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BPatG Beschluss vom 20.02.2006 – 9 W (pat) 330/03

9. Senat

BUNDESPATENTGERICHT

_______________

(Aktenzeichen)

Verkündet am

20. Februar 2006

B E S C H L U S S

In der Einspruchssache

betreffend das Patent 195 09 947

… 08.05

hat der 9. Senat (Technischer Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf

die mündliche Verhandlung vom 20. Februar 2006 unter Mitwirkung …

beschlossen:

Das Patent wird widerrufen.

G r ü n d e

I.

Gegen das am 18. März 1995 angemeldete und am 05. Dezember 2002 veröffentlichte Patent mit der Bezeichnung

"Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine"

ist von der A… (Einsprechende I) und von der B…

AG (Einsprechende II) Einspruch erhoben worden.

Die Einsprechende I ist der Auffassung, der erteilte Patentanspruch 1 ginge über

die ursprüngliche Offenbarung hinaus. Beide Einsprechenden sind darüber hinaus

der Ansicht, der Gegenstand des Patentanspruchs 1 sei gegenüber dem in Betracht gezogenen Stand der Technik nicht patentfähig. Zur Begründung verweisen

sie u .a. auf folgende Druckschriften:

- DE 42 41 810 A1 (EP 0 607 514 A2)

- DE-OS 2 046 131

- DE 36 26 287 C2

Die Einsprechenden stellen den Antrag,

das Patent zu widerrufen.

Die Patentinhaberin stellt den Antrag,

das Patent aufrechtzuerhalten,

hilfsweise, das Patent mit folgenden Unterlagen beschränkt aufrechtzuerhalten:

1. Patentansprüche 1 bis 4 gemäß Hilfsantrag 1,

Beschreibung Spalten 1 und 2 mit Zusatzseite,

jeweils eingegangen am 13. Februar 2006,

Beschreibung Spalte 3 mit Teileliste Spalte 3/4,

Zeichnungen Figuren 1 und 2,

jeweils wie erteilt;

2. Patentansprüche 1 bis 5 gemäß Hilfsantrag 2, eingegangen

am 13. Februar 2006,

im Übrigen mit Unterlagen wie Hilfsantrag 1,

3. Patentansprüche 1 bis 5 gemäß Hilfsantrag 3, eingegangen

am 13. Februar 2006,

im Übrigen mit Unterlagen wie Hilfsantrag 1,

wobei jeweils in Hilfsantrag 2 und 3 in Patentanspruch 1 hinter

winkellagegeregelter Motor (…) eingefügt wird : "und ein Lagegeber (66; 67; 68; 69; 70; 71; 72)".

Die Patentinhaberin ist der Meinung, der Gegenstand des jeweiligen Patentanspruchs 1 nach Haupt- und Hilfsanträgen sei den ursprünglichen Unterlagen entnehmbar und gegenüber dem in Betracht gezogenen Stand der Technik patentfähig.

Der erteilte Patentanspruch 1 lautet :

"Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine, bestehend aus einer Mehrzahl von Funktionseinheiten mit antreibbaren rotierenden

Bauteilen, wie z. B. Querfalzeinrichtungen, Schaufelräder oder

Längsfalzvorrichtungen,

dadurch gekennzeichnet,

dass den Funktionseinheiten (11; 12; 24; 32; 39; 43; 53) mit ihren

antreibbaren rotierenden Bauteilen (3; 4; 6; 7; 16 bis 19; 22; 28;

29; 36; 37; 46; 47; 54; 56; 57) jeweils ein winkellagegeregelter

Motor (13; 14; 27; 34; 42; 49; 59) in der Weise zugeordnet ist,

dass eine Querfalzeinrichtung (24), deren rotierende Bauteile (16

bis 19, 22) mittels eines Antriebszuges (26) untereinander verbunden sind, mit einem ersten Motor (27) gekoppelt ist, dass ein

Schaufelrad (47; 57) mit einem zweiten Motor (49; 59) gekoppelt

ist und dass eine Längsfalzvorrichtung (28, 29; 36, 37) mit einem

dritten Motor (34; 42) gekoppelt ist."

