.500,00 € und der Beklagte zu 3 neue Aktien im Nenn-

betrag von 728.500,00 €. Im Mai und August 2001 folgten zwei weitere Kapital-

erhöhungen, an denen sich dann auch der Beklagte zu 4 beteiligte. Zuletzt be-

trug das Grundkapital der R.-AG 2,125 Mio. €, wovon 1,125 Mio. € auf die KG,

750.000,00 € auf den Beklagten zu 3 und 250.000,00 € auf den Beklagten zu 4

entfielen.

2

Bereits ab Mitte August 2000 hatte die R.-AG faktisch den Betrieb der in-

solventen KG übernommen. Am 22. Dezember 2000 schloss die dabei durch

die Beklagten zu 3 und 4 vertretene R.-AG mit dem Beklagten zu 2 als damali-

gem Insolvenzverwalter der KG einen Kaufvertrag, nach dem sie - rückwirkend

zum 15. August 2000 - das Anlagevermögen der KG einschließlich ihrer sog.

"Mietereinbauten" sowie ihren gesamten ab 18. Juni 1999 eingegangenen Wa-

renvorrat zum Preis von 1,00 DM erwerben, im Gegenzuge aber Verbindlichkei-

ten der KG in Höhe von 17,4 Mio. DM übernehmen sollte. Diesen unter eine

Bedingung gestellten Kaufvertrag behandelten die Beteiligten einvernehmlich

als Nachgründungsgeschäft der R.-AG (§ 52 AktG). Als Nachgründungsprüferin

wurde die am Revisionsverfahren nicht mehr beteiligte Beklagte zu 5 gerichtlich

bestellt. Nachdem diese die im Kaufvertrag enthaltenen Wertansätze gebilligt

hatte, stimmten am 13. September 2001 der Aufsichtsrat und die Hauptver-

sammlung der R.-AG dem Abschluss des Kaufvertrages zu. Die entsprechen-

den Beschlüsse wurden am 2. Oktober 2001 im Handelsregister eingetragen.

3

In der Folgezeit entwickelte sich der Umsatz der R.-AG negativ, worauf-

hin ihre Hausbank, die zuvor auch schon die Hausbank der KG war, die ge-

währten Kredite fällig stellte. Auf Antrag der R.-AG vom 18. Januar 2002 wurde

am 1. März 2002 das Insolvenzverfahren über ihr Vermögen eröffnet und zu-

nächst der Beklagte zu 2 zu ihrem Insolvenzverwalter bestellt, der im Mai 2002

durch den Kläger (als Insolvenzverwalter der R.-AG) abgelöst wurde.

4

Mit seiner Teilklage hat der Kläger die Beklagten zu 1 bis 5 gesamt-

schuldnerisch auf Zahlung von 1.412.351,78 € und darüber hinaus die Beklag-

ten zu 2 bis 4 gesamtschuldnerisch auf Zahlung von 3.587.648,22 € in An-

spruch genommen. Er meint, der Kaufvertrag vom 22. Dezember 2000 sei ein

unzulässiges Nachgründungsgeschäft gewesen und zudem auch mangels

wirksamen Verzichts auf die in dem Vertrag vereinbarte Bedingung des Ab-

schlusses langfristiger Mietverträge für die Betriebsimmobilien nicht wirksam

zustande gekommen. Es bestünden daher Bereicherungs- und Schadenser-

satzansprüche der R.-AG wegen unwirksamer Übernahme der Verbindlichkei-

ten der KG, denen auch keine entsprechenden Aktiva gegenüberstünden. Die

Mietereinbauten seien wertlos; bei den übernommenen Warenvorräten habe

sich ein erheblicher Minderbestand gegenüber den Ansätzen der Übernahmebi-

lanz ergeben. Seitens der KG liege auch eine verdeckte Sacheinlage vor, weil

ihre Bareinlage auf das erhöhte Kapital der R.-AG in Form der Schuldbefreiung

gegenüber ihrer Hausbank und anderen Gläubigern wieder an die KG zurück-

geflossen sei.

