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BPatG Beschluss vom 11.03.2008 – 27 W (pat) 49/08

27. Senat

BUNDESPATENTGERICHT

27 W (pat) 49/08 _______________________

(Aktenzeichen)

B E S C H L U S S

In der Beschwerdesache

betreffend die angemeldete Marke 305 59 185.1

hat der 27. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am

11. März 2008 durch

den Vorsitzenden Richter Dr. Albrecht und die Richter

S

chwarz und Kruppa

b

eschlossen: 08.05

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

G r ü n d e

I

Die Anmelderin begehrt die Eintragung der Wortmarke

THE MANDALA HOTEL

für eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen der Klassen 3, 35, 41, 43 und

44. Nachdem die Markenstelle für Klasse 43 des Deutschen Patent- und Markenamts mit Erstbeschluss vom 23. Februar 2006 die Anmeldung zunächst insgesamt

zurückgewiesen hatte, hat sie auf die Erinnerung der Anmelderin mit dem angefochtenen Beschluss vom 3. Juli 2007 der Anmeldemarke die Eintragung nur noch

teilweise für die Dienstleistungen

Klasse 43: Dienstleistungen zur Verpflegung und Beherbergung

von Gästen; Betrieb von Hotels und/oder Feriencamps mit Beherber

gung und/oder Verpflegung;

Klasse 44: Gesundheits- und Schönheitspflege für Menschen; der

Betrieb von Wellnessclubs und/oder von Spas mit Sauna, Dampfbad, Hallenbad, Whirlpools, Solegrotte (Ges

undheits- und Schönheitspflege) und ähnlichen Einrichtungen für die Gesundheits- und

Schönheitspflege; Dienstleistungen in den vorgenannten Bereichen und im Rahmen der vorgenannten Einrichtungen, soweit in

Klasse 44 enthalten, insbesondere Massagen, Wannenbäder, Gesichts- und Fußpflegebehandlungen; Bereitstellung von Entspannungszonen, Liegeflächen, Meditationszonen, spirituellen Räumen; medizinische und/oder physiotherapeutische Diagnostik un

d

Analysen im Zusammenhang mit der Behandlung von Menschen

in Bezug auf Gesundheits- und Schönheitspflege und -erhaltung;

Entwicklung und/oder Präsentation von Behandlungsmethoden

s zur Selbstanwendung für die Ge undheits- und Schönheitspflege

und -erhaltung

nach § 37 Abs. 1, § 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2 MarkenG als nicht unterscheidungskräftige und freihaltungsbedürftige Angabe mit der Begründung zurückgewiesen, mit

dem aus den indischen Religionen stammenden Begriff „MAND

ALA“ werde ein

m

ystisches Kreis- und Vieleckbild bezeichnet, das etwa als Hilfsmittel zur Meditation oder als Symbol der Selbstfindung genutzt und in dieser Bedeutung insbesondere im Gesundheitsbereich häufig verwendet werde; in Zusammenhang mit den

zurückgewiesenen Dienstleistungen weise die Gesamtmarke „THE MANDALA

HOTEL“ daher lediglich auf die geistige Ausrichtung und Zielsetzung dieser

Dienstleistungen aus dem Bereich der Gesundheits- und Schönheitspflege sowie

den damit häufig verbundenen Dienstleistungen der Beherbergung und Verpflegung von Gästen hin.

Gegen diesen Beschluss richtet sich die Beschwerde der Anmelderin, mit der sie

beantragt,

die Eintragung der Anmeldemarke unter Aufhebung des Beschlusses vom 3. Juli 2007 auch für die zurückgewiesenen Dienstleistungen der Klassen 43 und 44 zu beschließen.

Sie hält die Anmeldemarke weiterhin für schutzfähig, weil sie die versagten Dienstleistungen nicht beschreibe und die identische Kennzeichnung als Gemeinschaftsmarke vom HABM unbeanstandet auch für diese Dienstleistungen eingetragen

worden sei; zudem sei der Erinnerungsbeschluss in sich widersprüchlich, soweit

er der Anmeldemarke die Eintragung für die versagten Dienstleistungen versagt,

für ähnliche Dienstleistungen aber eine Schutzfähigkeit zuerkannt habe.

