BGH Urteil vom 27.09.2002 – V ZR 262/01
V. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
in dem Rechtsstreit
Nachschlagewerk:
ja
BGHZ:
nein
BGHR: ja
Verkündet am: 27. September 2002 K a n i k , Justizamtsinspektorin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
SachenRBerG § 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 Buchst. c) und g), § 12 Abs. 1 und Abs. 2
Bauliche Maßnahmen an einem Eigenheim, die in der Erwartung der Enteignung des
Grundstücks und der Verleihung eines Nutzungsrechts am Gebäude vorgenommen
wurden, begründen nur dann einen Anspruch nach dem Sachenrechtsbereinigungs-
gesetz, wenn sie zu einer Rekonstruktion oder Änderung der Nutzungsart des Ge-
bäudes geführt und nach Umfang und Aufwand einer Neuerrichtung entsprochen
haben; baulichen Maßnahmen aufgrund eines Überlassungsvertrages stehen sie
nicht gleich (im Anschluß an Urt. v. 16. Oktober 1998, V ZR 390/97, WM 1999, 94).
BGH, Urt. v. 27. September 2002 - V ZR 262/01 - OLG Rostock
LG Neubrandenburg
Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung
vom 27. September 2002 durch den Vizepräsidenten des Bundesgerichtshofes
Dr. Wenzel und die Richter Tropf, Dr. Lemke, Dr. Gaier und Dr. Schmidt-
Räntsch
für Recht erkannt:
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 7. Zivilsenats
des Oberlandesgerichts Rostock vom 28. Juni 2001 aufgehoben.
Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung,
auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Beru-
fungsgericht zurückverwiesen.
Von Rechts wegen
Tatbestand
Die Beklagten sind Erben und Erbeserben der zu Zeiten der DDR im
Grundbuch eingetragenen, in der Bundesrepublik lebenden Eigentümer eines
mit einem Einfamilienhaus bebauten Grundstücks in P. . Der Kläger be-
wohnt das 1932 erstellte Gebäude seit 1985. Auf der Grundlage des Berichts
eines Bausachverständigen (Schwerpunkte u.a.: Erneuerung von Dacheinde-
ckung, Außenputz und Sanitäranlage) erteilte ihm der Rat der Stadt am
28. Februar 1985 die Zustimmung zur "Rekonstruktion und Modernisierung"
nach den Vorschriften der Eigenheimverordnung. Durch Vereinbarung mit dem
Rat des Kreises vom 3. Oktober 1985 verpflichtete sich der Kläger, die Maß-
nahmen mit einer Bausumme von 45.425 M/DDR durchzuführen. Nachdem ihr
der Rat des Kreises bestätigt hatte, daß dem Kläger "nach Klärung der Eigen-
tumsverhältnisse" ein Nutzungsrecht an dem Grundstück verliehen werde,
stellte ihm die Kreissparkasse ein zweckgebundenes, durch Aufbauhypothek
gesichertes Darlehen zur Verfügung. Nach dem 25. Februar 1986 beantragte
der Rat der Stadt zur Sicherung von Werterhaltungsmaßnahmen an dem Ge-
bäude die Enteignung des Grundstücks nach dem Baulandgesetz und seine
Bestellung zum Rechtsträger. Der Bezirksbaudirektor stimmte dem nach Prü-
fung der Werterhaltungsmaßnahmen zu. Zu einer Enteignung ist es nicht ge-
kommen. Ab April 1985 nahm der Kläger Arbeiten an dem Wohnhaus in Angriff.
Der Kläger hat behauptet, er habe bis 1990 61.332,33 M/DDR, in den
Jahren 1992/1993 für die Umstellung der Heizungsanlage auf Erdgas weitere
11.274,90 DM aufgewendet. Er hat beantragt, seine Anspruchsberechtigung
nach dem Sachenrechtsbereinigungsgesetz festzustellen. Die Klage hatte in
den Tatsacheninstanzen Erfolg. Mit der Revision erstreben die Beklagten die
Abweisung der Klage. Der Kläger beantragt die Zurückweisung des Rechts-
mittels.
Entscheidungsgründe
I.
