BGH Urteil vom 21.12.2005 – VIII ZR 49/05
VIII. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
in dem Rechtsstreit
Nachschlagewerk:
ja
BGHZ:
BGHR:
nein
ja
Verkündet am: 21. Dezember 2005 Potsch, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
BGB §§ 437 Nr. 2 und 3, 440, 441, 281 Abs. 2, 323 Abs. 2 Nr. 3
Dass der Käufer eines Gebrauchtwagens nicht weiß, ob ein binnen sechs Monaten
nach der Übergabe durch den Verkäufer aufgetretener Defekt des Fahrzeugs auf
einen Sachmangel im Sinne des § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB zurückzuführen ist, entlas-
tet ihn nicht von der Obliegenheit, dem Verkäufer Gelegenheit zur Nacherfüllung zu
geben, bevor er das Fahrzeug selbst reparieren lässt und wegen des Mangels die
Minderung erklären oder einen Anspruch auf Schadensersatz statt der Leistung gel-
tend machen kann.
BGB § 439 Abs. 3
§ 439 Abs. 3 BGB gewährt dem Verkäufer eine Einrede gegenüber der vom Käufer
beanspruchten Art der Nacherfüllung, die der Verkäufer ausüben kann, aber nicht
muss. Der Käufer kann deshalb nicht wegen unverhältnismäßiger Kosten der Nach-
erfüllung sogleich die Minderung erklären, ohne dem Verkäufer Gelegenheit zur
Nacherfüllung gegeben zu haben.
BGH, Urteil vom 21. Dezember 2005 - VIII ZR 49/05 - OLG Stuttgart
LG Stuttgart
Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 21. Dezember 2005 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Deppert, die Rich-
ter Dr. Leimert, Dr. Wolst und Dr. Frellesen sowie die Richterin Hermanns
für Recht erkannt:
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des 10. Zivilsenats des
Oberlandesgerichts Stuttgart vom 18. Januar 2005 wird zurück-
gewiesen.
Der Kläger hat die Kosten des Revisionsverfahrens zu tragen.
Von Rechts wegen
Tatbestand
Der Kläger kaufte am 23. September 2002 bei der Beklagten, einer ge-
werblichen Autohändlerin, einen 1999 erstmals zugelassenen gebrauchten Pkw
D. , der ihm am 26. September 2002 übergeben wurde. In dem Kauf-
vertrag sind als Unfallschäden angegeben "Lack + Blechschaden, Frzg. teilwei-
se nachlackiert".
Am 23. November 2002 suchte der Kläger nach Aufleuchten der Motor-
Management-Kontrollleuchte während einer Fahrt auf der Autobahn in Höhe
L. die nächstgelegene M. Niederlassung auf. Dort wurde
ein Defekt des Katalysators festgestellt, der auf ein Aufsetzen des Fahrzeugs
zurückzuführen war. Für die Reparatur wurden dem Kläger von der Niederlas-
sung 1.390,59 € in Rechnung gestellt.
Im vorliegenden Rechtsstreit hat der Kläger zunächst Kosten für die Be-
seitigung eines nach seiner Behauptung durch das Aufsetzen des Fahrzeugs
insgesamt verursachten Schadens in Höhe von 5.060,77 € nebst Zinsen gel-
tend gemacht. Die Beklagte hat das Vorliegen von Mängeln im Zeitpunkt der
Übergabe bestritten und beanstandet, dass ihr keine Gelegenheit zur Nacher-
füllung gegeben worden sei. Nach Abweisung der Klage durch das Landgericht
hat der Kläger mit seiner Berufung nur noch Zahlung von 2.246,38 € nebst Zin-
sen verlangt. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Reparaturkosten für
den Katalysator von 1.390,59 €, Kosten für eine Fahrzeugvermessung von
355,79 € und einem Minderungsbetrag von 500 € für eine geringfügige Eindrü-
ckung am rechten Rahmenlängsträger. Die Berufung ist erfolglos geblieben. Mit
der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Kläger sein
zweitinstanzliches Begehren weiter.
Entscheidungsgründe
Die Revision hat keinen Erfolg.
I.
Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung ausge-
führt:
Gewährleistungsansprüchen des Klägers stehe entgegen, dass nicht
vom Vorliegen eines Mangels im Zeitpunkt des Gefahrübergangs (§ 434 BGB)
ausgegangen werden könne und die Beweislastumkehr des § 476 BGB nicht
eingreife. Nach den Feststellungen des vom Landgericht beauftragten Sachver-
ständigen seien die Beschädigungen am rechten Rahmenlängsträger sowie am
rechten Katalysator durch einen Aufsetzvorgang verursacht worden, der im
Laufe des weiteren Fahrbetriebes zur Verstopfung des Auspuffrohrs durch sich
ablösende Teile geführt habe. Ob das Aufsetzen des Fahrzeugs vor oder wäh-
rend der Besitzzeit des Klägers erfolgt sei, habe der Sachverständige nicht be-
urteilen können, weshalb mangels Beweisangeboten des Klägers das Vorliegen
eines Mangels im Zeitpunkt des Gefahrübergangs nicht festzustellen sei.
Auf die Vorschrift des § 476 BGB, nach der im Falle des Verbrauchsgü-
terkaufs bei Auftreten eines Sachmangels binnen sechs Monaten nach Gefahr-
übergang in zeitlicher Hinsicht vermutet werde, dass der Mangel bereits im
Zeitpunkt des Gefahrübergangs vorgelegen habe, könne der Kläger sich nicht
berufen. Sie komme nicht zur Anwendung bei Mängeln, bei denen das Auftre-
ten innerhalb der ersten sechs Monate nach Gefahrübergang keinen hinrei-
chenden Rückschluss auf das Vorliegen dieses Mangels bereits zur Zeit des
Gefahrübergangs zulasse. Das sei anzunehmen, wenn der Mangel - wie hier -
auf einer äußeren Einwirkung beruhe. Es bestehe kein Erfahrungssatz dahin-
gehend, dass die Ursache für den Schaden vor der Übergabe der Kaufsache an
den Käufer entstanden sei. Die Vermutung des § 476 BGB sei nur gerechtfer-
tigt, wenn ein entsprechender Rückschluss auf das Vorliegen des später aufge-
tretenen Mangels zum Zeitpunkt des Gefahrübergangs mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit möglich sei.
II.
Diese Ausführungen halten der rechtlichen Nachprüfung nicht stand.
Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts scheitern Gewährleistungsan-
daran, dass er das Vorliegen eines Mangels im Zeitpunkt des Gefahrüber-
gangs, der Übergabe des Fahrzeugs (§ 446 Satz 1 BGB), nicht bewiesen hat.
1. Die Beschädigungen des Fahrzeugs am rechten Katalysator sowie am
rechten Rahmenlängsträger stellen, soweit sie bereits bei Gefahrübergang vor-
handen waren, einen Sachmangel des Fahrzeugs im Sinne des § 434 Abs. 1
Satz 1 BGB dar. Nach dem Kaufvertrag sollte das Fahrzeug an Unfallschäden
(nur) Lack- und Blechschäden erlitten haben und teilweise nachlackiert sein.
Nach den nicht angegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts wies es
Ende November 2002 darüber hinaus gehende Beschädigungen des rechten
Katalysators und des rechten Rahmenlängsträgers auf, die durch einen Auf-
setzvorgang verursacht worden waren.
2. Da sich dieser Mangel innerhalb von sechs Monaten nach der Über-
gabe des Fahrzeugs am 29. September 2002 gezeigt hat, ist, anders als das
Berufungsgericht meint, gemäß § 476 BGB zu vermuten, dass das Fahrzeug
bereits bei Gefahrübergang mangelhaft war.
a) § 476 BGB findet gemäß § 474 Abs. 1 BGB auf den hier zu beurtei-
lenden Kauf eines Kraftfahrzeugs, einer beweglichen Sache, durch den Kläger
als Verbraucher (§ 13 BGB) von der Beklagten, die als Kraftfahrzeughändlerin
Unternehmerin (§ 14 BGB) ist, Anwendung. Dass der Kläger das Fahrzeug zu
einem Zweck erworben hat, der weder einer gewerblichen noch einer selbstän-
digen beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann, hat auch die Beklagte im
Laufe des Rechtsstreits nicht in Frage gestellt.
b) Nach § 476 BGB wird vermutet, dass ein Sachmangel, der sich inner-
halb von sechs Monaten seit Gefahrübergang zeigt, bereits bei Gefahrübergang
vorhanden war, es sei denn, diese Vermutung ist mit der Art der Sache oder
des Mangels unvereinbar.
aa) Nach der Rechtsprechung des Senats (Urteil vom 2. Juni 2004
- VIII ZR 329/03, BGHZ 159, 215 = NJW 2004, 2299; Urteil vom 14. September
2005 - VIII ZR 363/04, NJW 2005, 3490, unter B II 1 b bb (1)) begründet § 476
BGB eine (lediglich) in zeitlicher Hinsicht wirkende Vermutung, dass ein Mangel
bereits im Zeitpunkt des Gefahrübergangs vorlag; dem Käufer kommt die Be-
weislastumkehr grundsätzlich zugute, wenn das Vorliegen eines Sachmangels
allein davon abhängt, ob eine Abweichung von der Sollbeschaffenheit, die sich
innerhalb von sechs Monaten nach der Übergabe der Sache an den Käufer
zeigt, bereits bei Gefahrübergang vorhanden war.
