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BPatG Beschluss vom 15.07.2009 – 9 W (pat) 57/05

9. Senat

BUNDESPATENTGERICHT

9 W (pat) 57/05 _______________

(Aktenzeichen)

Verkündet am 15. Juli 2009

B E S C H L U S S

In der Beschwerdesache

betreffend die Patentanmeldung 198 26 338.4-27

hat der 9. Senat (Technischer Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf

die mündliche Verhandlung vom 15. Juli 2009 unter Mitwirkung des Vorsitzenden

Richters Dipl.-Ing. Pontzen sowie des Richters Dipl.-Ing. Bülskämper, der

Richterin Friehe und des Richters Dipl.-Ing. Reinhardt 08.05

beschlossen:

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

G r ü n d e

I.

Die Patentanmeldung ist unter Inanspruchnahme der Priorität der deutschen Voranmeldung 197 42 460.0 vom 26. September 1997 am 12. Juni 1998 beim Deutschen Patent- und Markenamt mit der Bezeichnung

"Antrieb für eine Druckmaschine"

eingegangen. Mit Beschluss vom 11. August 2005 hat die Prüfungsstelle für Klasse B 41 F des Deutschen Patent- und Markenamts die Anmeldung zurückgewiesen. Sie war der Auffassung, der Antrieb nach dem seinerzeit geltenden Patentanspruch 1 sei nicht neu gegenüber dem Stand der Technik nach der

DE 41 37 979 A1.

Gegen diesen Zurückweisungsbeschluss richtet sich die Beschwerde der Anmelderin. Sie hält die der Entscheidung der Prüfungsstelle zugrunde gelegte Interpretation des Standes der Technik nach der DE 41 37 979 A1 für unzutreffend und

verfolgt die Anmeldung mit unverändertem Patentanspruch 1 weiter.

Zur mündlichen Verhandlung ist die Anmelderin nicht erschienen, nachdem sie mit

Schriftsatz vom 17. Juni 2009 ihr Fernbleiben angekündigt und um Entscheidung

nach Aktenlage gebeten hatte.

Schriftsätzlich hat die Anmelderin sinngemäß beantragt, unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses das Patent mit folgenden Unterlagen zu erteilen:

- Patentanspruch 1 vom 29. Juli 2005, eingegangen am 2. August 2005,

- Patentansprüche 2 bis 9 vom 28. September 2005, eingegangen

am 30. September 2005,

- Beschreibung mit Bezugszeichenliste Seiten 1 bis 15,

- Zeichnungen Figuren 1 bis 3 und 9,

jeweils eingereicht am 12. Juni 1998 (Anmeldetag),

- Zeichnungen Figuren 4 bis 6 vom 14. März 2005, eingegangen am

21. März 2005,

- Zeichnungen Figuren 7, 7a, 8 vom 29. Juli 2005, eingegangen am

2. August 2005.

Der geltende Patentanspruch 1 lautet:

"Antrieb (1) für eine Druckmaschine (8) mit mehreren Druckwerken (3, 3'), wobei die einzelnen Druckwerke (3, 3') oder Druckwerksgruppen über separate Antriebe (2, 2') verfügen und zumindest bezüglich ihrer Feinsynchronisation mechanisch voneinander

entkoppelt sind, sowie einer Regeleinrichtung (4, 4') zur Bewirkung einer maximalen Synchronisation zum Zusammenwirken der

Greiferbrücken in der Drehwinkelstellung der Bogenübergabe (6)

und mindestens einer minimalen Synchronisation bei den übrigen

Winkelstellungen, dahingehend, dass keine Greiferkollision

eintreten kann,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Regeleinrichtung (4, 4') derart ausgebildet ist, dass sie

die Phasenlage der maschinenbedingten Umfangsgeschwindigkeitsschwankungen (7, 7', 7") der Greiferbrücken, welche bezüglich ihrer Schwingungsdauer im wesentlichen gleich sind oder als

ganze Vielfache auftreten, erfasst und in einem einmaligen Regelaufwand diese Phasenlagen (7, 7', 7") relativ zueinander derart

verschiebt, dass in den Drehwinkelstellungen der Bogenübergabe (6) eine periodisch wiederkehrende maximale Übereinstimmung (9, 9', 9") bezüglich Ort und Zeit eintritt."

An diesen Patentanspruch 1 schließen sich die abhängigen Patentansprüche 2

bis 9 an.

II.

Die Beschwerde ist zulässig. Sie hat aber keinen Erfolg.

1. Die Patentanmeldung betrifft einen Antrieb für eine Druckmaschine mit mehreren Druckwerken und einer Regeleinrichtung, die eine maximale Synchronisation

zum Zusammenwirken der Greiferbrücken in der Bogenübergabeposition und eine

mindestens minimale Synchronisation bei den übrigen Winkelstellungen bewirkt.