II

Die nach § 66 MarkenG zulässige Beschwerde ist unbegründet. Zu Recht und mit

zutreffender Begründung, der sich der Senat zur Vermeidung von Wiederholungen

anschließt, hat die Markenstelle der angemeldeten Bezeichnung die Eintragung

nach § 37 Abs. 1, § 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2 MarkenG versagt. Die Beschwerdebegründung bietet für eine abweichende Beurteilung keinen Anlass.

Der Senat teilt die Ansicht der Markenstelle, dass der Eintragung der angemeldete

n Bezeichnung die Eintragungshindernisse des § 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2 MarkenG

entgegenstehen; denn zum einen besteht sie zumindest in einer ihrer möglichen

Bedeutungen (vgl. EuGH, MarkenR 2004, 450, 453 [Rz. 32] - DOUBLEMINT) ausschließlich aus Zeichen oder Angaben, die im Verkehr zur Bezeichnung von Merkmalen der versagten Dienstleistungen dienen können, sofern es sich hierbei um

für den Warenverkehr wichtige und für die umworbenen Abnehmerkreise irgendwie bedeutsame Umstände handelt (vgl. hierzu BGH GRUR 1999, 1093, 1094

- FOR YOU; GRUR 2000, 211, 232 – FÜNFER), die hinreichend eng mit einer

Ware oder Dienstleistung selbst in Bezug stehen (vgl. BGH GRUR 2005, 417, 419

– Berlin Card); und zum anderen ist sie unter Zugrundelegung des gebotenen

großzügigen Maßstabs (st. Rspr., vgl. BGH, GRUR 1995, 408 [409] – PROTECH;

BGH GRUR 2001, 413, 415 - SWATCH) nicht geeignet, von den Abnehmern der

beanspruchten Waren und Dienstleistungen als Unterscheidungsmittel für die angemeldeten Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens gegenüber solchen anderer Unternehmen aufgefasst zu werden (st. Rspr., vgl. EuGH MarkenR

2003, 187, 190 [Rz. 41] - Gabelstapler, WRP 2002, 924, 930 [Rz. 35] - Philips/

Remington; BGH GRUR 2000, 502, 503 – St. Pauli Girl; GRUR 2000, 720, 721

- Unter Uns), weil die durchschnittlich informierten, aufmerksamen und verständigen (vgl. EuGH GRUR 2003, 604, 605 – Libertel; GRUR 2004, 943, 944 – SAT.2)

Abnehmer in ihr wegen des für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen im

Vordergrund stehenden beschreibenden

Begriffsinhalts (vgl. BGH GRUR 2001,

1151, 1153 - marktfrisch; GRUR 2003, 1050, 1051 – City-Service; BGH, GRUR

2001, 162, 163 m. w. N. – RATIONAL SOFTWARE CORPORATION) noch einen

Hinweis auf die Herkunft der beanspruchten Waren und Dienstleistungen aus

einem bestimmten Unternehmen sehen werden. Der Eintragung der angemeldeten Bezeichnung steht daher das im Allgemeininteresse liegende Ziel entgegen,

dass Zeichen oder Angaben, die Merkmale der angemeldeten Waren bzw. Dienstleistungen beschreiben, von allen Unternehmen frei verwendet werden und nicht

aufgrund ihrer Eintragung als Marke zugunsten eines Unternehmens monopolisiert

w

erden können (vgl. EuGH GRUR 1999, 723, 725 Rn. 25 – CHIEMSEE; GRUR

2004, 680, 681 Rn. 35, 36 – BIOMILD).

