BGH Urteil vom 05.10.2004 – VI ZR 255/03
VI. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
in dem Rechtsstreit
Nachschlagewerk:
BGHZ:
BGHR:
ja
ja
ja
Verkündet am: 5. Oktober 2004 Holmes, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
BGB § 823 Ah, KUG §§ 22, 23; GG Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1, 5 Abs. 1 S. 2
a) Die Zubilligung einer Geldentschädigung wegen einer schweren Persönlichkeits-
rechtsverletzung hat ihre Wurzel im Verfassungsrecht und Zivilrecht und stellt kei-
ne strafrechtliche Sanktion dar.
b) Bei der Bemessung der Geldentschädigung stellen der Gesichtspunkt der Genug-
tuung des Opfers, der Präventionsgedanke und die Intensität der Persönlichkeits-
rechtsverletzung Bemessungsfaktoren dar, die sich je nach Lage des Falles unter-
schiedlich auswirken können (Ergänzung der Senatsurteile BGHZ 128, 1; vom
5. Dezember 1995 - VI ZR 332/94 - VersR 1996, 339 und vom 12. Dezember 1995
- VI ZR 223/94 - VersR 1996, 341).
BGH, Urteil vom 5. Oktober 2004 - VI ZR 255/03 - KG Berlin
LG Berlin
Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 5. Oktober 2004 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Müller, den Richter
Wellner, die Richterin Diederichsen und die Richter Stöhr und Zoll
für Recht erkannt:
Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 10. Zivilsenats
des Kammergerichts in Berlin vom 26. Mai 2003 wird auf ihre Ko-
sten zurückgewiesen.
Von Rechts wegen
Tatbestand
Die Klägerin nimmt die Beklagte auf Zahlung einer Geldentschädigung
für Bildveröffentlichungen in Anspruch.
Die Beklagte ist Verlegerin der Zeitschriften "die aktuelle" und "die zwei".
In der Zeit vom 28. Juli 1999 bis zum 10. Juli 2000 veröffentlichte sie in diesen
Zeitschriften neun Artikel, die jeweils ohne Zustimmung der Eltern, Prinzessin
Caroline von Hannover und Prinz Ernst August von Hannover, mit Bildern der
im Sommer 1999 geborenen Klägerin illustriert wurden. Unter anderem handel-
te es sich dabei um einen im August 1999 veröffentlichten Artikel, der unter der
Schlagzeile "Caroline. Die ersten Fotos. Das heimliche Babyglück" auf der Ti-
telseite und im Innenteil des Heftes Fotos enthielt, die heimlich aus großer Ent-
fernung auf einem Anwesen der Eltern der Klägerin aufgenommen worden wa-
ren. Im Juli 2000 veröffentlichte die Beklagte auf der gesamten Titelseite unter
der Schlagzeile "Caroline & Ernst August Scheidung?" ein Foto, welches die
Klägerin nach dem Schwimmen mit Schwimmflügeln in ein Handtuch gewickelt
auf dem Arm ihrer Mutter zeigte. Auf den Innenseiten folgten sechs weitere Fo-
tos der Klägerin, die sie gleichfalls beim Baden mit ihren Eltern zeigten.
Die Beklagte gab nach jeweils zeitnaher Abmahnung - teilweise unter
dem Druck entsprechender einstweiliger Verfügungen - jeweils Unterlassungs-
verpflichtungserklärungen ab. Unter anderem wegen zwei der hier streitgegen-
ständlichen Veröffentlichungen, darunter den im August 1999 veröffentlichten
Fotos, wurde sie zur Zahlung einer Geldentschädigung
in Höhe von
125.000 DM an die Mutter der Klägerin verurteilt. Die Klägerin selbst hat u.a.
wegen der Veröffentlichung dieser Fotos gegenüber zwei anderen Verlagen
Geldentschädigungen erstritten.
Das Landgericht hat der auf Zahlung einer Geldentschädigung von min-
destens 300.000 DM gerichteten Klage in Höhe von 150.000 DM stattgegeben.
Die Berufung der Beklagten hatte keinen Erfolg. Mit der vom Kammergericht
zugelassenen Revision verfolgt die Beklagte ihr Klageabweisungsbegehren
weiter.
Entscheidungsgründe
I.