Das Berufungsgericht läßt offen, ob der Kläger eine Rekonstruktion im
Sinne des Sachenrechtsbereinigungsgesetzes durchgeführt hat. Es könne
(nämlich) angenommen werden, daß er Aufwendungen für bauliche Investitio-
nen aufgrund eines Überlassungsvertrages vorgenommen habe, die den für
diesen Fall geltenden Anforderungen entsprächen. Aus der Rechtswirklichkeit
der DDR, insbesondere aufgrund eines Zeitwertgutachtens aus dem Jahre
1984 und aufgrund des Umstandes, daß Aufbauhypotheken als "Eigentum des
Volkes" eingetragen worden seien, ergebe sich, daß das Grundstück unter
staatlicher Verwaltung gestanden habe. Der Rat der Stadt habe, auch wenn es
zur förmlichen Eintragung des Volkseigentums nicht gekommen sei, gegenüber
dem Kläger eine Rechtsstellung eingenommen, als sei er bereits als Rechts-
träger im Grundbuch eingetragen. Überlassungsverträgen und den nach In-
krafttreten des Zivilgesetzbuches abgeschlossenen "Nutzungsverträgen gemäß
§ 287 ZGB" sei gemeinsam gewesen, daß der Nutzer die öffentlichen Lasten
zu tragen und die Instandhaltung von Grundstück und Gebäude zu überneh-
men gehabt habe. Auch bei Nutzungen nach § 287 ZGB sei ein Entgelt nicht
zwingend zu zahlen gewesen. So hätten die Dinge, wie sich aus der Inan-
spruchnahme des Grundstücks (nach dem Baulandgesetz) und der Vereinba-
rung vom 3. Oktober 1985 ergebe, beim Kläger gelegen. Er habe in der, ohne
die Veränderung der politischen Verhältnisse begründeten, Erwartung inves-
tiert, eine eigentümerähnliche Stellung zu erhalten.
Dies hält der rechtlichen Überprüfung nicht stand.
II.
1. Nach §§ 1 Abs. 1 Nr. 1 c, 4 Nr. 1, 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 SachenRBerG
ist das Sachenrechtsbereinigungsgesetz auf den Erwerb oder Bau von Eigen-
heimen anzuwenden, wenn Grundstücke mit Billigung staatlicher Stellen in Be-
sitz genommen und mit einem Eigenheim bebaut worden sind. Zu den in § 5
Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 genannten Regelbeispielen zählen Bebauungen mit oder
an Eigenheimen aufgrund von Überlassungsverträgen (Buchst. c) und der Fall,
daß Eigenheime aufgrund einer die bauliche Nutzung des fremden Grund-
stücks gestatteten Zustimmung nach der Eigenheimverordnung (oder einer an-
deren Billigung staatlicher Stellen) errichtet wurden, die Zuweisung eines Nut-
zungsrechtes, die nach den Vorschriften der DDR für diese Art der Bebauung
vorgeschrieben war, jedoch ausblieb (Buchst. g). Für bauliche Maßnahmen an
bestehenden Gebäuden, die im Streitfall nur in Frage kommen, gilt, wenn sie
aufgrund eines Überlassungsvertrages erfolgten ("Bebauungen an Eigenhei-
men"), die Besonderheit, daß sie bereits dann - wie die Errichtung von Gebäu-
den - zu den Bebauungen zählen, wenn sie die Wohnfläche um mehr als
50 v.H. vergrößerten (§ 12 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 SachenRBerG) oder, worauf das
Berufungsgericht abstellt, wenn der Wert der Aufwendungen nach näherer Be-
stimmung die Hälfte des Sachwertes des überlassenen Gebäudes überstieg
(§ 12 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SachenRBerG). Sonst sind bauliche Maßnahmen an
bestehenden Gebäuden nur dann Bebauungen, wenn sie eine Rekonstruktion
des wegen schwerer Bauschäden nicht mehr nutzbaren Gebäudes oder eine
Änderung der Nutzungsart zum Gegenstand hatten und die Maßnahmen nach
ihrem Umfang und Aufwand einer Neuerrichtung entsprechen (§ 12 Abs. 1
SachenRBerG). Das Berufungsgericht hat die Baumaßnahmen des Klägers am
Gebäude der Beklagten zu Unrecht wie eine Bebauung aufgrund eines Über-
lassungsvertrags behandelt. Abzustellen ist auf das Regelbeispiel des § 5
Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 Buchst. g SachenRBerG, mit dem sich das Berufungsge-
richt nicht näher befaßt hat. Diese Vorschrift begründet einen Bereinigungsan-
spruch (§ 14 SachenRBerG) allerdings nur dann, wenn den Voraussetzungen
des § 12 Abs. 1 SachenRBerG genügt ist.
a) Die nach einem Muster des Ministeriums der Finanzen der DDR
(später des Amtes für Rechtsschutz der DDR, vgl. BAROV-Schriftreihe Heft 5
- 1993 - S. 11 ff, 65 ff), vornehmlich Anfang der siebziger Jahre über sog.