So liegt der Fall hier. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts
sind die Beschädigungen des Fahrzeugs am Rahmenlängsträger und am Kata-
lysator auf einen Aufsetzvorgang zurückzuführen. Die Ursache für den Schaden
steht also (anders als in dem Fall, der dem Senatsurteil BGHZ 159, 215
zugrunde lag) fest. Für die Beantwortung der Frage, ob es sich dabei um einen
Sachmangel im Sinne des § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB handelt, kommt es allein
darauf an, ob sich der Aufsetzvorgang vor oder nach der Übergabe des Fahr-
zeugs an den Kläger ereignet hat.
bb) Die Vermutung, dass die Beschädigungen schon bei der Übergabe
des Fahrzeugs an den Kläger vorhanden waren, ist weder mit der Art der Sache
noch mit der Art des Mangels unvereinbar. Wie der Senat nach Erlass des an-
gefochtenen Urteils bereits entschieden hat (Urteil vom 14. September 2005,
aaO, unter B II 1 b cc (2)), wird die Vermutung des § 476 BGB nicht dadurch
ausgeschlossen, dass es sich um einen Mangel handelt, der typischerweise
jederzeit eintreten kann und der für sich genommen keinen hinreichend wahr-
scheinlichen Rückschluss auf sein Vorliegen schon zum Zeitpunkt des Gefahr-
übergangs zulässt. Die gegenteilige Auffassung des Berufungsgerichts wider-
spricht dem in § 476 BGB normierten Regel-Ausnahme-Verhältnis. Die mit ihr
verbundene Einengung der Beweislastumkehr ließe die Vermutungsregelung
gerade in den Fällen leer laufen, in denen der Entstehungszeitpunkt des Man-
gels nicht zuverlässig festgestellt werden kann, und würde den mit der Rege-
lung beabsichtigten Verbraucherschutz weitgehend aushöhlen.
Die Vermutung, dass ein Mangel bereits bei Gefahrübergang vorgelegen
hat, ist nur dann mit der Art des Mangels unvereinbar, wenn es sich um äußerli-
che Beschädigungen der Kaufsache handelt, die auch dem fachlich nicht ver-
sierten Käufer auffallen müssen. Denn in einem solchen Fall ist zu erwarten,
dass der Käufer den Mangel bei der Übergabe beanstandet (Senatsurteil vom
14. September 2005, aaO, unter B II 1 b cc (2)). Um eine derartige Beschädi-
gung handelt es sich nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hier in-
dessen nicht. Das Fahrzeug wies einen Schaden ausschließlich auf der Unter-
seite auf; dem Käufer musste deshalb das Schadensbild bei einer üblichen Be-
sichtigung des auf dem Boden - nicht auf einer Hebebühne oder über einer
Grube - stehenden Fahrzeugs nicht auffallen.
III.
Das Berufungsurteil kann deshalb mit der gegebenen Begründung kei-
nen Bestand haben. Die Entscheidung des Berufungsgerichts stellt sich aber
aus anderen Gründen als richtig dar, so dass die Revision zurückzuweisen ist
(§ 561 ZPO). Dem Kläger steht ein auf Zahlung gerichteter Gewährleistungsan-
spruch gegenüber der Beklagten nicht zu, weil er ihr keine Gelegenheit gege-
ben hat, den Mangel des Fahrzeugs selbst zu beseitigen.