Das Berufungsgericht führt aus, der Klägerin stehe gegen die Beklagte
wegen der durch die Veröffentlichungen erfolgten wiederholten Eingriffe in de-
ren allgemeines Persönlichkeitsrecht eine Geldentschädigung aus § 823 Abs. 1
könne sich die Beklagte nicht auf die Abbildungsfreiheit gemäß § 23 Abs. 1
Nr. 1 KUG berufen, wobei im Ergebnis dahinstehen könne, ob die Klägerin als
relative Person der Zeitgeschichte im Sinne der Vorschrift zu behandeln sei, nur
weil ihre Mutter eine absolute Person der Zeitgeschichte sei. Selbst dann wäre
im Rahmen der nach § 23 Abs. 2 KUG vorzunehmenden Abwägung zu beach-
ten, daß das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Klägerin Vorrang genieße,
zumal bei Minderjährigen wegen der sich erst entfaltenden Persönlichkeit und
der Schutzbedürftigkeit ihres Entwicklungsprozesses regelmäßig ein strengerer
Maßstab an die Zulässigkeit von Bildveröffentlichungen anzulegen sei.
Sowohl die Veröffentlichung der heimlich aufgenommenen Fotos im Au-
gust 1999 als auch die im Juli 2000 beeinträchtige das Persönlichkeitsrecht der
Klägerin so schwerwiegend, daß eine Geldentschädigung erforderlich sei. Die
weiteren Veröffentlichungen zeigten zwar heimlich, jedoch an öffentlich zugäng-
lichen Orten entstandene Fotos, die für sich genommen keine Zuerkennung
einer Geldentschädigung rechtfertigten, aber doch zeigten, mit welcher Hart-
näckigkeit die Beklagte unerlaubt Fotos der Klägerin veröffentliche.
Bei der Höhe der Geldentschädigung könne deren Genugtuungsfunktion
auch bei einem Kleinkind nicht völlig außer Acht bleiben, weil die Veröffentli-
chungen geeignet gewesen seien, die Eltern-Kind-Beziehung zu stören und
dabei unmittelbar auf die Lebensbedingungen der Klägerin negativen Einfluß zu
nehmen.
In erster Linie aber rechtfertige sich die Höhe der Entschädigung auf-
grund ihrer spezialpräventiven Wirkung. Wegen der gesteigerten Bedeutung
des Persönlichkeitsschutzes bei einem Minderjährigen müsse in derartigen Fäl-
len eine Geldentschädigung für den Schädiger fühlbar sein und der Berichter-
stattung den wirtschaftlichen Vorteil nehmen. Dem stehe nicht entgegen, daß
die Mutter der Klägerin ihrerseits bereits eine Geldentschädigung erstritten ha-
be. In jenem Verfahren sei es um das Persönlichkeitsrecht der Mutter gegan-
gen, vorliegend gehe es aber um das Persönlichkeitsrecht der Klägerin selbst.
Daß die Beklagte nunmehr nur noch solche Fotos veröffentlichen wolle,
die die Klägerin in Begleitung ihrer Eltern bei offiziellen Anlässen zeigten, stehe
angesichts ihrer bisherigen Hartnäckigkeit der zugesprochenen Geldentschädi-
gung nicht entgegen. Deren Herabsetzung sei auch nicht wegen der von der
Klägerin bereits gegen andere Verlage erstrittenen Entschädigungen geboten,
weil diese Veröffentlichungen eigenständige Persönlichkeitsrechtsverletzungen
darstellten.
Für die Höhe der Geldentschädigung sei auch die Wirtschaftsmacht der
hinter der Beklagten stehenden Gruppe von Bedeutung. Diese gebe 500 Print-
medien in verschiedenen europäischen Ländern heraus, darunter über 4 Millio-
nen Exemplare einer Tageszeitung und verfüge über Umsatzrenditen in zwei-
stelliger Prozenthöhe.
II.
Das angefochtene Urteil hält der revisionsrechtlichen Nachprüfung stand.
1. Die Revision macht geltend, der Zubilligung einer Geldentschädigung
an die Klägerin stehe das Grundrecht der Beklagten aus Art. 103 Abs. 3 GG
entgegen, nicht wegen derselben Tat aufgrund der allgemeinen Strafgesetze
mehrmals bestraft zu werden. Es sei ein Strafklageverbrauch eingetreten, weil
sechs der neun Bildveröffentlichungen bereits in anderen Verfahren mit einer
Geldentschädigung geahndet worden seien.