Der Patentanspruch 1 nach dem Hilfsantrag 1 lautet :

"Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine, bestehend aus einer Mehrzahl von Funktionseinheiten mit antreibbaren rotierenden

Bauteilen, wie z. B. Querfalzeinrichtungen, Schaufelräder oder

Längsfalzvorrichtungen, wobei den Funktionseinheiten (11; 12; 24;

32; 39; 43; 53) mit ihren antreibbaren rotierenden Bauteilen (3; 4;

6; 7; 16 bis 19; 22; 28; 29; 36; 37; 46; 47; 54; 56; 57) jeweils ein

winkellagegeregelter Motor (13; 14; 27; 34; 42; 49; 59) und ein

Lagegeber (66; 67; 68; 69; 70; 71; 72) in der Weise zugeordnet ist,

dass eine Querfalzeinrichtung (24), deren rotierende Bauteile (16

bis 19, 22) mittels eines Antriebszuges (26) untereinander verbunden sind, mit einem ersten Motor (27) gekoppelt ist, dass ein

Schaufelrad (47; 57) mit einem zweiten Motor (49; 59) gekoppelt

ist und dass eine Längsfalzvorrichtung (28, 29; 36, 37) mit einem

dritten Motor (34; 42) gekoppelt ist."

Der Patentanspruch 1 nach dem Hilfsantrag 2 lautet :

"Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine, bestehend aus einer Mehrzahl von Funktionseinheiten mit antreibbaren rotierenden

Bauteilen, wie z. B. Querfalzeinrichtungen, Schaufelräder oder

Längsfalzvorrichtungen, wobei den Funktionseinheiten (11; 12; 24;

32; 39; 43; 53) mit ihren antreibbaren rotierenden Bauteilen (3; 4;

6; 7; 16 bis 19; 22; 28; 29; 36; 37; 46; 47; 54; 56; 57) jeweils ein

winkellagegeregelter Motor (13; 14; 27; 34; 42; 49; 59) und ein

Lagegeber (66; 67; 68; 69; 70; 71; 72) in der Weise zugeordnet ist,

dass eine Querfalzeinrichtung (24), deren rotierende Bauteile (16

bis 19, 22) mittels eines Antriebszuges (26) untereinander verbunden sind, mit einem ersten Motor (27) gekoppelt ist, dass ein ungefalzt durch eine Längsfalzvorrichtung (36) hindurch geförderte

Falzprodukte aufnehmendes Schaufelrad (47) mit einem zweiten

Motor (49) gekoppelt ist und dass die Längsfalzvorrichtung (36)

mit einem dritten Motor (42) gekoppelt ist."

Der Patentanspruch 1 nach dem Hilfsantrag 3 lautet :

"Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine, bestehend aus einer Mehrzahl von Funktionseinheiten mit antreibbaren rotierenden

Bauteilen, wie z. B. Querfalzeinrichtungen, Schaufelräder oder

Längsfalzvorrichtungen, wobei den Funktionseinheiten (11; 12; 24;

32; 39; 43; 53) mit ihren antreibbaren rotierenden Bauteilen (3; 4;

6; 7; 16 bis 19; 22; 28; 29; 36; 37; 46; 47; 54; 56; 57) jeweils ein

winkellagegeregelter Motor (13; 14; 27; 34; 42; 49; 59) und ein

Lagegeber (66; 67; 68; 69; 70; 71; 72) in der Weise zugeordnet ist,

dass eine Querfalzeinrichtung (24), deren rotierende Bauteile (16

bis 19, 22) mittels eines Antriebszuges (26) untereinander verbunden sind, mit einem ersten Motor (27) gekoppelt ist, wobei ein ungefalzt durch eine Längsfalzvorrichtung (36) hindurch geförderte

Falzprodukte aufnehmendes Schaufelrad (47) mit einem zweiten

Motor (49) gekoppelt ist, wobei das Schaufelrad (47) mit einer

Zugwalze (46) als Funktionseinheit (43) mittels eines Antriebszuges (48) formschlüssig miteinander und mit dem zweiten Motor (49) verbunden ist, und wobei die Längsfalzvorrichtung (36) mit

einem dritten Motor (42) gekoppelt ist."