5

Die Klage blieb in beiden Vorinstanzen erfolglos. Mit seiner Revision, die

der erkennende Senat auf die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers nur im

Verhältnis zu den Beklagten zu 1 bis 4 zugelassen hat, verfolgt der Kläger ih-

nen gegenüber die bisher geltend gemachten Ansprüche weiter.

Entscheidungsgründe

Die Revision führt (im Umfang ihrer Zulassung) zur Aufhebung des ange-

fochtenen Urteils und zur Zurückverweisung der Sache an das Berufungsge-

richt.

I. Da der Beklagte zu 1 im Verhandlungstermin trotz ordnungsgemäßer

Ladung nicht vertreten war, ist über die Revision insoweit durch Versäumnisur-

teil zu entscheiden, das aber inhaltlich nicht auf der Säumnis, sondern auf einer

Sachprüfung beruht (vgl. BGHZ 37, 79, 81).

II. Das Berufungsgericht (AG 2007, 242 ff.) hält den Unternehmenskauf-

vertrag vom 22. Dezember 2000 für wirksam. Bereicherungsansprüche gegen-

über dem Beklagten zu 1 bestünden nicht. Die im Kaufvertrag vorgesehene Be-

dingung sei auf der Grundlage der durchgeführten Beweisaufnahme als einge-

treten zu behandeln. Ebenso wenig stehe dem Kläger ein Anspruch aus § 62

AktG zu. Das erforderliche Nachgründungsverfahren sei ordnungsgemäß

durchgeführt worden, insbesondere seien im Kaufvertrag angemessene Werte

für den Warenbestand und die Mietereinbauten in Ansatz gebracht worden.

Dem hilfsweise geltend gemachten Anspruch auf nochmalige Erbringung der

Kapitaleinlage unter dem Gesichtspunkt einer verdeckten Sacheinlage stehe

entgegen, dass aufgrund der konkreten Gestaltung der Zahlungsströme sowie

der außerordentlich großen Diskrepanz zwischen der geschuldeten Bareinlage

und der Schuldbefreiung die Grundsätze über die verdeckte Sacheinlage un-

anwendbar seien. Anspruchsbegründende Pflichtverletzungen der Beklagten

zu 2 bis 5 seien nicht feststellbar.

9

III. Das Berufungsurteil hält, soweit es Ansprüche des Klägers gegenüber

den Beklagten zu 1 bis 4 betrifft, revisionsrechtlicher Nachprüfung in entschei-

denden Punkten nicht stand.

