Rechtsprechung / BGH

BGH Urteil vom 21.12.2005 – VIII ZR 49/05

VIII. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk:

ja

BGHZ:

BGHR:

nein

ja

Verkündet am: 21. Dezember 2005 Potsch, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

BGB §§ 437 Nr. 2 und 3, 440, 441, 281 Abs. 2, 323 Abs. 2 Nr. 3

Dass der Käufer eines Gebrauchtwagens nicht weiß, ob ein binnen sechs Monaten

nach der Übergabe durch den Verkäufer aufgetretener Defekt des Fahrzeugs auf

einen Sachmangel im Sinne des § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB zurückzuführen ist, entlas-

tet ihn nicht von der Obliegenheit, dem Verkäufer Gelegenheit zur Nacherfüllung zu

geben, bevor er das Fahrzeug selbst reparieren lässt und wegen des Mangels die

Minderung erklären oder einen Anspruch auf Schadensersatz statt der Leistung gel-

tend machen kann.

§ 439 Abs. 3 BGB gewährt dem Verkäufer eine Einrede gegenüber der vom Käufer

beanspruchten Art der Nacherfüllung, die der Verkäufer ausüben kann, aber nicht

muss. Der Käufer kann deshalb nicht wegen unverhältnismäßiger Kosten der Nach-

erfüllung sogleich die Minderung erklären, ohne dem Verkäufer Gelegenheit zur

Nacherfüllung gegeben zu haben.

BGH, Urteil vom 21. Dezember 2005 - VIII ZR 49/05 - OLG Stuttgart

LG Stuttgart

Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 21. Dezember 2005 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Deppert, die Rich-

ter Dr. Leimert, Dr. Wolst und Dr. Frellesen sowie die Richterin Hermanns

für Recht erkannt:

Die Revision des Klägers gegen das Urteil des 10. Zivilsenats des

Oberlandesgerichts Stuttgart vom 18. Januar 2005 wird zurück-

gewiesen.

Der Kläger hat die Kosten des Revisionsverfahrens zu tragen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

1

Der Kläger kaufte am 23. September 2002 bei der Beklagten, einer ge-

werblichen Autohändlerin, einen 1999 erstmals zugelassenen gebrauchten Pkw

D. , der ihm am 26. September 2002 übergeben wurde. In dem Kauf-

vertrag sind als Unfallschäden angegeben "Lack + Blechschaden, Frzg. teilwei-

se nachlackiert".

2

Am 23. November 2002 suchte der Kläger nach Aufleuchten der Motor-

Management-Kontrollleuchte während einer Fahrt auf der Autobahn in Höhe

L. die nächstgelegene M. Niederlassung auf. Dort wurde

ein Defekt des Katalysators festgestellt, der auf ein Aufsetzen des Fahrzeugs

zurückzuführen war. Für die Reparatur wurden dem Kläger von der Niederlas-

sung 1.390,59 € in Rechnung gestellt.

3

Im vorliegenden Rechtsstreit hat der Kläger zunächst Kosten für die Be-

seitigung eines nach seiner Behauptung durch das Aufsetzen des Fahrzeugs

insgesamt verursachten Schadens in Höhe von 5.060,77 € nebst Zinsen gel-

tend gemacht. Die Beklagte hat das Vorliegen von Mängeln im Zeitpunkt der

Übergabe bestritten und beanstandet, dass ihr keine Gelegenheit zur Nacher-

füllung gegeben worden sei. Nach Abweisung der Klage durch das Landgericht

hat der Kläger mit seiner Berufung nur noch Zahlung von 2.246,38 € nebst Zin-

sen verlangt. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Reparaturkosten für

den Katalysator von 1.390,59 €, Kosten für eine Fahrzeugvermessung von

355,79 € und einem Minderungsbetrag von 500 € für eine geringfügige Eindrü-

ckung am rechten Rahmenlängsträger. Die Berufung ist erfolglos geblieben. Mit

der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Kläger sein

zweitinstanzliches Begehren weiter.

Entscheidungsgründe

Die Revision hat keinen Erfolg.

I.

Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung ausge-

führt:

Gewährleistungsansprüchen des Klägers stehe entgegen, dass nicht

vom Vorliegen eines Mangels im Zeitpunkt des Gefahrübergangs (§ 434 BGB)

ausgegangen werden könne und die Beweislastumkehr des § 476 BGB nicht

eingreife. Nach den Feststellungen des vom Landgericht beauftragten Sachver-

ständigen seien die Beschädigungen am rechten Rahmenlängsträger sowie am

rechten Katalysator durch einen Aufsetzvorgang verursacht worden, der im

Laufe des weiteren Fahrbetriebes zur Verstopfung des Auspuffrohrs durch sich

ablösende Teile geführt habe. Ob das Aufsetzen des Fahrzeugs vor oder wäh-

rend der Besitzzeit des Klägers erfolgt sei, habe der Sachverständige nicht be-

urteilen können, weshalb mangels Beweisangeboten des Klägers das Vorliegen

eines Mangels im Zeitpunkt des Gefahrübergangs nicht festzustellen sei.

7

Auf die Vorschrift des § 476 BGB, nach der im Falle des Verbrauchsgü-

terkaufs bei Auftreten eines Sachmangels binnen sechs Monaten nach Gefahr-

übergang in zeitlicher Hinsicht vermutet werde, dass der Mangel bereits im

Zeitpunkt des Gefahrübergangs vorgelegen habe, könne der Kläger sich nicht

berufen. Sie komme nicht zur Anwendung bei Mängeln, bei denen das Auftre-

ten innerhalb der ersten sechs Monate nach Gefahrübergang keinen hinrei-

chenden Rückschluss auf das Vorliegen dieses Mangels bereits zur Zeit des

Gefahrübergangs zulasse. Das sei anzunehmen, wenn der Mangel - wie hier -

auf einer äußeren Einwirkung beruhe. Es bestehe kein Erfahrungssatz dahin-

gehend, dass die Ursache für den Schaden vor der Übergabe der Kaufsache an

den Käufer entstanden sei. Die Vermutung des § 476 BGB sei nur gerechtfer-

tigt, wenn ein entsprechender Rückschluss auf das Vorliegen des später aufge-

tretenen Mangels zum Zeitpunkt des Gefahrübergangs mit einer gewissen

Wahrscheinlichkeit möglich sei.

II.

8

Diese Ausführungen halten der rechtlichen Nachprüfung nicht stand.

Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts scheitern Gewährleistungsan-

sprüche des Klägers nach §§ 437, 434, 433 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht schon

daran, dass er das Vorliegen eines Mangels im Zeitpunkt des Gefahrüber-

gangs, der Übergabe des Fahrzeugs (§ 446 Satz 1 BGB), nicht bewiesen hat.

9

1. Die Beschädigungen des Fahrzeugs am rechten Katalysator sowie am

rechten Rahmenlängsträger stellen, soweit sie bereits bei Gefahrübergang vor-

handen waren, einen Sachmangel des Fahrzeugs im Sinne des § 434 Abs. 1

Satz 1 BGB dar. Nach dem Kaufvertrag sollte das Fahrzeug an Unfallschäden

(nur) Lack- und Blechschäden erlitten haben und teilweise nachlackiert sein.

Nach den nicht angegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts wies es

Ende November 2002 darüber hinaus gehende Beschädigungen des rechten

Katalysators und des rechten Rahmenlängsträgers auf, die durch einen Auf-

setzvorgang verursacht worden waren.

10

2. Da sich dieser Mangel innerhalb von sechs Monaten nach der Über-

gabe des Fahrzeugs am 29. September 2002 gezeigt hat, ist, anders als das

Berufungsgericht meint, gemäß § 476 BGB zu vermuten, dass das Fahrzeug

bereits bei Gefahrübergang mangelhaft war.

11

a) § 476 BGB findet gemäß § 474 Abs. 1 BGB auf den hier zu beurtei-

lenden Kauf eines Kraftfahrzeugs, einer beweglichen Sache, durch den Kläger

als Verbraucher (§ 13 BGB) von der Beklagten, die als Kraftfahrzeughändlerin

Unternehmerin (§ 14 BGB) ist, Anwendung. Dass der Kläger das Fahrzeug zu

einem Zweck erworben hat, der weder einer gewerblichen noch einer selbstän-

digen beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann, hat auch die Beklagte im

Laufe des Rechtsstreits nicht in Frage gestellt.

