BGH Beschluss vom 03.02.2003 – II ZB 19/02
II. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
3. Februar 2003
in dem Rechtsstreit
Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 3. Februar 2003 durch
den Vorsitzenden Richter Dr. h.c. Röhricht, die Richter Dr. Hesselberger,
Dr. Kurzwelly, Kraemer und die Richterin Münke
beschlossen:
Die Rechtsbeschwerde der Beklagten gegen den Beschluß des
1. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 11. Juli
2002 wird auf ihre Kosten als unzulässig verworfen.
Beschwerdewert: 400,00
Gründe
I. Der Kläger war mit seinen Brüdern, den Beklagten zu 12 und 13, Ge-
sellschafter der Beklagten zu 1 bis 11 sowie Geschäftsführer der Beklagten
zu 6 und 8. Durch Vertrag vom 4. Dezember 1998 veräußerte er seine Gesell-
schaftsanteile mit wirtschaftlicher Wirkung zum 30. Dezember 1998 an die Be-
klagten zu 12 und 13 und schied auch aus seinen Geschäftsführerfunktionen
aus. Mit der Klage hat er von den Beklagten zu 1 bis 13 die Gewährung von
Einsicht in die Jahresabschlüsse der Gesellschaften für 1998 nebst Lage- und
Prüfungsberichten sowie die Gestattung begehrt, auf eigene Kosten Fotokopien
zu fertigen. Das Landgericht hat der Klage stattgegeben. Dagegen haben die
Beklagten Berufung eingelegt und zur Höhe ihrer Beschwer auf entsprechen-
den Hinweis des Berufungsgerichts vorgetragen, sämtliche vorzulegende Un-
terlagen befänden sich bei ihrem gemeinsamen Steuerberater in V.. Dort
könne die Einsichtnahme am kostengünstigsten abgewickelt werden. Gemäß
der vorgelegten Zusammenstellung des Steuerberaters entstünde für das Aus-
sortieren der Unterlagen aus verschiedenen Ordnern, für die Zusammenstel-
lung der Bilanzen und deren Überprüfung auf Vollständigkeit, für das Vervielfäl-
tigen und Binden sowie für etwaige Rückfragen des Klägers an die Geschäfts-
leitung ein voraussichtlicher Kostenaufwand von 2.170,00
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ein Geheimhaltungsinteresse der Beklagten an den Unterlagen, das mit minde-
stens 25.000,00
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schwerdegegenstandes auf 400,00
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e-
(cid:19) g-
richtet sich die Rechtsbeschwerde der Beklagten.
II. Die Rechtsbeschwerde ist zwar gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO n.F.
statthaft, jedoch nach Abs. 2 dieser Vorschrift unzulässig, weil die Rechtssache
weder grundsätzliche Bedeutung hat noch die Fortbildung des Rechts oder die
Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung über die
Rechtsbeschwerde erfordert.
Das Berufungsgericht geht in Einklang mit BGHZ 128, 85 davon aus, daß
der Wert des Beschwerdegegenstandes der Beklagten sich nach ihrem zur Ein-
sichtsgewährung erforderlichen Aufwand bemißt. Soweit das Berufungsgericht
für die Einsichtsgewährung, die gemäß § 811 Abs. 1 BGB bei dem Steuerbe-
rater der Beklagten erfolgen kann, lediglich den von den Beklagten angegebe-
nen Zeitaufwand von 4 Std. (= 400,00
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stellung und Vollständigkeitsüberprüfung der Geschäftsunterlagen, nicht aber
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die weiteren Positionen für erforderlich erachtet hat, ist das eine im tatrichterli-
chen Ermessen gemäß § 3 ZPO liegende Einzelfallbeurteilung, der - entgegen
der Ansicht der Beschwerdeführer - keine grundsätzliche Bedeutung zukommt.
Ebensowenig ist insoweit eine Abweichung von anderen ober- oder höchst-
richterlichen Entscheidungen dargetan oder ersichtlich (§§ 574 Abs. 2 Nr. 2,
575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO n.F.). Das gleiche gilt, soweit das Berufungsgericht ein
besonderes Geheimhaltungsinteresse der Beklagten an den Geschäftsunterla-
gen des Geschäftsjahrs 1998 gegenüber dem bis Ende dieses Jahres an den
Beklagten beteiligten Kläger sowie einen den Beklagten konkret drohenden
Nachteil nicht für dargetan bzw. für nicht gegeben erachtet hat (vgl. dazu
Sen.Beschl. v. 5. März 2001 - II ZB 11/00, NJW-RR 2001, 929; BGH, Beschl. v.
10. Juni 1999 - VII ZB 17/98, NJW 1999, 3049).
Röhricht
Hesselberger
Kurzwelly
Kraemer
Münke