10

1. Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts kommt es für etwaige

Bereicherungsansprüche (§ 812 Abs. 1 BGB) des Klägers gegen den Beklagten

zu 1 (als gegenwärtigem Insolvenzverwalter der KG) nicht entscheidend darauf

an, ob die R.-AG auf die in dem Kaufvertrag zwischen ihr und dem Beklagten

zu 2 (als damaligem Insolvenzverwalter der KG) vereinbarten Bedingungen

wirksam verzichtet hat. Von Rechtsirrtum beeinflusst ist nämlich die Auffassung

des Berufungsgerichts, Ansprüche des Klägers unter dem Gesichtspunkt einer

verdeckten Sacheinlage seitens der KG (als Gesellschafterin der R.-AG) be-

stünden nicht. Das Berufungsgericht lässt dabei außer Acht, dass die Beteili-

gung der KG an der R.-AG von vornherein darauf abzielte, die Aktiva und Pas-

siva der KG auf die R.-AG zu übertragen, und dass somit der Abschluss des

Kaufvertrages vom 22. Dezember 2000 im Zeitpunkt der Kapitalerhöhung vom

14. August 2000 bereits vor-abgesprochen war, der zur Folge hatte, dass der

Gegenwert des seitens der KG eingezahlten Einlagebetrages von 971.500,00 €

in Form eines Teils der in dem Kaufvertrag vereinbarten Übernahme der Ver-

bindlichkeiten der KG wieder an diese zurückgeflossen ist. Das erfüllt den Tat-

bestand einer verdeckten Sacheinlage

(vgl. Sen.Urt. v. 9. Juli 2007

- II ZR 62/06, ZIP 2007, 1751 Tz. 13 "LURGI"; v. 20. November 2006

- II ZR 176/05, BGHZ 170, 47 Tz. 11 f.), der vorliegt, wenn die gesetzlichen Re-

geln für Sacheinlagen objektiv dadurch unterlaufen werden, dass zwar - wie

hier - eine Bareinlage vereinbart wird, die Gesellschaft aber bei wirtschaftlicher

Betrachtung von dem Einleger aufgrund eines vor oder bei Übernahme der Ein-

lage abgeschlossenen Gegengeschäfts einen Sachwert erhalten soll. Bei einer

solchen Aufspaltung des wirtschaftlich zusammengehörigen Vorgangs in eine

Barzeichnung und in ein Erwerbsgeschäft wird der Gesellschaft zwar formal

Bargeld als Einlage zugeführt, dieses jedoch im Zusammenhang mit einem

zweiten Rechtsgeschäft gegen die Zuführung eines anderen Gegenstandes

zurückgewährt, mit dem die Gesellschaft im wirtschaftlichen Ergebnis keine

Bar- sondern eine Sacheinlage erhält (vgl. BGHZ 170, 43, 51 f. Tz. 11 f.).

11

a) Die genannten Grundsätze der verdeckten Sacheinlage gelten nach

ständiger Rechtsprechung des Senats auch im Rahmen einer Kapitalerhöhung

(§§ 182 ff. AktG) und werden durch die Vorschriften über die Nachgründung

(§§ 52 f. AktG) nicht verdrängt (vgl. Sen.Urt. v. 9. Juli 2007 aaO Tz. 14

m.w.Nachw.). Das gilt auch, wenn - wie hier - tatsächlich eine Nachgründungs-

prüfung (§ 52 AktG) durchgeführt worden ist; denn diese bezieht sich nicht auf

die Ordnungsmäßigkeit der Kapitalerhöhung und auf die bei der Einlageleistung

auf das erhöhte Kapital zu beachtenden Kautelen, sondern bezweckt einen

Umgehungsschutz dagegen, dass die bei der Gründung zu beachtenden Vor-

schriften des § 27 AktG durch der Gründung nachgelagerte Austauschgeschäf-

te innerhalb der Zweijahresfrist des § 52 Abs. 1 AktG unterlaufen werden (vgl.

Sen.Urt. v. 9. Juli 2007 aaO Tz. 18). Es geht dabei um die Vermeidung einer

verdeckten Sachgründung, nicht einer verdeckten Sachkapitalerhöhung. Auf die

im Schrifttum umstrittene Frage, ob bei einer offen gelegten Sachkapitalerhö-

hung innerhalb der Zweijahresfrist des § 52 Abs. 1 Satz 1 AktG diese Vorschrift

- neben § 183 Abs. 3 AktG - entsprechend heranzuziehen ist (vgl. dazu Hüffer,

AktG 7. Aufl. § 52 Rdn. 11 m.w.Nachw.; offen gelassen im Sen.Urt. v. 9. Juli

2007 aaO Tz. 19), kommt es insoweit auch hier nicht an.

12

b) Ebenso wenig scheitert die Anwendung der Grundsätze der verdeck-

ten Sacheinlage hier - entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts (BU 24 f.) -

an § 52 Abs. 10 AktG in entsprechender Anwendung, die der Senat für das

GmbH-Recht bereits abgelehnt hat (BGHZ 132, 141, 148 f.). Die Vorschrift stellt

- als Reaktion auf eine anders lautende Entscheidung des Reichsgerichts (RGZ

121, 99, 102 f.) - lediglich klar, dass ein bei der Gründung gemäß § 27 Abs. 3

Satz 1 AktG unwirksam abgeschlossenes Geschäft im Rahmen des § 52 AktG

wirksam neu abgeschlossen werden kann (vgl. MünchKommAktG/Pentz 2. Aufl.