In der Beschreibungseinleitung der Anmeldung ist sinngemäß ausgeführt, dass bei

einem Antrieb dieser Art gemäß DE 41 37 979 A1 eine genaue Winkellagekorrektur zur maximalen Synchronisation der Greiferbrücken lediglich in einem definierten Bereich vorgenommen werde, der sich von einer vor der Bogenübergabeposition liegenden Messposition bis zur Bogenübergabeposition erstrecke. In den übrigen Winkelbereichen werde eine Lageübereinstimmung nur insoweit herbeigeführt, als Greiferkollisionen ausgeschlossen seien. Der Nachteil einer solchen Winkellageregelung bestehe in der Notwendigkeit, die zur genauen Korrektur erforderlichen hohen Stellkräfte vor jeder Bogenübergabe aufbringen zu müssen. Dabei

müssten die als periodische Schwingungen auftretenden Umfangsgeschwindigkeitsschwankungen bei jeder Bogenübergabe in die zur Lageübereinstimmung erforderliche Form gezwungen werden. Dies erfordere nicht nur hohe Stellkräfte,

sondern verursache seinerseits Störungen des Maschinenlaufs mit sich negativ

auf die Druckqualität auswirkenden Schwingungen.

Das der Erfindung zugrundeliegende und mit der Aufgabe formulierte technische

Problem besteht daher darin,

einen Antrieb der genannten Art derart auszugestalten, dass das

Regelungsziel mit geringem Regelungsaufwand und möglichst

ohne Verursachung von Störungen erzielbar ist.

Dieses Problem soll durch den Antrieb nach Patentanspruch 1 gelöst werden.

2. Der Antrieb nach dem Patentanspruch 1 ist nicht neu gegenüber dem Stand der

Technik nach der DE 41 37 979 A1.

Zur Erleichterung von Bezugnahmen ist Patentanspruch 1 nachstehend in Form

einer Merkmalsgliederung wiedergegeben:

1. Antrieb (1) für eine Druckmaschine (8) mit mehreren Druckwerken (3,3'),

2. die einzelnen Druckwerke (3,3') oder Druckwerksgruppen verfügen über separate Antriebe (2,2'),

3. die einzelnen Druckwerke (3,3') oder Druckwerksgruppen sind zumindest bezüglich ihrer Feinsynchronisation mechanisch voneinander entkoppelt,

4. der Antrieb (1) weist eine Regeleinrichtung (4,4') auf zur Bewirkung einer Synchronisation zum Zusammenwirken der Greiferbrücken,

5. die Regeleinrichtung (4,4') bewirkt in der Drehwinkelstellung der

Bogenübergabe (6) eine maximale Synchronisation,

6. die Regeleinrichtung (4,4') bewirkt bei den übrigen Winkelstellungen mindestens eine minimale Synchronisation dahingehend,

dass keine Greiferkollision eintreten kann,

- Oberbegriff -

7. die Regeleinrichtung (4,4') ist derart ausgebildet, dass sie die Phasenlage der maschinenbedingten Umfangsgeschwindigkeitsschwankungen (7,7',7") der Greiferbrücken erfasst,

8. die Umfangsgeschwindigkeitsschwankungen (7,7',7") sind bezüglich ihrer Schwingungsdauer im wesentlichen gleich oder treten als

ganze Vielfache auf,

9. und die Regeleinrichtung (4,4') ist derart ausgebildet, dass sie die

Phasenlagen (7,7',7") relativ zueinander verschiebt,

10. derart, dass in den Drehwinkelstellungen der Bogenübergabe (6)

eine maximale Übereinstimmung (9,9',9") bezüglich Ort und Zeit

eintritt,

11. und derart, dass die Übereinstimmung periodisch wiederkehrend

ist,

12. die Verschiebung geschieht mit einem einmaligen Regelaufwand.

- Kennzeichen -

Die am 27. Mai 1993 veröffentlichte DE 41 37 979 A1 offenbart einen Antrieb für

eine Druckmaschine mit mehreren Druckwerken (Spalte 5, Zeilen 66, 67 - Merkmal 1). Die einzelnen Druckwerke 1, 1' (vgl. hier wiedergegebene Figur 1) verfügen über separate Antriebe 2, 2' (Spalte 6, Zeilen 1 bis 3 - Merkmal 2) und sind

mechanisch voneinander entkoppelt (Spalte 5, Zeile 67 bis Spalte 6, Zeile 1) und

damit auch bezüglich ihrer Feinsynchronisation entkoppelt (Merkmal 3). Zur Synchronisation der separaten Antriebe 2, 2' zwecks Lageübereinstimmung der Greiferbrücken ist eine Regeleinrichtung vorgesehen (Mikrorechner 4 ; Spalte 6, Zeilen 6, 7- Merkmal 4), die in der Bogenübergabeposition eine maximale Synchronisation und in dem übrigen Drehlagebereich eine minimale Synchronisation bewirkt

insoweit, als Greiferkollisionen ausgeschlossen sind (Spalte 2, Zeilen 18 bis 37

und 58 bis 64; Figur 2 - Merkmale 5, 6).