Den jeweiligen Patentansprüchen 1 nach dem Hauptantrag und den Hilfsanträgen 2 und 3 schließen sich die erteilten Patentansprüche 2 bis 5 als Unteransprüche 2 bis 5, dem Patentanspruch 1 nach dem Hilfsantrag 1 schließen sich die erteilten Patentansprüche 2, 4 und 5 als Unteransprüche 2 bis 4 an.

II.

Die Zuständigkeit des Bundespatentgerichts ist durch PatG §147 Abs. 3 Satz 1

begründet.

Der Einspruch ist zulässig. Er hat Erfolg durch den Widerruf des Patents.

1.

Das Patent betrifft einen Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine. In

der Beschreibungseinleitung der Streitpatentschrift ist sinngemäß ausgeführt, dass

die Antriebszüge üblicher Falzapparate die in einzelnen Funktionseinheiten entstehenden mechanischen Schwingungen auf andere Funktionseinheiten übertragen. Dies könne zu Übertragungs- bzw. Übergabefehlern bei Falzprodukten und

dadurch zu sogenannten Papierstopfern führen, was einen Ausfall des Falzapparates zur Folge haben könne.

Das dem Patent zugrunde liegende und mit der Aufgabe formulierte technische

Problem besteht daher sinngemäß darin,

einen Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine zu schaffen, dessen

stark schwingungserzeugende rotierende Bauteile bzw. Funktionseinheiten

antriebsmäßig separiert sind.

Dieses Problem soll durch den Falzapparat mit den im jeweiligen Patentanspruch 1 nach dem Haupt- und den Hilfsanträgen angegebenen Merkmalen gelöst

werden.

2.

Einer Entscheidung über die Zulässigkeit der jeweiligen Patentansprüche 1

nach Haupt- und Hilfsanträgen hinsichtlich ursprünglicher Offenbarung sowie über

die Neuheit des jeweiligen Anspruchsgegenstands bedarf es nicht, da dieser wie

nachstehend ausgeführt für den zuständigen Fachmann aus dem Stand der Technik nahe liegend auffindbar war.

3.

Der Falzapparat nach dem

jeweiligen Patentanspruch 1 nach dem

Hauptantrag und den Hilfsanträgen 1 und 3 beruht nicht auf einer erfinderischen

Tätigkeit.

Als Durchschnittsfachmann nimmt der Senat einen Ingenieur der Fachrichtung

Maschinenbau an, der bei einem Druckmaschinen-Hersteller/-Zulieferer mit der

Konstruktion von Falzapparaten befasst ist und auf diesem Gebiet über mehrjährige Berufserfahrung verfügt.

3.1 Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag

Zur Erleichterung von Bezugnahmen ist der erteilte Patentanspruch 1 nachstehend in Form einer Merkmalsgliederung dargestellt.

1. Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine,

1.1 bestehend aus einer Mehrzahl von Funktionseinheiten mit antreibbaren rotierenden Bauteilen, wie z. B. Querfalzeinrichtungen, Schaufelräder, oder Längsfalzvorrichtungen,

2.

den Funktionseinheiten mit ihren antreibbaren rotierenden Bauteilen

- Oberbegriff -

ist jeweils ein Motor zugeordnet,

2.1 der Motor ist winkellagegeregelt,

3.

eine Querfalzeinrichtung ist mit einem ersten Motor gekoppelt,

3.1 die rotierenden Bauteile der Querfalzeinrichtung sind mittels eines Antriebszuges untereinander verbunden,

4.

5.

ein Schaufelrad ist mit einem zweiten Motor gekoppelt,

eine Längsfalzvorrichtung ist mit einem dritten Motor gekoppelt.