§ 52 Rdn. 69; Großkomm.z.AktG/Priester 4. Aufl. § 52 Rdn. 103). Das legiti-

miert nicht eine verdeckte Sacheinlage bei einer Kapitalerhöhung.

13

c) Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts (BU 26 f.) und der Revi-

sionserwiderung des Beklagten zu 2 fehlt es hier an den Voraussetzungen einer

verdeckten Sacheinlage nicht deshalb, weil die Beteiligten einen Einlagenrück-

fluss an die KG nicht ausdrücklich vereinbart haben und das laufende Konto der

R.-AG ein die Einlage auf die Kapitalerhöhung vom 14. August 2000 damals

weit übersteigendes Guthaben von ca. 7,2 Mio. DM aufwies. Ein Einlagenrück-

fluss muss nicht ausdrücklich verabredet werden; es genügt die Verabredung

eines darauf hinauslaufenden Gegengeschäfts. Wie schon erwähnt, war bereits

vor dem Kapitalerhöhungsbeschluss vom 14. August 2000 allen Beteiligten klar,

dass die R.-AG entsprechend dem Fortführungsmodell des Beklagten zu 2 als

Auffanggesellschaft eingesetzt werden und den Betrieb sowie die Aktiva und

Passiva der KG übernehmen sollte, was zur Qualifizierung der Bareinlage der

KG als verdeckte Sacheinlage führt. Ein enger zeitlicher und sachlicher Zu-

sammenhang zwischen dem Zu- und Rückfluss der Einlage begründet lediglich

die Vermutung einer Vorabsprache (BGHZ 152, 37, 44 f.; 153, 107, 109), er ist

aber für deren Feststellung nicht konstitutiv. Ebenso wenig kommt es

- entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts - darauf an, dass die Einlagemit-

tel zunächst einem separaten Festgeldkonto zugeführt wurden und die R.-KG

daneben über erhebliche Bankguthaben verfügte. Ein Einlagenrückfluss bzw.

eine verdeckte Sacheinlage erfordern keine gegenständliche Identität der ein-

und zurückgezahlten Einlagemittel, weshalb es hier auch nicht darauf ankommt,

ob speziell die auf dem Festgeldkonto "geparkten" Einlagemittel zur Schuldbe-

freiung der KG eingesetzt wurden.

14

d) Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts (BU 26) scheitert die An-

nahme einer verdeckten Sacheinlage seitens der KG insbesondere auch nicht

an der "außerordentlich großen Diskrepanz" zwischen der aufgrund der Kapi-

talerhöhung vom 14. August 2000 geleisteten Bareinlage von 971.500,00 € und

den als Gegenleistung für die Übertragung ihrer Aktiva von der R.-AG über-

nommenen Verbindlichkeiten in Höhe von 17.426.064,14 DM. Vielmehr greifen

insoweit die Grundsätze der gemischten verdeckten Sacheinlage ein, wie der

Senat in einem entsprechenden Fall entschieden hat (Urt. v. 9. Juli 2007 aaO

Tz. 15). Daran hält der Senat fest (nicht überzeugend Martens, AG 2007, 732).