Es kann offen bleiben, ob der Kläger wegen der Kosten für die Reparatur
des Katalysators und für die Fahrzeugvermessung Schadensersatz statt der
auch wegen der Eindrückung am rechten Rahmenlängsträger - gemäß §§ 437
Nr. 2, 441 BGB die Minderung des Kaufpreises erklärt hat und Kaufpreisrück-
zahlung nach § 441 Abs. 4 BGB fordert. Sowohl das Recht des Käufers, den
Schadensersatz statt der Leistung gemäß §§ 437 Nr. 3, 440, 280 Abs. 1 und 3,
281 BGB setzen - wenn nicht einer der gesetzlich geregelten Ausnahmetatbe-
stände eingreift - voraus, dass der Käufer dem Verkäufer erfolglos eine ange-
messene Frist zur Nacherfüllung (§ 439 BGB) bestimmt hat (Senatsurteile vom
23. Februar 2005 - VIII ZR 100/04, NJW 2005, 1348, unter II 1 a, zur Veröffent-
lichung in BGHZ 162, 219 bestimmt; vom 22. Juni 2005 - VIII ZR 1/05, ZGS
2005, 433, unter II 1; vom 7. Dezember 2005 - VIII ZR 126/05, zur Veröffentli-
chung bestimmt, unter II 2). Das ist nach den Feststellungen des Berufungsge-
richts nicht geschehen. Die Revision macht Gegenteiliges nicht geltend. Einer
der Ausnahmetatbestände, in denen es nach den §§ 440, 281 Abs. 2, 323
Abs. 2 BGB einer Fristsetzung zur Nacherfüllung nicht bedarf, ist hier nicht ge-
geben.
1. Gemäß §§ 281 Abs. 2 Halbsatz 2, 323 Abs. 2 Nr. 3 BGB ist eine Frist-
setzung unter anderem dann entbehrlich, wenn besondere Umstände vorliegen,
die unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die sofortige Geltendma-
chung des Schadensersatzanspruchs bzw. den sofortigen Rücktritt (gemäß
§ 441 Abs. 1 Satz 1 BGB alternativ die sofortige Minderung) rechtfertigen. Sol-
che Umstände ergeben sich weder aus den Feststellungen des Berufungsge-
richts noch aus dem revisionsrechtlich zugrunde zu legenden Sachvortrag des
Klägers.
a) Soweit es um die Kosten für die Reparatur des Katalysators geht, hat
der Kläger lediglich geltend gemacht, er habe im Zeitpunkt der Beauftragung
der Werkstatt keine Kenntnis vom Vorliegen eines Sachmangels gehabt und er
sei auf das Fahrzeug angewiesen gewesen. Beides entlastete ihn nicht von
seiner Obliegenheit, der Beklagten Gelegenheit zur Nacherfüllung zu geben.
aa) Zwar kann ein plötzlich auftretender Defekt an einem Fahrzeug ver-
schiedenste Ursachen haben und muss ein solcher auch, wenn das Fahrzeug
erst zwei Monate zuvor erworben worden ist, nicht zwingend auf einen Sach-
mangel zurückzuführen sein, der dem Fahrzeug schon im Zeitpunkt der Über-
gabe anhaftete. Dennoch ist der Käufer gehalten, jedenfalls eine solche Mög-
lichkeit in Betracht zu ziehen, wenn er etwaige Rechte gegenüber dem Verkäu-
fer nicht verlieren will. Dass ihm wegen des Defekts Gewährleistungsansprüche
gegenüber dem Verkäufer zustehen können, ist zumindest, wenn die Übergabe
wie hier weniger als sechs Monate zurückliegt und dem Käufer deshalb die
Vermutungsregelung des § 476 BGB zugute kommt, nicht so fern liegend, dass
der Käufer damit nicht zu rechnen brauchte. Er kann deshalb nicht ohne Ge-
fährdung seiner Rechte gegenüber dem Verkäufer sogleich eine Reparatur
selbst vornehmen oder vornehmen lassen, wenn er nicht weiß, wodurch der
Defekt verursacht worden ist. Vielmehr obliegt es ihm zur Erhaltung etwaiger
Gewährleistungsansprüche auch in diesem Fall, zunächst dem Verkäufer Gele-
genheit zur Nacherfüllung zu geben. Der grundsätzliche Vorrang der Nacherfül-
lung durch den Verkäufer soll diesen unter anderem in die Lage versetzen, ei-
gene Feststellungen dazu zu treffen, ob die verkaufte Sache einen Mangel auf-
weist, auf welcher Ursache dieser beruht und ob er bereits im Zeitpunkt des
Gefahrübergangs vorgelegen hat (Senatsurteil vom 23. Februar 2005, aaO,
unter II 2 b bb (2)). Die Kosten eines dafür erforderlichen Transports des Fahr-
zeugs zum Verkäufer fallen nicht dem Käufer zur Last, sondern sind, wenn tat-
sächlich ein Mangel vorliegt, gemäß § 439 Abs. 2 BGB vom Verkäufer zu tra-
gen.
bb) Der Kläger hat nicht dargetan, dass oder aus welchen Gründen es
ihm nicht möglich oder nicht zumutbar (§ 440 Satz 1 BGB) war, der Beklagten
Gelegenheit zur Nacherfüllung zu geben. Er hat zwar behauptet, er sei auf das
Fahrzeug angewiesen gewesen. Aus dem vom Landgericht, auf dessen Fest-
stellungen das Berufungsgericht verweist, in Bezug genommenen Schreiben
des Klägers vom 7. Januar 2003 ergibt sich jedoch, dass auch die M.