Entgegen dem Ansatz der Revision handelt es sich bei der Zubilligung
einer Geldentschädigung jedoch nicht um eine Strafe im Sinne des Art. 103
GG. Das Bundesverfassungsgericht und der Bundesgerichtshof sehen den An-
spruch auf eine Geldentschädigung wegen einer Verletzung des Persönlich-
keitsrechts vielmehr als ein Recht an, das auf den Schutzauftrag aus Art. 1 und
Art. 2 Abs. 1 GG zurückgeht. Demgemäß wird der Anspruch aus § 823 Abs. 1
raya = NJW 1973, 1221, 1226; Senatsurteile BGHZ 128, 1, 15; vom
5. Dezember 1995 - VI ZR 332/94 - VersR 1996, 339, 340 und vom 12. Dezem-
ber 1995 – VI ZR 223/94 – VersR 1996, 341, 342; so auch BGHZ 143, 214,
218 f.). Die Zubilligung einer Geldentschädigung im Fall einer schweren Per-
sönlichkeitsrechtsverletzung beruht auf dem Gedanken, daß ohne einen sol-
chen Anspruch Verletzungen der Würde und Ehre des Menschen häufig ohne
Sanktion blieben mit der Folge, daß der Rechtsschutz der Persönlichkeit ver-
kümmern würde. Bei dieser Entschädigung steht - anders als beim Schmer-
zensgeld - regelmäßig der Gesichtspunkt der Genugtuung des Opfers im Vor-
dergrund. Außerdem soll sie der Prävention dienen (vgl. Senatsurteile, BGHZ
128, 1, 15; vom 5. Dezember 1995 - VI ZR 332/94 – aaO und vom 12. Dezem-
ber 1995 - VI ZR 223/94 - aaO). Auch unter Berücksichtigung kritischer Stim-
men in der Literatur, die teilweise geltend machen, daß der Präventionszweck
als Mittel der Verhaltenssteuerung ein pönales Element darstelle, und die des-
halb die Frage aufwerfen, ob es sich nicht um eine Norm mit Strafcharakter
handele (vgl. Deutsch, Anm. zum Urteil des Senats vom 5. Dezember 1995, LM
§ 823 (Ah) Nr. 122; Gounalakis, AfP 1998, 10, 14 ff.; Funkel, Schutz der Per-
sönlichkeit durch Ersatz immaterieller Schäden in Geld, 2001, S. 164 ff.; Hoppe,
Persönlichkeitsschutz durch Haftungsrecht, 2001, S. 123 ff., 133 ff.; Seitz, NJW
1996, 2848), hält der erkennende Senat an dem grundlegenden Ansatz fest,
daß die Zubilligung einer Geldentschädigung ihre Wurzel im Verfassungsrecht
und Zivilrecht findet und keine strafrechtliche Sanktion darstellt (vgl. dazu auch
Steffen, NJW 1997, 10; Körner, NJW 2000, 241 ff.). Dementsprechend hat das
Bundesverfassungsgericht bereits entschieden, daß die zivilgerichtliche Verur-
teilung zu einem immateriellen Schadensersatz bei einer Persönlichkeitsverlet-
zung - mögen ihr auch "pönale Elemente" nicht ganz fremd sein - keine Strafe
im Sinne des Art. 103 Abs. 2 GG ist (vgl. BVerfGE 34, 269, 293 – Soraya =
NJW 1973, 1221, 1226).
Im Gegensatz zum staatlichen Strafanspruch soll die Zubilligung einer
Geldentschädigung im Zivilrecht in Fällen der vorliegenden Art den Schutzauf-
trag aus Art. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG im Interesse des konkret Betroffenen ge-
währleisten. Dies wird bei der hier vorliegenden Verletzung des Rechts am ei-
genen Bild besonders deutlich, weil dem Verletzten - anders als in anderen Fäl-
len, in denen er etwa den Widerruf oder die Richtigstellung einer sein Persön-
lichkeitsrecht beeinträchtigenden Äußerung verlangen kann - gegen eine solche
Rechtsverletzung keine anderen Abwehrmöglichkeiten als ein Anspruch auf
eine Geldentschädigung zur Verfügung stehen
(vgl. Senatsurteil vom
12. Dezember 1995 - VI ZR 223/94 - aaO). Deshalb unterliegt es keinem Zwei-
fel, daß die Zivilgerichte zur Gewährleistung dieses Interesses des Betroffenen
berufen sind. Der Präventionsgedanke stellt lediglich einen Bemessungsfaktor
für die Entschädigung dar, der sich je nach Lage des Falles unterschiedlich
auswirken kann. Soweit im Schrifttum für den "Strafcharakter" einer solchen
Entschädigung auf eine Entscheidung zur Vollstreckbarerklärung eines US-
Schadensersatzurteils (BGHZ 118, 312, 344 ff.) verwiesen wird, betraf jenes
Urteil einen ganz anders gelagerten Sachverhalt, der keine Parallele zum Streit-
fall aufweist.
