Rechtsprechung / BGH

BGH Beschluß vom 03.05.2005 – VI ZR 206/04

VI. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

3. Mai 2005

in dem Rechtsstreit

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 3. Mai 2005 durch die Vorsit-

zende Richterin Dr. Müller, den Richter Dr. Greiner, die Richterin Diederichsen

und die Richter Pauge und Zoll

beschlossen:

Auf die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin wird das Urteil

des 2. Zivilsenats des Pfälzischen Oberlandesgerichts in Zwei-

brücken vom 11. Juni 2004 insoweit aufgehoben, als das Beru-

fungsgericht nicht berücksichtigt hat, daß die Klägerin auch we-

gen der ohne wirksame Einwilligung durchgeführten und damit

rechtswidrigen Hysterektomie ein Schmerzensgeld, dessen Höhe

in das Ermessen des Gerichts gestellt wird, mit 4 % Zinsen seit

Rechtshängigkeit verlangt.

In diesem Umfang und im Kostenpunkt wird die Sache zur neuen

Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurück-

verwiesen.

Die Klägerin macht insoweit zu Recht eine Verletzung ihres An-

spruchs auf rechtliches Gehör nach Art. 103 Abs. 1 GG geltend.

Die Klägerin hat in der Klageschrift bereits den Antrag auf

Schmerzensgeld für die Vornahme der Hysterektomie als solcher

gestellt. Mit der Berufung hat sie ihre erstinstanzlichen Anträge in

vollem Umfang weiterverfolgt. Das Berufungsgericht hätte des-

halb diesen Schmerzensgeldanspruch in seine Überlegungen

einbeziehen müssen, obwohl es den Ursachenzusammenhang

zwischen der Operation und dem Schlaganfall der Klägerin nicht

feststellen konnte. Aus dem Gesamtzusammenhang der Urteils-

gründe geht dazu nichts hervor. Diese behandeln ausschließlich

den Ursachenzusammenhang zwischen den gesundheitlichen

Beeinträchtigungen und Schäden, die Folge des von der Klägerin

am Morgen des 5. Mai 1995 erlittenen Infarkts sind, und der Hy-

sterektomie. Es muß deshalb davon ausgegangen werden, daß

das Berufungsgericht den betreffenden Antrag der Klägerin bei

der Entscheidung nicht berücksichtigt hat. Damit hat es das Ver-

fahrensgrundrecht auf Gewährung des rechtlichen Gehörs in ei-

nem entscheidenden Punkt des Klagevorbringens verletzt.

Der Zulassung der Revision und der Durchführung des Revisi-

onsverfahrens bedarf es zur Behebung des Verfahrensfehlers

nicht; vielmehr kann das Revisionsgericht in Fällen der Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs nach der am 1. Januar 2005 in

Kraft getretenen Vorschrift des § 544 Abs. 7 ZPO, die durch

Art. 1 des Gesetzes über die Rechtsbehelfe bei Verletzung des

Anspruchs auf rechtliches Gehör (Anhörungsrügengesetz) vom

9. Dezember 2004 (BGBl. I Seite 3220) eingefügt worden ist, in

dem der Nichtzulassungsbeschwerde stattgebenden Beschluß

unter Aufhebung des angefochtenen Urteils den Rechtsstreit an

das Berufungsgericht zurückverweisen (vgl. BGH, Beschluß vom

5. April 2005 - VIII ZR 160/04 - vorgesehen zur Veröffentlichung).

Von dieser Möglichkeit macht der Senat hier Gebrauch.

Der Streitwert für das Beschwerdeverfahren wird auf 20.001 €

festgesetzt.

Müller Greiner Diederichsen

Pauge Zoll