Bei der genannten Art der Kapitalaufbringung liegt eine Kombination von Sach-

einlage und Sachübernahme vor, die dadurch gekennzeichnet ist, dass der Ge-

sellschafter einen den Betrag seiner Einlageverpflichtung übersteigenden

Sachwert zum Teil gegen Gewährung von Aktien, zum Teil gegen ein sonstiges

Entgelt auf die Gesellschaft überträgt (Senat aaO sowie BGHZ 170, 47, 54

Tz. 17). Handelt es sich um eine kraft Parteivereinbarung unteilbare Leistung

- wie hier die Übertragung der den Kern des Unternehmens der KG bildenden

Sach- und Rechtsgesamtheit -, so kann nicht ein Teil davon oder ein der Höhe

nach der geschuldeten Bareinlage entsprechender Teil der Gegenleistung (hier

Schuldbefreiung) ausgegliedert und als isolierte Sacheinlage angesehen wer-

den (vgl. Habersack, ZGR 2008, 48). Vielmehr unterliegt das Rechtsgeschäft

insgesamt den für Sacheinlagen geltenden Regelungen, im Fall einer Kapitaler-

höhung also denjenigen des § 183 AktG, mit der Folge, dass gemäß § 183

Abs. 2 Satz 1 AktG im vorliegenden Fall der gesamte Kaufvertrag zwischen der

R.-AG und der KG sowie die Rechtshandlungen zu seiner Ausführung gegen-

über der R.-AG unwirksam sind. Weitere Rechtsfolge ist gemäß § 183 Abs. 2

Satz 3 AktG, dass die Bareinlage nicht wirksam geleistet und der Aktionär des-

halb verpflichtet ist, den Ausgabebetrag der Aktie (erneut) einzuzahlen

(Sen.Urt. v. 9. Juli 2007 aaO Tz. 16).

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e) Ansprüche auf (erneute) Einlagenzahlung macht der Kläger nach den

insoweit nicht angegriffenen Ausführungen des Berufungsgerichts offenbar nur

hilfsweise geltend. Primär verlangt er von dem Beklagten zu 1 Erstattung eines

Teils des Gegenwerts der Schuldbefreiung der KG. Ein Anspruch aus § 62

AktG besteht insoweit - entgegen der Ansicht der Revision - nicht und käme

auch dann nicht in Betracht, wenn der von der R.-KG als Nachgründungsge-

schäft (§ 52 AktG) gehandhabte Kaufvertrag (auch) wegen Verstoßes gegen

§ 52 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 Satz 1 AktG unwirksam wäre (Sen.Urt. v. 9. Juli 2007

aaO Tz. 18; zust. K. Schmidt/Lutter/Bayer, AktG § 52 Rdn. 42). Auf den verblei-

benden Bereicherungsanspruch gemäß §§ 812, 818 BGB ist im Grundsatz die

sog. "Saldotheorie" anzuwenden (vgl. Sen.Urt. v. 9. Juli 2007 aaO Tz. 18, 24),

wobei allerdings hier die Unwirksamkeitsfolgen des § 183 Abs. 2 AktG für die

dinglichen Vollzugsgeschäfte zu berücksichtigen sind. Dies bedeutet einerseits,

dass dem Kläger Bereicherungsansprüche wegen der (relativ) unwirksamen

Schuldübernahme nur zustehen, soweit die Gläubiger zugestimmt haben (vgl.

§§ 415 Abs. 1, 417 Abs. 2 BGB) oder diese von der R.-AG tatsächlich befriedigt

worden sind. Insoweit handelt es sich um eine Masseschuld der insolventen KG

(§ 55 Abs. 1 Nr. 1, 3 InsO). Andererseits steht der KG ein dinglicher Herausga-

beanspruch auf die unwirksam übertragenen, noch vorhandenen Vermögens-

gegenstände zu (vgl. BGHZ 155, 329); darüber hinaus kommen Ansprüche auf

Wertersatz für verbrauchtes Umlaufvermögen (§ 818 Abs. 2 BGB; vgl. Sen.Urt.

v. 16. März 1998 - II ZR 303/96, ZIP 1998, 780, 783) sowie Ansprüche auf Nut-

zungsersatz gemäß § 818 Abs. 1 BGB in Betracht (zur Rückabwicklung eines

Unternehmenskaufvertrages

vgl. BGH, Urt.

v.

