Rechtsprechung / Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen
Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen Beschluss vom 28.10.2020 – 1 Ws 142/20
Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen Geschäftszeichen: 1 Ws 142/20 3 Zs 215/20 GenStA
B E S C H L U S S
in dem Klagerzwingungsverfahren
der
1. …
2. …
- Antragstellerinnen -
Verfahrensbevollmächtigter: Rechtsanwalt …
gegen unbekannt
hat der 1. Strafsenat durch den Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Dr. Schromek, den Richter am Oberlandesgericht Dr. Böger und den Richter am Oberlandesgericht Dr. Kramer
am 28. Oktober 2020 beschlossen:
Der Antrag der Antragstellerinnen vom 14.10.2020 auf gerichtliche Entscheidung gegen den Bescheid der Generalstaatsanwaltschaft Bremen vom 10.09.2020 im Todesermittlungsverfahren betreffend den Verstorbenen … wird als unzulässig verworfen.
G R Ü N D E:
Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung vom 14.10.2020 ist unzulässig, da er entgegen den Anforderungen des § 172 Abs. 2 S. 1 und Abs. 3 S. 1 StPO nicht fristgemäß mit einer Begründung versehen worden ist. Der Bescheid der Generalstaatsanwaltschaft Bremen vom 10.09.2020 ist dem Verfahrensbevollmächtigten der Antragstellerinnen am 14.09.2020 zugegangen, so dass die nach § 43 StPO zu berechnende Frist zur Einlegung sowie zur Begründung des Antrags auf gerichtliche Entscheidung nach § 172 Abs. 2 S. 1 StPO am 14.10.2020 abgelaufen ist. Der am 14.10.2020 gestellte und am selben Tag ohne Begründung eingegangene Antrag war daher zu verwerfen. Dem zugleich gestellten Antrag auf Verlängerung der Frist zur Begründung kann nicht entsprochen werden, da die sowohl für die Einlegung wie auch die Begründung des Antrags im Klageerzwingungsverfahren geltende Frist nach § 172 Abs. 2 S. 1 StPO als gesetzliche Frist nicht der Verlängerung zugänglich ist (allgemeine Auffassung, siehe OLG Düsseldorf, Beschluss vom 04.03.1987 – 1 Ws 140/87, BeckRS 9998, 57499, NJW 1987, 2453; OLG Frankfurt, Beschluss vom 03.01.2012 – 2 Ws 166/11, juris Rn. 6, NStZ-RR 2012, 146; OLG Nürnberg, Beschluss vom 11.11.1997 – Ws 1078/97, juris Rn. 15, NStZ-RR 1998, 143; OLG Stuttgart, Beschluss vom 09.02.2001 – 1 Ws 2/01, juris Rn. 1, Die Justiz 2001, 222; Beschluss vom 09.01.2002 – 5 Ws 2/2002, BeckRS 2009, 29414; KK/Moldenhauer, 8. Aufl., § 172 StPO Rn. 31; Meyer-Goßner/Schmitt, 63. Aufl., § 172 StPO Rn. 25; MüKo/Kölbel, § 172 StPO Rn. 58; siehe auch LR-Graalmann-Scheerer, 26. Aufl., § 172 StPO Rn. 127 f.). Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei. Die Kostenvorschrift des § 177 StPO greift bei einer Verwerfung des Antrags auf gerichtliche Entscheidung als unzulässig nicht (st. Rspr. des Senats, siehe bereits Hanseatisches OLG in Bremen, Beschluss vom 06.01.1983 – Ws 236/82 (Zs 357/82), juris Ls., MDR 1984, 164; Meyer-Goßner/Schmitt, 63. Aufl., § 177 StPO Rn. 1).
gez. Dr. Schromek
gez. Dr. Böger
gez. Dr. Kramer