- Kennzeichen -

Der aufgabengemäß mit der antriebsmäßigen Trennung schwingungsintensiver

Funktionseinheiten des Falzapparates befasste Fachmann findet im einschlägigen

Fachgebiet Vorschläge, wie diese antriebsmäßige Trennung von Komponenten

des Falzapparates realisiert werden kann. Aus der DE 42 41 810 A1 sowie der

inhaltsgleichen EP 0 607 514 A2 (im Folgenden wird auf die DE 42 41 810 A1 Bezug genommen) ist ein Falzapparat für eine Rotationsdruckmaschine bekannt

(Merkmal 1.), der eine Mehrzahl von Funktionseinheiten mit antreibbaren rotierenden Bauteilen 9, 19, 22, 24; 31, 32, 33 enthält. Die Funktionseinheiten sind u. a.

eine Querfalzeinrichtung 9, 19, 22 und eine Längsfalzvorrichtung 31, 32, 33 mit

Schaufelrad 33 (Merkmal 1.1). Diese können nach einer Ausführungsart jeweils

separate Motoren aufweisen, nämlich den Motor 10 als Antrieb für die Schneid-

und Falzzylinder und einen nicht dargestellten Motor (Anspruch 10) für die Komponenten der Längsfalzvorrichtung (Merkmal 2.). Querfalzeinrichtung und Längsfalzvorrichtung sind demnach mit unterschiedlichen Motoren gekoppelt (Merkmale 3., 5.). Es ist ferner angegeben, dass die rotierenden Bauteile der Querfalzeinrichtung im Sinne des Merkmals 3.1 mittels eines Antriebszuges untereinander

verbunden sind (Spalte 3, Zeilen 33-41). Schließlich weist der vorbekannte Falzapparat ein Schaufelrad 25 zur Auslage der Druckprodukte auf, über dessen Antrieb allerdings nichts ausgesagt ist.

Dem Fachmann ist somit aus der DE 42 41 810 A1 ein Falzapparat mit allen in

Patentanspruch 1 angegebenen Funktionseinheiten - jeweils mit separaten Antriebsmotoren für die Funktionseinheiten Querfalzeinrichtung und Längsfalzeinrichtung - bekannt. Nicht unmittelbar bekannt sind lediglich die Merkmale 2.1

und 4. Für den Betrieb eines derartigen Falzapparates weiß der Fachmann, dass

die in Rede stehenden Funktionseinheiten mit ihrem jeweiligen Bearbeitungsschritt

an die fortlaufende Bewegung des Druckproduktes anzupassen sind, um Bearbeitungsmaßnahmen am Druckprodukt positions- bzw. maßgerecht durchführen

zu können. Denn solches folgt zwingend aus der funktionalen Aufeinanderfolge

der Bearbeitungsabläufe. Zu einer derartigen Positionsanpassung unter

Verwendung separater Antriebe lehrt die DE 42 41 810 A1 aber bereits den

"phasenregulierbaren" Betrieb einer Funktionseinheit über ihren separaten Motor

(Anspruch 10). Phasengerecht ist der Betrieb dann, wenn das betreffende

rotierende Bauteil die seine Einwirkung auf das Produkt bewirkende Drehstellung

gerade zu dem Zeitpunkt einnimmt, in dem das Produkt die Bearbeitungsposition

erreicht. Die besagte Drehstellung des rotierenden Bauteils ist weiter - da von

einem eigenen Motor angetrieben - selbstverständlich auch über dessen

Antriebsmotor beeinflussbar. Der Fachmann kennt demnach die Möglichkeit, die

gegenseitige phasengerechte Anpassung der Funktionseinheiten über eine

Regelung des Antriebsmotors vorzunehmen. Wie eine solche Regelung im

Einzelnen vorgenommen werden kann, ist im einschlägigen Fachgebiet bekannt.

