Gesetze / Landesrecht Brandenburg / Verordnung über das Naturschutzgebiet „Rietzer See“
VO-ID212019§ 3 Schutzzweck
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes, das eine großräumige vermoorte Niederung im Brandenburg-Potsdamer Havelgebiet umfasst, ist
die Erhaltung und Entwicklung als Lebensraum wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere von Wasserpflanzengesellschaften, Röhrichten und Seggenrieden, Grünland frischer bis nasser Standorte mit differenziertem Nährstoff-, Salz- und Kalkgehalt, Weidengebüschen, Erlenbruchwäldern, kleinflächig vorkommenden Kalk-Trockenrasen und Gesellschaften der kalkreichen Niedermoore;
die Erhaltung und Entwicklung der Lebensräume wild lebender Pflanzenarten, darunter
nach § 10 Abs. 2 Nr. 10 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützter Arten, beispielsweise Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Sumpf-Knabenkraut (Orchis palustris), Strand-Tausendgüldenkraut (Centaurium littorale), Pracht-Nelke (Dianthus superbus), Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium) und Heide-Nelke (Dianthus deltoides),
besonders charakteristischer, seltener, gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Pflanzenarten der Binnensalzstellen mit landesweiter Bedeutung, beispielsweise Strand-Aster (Aster tripolium), Milchkraut (Glaux maritima), Salz-Binse (Juncus gerardii), Salz-Bunge (Samolus valerandi) und Meer-Dreizack (Triglochin maritimum);
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes
als Lebens- beziehungsweise Rückzugsraum und potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, insbesondere der Vögel, Amphibien, Reptilien und Wirbellosen, darunter zahlreicher nach § 10 Abs. 2 Nr. 10 und 11 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützter Arten, beispielsweise Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus), Bartmeise (Panurus biarmicus), Rohrschwirl (Locustella luscinioides), Knäkente (Anas querquedula), Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis), Kiebitz (Vanellus vanellus), Bekassine (Gallinago gallinago), Moorfrosch (Rana arvalis), Kreuzkröte (Bufo calamita), Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) und Ufer-Laufkäfer (Carabus clathratus),
als eines der bedeutendsten Brut- und Rastgebiete für Vögel in Brandenburg, insbesondere für Wasser- und Watvögel sowie Wiesen- und Schilfbrüter, wobei der Flachsee im Süden des Gebietes (Strengsee) mit seinen besonderen Habitatstrukturen ein wichtiges Brut- und Rastgewässer darstellt;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes aus wissenschaftlichen Gründen, insbesondere zur ornithologischen Forschung und Beobachtung, zum Monitoring floristisch bemerkenswerter Arten wie z. B. Salzpflanzen, Sumpforchideen sowie zur Sukzessionsforschung bei wiedervernässten Niedermooren;
die Erhaltung der besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit der offenen Niederungslandschaft mit dem Rietzer See als ausgedehnten Flachsee und dem Holzberg als randlich anstehende Grundmoränenkuppe;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als wesentlicher Teil des regionalen Biotopverbundes zwischen Havelniederung und Lehniner Wald- und Seengebiet.
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung
des Gebietes als Europäisches Vogelschutzgebiet „Rietzer See“ nach der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (ABl. EG Nr. L 103 S. 1), zuletzt geändert durch die Richtlinie 97/49/EG vom 29. Juli 1997 (ABl. EG Nr. L 233 S. 9) – Vogelschutz-Richtlinie – in seiner Funktion
als Lebensraum von Arten nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie, beispielsweise Blaukehlchen (Luscinia svecica), Kranich (Grus grus), Seeadler (Haliaeetus albicilla), Große Rohrdommel (Botaurus stellaris), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Tüpfelralle (Porzana porzana), Eisvogel (Alcedo atthis) und Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) einschließlich ihrer Brut- und Nahrungsbiotope,
als Durchgangs-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvogelarten, beispielsweise Kranich (Grus grus), verschiedene Gänse- und Entenarten sowie Limikolen;
von natürlichen eutrophen Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions und Hydrocharitions, Pfeifengraswiesen auf kalkreichen und torfigen Böden (Molinion caeruleae) sowie mageren Flachland-Mähwiesen als Lebensraumtypen nach Anhang I der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (ABl. EG Nr. L 206 S. 7), zuletzt geändert durch die Richtlinie 97/62/EG vom 27. Oktober 1997 (ABl. EG Nr. L 305 S. 42) – Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie;
von Salzwiesen im Binnenland, trockenen kalkreichen Sandrasen, kalkreichen Sümpfen mit Cladium mariscus (Binsen-Schneide) und Arten des Caricion davallianae sowie Auen-Wäldern mit Alnus glutinosa (Schwarz-Erle) und Fraxinus excelsior (Gewöhnliche Esche) (Alno-Padion) als prioritäre Lebensraumtypen nach Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie;
der Populationen von Biber (Castor fiber), Fischotter (Lutra lutra), Kamm-Molch (Triturus cristatus), Rapfen (Aspius aspius), Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis), Bitterling (Rhodeus sericeus amarus), Schmaler Windelschnecke (Vertigo angustior) und Bauchiger Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) als Tierarten nach Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, einschließlich ihrer für Fortpflanzung, Ernährung, Wanderung und Überwinterung wichtigen Lebensräume;
(3) Darüber hinaus ist besonderer Schutzzweck der Zone 1 (Kernbereich):
die ungestörte Entwicklung eines großflächigen Röhrichts mit eingebettetem Flachsee;
die Erhaltung als ungestörter Rast- und Ruheraum für zahlreiche, darunter besonders und streng geschützte Vogelarten.