2. Ohne Erfolg macht die Revision geltend, das allgemeine Persönlich-
keitsrecht der Klägerin sei nicht, jedenfalls nicht so schwerwiegend beeinträch-
tigt, daß dies eine Geldentschädigung rechtfertige.
a) Das Berufungsgericht geht zutreffend davon aus, daß die Beklagte
durch die Veröffentlichung der Fotos der Klägerin deren Recht am eigenen Bild
und damit ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht verletzt hat.
Bildnisse einer Person dürfen grundsätzlich nur mit deren Einwilligung
verbreitet werden (§ 22 Satz 1 KUG). Ist der Abgebildete minderjährig, bedarf
es der Einwilligung seines gesetzlichen Vertreters (vgl. Löffler/Steffen, Presse-
recht, Bd. I, 4. Aufl., Rdn. 125 zu § 6 LPG; Wenzel/von Strobl-Albeg, Das Recht
der Wort- und Bildberichterstattung, 5. Aufl., Kap. 7, Rdn. 69 m.w.N.). Eine sol-
che Einwilligung liegt nach den Feststellungen des Berufungsgerichts, die die
Revision nicht angreift, nicht vor.
b) In rechtlich nicht zu beanstandender Weise hat das Berufungsgericht
den Ausnahmetatbestand des § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG verneint, wonach Bildnis-
se aus dem Bereich der Zeitgeschichte ohne Einwilligung des Abgebildeten
veröffentlicht werden dürfen.
Daß die Klägerin selbst nicht zu einem Kreis von Personen gehört, deren
Bildnisse allein schon der Person wegen grundsätzlich einwilligungsfrei verbrei-
tet werden dürfen, zieht auch die Revision nicht in Zweifel. Unter den Umstän-
den des vorliegenden Falles kann es auch auf sich beruhen, ob und unter wel-
chen Voraussetzungen die Klägerin dadurch zu einer Person der Zeitgeschichte
werden könnte, daß sie auf Fotos zusammen mit ihrer Mutter abgebildet wird.
Weil mit der Anwendung des § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG ein Rechtsverlust verbun-
den ist, ist es erforderlich, Kinder von Personen der Zeitgeschichte allenfalls
dann in diesen Personenkreis einzubeziehen, wenn sie als deren Angehörige in
der Öffentlichkeit auftreten oder im Pflichtenkreis ihrer Eltern öffentliche Funk-
tionen wahrnehmen
(vgl. Senatsurteile
vom
12. Dezember
- VI ZR 223/94 - VersR 1996, 341 und vom 9. März 2004 - VI ZR 217/03 -
VersR 2004, 863 - zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen). Diese Voraus-
setzungen liegen hier nicht vor.
Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts bedürfen
Kinder eines besonderen Schutzes vor den Gefahren, die von dem Interesse
der Medien und ihrer Nutzer an einer Berichterstattung über sie oder an Abbil-
dungen von ihnen ausgehen. Ihre Persönlichkeitsentfaltung kann durch die Be-
richterstattung in Medien empfindlicher gestört werden als diejenige von Er-
wachsenen, so daß der Bereich, in dem sie sich frei von öffentlicher Beobach-
tung fühlen und entfalten dürfen, umfassender geschützt sein muß. Dieser
Schutz verwirklicht sich nicht nur über das elterliche Erziehungsrecht des Art. 6
Abs. 1 GG, sondern folgt auch aus dem eigenen Recht des Kindes auf unge-
hinderte Entfaltung seiner Persönlichkeit im Sinne von Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1
Abs. 1 GG (vgl. BVerfGE 101, 361, 385 f. = NJW 2000, 1021, 1023; BVerfG,
NJW 2000, 2191; NJW 2000, 2191 f. und NJW 2003, 3262 f.).
