Rechtsprechung / Verwaltungsgericht Cottbus / 2018

Verwaltungsgericht Cottbus Beschluss vom 18.09.2018 – VG 3 K 1375/18

3. Kammer · ECLI:DE:VGCOTTB:2018:0918.3K1375.18.00

Tenor§

Das Verwaltungsgericht Cottbus erklärt sich für örtlich unzuständig und verweist den Rechtsstreit an das Verwaltungsgericht Potsdam.

Gründe§

Der Rechtsstreit ist nach Anhörung der Beteiligten gemäß § 83 Satz 1 der Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) i. V. m. § 17a Abs. 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes an das gemäß § 52 Nr. 5 VwGO i. V. m. § 2 Abs. 1 Nr. 3 des Brandenburgischen Verwaltungsgerichtsgesetzes zuständige Verwaltungsgericht Potsdam zu verweisen.

Vorliegend richtet sich die örtliche Zuständigkeit nach der Auffangvorschrift des § 52 Nr. 5 VwGO, da die hier in Rede stehende Klage nicht von den Tatbeständen des § 52 Nr. 1 bis 4 VwGO erfasst wird. Insbesondere ist § 52 Nr. 3 VwGO nicht einschlägig. Gegenstand der vorliegenden Klage ist die Feststellung der Rechtswidrigkeit des gegenüber dem Kläger seitens des Polizeipräsidiums ausgesprochenen Aufenthaltsverbots vom 15. Juni 2018. Dieses für den Zeitraum vom 15. Juni 2018, 17:00 Uhr bis zum 18. Juni 2018, 6:00 Uhr befristete Verbot hat sich bereits vor Erhebung der Klage durch Zeitablauf erledigt. Es handelt sich folglich nicht um eine auf die Aufhebung eines Verwaltungsaktes gerichtete Anfechtungsklage. Vielmehr liegt eine Fortsetzungsfeststellungsklage vor, auf die § 52 Nr. 3 VwGO keine (entsprechende) Anwendung findet. Die Zuständigkeitsregelung des § 52 VwGO knüpft nicht an einen erlassenen oder zu erlassenden Verwaltungsakt an, sondern an eine bestimmte Klageart. Die Auffangvorschrift ist daher auch auf Fortsetzungsfeststellungsklagen, die als Sonderfall der Feststellungsklage gelten (vgl. BVerwG, Urteil vom 14. Juli 1999 - BVerwG 6 C 7.98 -, BVerwGE 109, 203, juris Rn. 21), anzuwenden, wenn sich der Verwaltungsakt schon bei Klageerhebung erledigt hatte (st. Rspr. der Kammer, vgl. Beschlüsse vom 21. Juli 2008 - 3 K 372/08 -, vom 15. April 2010 - VG 3 K 1047/09 - und vom 16. Dezember 2010 - VG 3 K 859/10 -; so auch: Schenk, in: Schoch/Schneider/Bier, VwGO, Stand: Juni 2017, § 52 Rn. 17; Ziekow, in: Sodan/Ziekow, VwGO, 4. Aufl. 2014, § 52 Rn. 15; Redeker/von Oertzen, VwGO, 16. Aufl. 2014, § 52 Rn. 10; Gilles, in: Gärditz, VwGO, 2. Aufl. 2018, § 52 Rn. 19; Unruh, in: Fehling/Kastner/Störmer, VerwR, 4. Aufl. 2016, VwGO § 52 Rn. 9; Kraft, in: Eyermann, VwGO, 14. Aufl. 2014, § 52 Rn. 14; von Albedyll, in: Bader/Funke-Kaiser/Stuhlfauth/von Albedyll, VwGO, 7. Aufl. 2018, § 52 Rn. 4, 13; Kugele, VwGO, 2013, § 52 Rn. 6, 18; a. A.: VG Hamburg, Beschluss vom 17. August 1998 - 10 VG 2758/98 -, juris Rn. 2; VG Frankfurt (Oder), Beschluss vom 27. März 2013 - VG 6 K 1186/12 -, juris Rn. 3; VG Freiburg (Breisgau), Beschluss vom 3. Juni 2013 - 4 K 896/13 -, juris Rn. 3; Kopp/Schenke, VwGO, 23. Aufl. 2017, § 52 Rn. 8; Berstermann, in: Posser/Wolff, BeckOK VwGO, Stand: Januar 2018, § 52 Rn. 8; Bamberger, in: Wysk, VwGO, 2. Aufl. 2016, § 52 Rn. 6; offengelassen VG Münster, Beschluss vom 14. April 2008 - 1 K 201/08 -, juris Rn. 2).

Örtlich zuständig ist demnach das Gericht, in dessen Bezirk der Beklagte seinen Sitz hat. Da das Polizeipräsidium - als alleinige Polizeibehörde in Brandenburg (§ 72 Abs. 1 des Brandenburgischen Polizeigesetzes) - seinen Sitz in Potsdam hat, ist die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts Potsdam gegeben.

Der Beschluss ist unanfechtbar (§ 83 Satz 2 VwGO).