BGH Urteil vom 25.02.2004 – VIII ZR 208/03
VIII. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
in dem Rechtsstreit
Verkündet am: 25. Februar 2004 Potsch, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 25. Februar 2004 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Deppert und die
Richter Dr. Hübsch, Dr. Leimert, Wiechers und Dr. Wolst
für Recht erkannt:
Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil der 4. Zivilkammer
des Landgerichts Stade vom 26. Juni 2003 aufgehoben.
Gerichtskosten für das Revisionsverfahren werden nicht erhoben.
Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch
über die übrigen Kosten des Revisionsverfahrens, an das Beru-
fungsgericht zurückverwiesen.
Von Rechts wegen
Tatbestand
Das Landgericht hat die Berufung des Beklagten gegen das Urteil des
Amtsgerichts Stade vom 21. Januar 2003 zurückgewiesen. Zugleich hat es die
Revision zugelassen. Das Berufungsurteil enthält keine Bezugnahme auf die
tatsächlichen Feststellungen im erstinstanzlichen Urteil; auch die Berufungsan-
träge gibt es nicht wieder. Mit seiner Revision begehrt der Beklagte, unter Auf-
hebung des angefochtenen Berufungsurteils nach seinen Schlußanträgen in der
Berufungsinstanz zu erkennen, hilfsweise beantragt er, die Sache zur neuen
Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen.
Entscheidungsgründe
Das Berufungsurteil ist aufzuheben, da es mangels jeder tatbestandli-
chen Darstellung und mangels Wiedergabe der Berufungsanträge eine revisi-
onsrechtliche Nachprüfung nicht zuläßt.
1. Auf das Berufungsverfahren ist die Zivilprozeßordnung in der seit dem
1. Januar 2002 geltenden Fassung anzuwenden, weil die mündliche Verhand-
lung vor dem Amtsgericht am 17. Dezember 2002 geschlossen worden ist (§ 26
Nr. 5 EGZPO). Demgemäß gilt für den Inhalt des Berufungsurteils § 540 ZPO.
Danach bedarf dieses zwar keines Tatbestandes. An dessen Stelle muß das
Berufungsurteil jedoch die Bezugnahme auf die tatsächlichen Feststellungen im
angefochtenen Urteil mit Darstellung etwaiger Änderungen oder Ergänzungen
enthalten (§ 540 Satz 1 Nr. 1 ZPO). Mangelt es daran, fehlt dem Berufungsurteil
tatsächliche Beurteilungsgrundlage. In einem solchen Fall ist das Berufungsur-
teil grundsätzlich von Amts wegen aufzuheben, und die Sache ist an das Beru-
fungsgericht zurückzuverweisen. Von der Aufhebung und Zurückverweisung
kann ausnahmsweise nur dann abgesehen werden, wenn sich die notwendigen
tatsächlichen Grundlagen der Entscheidung hinreichend deutlich aus den Ur-
teilsgründen ergeben (vgl. Senatsurteil vom 26. Februar 2003 - VIII ZR 262/02,
NJW 2003, 1743; Senatsurteil vom 22. Dezember 2003 - VIII ZR 122/03).
2. Hier enthält das Berufungsurteil keine Bezugnahme auf die tatsächli-
chen Feststellungen im erstinstanzlichen Urteil. Die tatsächliche Grundlage der
Entscheidung ergibt sich auch nicht aus den Urteilsgründen. Auch die Beru-
fungsanträge der Parteien gibt das angefochtene Berufungsurteil weder aus-
drücklich noch sinngemäß wieder. Das angefochtene Urteil ist daher aufzuhe-
ben, und die Sache ist zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Be-
rufungsgericht zurückzuverweisen.
Dr. Deppert
Dr. Hübsch
Dr. Leimert
Wiechers
Dr. Wolst