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b) Nach § 476 BGB wird vermutet, dass ein Sachmangel, der sich inner-

halb von sechs Monaten seit Gefahrübergang zeigt, bereits bei Gefahrübergang

vorhanden war, es sei denn, diese Vermutung ist mit der Art der Sache oder

des Mangels unvereinbar.

13

aa) Nach der Rechtsprechung des Senats (Urteil vom 2. Juni 2004

- VIII ZR 329/03, BGHZ 159, 215 = NJW 2004, 2299; Urteil vom 14. September

2005 - VIII ZR 363/04, NJW 2005, 3490, unter B II 1 b bb (1)) begründet § 476

BGB eine (lediglich) in zeitlicher Hinsicht wirkende Vermutung, dass ein Mangel

bereits im Zeitpunkt des Gefahrübergangs vorlag; dem Käufer kommt die Be-

weislastumkehr grundsätzlich zugute, wenn das Vorliegen eines Sachmangels

allein davon abhängt, ob eine Abweichung von der Sollbeschaffenheit, die sich

innerhalb von sechs Monaten nach der Übergabe der Sache an den Käufer

zeigt, bereits bei Gefahrübergang vorhanden war.

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So liegt der Fall hier. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts

sind die Beschädigungen des Fahrzeugs am Rahmenlängsträger und am Kata-

lysator auf einen Aufsetzvorgang zurückzuführen. Die Ursache für den Schaden

steht also (anders als in dem Fall, der dem Senatsurteil BGHZ 159, 215

zugrunde lag) fest. Für die Beantwortung der Frage, ob es sich dabei um einen

Sachmangel im Sinne des § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB handelt, kommt es allein

darauf an, ob sich der Aufsetzvorgang vor oder nach der Übergabe des Fahr-

zeugs an den Kläger ereignet hat.

15

bb) Die Vermutung, dass die Beschädigungen schon bei der Übergabe

des Fahrzeugs an den Kläger vorhanden waren, ist weder mit der Art der Sache

noch mit der Art des Mangels unvereinbar. Wie der Senat nach Erlass des an-

gefochtenen Urteils bereits entschieden hat (Urteil vom 14. September 2005,

aaO, unter B II 1 b cc (2)), wird die Vermutung des § 476 BGB nicht dadurch

ausgeschlossen, dass es sich um einen Mangel handelt, der typischerweise

jederzeit eintreten kann und der für sich genommen keinen hinreichend wahr-

scheinlichen Rückschluss auf sein Vorliegen schon zum Zeitpunkt des Gefahr-

übergangs zulässt. Die gegenteilige Auffassung des Berufungsgerichts wider-

spricht dem in § 476 BGB normierten Regel-Ausnahme-Verhältnis. Die mit ihr

verbundene Einengung der Beweislastumkehr ließe die Vermutungsregelung

gerade in den Fällen leer laufen, in denen der Entstehungszeitpunkt des Man-

gels nicht zuverlässig festgestellt werden kann, und würde den mit der Rege-

lung beabsichtigten Verbraucherschutz weitgehend aushöhlen.

16

Die Vermutung, dass ein Mangel bereits bei Gefahrübergang vorgelegen

hat, ist nur dann mit der Art des Mangels unvereinbar, wenn es sich um äußerli-

che Beschädigungen der Kaufsache handelt, die auch dem fachlich nicht ver-

sierten Käufer auffallen müssen. Denn in einem solchen Fall ist zu erwarten,

dass der Käufer den Mangel bei der Übergabe beanstandet (Senatsurteil vom

14. September 2005, aaO, unter B II 1 b cc (2)). Um eine derartige Beschädi-

gung handelt es sich nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hier in-

dessen nicht. Das Fahrzeug wies einen Schaden ausschließlich auf der Unter-

seite auf; dem Käufer musste deshalb das Schadensbild bei einer üblichen Be-

sichtigung des auf dem Boden - nicht auf einer Hebebühne oder über einer

Grube - stehenden Fahrzeugs nicht auffallen.

III.