Die DE-OS 2 046 131 befasst sich mit der Regelung der "Einzelantriebe von

registerhaltig arbeitenden Druckmaschinenelementen" (Patentanspruch 1), wozu

selbstverständlich auch Falzapparate und ihre Komponenten gehören. Der

Fachmann entnimmt aus dieser Druckschrift - ohne die darin weiter beschriebenen

Einzelheiten beachten zu müssen - die Lehre, die jeweiligen Einzelantriebe

hinsichtlich ihrer Winkellage zu regeln. Mehr als diese rein prinziphafte Lehre

braucht er aus der DE-OS 2 046 131 nicht zu übernehmen, um die aus der

DE 42 41 810 A1 an sich bekannten Einzelantriebe funktionsgerecht zu regeln. Mit

dem Hinweis der DE 42 41 810 A1 auf die Phasenregulierbarkeit hat der

Fachmann demnach Anregung zur Suche nach einer konkreten Realisierung

derselben und damit Anlass zur Einbeziehung des aus der DE-OS 2 046 131

entnehmbaren Prinzips. Die Winkellageregelung nach dem Merkmal 2.1 ist dem

Fachmann somit nahe gelegt.

Für den nicht näher beschriebenen Antrieb des Schaufelrades 25 nach der

DE 42 41 810 A1 ergeben sich ohne Weiteres ersichtlich zwei Möglichkeiten,

nämlich das Schaufelrad entweder an einen der dargestellten Antriebe oder statt

dessen an einen weiteren Motor zu koppeln. Da der Fachmann schon aufgabengemäß gehalten ist, aus schwingungstechnischen Gründen möglichst wenig Antriebsverbindungen zu verwenden, bietet sich ihm die zweite Variante des Antriebs

durch einen weiteren, von den Motoren für die Querfalzeinrichtung und für die

Längsfalzvorrichtung separaten Motor an. Damit ist ihm auch das Merkmal 4. nahe

gelegt.

Der von der DE 42 41 810 A1 ausgehende Fachmann konnte somit mit der an

sich bekannten Winkellageregelung für phasengerecht zu betreibende Antriebe im

Sinne der DE-OS 2 046 131 ohne erfinderische Tätigkeit zum Gegenstand des

Patentanspruchs 1 gelangen.

3.2 Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1

Über die Ausgestaltung nach dem Patentanspruch 1 nach Hauptantrag hinaus

weist der Falzapparat nach dem Hilfsantrag 1 noch zusätzlich folgendes Merkmal

auf:

2.2 den Funktionseinheiten mit ihren antreibbaren rotierenden Bauteilen ist

jeweils ein Lagegeber zugeordnet.

Soweit die Ausgestaltung des beanspruchten Falzapparates nach Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 mit demjenigen des Hauptantrages übereinstimmt,

gelten die vorstehenden Ausführungen auch hier.

Nachdem die Winkellage-Regelung der Motoren (Merkmal 2.1) dem Fachmann

auf die zum Hauptantrag dargelegte Weise nahe gelegt ist, erscheint der Einsatz

von Lagegebern an sich selbstverständlich. Denn um die Motoren in ihrer gegenseitigen Winkellage korrekt zu regeln, ist folgerichtigerweise eine Information über

die jeweilige Ist-Winkellage unerlässlich. Eine Erfassung der Istwerte ist zudem

grundsätzlich Wesen jeder Regelung. Dabei sind Geber zur Erfassung von Istwerten übliche Elemente, deren Verwendung zu den alltäglichen Maßnahmen des

Fachmanns gehört. Davon abgesehen ist aber aus der die Winkellageregelung

beschreibenden DE-OS 2 046 131 der zur Regelung erforderliche Lagegeber auch

direkt bekannt (Figur 2, Pos.34).

Somit ergibt sich auch der Falzapparat nach dem Patentanspruch 1 nach Hilfsantrag 1 durch eine nahe gelegte Kombination der DE 42 41 810 A1 mit der

DE-OS 2 046 131.

3.3 Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 2

Über die Ausgestaltung nach dem Patentanspruch 1 nach Hilfsantrag 1 hinaus

weist der Falzapparat nach dem Hilfsantrag 2 noch zusätzlich folgendes Merkmal

auf :

4.1 das Schaufelrad nimmt ungefalzt durch eine Längsfalzvorrichtung hindurch geförderte Falzprodukte auf.