Wie die Markenstelle zutreffend ausgeführt hat und auch die Anmelderin letztlich

nicht bestreitet, bezeichnet der Begriff „MANDALA“ eine in den indischen Religionen als Meditationshilfe dienende abstrakte oder bildhafte Darstellung (meist in

Kreis- oder Viereckform) sowie in der Psychologie ausgehend hiervon das Traumbild oder die vom

Patienten angefertigte bildliche Darstellung als Symbol der

S

elbstfindung (vgl. DUDEN, Deutsches Universalwörterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM], Stichwort „Mandala“; http://de.wikipedia.org/wiki/Mandala).

In dieser Bedeutung hat der Begriff, wie die Markenstelle durch zahlreiche Internet-Belege nachgewiesen hat, deren Richtigkeit die Anmelderin nicht widersprochen hat, gerade auch auf dem Gebiet der Gesundheits- und Schönheitspflege

vielfach Einzug zur Sachbezeichnung von Dienstleistungen gefunden, mit der auf

deren (angebliche) geistig-spirituelle Ausrichtung hingewiesen werden soll. Da es

insbesondere in Form sog. Wellnesshotels üblich geworden ist, Dienstleistungen

der Beherbergung und Verpflegung von Gästen mit solchen des Gesundheits- und

Schönheitsbereichs zu verbinden, werden große Teile der angesprochenen Verkehrskreise die Gesamtmark

e „THE MANDALA HOTEL“ bei den zurückgewiesenen Dienstleistungen sowohl der Klasse 43 als auch der Klasse 44 nicht als Herkunftshinweis verstehen, sondern ihr lediglich den Sachhinweis entnehmen, dass

gastronomische Dienstleistungen mit solchen der Gesundheits- und Schönheitspflege verbunden sind oder sein können.

An diesem Verständnis ändert sich entgegen der Ansicht der Anmelderin auch

nichts dadurch, dass der Wortfolge „MANDALA HOTEL“ der englische bestimmte

Artikel „THE“ vorangestellt ist, weil der Verkehr hierdurch allein noch nicht veranla

sst ist, von einem bloß sachlichen Verständnis der angemeldeten Kennzeichn

ung Abstand zu nehmen und ihr nunmehr stattdessen einen Hinweis auf die Herkunft der ge

kennzeichneten Dienstl

eistungen

aus einem bestimmten

Unternehmen zu entnehmen.

E

twas Anderes ergibt sich auch nicht daraus, dass zugunsten der Anmelderin eine

gleichlautende Gemeinschaftsmarke eingetragen wurde, weil weder bekannt noch

erkennbar ist, ob und welche konkreten der Schutzfähigkeit möglicherweise entgegenstehenden Gesichtspunkte bei diesem Eintragungsverfahren geprüft wurden

und aus welchem Grund die hiesigen Bedenken dabei keine Berücksichtigung

gefunden haben; aus der bloßen Eintragung ergibt sich jedenfalls kein Indiz für

deren Richtigkeit.

Ähnliches gilt auch, soweit die Anmelderin auf (angebliche) Wertungswidersprüche im angefochtenen Beschluss hinweist, weil sich aus dem bloßen Umstand,

dass der Anmeldemarke die Schutzfähigkeit für einzelne Waren und Dienstleistungen von der Markenstelle zuerkannt worden ist, kein zwingender Rückschluss auf

die Eintragbarkeit der im vorliegenden Beschwerdeverfahren allein zu beurteilenden versagten Dienstleistungen ergibt; wenn für diese wie oben ausgeführt die

mangelnde Schutzfähigkeit festzustellen ist, kann sich etwas Anderes aus der

Bejahung der Eintragbarkeit für weitere angemeldete Waren und Dienstleistungen

selbst dann nicht ergeben, wenn diese tatsächlich mit den versagten Dienstleistungen vergleichbar wären.

Da die Markenstelle somit im Ergebnis der Anmeldemarke zutreffend die Eintragung wegen der Schutzhindernisse nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2 MarkenG teilweise

versagt hat, war die Beschwerde zurückzuweisen.

Dr. Albrecht

Kruppa

Schwarz

Ju/Fa