17

Das Berufungsurteil kann deshalb mit der gegebenen Begründung kei-

nen Bestand haben. Die Entscheidung des Berufungsgerichts stellt sich aber

aus anderen Gründen als richtig dar, so dass die Revision zurückzuweisen ist

(§ 561 ZPO). Dem Kläger steht ein auf Zahlung gerichteter Gewährleistungsan-

spruch gegenüber der Beklagten nicht zu, weil er ihr keine Gelegenheit gege-

ben hat, den Mangel des Fahrzeugs selbst zu beseitigen.

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Es kann offen bleiben, ob der Kläger wegen der Kosten für die Reparatur

des Katalysators und für die Fahrzeugvermessung Schadensersatz statt der

Leistung gemäß §§ 437 Nr. 3, 280, 281 BGB verlangt oder ob er insoweit - wie

auch wegen der Eindrückung am rechten Rahmenlängsträger - gemäß §§ 437

Nr. 2, 441 BGB die Minderung des Kaufpreises erklärt hat und Kaufpreisrück-

zahlung nach § 441 Abs. 4 BGB fordert. Sowohl das Recht des Käufers, den

Kaufpreis gemäß §§ 437 Nr. 2, 441 BGB zu mindern, als auch der Anspruch auf

Schadensersatz statt der Leistung gemäß §§ 437 Nr. 3, 440, 280 Abs. 1 und 3,

281 BGB setzen - wenn nicht einer der gesetzlich geregelten Ausnahmetatbe-

stände eingreift - voraus, dass der Käufer dem Verkäufer erfolglos eine ange-

messene Frist zur Nacherfüllung (§ 439 BGB) bestimmt hat (Senatsurteile vom

23. Februar 2005 - VIII ZR 100/04, NJW 2005, 1348, unter II 1 a, zur Veröffent-

lichung in BGHZ 162, 219 bestimmt; vom 22. Juni 2005 - VIII ZR 1/05, ZGS

2005, 433, unter II 1; vom 7. Dezember 2005 - VIII ZR 126/05, zur Veröffentli-

chung bestimmt, unter II 2). Das ist nach den Feststellungen des Berufungsge-

richts nicht geschehen. Die Revision macht Gegenteiliges nicht geltend. Einer

der Ausnahmetatbestände, in denen es nach den §§ 440, 281 Abs. 2, 323

Abs. 2 BGB einer Fristsetzung zur Nacherfüllung nicht bedarf, ist hier nicht ge-

geben.

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1. Gemäß §§ 281 Abs. 2 Halbsatz 2, 323 Abs. 2 Nr. 3 BGB ist eine Frist-

setzung unter anderem dann entbehrlich, wenn besondere Umstände vorliegen,

die unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die sofortige Geltendma-

chung des Schadensersatzanspruchs bzw. den sofortigen Rücktritt (gemäß

§ 441 Abs. 1 Satz 1 BGB alternativ die sofortige Minderung) rechtfertigen. Sol-

che Umstände ergeben sich weder aus den Feststellungen des Berufungsge-

richts noch aus dem revisionsrechtlich zugrunde zu legenden Sachvortrag des

Klägers.

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a) Soweit es um die Kosten für die Reparatur des Katalysators geht, hat

der Kläger lediglich geltend gemacht, er habe im Zeitpunkt der Beauftragung

der Werkstatt keine Kenntnis vom Vorliegen eines Sachmangels gehabt und er

sei auf das Fahrzeug angewiesen gewesen. Beides entlastete ihn nicht von

seiner Obliegenheit, der Beklagten Gelegenheit zur Nacherfüllung zu geben.

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aa) Zwar kann ein plötzlich auftretender Defekt an einem Fahrzeug ver-