Soweit die Ausgestaltung des beanspruchten Falzapparates nach Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 2 mit demjenigen des Hilfsantrags 1 übereinstimmt,

gelten die vorstehenden Ausführungen auch hier.

Die in Merkmal 4.1 gekennzeichnete Maßnahme betrifft nicht die Anordnung und

Beschaffenheit der separaten Antriebe, sondern vielmehr die Betriebsweise des

Falzapparates im Hinblick auf das Zusammenwirken der Funktionseinheiten.

Kommen Produktionsarten vor, bei denen bestimmte Bearbeitungsschritte unnötig

und die betreffenden Funktionseinheiten daher überflüssig sind, so ist dem Fachmann aus dem Stand der Technik bekannt, besagte Funktionseinheiten wirkungslos zu stellen. Die in der Streitpatenschrift hinsichtlich der Anpassung an

produktionstechnische Erfordernisse zitierte DE 36 26 287 C2 zeigt einen Falzapparat, bei dem Falzprodukte durch die deaktivierte Längsfalzvorrichtung hindurch

gefördert und von der anschließenden Funktionseinheit (Schaufelrad 48) aufgenommen werden (Spalte 4, Zeilen 33-36). Die Maßnahme nach Merkmal 4.1 geht

somit auch nicht über bei modulartig gestalteten Falzapparaten Übliches hinaus.

Im Hinblick auf die Betriebsweise war diese Maßnahme zu dem Falzapparat nach

dem Hilfsantrag 1 somit lediglich hinzu zu addieren, um zu dem Falzapparat nach

dem Hilfsantrag 2 zu kommen. Eine erfinderische Tätigkeit vermag das nicht zu

begründen.

3.4 Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 3

Über die Ausgestaltung nach dem Patentanspruch 1 nach Hilfsantrag 2 hinaus

weist der Falzapparat nach dem Hilfsantrag 3 noch zusätzlich folgendes Merkmal

auf :

4.2 das Schaufelrad ist mit einer Zugwalze als Funktionseinheit mittels eines

Antriebszuges formschlüssig miteinander und mit dem zweiten Motor

verbunden.

Soweit die Ausgestaltung des beanspruchten Falzapparates nach Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 3 mit demjenigen des Hilfsantrags 2 übereinstimmt,

gelten die vorstehenden Ausführungen auch hier.

Die Verbindung des Schaufelrads mit Zugeinrichtungen zu einer Funktionseinheit

ist durch die DE 36 26 287 C2 ebenfalls bekannt. Dort ist nämlich ein Anbaumodul 23 vorgesehen, welches eine Querfalzauslegeeinrichtung mit einem Schaufelrad 48 und einer Zugeinrichtung in Form von Walzen 53 enthält (Spalte 4, Zeilen 24-33 i. V. m. Spalte 7, Zeilen 31-68; Figur 3). Dabei liegt es nahe, derartige

Anbaumodule auch antriebsmäßig als Funktionseinheiten zu gestalten (Kopplung

durch einen Antriebszug), um den antriebstechnischen Aufwand für das Modul in

Grenzen zu halten. Im Falle einer notwendigen Phasenregulierung zu vorgeschalteten Funktionseinheiten sind die rotierenden Bauteile des Moduls dann auf

einfache Weise gemeinsam verstellbar und die Funktionseinheit als ganzes "phasenregulierbar". Solches entnimmt der Fachmann dem sich ihm aus der

DE 36 26 287 C2 ergebenden Sachzusammenhang.

Der Falzapparat nach Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 3 beruht demnach

ebenfalls nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit.

3.5 Unteransprüche

Die auf den jeweiligen Patentanspruch 1 nach dem Hauptantrag und den Hilfsanträgen rückbezogenen Unteransprüche teilen das Schicksal des jeweils in Bezug

genommenen Hauptanspruchs.

gez.

Unterschriften