Westgrundstücke abgeschlossenen, Überlassungsverträge waren nach dem
Beitritt in ihrer Legitimität und Wirksamkeit umstritten (näher: Staudinger/
Rauscher, BGB, 1996, Art. 232 § 1 a EGBGB, Rdn. 4 f). Das Registerverfah-
renbeschleunigungsgesetz vom 20. Dezember 1993 bestimmte mit Art. 232
§ 1 a EGBGB deren Wirksamkeit und definierte zugleich die Tatbestands-
merkmale des wirksamen Geschäfts. Überlassungsverträge sind danach vor
dem 3. Oktober 1990 geschlossene Verträge, durch die ein bisher staatlich
verwaltetes (§ 1 Abs. 4 VermG) Grundstück durch den staatlichen Verwalter
oder die von ihm beauftragte Stelle gegen Leistung eines Geldbetrages für das
Grundstück sowie etwa aufstehende Gebäude und gegen Übernahme der öf-
fentlichen Lasten einem anderen zur Nutzung überlassen wurde. An diese De-
finition knüpfen die Gesetze zur Überleitung in das Rechtssystem der Bundes-
republik, § 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 Buchst. c SachenRBerG, §§ 28, 34 ff
SchuldRAnpG, an. Daß die Voraussetzungen des Art. 232 § 1 a EGBGB im
Falle des Klägers nicht erfüllt sind, verkennt auch das Berufungsgericht nicht.
Sein Versuch, einen Bereinigungsanspruch auf der Grundlage eines Überlas-
sungsvertrages gleichwohl zu begründen, hat rechtlich keinen Bestand.
b) Eine Anwendung der für Überlassungsverträge geltenden Grundsätze
durch Heranziehung des § 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 SachenRBerG, der seinem
Wortlaut nach passen könnte, scheidet aus. Nach der Rechtsprechung des
Senats ist der für Eigenheimfälle geltende Auffangtatbestand des § 5 Abs. 1
Nr. 3 Satz 1 SachenRBerG (ebenso wie der Auffangtatbestand für gewerbliche
und andere Nutzungen, § 7 Abs. 1 SachenRBerG) auf "unentdeckte Fälle" he-
ranzuziehen, die bei wertender Betrachtung einem der Regelfälle, hier des
Satzes 2 des § 5 Abs. 1 Nr. 3 SachenRBerG, gleichzustellen sind (BGHZ 134,
50, 53; Urt. v. 3. Mai 2002, V ZR 246/01, zur Veröffentl. bestimmt). Der Fall des
Klägers steht der Bereinigung aufgrund eines Überlassungsvertrags nicht
gleich. § 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 Buchst. c SachenRBerG stellt einen der Tatbe-
stände dar, in denen im Wege der Rückausnahme (§ 2 Abs. 1 Nr. 2, 2. Halbs.