schiedenste Ursachen haben und muss ein solcher auch, wenn das Fahrzeug

erst zwei Monate zuvor erworben worden ist, nicht zwingend auf einen Sach-

mangel zurückzuführen sein, der dem Fahrzeug schon im Zeitpunkt der Über-

gabe anhaftete. Dennoch ist der Käufer gehalten, jedenfalls eine solche Mög-

lichkeit in Betracht zu ziehen, wenn er etwaige Rechte gegenüber dem Verkäu-

fer nicht verlieren will. Dass ihm wegen des Defekts Gewährleistungsansprüche

gegenüber dem Verkäufer zustehen können, ist zumindest, wenn die Übergabe

wie hier weniger als sechs Monate zurückliegt und dem Käufer deshalb die

Vermutungsregelung des § 476 BGB zugute kommt, nicht so fern liegend, dass

der Käufer damit nicht zu rechnen brauchte. Er kann deshalb nicht ohne Ge-

fährdung seiner Rechte gegenüber dem Verkäufer sogleich eine Reparatur

selbst vornehmen oder vornehmen lassen, wenn er nicht weiß, wodurch der

Defekt verursacht worden ist. Vielmehr obliegt es ihm zur Erhaltung etwaiger

Gewährleistungsansprüche auch in diesem Fall, zunächst dem Verkäufer Gele-

genheit zur Nacherfüllung zu geben. Der grundsätzliche Vorrang der Nacherfül-

lung durch den Verkäufer soll diesen unter anderem in die Lage versetzen, ei-

gene Feststellungen dazu zu treffen, ob die verkaufte Sache einen Mangel auf-

weist, auf welcher Ursache dieser beruht und ob er bereits im Zeitpunkt des

Gefahrübergangs vorgelegen hat (Senatsurteil vom 23. Februar 2005, aaO,

unter II 2 b bb (2)). Die Kosten eines dafür erforderlichen Transports des Fahr-

zeugs zum Verkäufer fallen nicht dem Käufer zur Last, sondern sind, wenn tat-

sächlich ein Mangel vorliegt, gemäß § 439 Abs. 2 BGB vom Verkäufer zu tra-

gen.

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bb) Der Kläger hat nicht dargetan, dass oder aus welchen Gründen es

ihm nicht möglich oder nicht zumutbar (§ 440 Satz 1 BGB) war, der Beklagten

Gelegenheit zur Nacherfüllung zu geben. Er hat zwar behauptet, er sei auf das

Fahrzeug angewiesen gewesen. Aus dem vom Landgericht, auf dessen Fest-

stellungen das Berufungsgericht verweist, in Bezug genommenen Schreiben

des Klägers vom 7. Januar 2003 ergibt sich jedoch, dass auch die M.

Niederlassung in L. den Katalysator nicht unmittelbar reparieren

konnte und der Kläger deshalb zunächst seine Fahrt mit einem Mietwagen fort-

setzte. Unter diesen Umständen ist nicht ersichtlich, warum er nicht, statt den

Schaden durch die Niederlassung in L. sogleich beheben zu lassen,

zunächst der Beklagten hätte Gelegenheit geben können, die Ursache festzu-

stellen und den Mangel selbst zu beseitigen.

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b) Soweit der Kläger Erstattung der Kosten einer Fahrzeugvermessung

sowie Minderung wegen der Eindrückung am Rahmenlängsträger verlangt,

macht er nach der Wiedergabe seines Sachvortrags im Berufungsurteil selbst

nicht geltend, es lägen besondere Umstände vor, die unter Abwägung der bei-

derseitigen Interessen die sofortige Geltendmachung des Schadensersatzan-

spruchs bzw. die sofortige Minderung rechtfertigten. Darüber hinausgehenden

Sachvortrag zeigt auch die Revision nicht auf.

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2. Eine Fristsetzung zur Nacherfüllung war weiter nicht deshalb entbehr-

lich, weil die Beklagte die Nacherfüllung ernsthaft und endgültig verweigert hät-

te (§ 281 Abs. 2 Halbsatz 1, § 323 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Hinsichtlich der Repara-

tur des Katalysators hatte sie dazu keine Gelegenheit, weil der Kläger die Re-

paratur unmittelbar selbst in Auftrag gegeben hat. Hinsichtlich der Fahrzeug-

vermessung - unterstellt eine solche war oder ist zur endgültigen Behebung

eines Sachmangels erforderlich - und der Beseitigung des Schadens am rech-

ten Rahmenlängsträger könnte als konkludente Erfüllungsverweigerung allen-

falls das Bestreiten eines Sachmangels durch die Beklagte in diesem Rechts-

streit in Betracht kommen. Der Kläger hat nicht vorgetragen, ob und gegebe-

nenfalls wann er die Fahrzeugvermessung, für die er Kostenerstattung begehrt,

tatsächlich vorgenommen hat. Sollte dies bereits vor Klageerhebung der Fall

gewesen sein, scheidet eine Erfüllungsverweigerung durch das Verhalten der

Beklagten im Prozess schon aus zeitlichen Gründen aus, weil ihr eine Nacher-

füllung dann bereits zu Beginn des Verfahrens nicht mehr möglich war.