10. Februar

1999

- VIII ZR 314/97, NJW 1999, 1181 sowie BGHZ 168, 220).

16

Das Berufungsgericht hat zu alledem - von seinem Rechtsstandpunkt

aus konsequent - keine Feststellungen getroffen. Allerdings fehlt es bisher sei-

tens des Klägers an der - auch für seine Teilklage erforderlichen - Darlegung

eines Gesamtsaldos, auf den er glaubt Anspruch zu haben (vgl. Sen.Urt. v.

9. Juli 2007 aaO Tz. 24 m.w.Nachw.). Die Klage ist aber - entgegen der Revisi-

onserwiderung des Beklagten zu 2 - gleichwohl nicht aus diesem Grund im

Verhältnis zu dem Beklagten zu 1 abweisungsreif, weil das Berufungsgericht in

seinen zu Protokoll gegebenen Hinweisen vom 22. September 2005 (GA III

728 ff., 730) die Problematik einer Saldierung nur hypothetisch angesprochen

und auf ein vom Kläger vorgelegtes Rechtsgutachten (vgl. Falk/Schäfer

ZIP 2004, 1337), welches eine Saldierungsmöglichkeit aus Rechtsgründen ver-

neint, verwiesen hat. Infolgedessen muss dem Kläger gemäß § 139 Abs. 2 ZPO

Gelegenheit zur Nachholung der erforderlichen Darlegungen gegeben werden.

Zudem muss auch dem Beklagten zu 1 die ihm obliegende Darlegung der zu-

gunsten der KG anzusetzenden Rechnungsposten (vgl. dazu BGH, Urt. v.

10. Februar 1999 aaO) ermöglicht werden.

17

2. a) In Konsequenz der obigen Ausführungen kann das Berufungsurteil

auch hinsichtlich der Beklagten zu 2 bis 4 keinen Bestand haben, weil das Be-

rufungsgericht die von dem Kläger u.a. auf die Verantwortlichkeit der Beklagten

zu 2 bis 4 (als Organmitglieder der R.-AG) für die verdeckte Sacheinlage (§§ 93

Abs. 3 Nr. 4, 184 Abs. 1 AktG) gestützten Ansprüche mit der unzutreffenden

Begründung zurückgewiesen hat, dass die Bareinlage ordnungsgemäß erbracht

worden sei. Auch hinsichtlich weiterer möglicher Schadensersatzansprüche aus

§§ 93 Abs. 2 Satz 1, 111 Abs. 1, 116 AktG wird das Berufungsgericht seinen

Standpunkt, dass keine Pflichtverletzungen der Beklagten zu 2 bis 4 festzustel-

len seien, auf der Grundlage der obigen Ausführungen und der in der Revisi-

onsinstanz gewechselten Schriftsätze erneut zu überprüfen haben.

18

b) Ob die Beklagten ggf. wegen tatsächlicher Durchführung eines Nach-

gründungsverfahrens auch aus §§ 53, 46 f. AktG in Anspruch genommen wer-

den können, kann offen bleiben, weil nicht ersichtlich ist, dass daraus im vorlie-

genden Fall weitergehende Schadensersatzverpflichtungen als aus den oben

erwähnten Anspruchsgrundlagen der §§ 93, 111, 116 AktG resultieren können.