SachenRBerG) das Sachenrechtsbereinigungsgesetz auf schuldrechtliche
Rechtsverhältnisse anwendbar ist. Der Senat hat diesen Ausnahmecharakter
betont und dem Pächter, der mit staatlicher Billigung bauliche Maßnahmen zu
Wohnzwecken durchgeführt hatte, einen Bereinigungsanspruch nach den für
Überlassungsverträge geltenden Grundsätzen
(§ 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2
Buchst. c i.V.m. § 12 Abs. 2 SachenRBerG) versagt (Urt. v. 16. Oktober 1998,
V ZR 390/97, WM 1999, 94). Der vorliegende Fall gibt keinen Anlaß zu abwei-
chender Beurteilung. Hierbei kann es dahinstehen, ob der für die Veräußerung
von Vermögenswerten durch den staatlichen Verwalter (§ 1 Abs. 1 Buchst. c
VermG) vom Bundesverwaltungsgericht entwickelte Begriff der faktischen Ver-
waltung (BVerwG KPS § 1 I c VermG 3/94; vgl. aber Senat, Urt. v. 26. April
1994, V ZR 233/92, KPS § 1 I c VermG 2/94) auf den Bereinigungstatbestand
übertragen werden könnte. Das Berufungsgericht trifft nämlich keine Feststel-
lungen dazu, daß die Voraussetzungen für die Anordnung einer staatlichen
Verwaltung aufgrund der von § 1 Abs. 4 VermG erfaßten Vorschriften gegeben
gewesen wären. Aus den einleitenden Angaben des Zeitwertgutachtens ergibt
sich lediglich, daß die damaligen Eigentümer in Westdeutschland lebten; der
Umstand, daß bereits vor der Finanzierung durch den Kläger Aufbauhypothe-
ken bestellt waren, ist kein zureichender Hinweis auf den Status des Vermö-
genswertes. Nach der Rechtswirklichkeit der DDR kam für die Verwaltung sog.
Westvermögens nicht nur die Einsetzung eines staatlichen Verwalters in Be-
tracht; dies war grundsätzlich nur bei einem illegalen Verlassen der DDR oder
bei "altem Westbesitz", d.h. bei Vermögen von Personen, die bereits bei
Kriegsende in Westdeutschland lebten, der Fall. Daneben kamen rechtsge-
schäftliche Verwaltungen, Verwaltungen aufgrund zivilrechtlicher Pflegschaften
oder treuhänderische Verwaltungen auf anderer Rechtsgrundlage in Frage, die
einer Verwaltung im Sinne des § 1 Abs. 4 VermG auch faktisch nicht gleichzu-
stellen waren. Auch ein de-facto-Zugriff in Fällen, in denen die Voraussetzun-
gen einer staatlichen Verwaltung nicht vorlagen, führte nicht zu einer § 1
Abs. 4 VermG gleichzustellenden faktischen Verwaltung (BVerwG KPS § 1 IV
VermG 2/96). Selbst wenn indessen von einer faktischen Verwaltung auszuge-
hen wäre, die auch im Sinne des Art. 232 § 1 a VermG einer staatlichen Ver-
waltung nach § 1 Abs. 4 VermG gleichstände, käme der Bereinigungstatbe-
stand des § 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 Buchst. c SachenRBerG nicht zum Zuge. Zi-
vilrechtliche Verträge zählen, auch wenn sie vom staatlichen Verwalter abge-
schlossen wurden, nach dem Gesetzeswortlaut und nach dessen Sinn (Senat,
Urt. v. 16. Oktober 1998, V ZR 390/97, aaO) nicht bereits aus diesem Grunde
zu den in die Sachenrechtsbereinigung einbezogenen Überlassungsverträgen.
Wesentlich für einen Überlassungsvertrag war, daß der Nutzer bei Vertrags-
abschluß den Gegenwert für das Grundstück und bei Vorhandensein von Ge-
bäuden auch für diese zu hinterlegen hatte, wofür ihm (bzw. seinen Erben), bei
Übernahme der öffentlichen Lasten, nach Ablauf von 20 bis 30 Jahren (in Ein-
zelfällen nach lebenslänglicher Nutzungszeit) ein Erwerbsrecht, allerdings un-
verbindlich, in Aussicht gestellt wurde (vgl. Schmidt-Räntsch, ZOV 1992, 2,
4 f). Das Berufungsgericht hat keine Feststellungen dazu getroffen, daß der
Kläger für die Übernahme von Besitz und Nutzungen an Boden- und Wohnflä-
che ein Entgelt entrichtet hätte. Es geht, wie sich aus den Entscheidungsgrün-
den ergibt, sogar vom Gegenteil aus, denn es argumentiert damit, auch für ein
Nutzungsrecht an einem volkseigenen Grundstück, § 287 ZGB, sei ein Entgelt
nicht zwingend vorgeschrieben gewesen. Die Nutzung durch den Kläger einer
Nutzung aufgrund eines Überlassungsvertrages gleichzustellen, verkennt die
wirtschaftlichen Grundlagen der Überlassung von "Westvermögen" auf der
Grundlage des Vertragsmusters der DDR-Verwaltung. Sie liefe auch dem die
Sachenrechtsbereinigung mitprägenden Nachzeichnungsgrundsatz zuwider,
denn nach einem Beschluß des Ministerrats der DDR vom 23. Dezember 1976
(BAROV-Schriftreihe aaO, S. 178) sollten fortan keine Überlassungsverträge
mehr abgeschlossen, sondern ausschließlich die im Zivilgesetzbuch vorgese-
henen Gestaltungsformen gewählt werden.