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Im Übrigen sind an die tatsächlichen Voraussetzungen für die Bejahung

einer endgültigen Erfüllungsverweigerung strenge Anforderungen zu stellen; sie

liegt nur vor, wenn der Schuldner eindeutig zum Ausdruck bringt, er werde sei-

nen Vertragspflichten nicht nachkommen (Senatsurteil, BGHZ 104, 6, 13; BGH,

Urteil vom 15. Dezember 1998 - X ZR 90/96, NJW-RR 1999, 560, unter II 1).

Daran fehlt es hier. In dem Bestreiten von Mängeln liegt nicht ohne weiteres

eine endgültige Nacherfüllungsverweigerung; denn das Bestreiten ist prozessu-

ales Recht des Schuldners. Vielmehr müssen zu dem bloßen Bestreiten weitere

Umstände hinzutreten, welche die Annahme rechtfertigen, dass der Schuldner

über das Bestreiten der Mängel hinaus bewusst und endgültig die Erfüllung sei-

ner Vertragspflichten ablehnt und es damit ausgeschlossen erscheint, dass er

sich von einer Fristsetzung hätte oder werde umstimmen lassen (BGH, Urteil

vom 12. Januar 1993 - X ZR 63/91, WM 1993, 623 = NJW-RR 1993, 882, unter

II 3 a). Das ist nicht ersichtlich. Die Beklagte hat von Beginn des Rechtsstreits

an stets auch gerügt, ihr sei keine Gelegenheit zur Nachbesserung gegeben

worden. Es erscheint deshalb zumindest möglich, dass sie bei einer an sie ge-

richteten Aufforderung des Klägers zur Nacherfüllung keinen Streit über das

Vorliegen eines Sachmangels (mehr) geführt, sondern die Fahrzeugschäden

beseitigt hätte.

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3. Zugunsten des Klägers kann schließlich auch keine Berücksichtigung

finden, dass nach dem Ergebnis des vom Landgericht eingeholten Sachver-

ständigengutachtens die Beseitigung des - geringfügigen - Schadens am rech-

ten Rahmenlängsträger nur mit unverhältnismäßigen Kosten möglich ist. Das

würde zwar möglicherweise die Beklagte dazu berechtigen, die Beseitigung des

Mangels gemäß § 439 Abs. 3 Satz 1 BGB zu verweigern, den Kläger aber nicht

von der Notwendigkeit befreien, von der Beklagten gemäß § 439 Abs. 1 BGB

Nacherfüllung in Form der Mangelbeseitigung oder in Form der Ersatzlieferung

zu verlangen. Absatz 3 der Vorschrift gewährt dem Verkäufer eine Einrede ge-

genüber der vom Käufer beanspruchten Art der Nacherfüllung (vgl. Begründung

zum Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Schuldrechts, BT-Drucks.

14/6040, S. 232). Dieses Recht kann der Verkäufer ausüben, er muss es aber

nicht. Ihm soll durch die Ausgestaltung als Einrede vorbehalten bleiben, die

vom Käufer gewählte Art der Nacherfüllung auch mit überobligatorischen An-

strengungen vorzunehmen (Staudinger/Matusche-Beckmann, BGB (2004),

§ 439 Rdnr. 39; Faust in Bamberger/Roth, BGB, § 439 Rdnr. 35). Deshalb kann

der Käufer nicht unter Hinweis auf § 439 Abs. 3 BGB wegen unverhältnismäßi-

ger Kosten der Nacherfüllung sogleich die Minderung des Kaufpreises erklären,

ohne zuvor dem Verkäufer zumindest Gelegenheit zur Nacherfüllung gegeben

zu haben.

Dr. Deppert

Dr. Leimert

Dr. Wolst

Dr. Frellesen

Hermanns

Vorinstanzen:

LG Stuttgart, Entscheidung vom 14.07.2004 - 14 O 383/03 -

OLG Stuttgart, Entscheidung vom 18.01.2005 - 10 U 179/04 -