Nach diesen Grundsätzen genießt im Streitfall das besondere Schutzbe-
dürfnis der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung der Klägerin grundsätzlich
den Vorrang vor der Berichterstattung in den Medien. Die beanstandeten Fotos
zeigen die Klägerin und deren Eltern im Alltagsleben, also bei rein privaten Tä-
tigkeiten. Sie tragen in keiner Weise zu einer wichtigen öffentlichen Auseinan-
dersetzung in einer demokratischen Gesellschaft bei, die den Schutz des Art. 5
Abs. 1 GG in Anspruch nehmen könnte, sondern dienen nur dem Zweck, die
Neugier eines bestimmten Publikums im Hinblick auf Einzelheiten aus dem Pri-
vatleben der Betroffenen zu befriedigen, wobei sich das Interesse an der Kläge-
rin ausschließlich aus der Einstufung ihrer Eltern als sogenannte Prominente
ableitet.
Auch wenn die Reichweite des Persönlichkeitsschutzes eines Kindes
vom Schutzzweck her unter Berücksichtigung der Entwicklungsphasen des
Kindes zu bestimmen ist, steht dem nicht entgegen, daß die Klägerin zum Zeit-
punkt der Veröffentlichungen noch ein Kleinkind war. Eine Beeinträchtigung des
Persönlichkeitsrechts kann nämlich nicht nur dann vorliegen, wenn das Kind die
persönlichkeitserheblichen Einwirkungen Dritter bemerkt, sondern auch dann,
wenn andere Gründe den Schutz der Persönlichkeitsentwicklung erfordern (vgl.
BVerfG, NJW 2003, 3262 f.). Hier kann die Persönlichkeitsentwicklung der Klä-
gerin schon dadurch beeinträchtigt werden, daß wegen der ständigen Verfol-
gung durch die Presse eine natürliche Eltern-Kind-Beziehung gefährdet ist.
Wenn sich die Eltern im Zusammenleben mit dem Kind nicht unbefangen ver-
halten können, weil sie befürchten müssen, daß auch gegen ihren Willen Fotos
veröffentlicht werden, die den privaten Bereich betreffen, kann sich dies
nachteilig auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes auswirken. Insoweit
reicht bereits die Gefährdung aus, ohne daß es, wie die Revision meint, der
Darlegung bedarf, daß tatsächlich bereits eine Störung des Eltern-Kind-
Verhältnisses eingetreten sei.
c) Die Angriffe der Revision bleiben auch insoweit ohne Erfolg, als sie die
Voraussetzungen für die Zubilligung einer Geldentschädigung in Zweifel zieht.
Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats begründet eine Verlet-
zung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts einen Anspruch auf eine Geldent-
schädigung, wenn es sich um einen schwerwiegenden Eingriff handelt und die
Beeinträchtigung nicht in anderer Weise befriedigend ausgeglichen werden
kann. Das hängt insbesondere von der Bedeutung und Tragweite des Eingriffs,
ferner von Anlaß und Beweggrund des Handelnden sowie von dem Grad seines
Verschuldens ab (vgl. Senatsurteile BGHZ 128, 1, 12; 132, 13, 27 und vom
12. Dezember 1995 - VI ZR 223/94 - VersR 1996, 341; vgl. auch BVerfG, NJW
2004, 591). Eine wiederholte und hartnäckige Verletzung des Rechts am eige-
nen Bild, die um des wirtschaftlichen Vorteils willen erfolgt, kann sich als schwe-
re, einen Anspruch auf Geldentschädigung rechtfertigende Verletzung des all-
gemeinen Persönlichkeitsrechts des Betroffenen darstellen, auch wenn die ein-
zelne Bildveröffentlichung - jeweils für sich betrachtet - nicht als schwerwiegend
einzustufen ist. Die Besonderheit einer Verletzung des Rechts am eigenen Bild
besteht nämlich darin, daß dem Verletzten gegen eine solche Rechtsverletzung
keine anderen Abwehrmöglichkeiten als ein Anspruch auf eine Geldentschädi-
gung zur Verfügung stehen. Daraus folgt, daß in einem solchen Fall an die Zu-
billigung eines Entschädigungsanspruchs geringere Anforderungen als in ande-
ren Fällen einer Persönlichkeitsrechtsverletzung zu stellen sind (Senatsurteil
vom 12. Dezember 1995 - VI ZR 223/94 - aaO, 342).