c) Der Anwendungsbereich des Sachenrechtsbereinigungsgesetzes
nach Maßgabe des § 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 Buchst. g ist nach den inhaltlich
unstreitigen Dokumenten des Klägers dagegen gegeben. Der Kläger hat die
baulichen Maßnahmen am Hausgrundstück der Beklagten aufgrund einer Zu-
stimmung nach der Eigenheimverordnung durchgeführt. Die Enteignung des
Grundstücks war durch den Rat der Stadt, der Rechtsträger werden sollte, in
die Wege geleitet. Ein Nutzungsrecht an dem Grundstück nach dessen Über-
führung in Volkseigentum war für den Kläger, wie sich aus der Bestätigung des
Rates des Kreises gegenüber der Kreissparkasse ergibt, vorgesehen. Aller-
dings verlangt der Tatbestand des § 5 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 Buchst. g SachenR-
BerG nach seinem Wortlaut die Errichtung, nicht nur den Ausbau eines Eigen-
heims. § 12 Abs. 1 SachenRBerG, der neben der Errichtung von Gebäuden
auch bauliche Maßnahmen an bestehenden Gebäuden unter bestimmten Vor-
aussetzungen zu den Bebauungen zählt, ist als solcher nicht dazu bestimmt,
den sachlichen Anwendungsbereich des Gesetzes über die Tatbestände der
§§ 4 bis 7 SachenRBerG hinaus zu erweitern. Er legt nur im Anschluß an Be-
reinigungstatbestände, die von der Bebauung ausgehen, fest, was hierunter zu
verstehen ist. Wenn die baulichen Maßnahmen des Klägers indessen die Vor-
aussetzungen der Rekonstruktion oder, was wohl kaum in Frage kommt, der
Änderung der Nutzungsart im Sinne des § 12 Abs. 1 SachenRBerG erfüllen, ist
es gerechtfertigt, sie den Regeln des § 3 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 Buchst. g
SachenRBerG unmittelbar oder in Verbindung mit dem Auffangtatbestand des
§ 3 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 SachenRBerG zu unterstellen. Denn eine Nutzungs-
rechtsverleihung kam nach den Vorschriften des DDR-Rechts (§§ 287 ff ZGB,
§ 2 des Nutzungsrechtsgesetzes vom 14. Dezember 1970) auch dann in Frage,
wenn die Rekonstruktion von Wohngebäuden in Aussicht genommen war, die
nach ihrem Bauzustand für den Abriß vorgesehen waren, oder wenn es um die
Umgestaltung früher nicht zu Wohnzwecken bestimmter Gebäude zu Eigen-
heimen ging. Solche Maßnahmen standen dem Neubau von Eigenheimen
gleich (Bodenrecht, Autorenkollektiv unter Leitung von Rohde, 1989, S. 90).
2. Nach Zurückverweisung der Sache wird das Berufungsgericht zu
prüfen haben, ob die baulichen Maßnahmen des Klägers den Anforderungen
des § 12 Abs. 1 SachenRBerG genügen. Hierbei wird es nicht wie bisher auf
einen im Jahr 2000 liegenden Wertermittlungsstichtag abstellen können. Unbe-
rücksichtigt zu bleiben hat die 1992/1993 erfolgte Umstellung der Heizungsan-
lage auf Erdgas. Genügen die baulichen Maßnahmen des Klägers den Voraus-
setzungen des § 12 Abs. 1 SachenRBerG nicht, steht ihm der Bereinigungsan-
spruch, dessen Feststellung er begehrt, nicht zu.
Im Hinblick auf die Zurückverweisung der Sache erübrigt sich ein nähe-
res Eingehen auf die Gegenrüge des Klägers, insbesondere darauf, ob die be-
haupteten Tatsachen in irgendeiner Beziehung zum Abschluß eines Überlas-
sungsvertrages stehen könnten.
Wenzel
Tropf
Lemke
Gaier
Schmidt-Räntsch