Die Beklagten würden ggf. nach sämtlichen in Betracht kommenden An-

spruchsgrundlagen - entgegen der Ansicht des Klägers - nicht schlechthin

bis zur Höhe der von der R.-AG übernommenen Verbindlichkeiten

(17.426.064,14 DM = 8.909.805,12 €) haften, sondern nur für einen etwaigen

Differenzschaden im Verhältnis zu dem auf die R.-AG übertragenen Aktivver-

mögen der KG. Soweit das Berufungsgericht einen überhöhten Wertansatz ins-

besondere bei den sog. Mietereinbauten unter Hinweis auf die Werthaltigkeits-

bestätigung der (vormaligen) Beklagten zu 5 für nicht dargetan erachtet, geht

dies zum einen, wie die Revision zu Recht rügt, daran vorbei, dass die genann-

te Bestätigung "unter der Prämisse der Fortführung des Geschäftsbetriebes wie

bisher" stand und auf der in dem Kaufvertrag vereinbarten Bedingung basierte,

dass die R.-AG "in die bestehende Vereinbarung mit den Poolbanken hinsicht-

lich der Mietverträge" eintritt. Zum anderen genügen aber die von dem Kläger

behaupteten Unstimmigkeiten bei einzelnen Wertansätzen (Mietereinbauten,

Warenbestand) ohnehin nicht; vielmehr kommt es auf eine etwaige Differenz

zwischen den übernommenen Verbindlichkeiten und dem - gemäß dem Nach-

gründungsbericht ihren Betrag angeblich übersteigenden - Gesamtwert des Ak-

tivvermögens der KG zur Zeit seiner Übernahme an.

19

c) Auf die §§ 57, 62 AktG (i.V.m. § 93 Abs. 3 Nr. 1 AktG; vgl. dazu Hüffer

aaO § 93 Rdn. 22) kann der Kläger weitergehende Ansprüche auch gegenüber

den Beklagten zu 2 bis 4 nicht stützen (vgl. oben III 1 e). Die Unanwendbarkeit

dieser Vorschriften auf einen Fall der vorliegenden Art ist allerdings erst durch

das nach Erlass des angefochtenen Urteils ergangene Senatsurteil vom 9. Juli

2007 (aaO Tz. 18) geklärt worden, weshalb dem Kläger auch insoweit gemäß

§ 139 Abs. 2 ZPO Gelegenheit zu einer geeigneten Schadensberechnung zu

geben ist.

20

IV. In dem neu eröffneten Berufungsverfahren sollte das Berufungsge-

richt auf eine Klarstellung seitens des Klägers hinwirken, welchen Anspruch er

gegenüber welchem Beklagten in welcher Höhe geltend machen will und in wel-

chem prozessualen Verhältnis die einzelnen Ansprüche untereinander stehen

sollen. Hinsichtlich der Beklagten zu 2 bis 4 wird es zu klären haben, inwieweit

diesen unter Berücksichtigung eines ihnen einzuräumenden unternehmerischen

Entscheidungsspielraums und auf Grundlage des damaligen Stands der Recht-

sprechung betreffend die Grenzen einer "übertragenden Sanierung" sowie die

Grundsätze der verdeckten gemischten Sacheinlage für aus heutiger Sicht als

Pflichtverletzungen einzustufende Handlungen ein Verschulden zur Last gelegt

werden kann. Ferner wird den Beklagten zu 2 betreffend auch dessen eventuel-

le subsidiäre Haftung nach § 61 InsO zu prüfen sein. Sollte sich eine erneute

Befassung mit der Wirksamkeit des durchgeführten Nachgründungsverfahrens

und/oder des Eintritts der in § 13 f. des Kaufvertrages vorgesehenen Bedingung

als erforderlich erweisen, wird darauf hingewiesen, dass ein formloser Verzicht

auf die vereinbarte aufschiebende Bedingung jedenfalls nicht dem Schriftform-

erfordernis des § 52 Abs. 2 Satz 1 AktG genügt (vgl. BGH, Urt. v. 23. November

1988 - VIII ZR 262/87, NJW-RR 1989, 291) und der im Handelsregister einge-

tragene Vertrag mit einem solchen Verzicht nicht übereinstimmt.

Goette Kraemer Strohn

Caliebe Reichart

Vorinstanzen:

LG Mainz, Entscheidung vom 30.12.2004 - 12 HK.O 57/03 -

OLG Koblenz, Entscheidung vom 20.04.2006 - 6 U 120/05 -