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BGH Beschluss vom 17.12.2009 – IX ZB 69/08

IX. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

17. Dezember 2009

in dem Insolvenzverfahren

Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter

Dr. Ganter, die Richter Prof. Dr. Kayser, Prof. Dr. Gehrlein, Dr. Fischer und

Grupp

am 17. Dezember 2009

beschlossen:

Der Antrag des Schuldners auf Gewährung von Prozesskostenhil-

fe wird abgelehnt.

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 86. Zivilkammer

des Landgerichts Berlin vom 27. Februar 2008 wird auf Kosten

des Schuldners als unzulässig verworfen.

Der Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird

auf 5.000 € festgesetzt.

Gründe

1

Die gemäß §§ 6, 7, 309 Abs. 2 Satz 3 InsO, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1

ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig. Die Rechtssache hat keine

grundsätzliche Bedeutung, und weder die Fortbildung des Rechts noch die Si-

cherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordern eine Entscheidung des

Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO).

2

1. Gemäß § 309 Abs. 2 Satz 2 InsO hat der Gläubiger die Gründe, die

nach § 309 Abs. 1 Satz 2 InsO einer Ersetzung seiner Einwendungen durch

eine Zustimmung entgegenstehen, glaubhaft zu machen. Entsprechendes gilt

im Rahmen von § 309 Abs. 3 InsO. Die von der Rechtsbeschwerde aufgewor-

fene Frage, welche Anforderungen an eine Glaubhaftmachung im Sinne der

vorgenannten Bestimmungen zu stellen sind, ist geklärt. Für die im angeführten

Verfahrensstadium dem Gläubiger obliegende Last der Beweisführung findet

über die Verweisung in § 4 InsO die Vorschrift des § 294 ZPO Anwendung. Die

gerichtliche Würdigung der Darstellung und der beigebrachten Beweismittel hat

auch die für den Gläubiger bestehenden Schwierigkeiten, den Sachverhalt hin-

reichend aufzuklären, zu berücksichtigen (vgl. BGHZ 156, 139, 141 f; BGH,

Beschl. v. 5. April 2006 - IX ZB 50/05, WM 2006, 1158). Von diesen Grundsät-

zen ist das Beschwerdegericht ersichtlich ausgegangen. Es hat in tatrichterlich

zulässiger Würdigung des Verfahrensstoffes annehmen können, dass das von

der weiteren Beteiligten geltend gemachte Ersetzungshindernis glaubhaft nach-

gewiesen ist. Diese Würdigung erweist sich unter zulässigkeitsrelevanten Ge-

sichtspunkten als beanstandungsfrei.

3

Die von der Rechtsbeschwerde als grundsätzlich eingestufte Rechtsfra-

ge, ob ein Gläubiger im Sinne von § 309 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 InsO wirtschaftlich

schlechter gestellt ist, wenn der Schuldenbereinigungsplan keine Wiederaufle-

bensklausel für den Fall vorsieht, dass der Schuldner während der Planlaufzeit

seine Obliegenheiten verletzt (bejahend LG Memmingen NZI 2000, 233, 235;

LG Lübeck ZVI 2002, 10; LG Köln NJW-RR 2003, 1560, 1561; Uh-

lenbruck/Vallender, InsO 12. Aufl. § 309 Rn. 77; verneinend LG Hannover NZI

2004, 389, 390; AG Bremen NZI 2004, 277; AG Bremerhaven ZVI 2007, 21,

22), stellt sich nicht. Von einer wirtschaftlichen Schlechterstellung ist jedenfalls

dann auszugehen, wenn glaubhaft gemacht ist, dass dem Schuldner die Rest-

schuldbefreiung zu versagen wäre, und der Plan für diesen Fall keine Wieder-

auflebensklausel enthält. Dass das Beschwerdegericht letzteres angenommen

hat, lässt keinen Verstoß gegen den Anspruch des Schuldners auf rechtliches

Gehör erkennen. Die von der Rechtsbeschwerde in Bezug genommenen Anla-

ge 7 C zum Eröffnungsantrag reicht insofern nicht aus, weil sie lediglich Verstö-

ße "gegen die sich aus dieser Vereinbarung ergebenden Pflichten" betrifft. Die-

se sind nicht deckungsgleich mit den Pflichten aus §§ 290, 295 InsO.

4

2. Dass die von dem Schuldner angegebene Forderung seiner Mutter in

Höhe von 15.000 € - die nach Auffassung des Beschwerdegerichts nicht be-

steht - lediglich 0,41 v.H. der Gesamtverbindlichkeiten ausmache, ist entgegen

der Ansicht der Rechtsbeschwerde unerheblich. Es geht nicht um eine Beein-

trächtigung der Gläubiger gemäß § 309 Abs. 3 InsO, also um eine angemesse-

ne Beteiligung des Gläubigers im Verhältnis zu den anderen Gläubigern, son-

dern um eine Schlechterstellung gemäß § 309 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 InsO. An die-

ser ist nicht zu zweifeln, wenn im Schuldenbereinigungsplan eine Forderung - in

welcher Hohe auch immer - berücksichtigt wird, die außerhalb des Plans unbe-

rücksichtigt bliebe.

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3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 4 InsO, § 577 Abs. 6

Satz 3 ZPO abgesehen.

Ganter Kayser Gehrlein

Fischer Grupp

Vorinstanzen:

AG Berlin-Schöneberg, Entscheidung vom 30.11.2007 - 39 IK 271/05 -

LG Berlin, Entscheidung vom 27.02.2008 - 86 T 17/08 -