Bei Druckmaschinen der mit diesen

Merkmalen in Bezug genommenen

Art treten Umfangsgeschwindigkeitsschwankungen in der Zylinderrotation

auf, die sich zum einen aus der Bewegung der in Eingriff stehenden und

nie ganz exakt lageübereinstimmenden Rotationsbauteile wie Zylinder,

Zahnräder als solchen ergeben und

zum anderen auch durch die zyklischen Bewegungen der Greifer verursacht werden. Diese "Oberschwingungen" sind somit maschinenbedingt und daher unvermeidbar. Insbesondere die

letztgenannten, durch die Greiferbrücken verursachten Schwingungen, haben wegen deren sich mit der Zylinderumdrehung zyklisch wiederholenden Bewegungen

periodischen Verlauf mit untereinander im Wesentlichen gleicher oder als ganzes

Vielfaches auftretender Schwingungsdauer (DE 41 37 979 A1, Spalte 3, Zeilen 19

bis 33; vgl. auch anmeldungsgemäße Beschreibung Seite 1, Zeilen 25 bis 28; Seite 2, Zeilen 29 bis 31). Demnach sind dem vorbekannten Antrieb aufgrund seiner

Zuordnung zu einer derartigen Bogendruckmaschine auch die Umfangsgeschwindigkeitsschwankungen im Sinne des o. g. Merkmals 8 zu eigen.

Gemäß einer in der DE 41 37 979 A1 als alternative Ausführungsform des vorbekannten Antriebs bezeichneten Variante wird als Drehlage-Sollwert für ein nachfolgendes Druckwerk der Drehlage-Istwert des vorhergehenden Druckwerks herangezogen (Spalte 2, Zeilen 45 bis 51). Als Sollwert ist nach der Terminologie dieser

Druckschrift derjenige Wert zu sehen, bei dem die Bogenübergabe stattfinden soll,

also die Bogenübergabeposition (Spalte 3, Zeilen 60 bis 63). Daraus folgt, dass

der zur Sollwertbestimmung des nachgeordneten Druckwerks herangezogene Istwert des vorgeordneten Druckwerks in der Übergabeposition desselben gemessen sein muss. Denn anderenfalls erhielte das nachgeordnete Druckwerk einen

Sollwert ohne Bezug zur Übergabeposition. Da weiter der in der Übergabeposition

gemessene Istwert des vorgeordneten Druckwerks und der zur Feststellung der

dazu vorliegenden Drehlageabweichung (Winkeldifferenz) gemessene Istwert des

nachfolgenden Druckwerks zwangsläufig auch die durch die ihnen jeweils zu eigenen "Oberschwingungen" verursachte Drehlagebeeinflussung mit umfassen, liegt

in der Differenzbildung aus den beiden Istwerten nichts anderes als die Erfassung

der Phasenlagen im Sinne des o. g. Merkmals 7. Der Ausgleich dieser Differenz

durch vorübergehende Beschleunigung bzw. Verzögerung des jeweiligen Druckwerks (Spalte 2, Zeile 65 bis Spalte 3, Zeile 6; vgl. hierzu auch anmeldungsgemäße Beschreibung Seite 3, Zeilen 15 bis 17) ist damit eine Verschiebung der

Phasenlagen relativ zueinander nach Art des Merkmals 9 und bewirkt die maximale Übereinstimmung bezüglich Ort und Zeit in der Übergabeposition gemäß Merkmal 10. Aufgrund der Periodizität der Oberschwingungen und der einander entsprechenden Schwingungsdauern, die - wie oben ausgeführt - maschinenbedingt

sind, bleibt die Lageübereinstimmung in der ebenfalls periodisch auftretenden

Übergabeposition ("Grundschwingung") ohne weitere Einflussnahme allein durch

das maschinentypische Schwingverhalten bestehen (Merkmal 11). Demnach geschieht dieses Herbeiführen der Phasenübereinstimmung bei dem Antrieb nach

DE 41 37 979 A1 auch nur in einem einmaligen Regelaufwand im Sinne des Merkmals 12.

Vorstehende Ausführungen zeigen, dass der Druckmaschinenantrieb, wie er in der

DE 41 37 979 A1 als alternative Ausführungsform angegeben ist (Spalte 2, Zeilen 45 bis 51), bereits alle Merkmale des Antriebs nach dem geltenden Patentanspruch 1 in sich verwirklicht. Ein solcher Antrieb gehörte demnach am Prioritätstag

der vorliegenden Anmeldung zum Stand der Technik.

Dem Antrag der Anmelderin auf Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und

Erteilung eines Patents kann somit nicht stattgegeben werden.

Pontzen

Bülskämper

Friehe

Reinhardt

Ko