Diese Grundsätze hat das Berufungsgericht beachtet und unter den Um-
ständen des vorliegenden Falles zu Recht die Voraussetzungen für die Zubilli-
gung einer Geldentschädigung bejaht. Ebenso wie in dem dem vorstehend zi-
tierten Senatsurteil zugrundeliegenden Fall läßt die Vorgehensweise der Be-
klagten eine besondere Hartnäckigkeit erkennen, indem sie die wiederholten
Bildveröffentlichungen vorgenommen hat, obwohl sie nach dem Erscheinen der
Fotos von den Eltern jeweils zeitnah abgemahnt worden ist, sie jeweils Unter-
lassungsverpflichtungserklärungen abgegeben hat und gegen sie mehrfach
einstweilige Verfügungen erlassen worden sind.
d) Unter diesen Umständen ist auch die Höhe der zugebilligten Geldent-
schädigung, die in erster Linie Sache des Tatrichters ist, nicht unverhältnismä-
ßig. In Fällen, in denen der Schädiger die Verletzung der Persönlichkeit seines
Opfers als Mittel zur Auflagensteigerung und damit zur Verfolgung eigener
kommerzieller Interessen eingesetzt hat, ist die Erzielung von Gewinnen aus
der Rechtsverletzung als Bemessungsfaktor in die Entscheidung über die Höhe
der Geldentschädigung mit einzubeziehen. In solchen Fällen muß von der Höhe
der Geldentschädigung ein echter Hemmungseffekt ausgehen; als weiterer
Bemessungsfaktor kann die Intensität der Persönlichkeitsrechtsverletzung be-
rücksichtigt werden, der hier angesichts der nachhaltigen Störung des Privatle-
bens ein hohes Gewicht zukommt. Zudem darf die Geldentschädigung nicht
eine Höhe erreichen, die die Pressefreiheit unverhältnismäßig einschränkt (vgl.
Senatsurteile BGHZ 128, 1, 16 und vom 5. Dezember 1995 - VI ZR 332/94 -
VersR 1996, 339, 340).
Im Hinblick darauf ist die Bemessung der Entschädigung durch das Beru-
fungsgericht in Anbetracht der besonderen Hartnäckigkeit der Beklagten und
der vom Berufungsgericht festgestellten Wirtschaftsmacht der hinter ihr stehen-
den Gruppe nicht zu beanstanden. Selbst wenn für diese keine rechtliche Ver-
pflichtung besteht, etwaige Verluste wegen der Verurteilung zu einer Geldent-
schädigung zu ersetzen, dürfen die faktischen wirtschaftlichen Verhältnisse der
Konzerngruppe hinter einem Presseorgan bei der Beurteilung, wie der Persön-
lichkeitsschutz gewährleistet werden kann, nicht außer Betracht bleiben. Im üb-
rigen läßt der Beklagtenvortrag nicht erkennen, inwieweit die hier zuerkannte
Geldentschädigung die Pressefreiheit gefährden könnte.
Auch die weiteren Rügen der Revision stehen der zuerkannten Entschä-
digung nicht entgegen. Wie vom Berufungsgericht zu Recht angenommen, stel-
len sowohl die Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht der Mutter der Klägerin als
auch die Veröffentlichungen durch andere Verlage eigenständige Persönlich-
keitsrechtsverletzungen dar. Die Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Mut-
ter betrifft das Rechtsgut einer anderen Person, deren Persönlichkeitsschutz
ebenso wie der der Klägerin zu gewährleisten ist. Könnte sich ein später in An-
spruch genommener Schädiger darauf berufen, daß bereits eine Entschädigung
wegen einer Veröffentlichung durch einen anderen Verlag zuerkannt worden ist,
bliebe eine eigenständige weitere Persönlichkeitsrechtsverletzung ohne ausrei-
chenden Schutz des Betroffenen. Den Vortrag der Beklagten, sie wolle nun-
mehr nur noch solche Fotos der Klägerin veröffentlichen, die diese in Beglei-
tung ihrer Eltern bei offiziellen Anlässen zeige, hat das Berufungsgericht be-
rücksichtigt. Es hat jedoch gemeint, die Beklagte könne nur durch eine fühlbare
Entschädigung in ihrem Verhalten beeinflußt werden. Diese tatrichterliche Wer-
tung ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.
III.
Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.
Müller
Wellner
Diederichsen
Stöhr
Zoll