Niederlassung in L. den Katalysator nicht unmittelbar reparieren
konnte und der Kläger deshalb zunächst seine Fahrt mit einem Mietwagen fort-
setzte. Unter diesen Umständen ist nicht ersichtlich, warum er nicht, statt den
Schaden durch die Niederlassung in L. sogleich beheben zu lassen,
zunächst der Beklagten hätte Gelegenheit geben können, die Ursache festzu-
stellen und den Mangel selbst zu beseitigen.
b) Soweit der Kläger Erstattung der Kosten einer Fahrzeugvermessung
sowie Minderung wegen der Eindrückung am Rahmenlängsträger verlangt,
macht er nach der Wiedergabe seines Sachvortrags im Berufungsurteil selbst
nicht geltend, es lägen besondere Umstände vor, die unter Abwägung der bei-
derseitigen Interessen die sofortige Geltendmachung des Schadensersatzan-
spruchs bzw. die sofortige Minderung rechtfertigten. Darüber hinausgehenden
Sachvortrag zeigt auch die Revision nicht auf.
2. Eine Fristsetzung zur Nacherfüllung war weiter nicht deshalb entbehr-
lich, weil die Beklagte die Nacherfüllung ernsthaft und endgültig verweigert hät-
te (§ 281 Abs. 2 Halbsatz 1, § 323 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Hinsichtlich der Repara-
tur des Katalysators hatte sie dazu keine Gelegenheit, weil der Kläger die Re-
paratur unmittelbar selbst in Auftrag gegeben hat. Hinsichtlich der Fahrzeug-
vermessung - unterstellt eine solche war oder ist zur endgültigen Behebung
eines Sachmangels erforderlich - und der Beseitigung des Schadens am rech-
ten Rahmenlängsträger könnte als konkludente Erfüllungsverweigerung allen-
falls das Bestreiten eines Sachmangels durch die Beklagte in diesem Rechts-
streit in Betracht kommen. Der Kläger hat nicht vorgetragen, ob und gegebe-
nenfalls wann er die Fahrzeugvermessung, für die er Kostenerstattung begehrt,
tatsächlich vorgenommen hat. Sollte dies bereits vor Klageerhebung der Fall
gewesen sein, scheidet eine Erfüllungsverweigerung durch das Verhalten der
Beklagten im Prozess schon aus zeitlichen Gründen aus, weil ihr eine Nacher-
füllung dann bereits zu Beginn des Verfahrens nicht mehr möglich war.
Im Übrigen sind an die tatsächlichen Voraussetzungen für die Bejahung
einer endgültigen Erfüllungsverweigerung strenge Anforderungen zu stellen; sie
liegt nur vor, wenn der Schuldner eindeutig zum Ausdruck bringt, er werde sei-
nen Vertragspflichten nicht nachkommen (Senatsurteil, BGHZ 104, 6, 13; BGH,
Urteil vom 15. Dezember 1998 - X ZR 90/96, NJW-RR 1999, 560, unter II 1).
Daran fehlt es hier. In dem Bestreiten von Mängeln liegt nicht ohne weiteres
eine endgültige Nacherfüllungsverweigerung; denn das Bestreiten ist prozessu-
ales Recht des Schuldners. Vielmehr müssen zu dem bloßen Bestreiten weitere
Umstände hinzutreten, welche die Annahme rechtfertigen, dass der Schuldner
über das Bestreiten der Mängel hinaus bewusst und endgültig die Erfüllung sei-
ner Vertragspflichten ablehnt und es damit ausgeschlossen erscheint, dass er
sich von einer Fristsetzung hätte oder werde umstimmen lassen (BGH, Urteil
vom 12. Januar 1993 - X ZR 63/91, WM 1993, 623 = NJW-RR 1993, 882, unter
II 3 a). Das ist nicht ersichtlich. Die Beklagte hat von Beginn des Rechtsstreits
an stets auch gerügt, ihr sei keine Gelegenheit zur Nachbesserung gegeben
worden. Es erscheint deshalb zumindest möglich, dass sie bei einer an sie ge-
richteten Aufforderung des Klägers zur Nacherfüllung keinen Streit über das
Vorliegen eines Sachmangels (mehr) geführt, sondern die Fahrzeugschäden
beseitigt hätte.
3. Zugunsten des Klägers kann schließlich auch keine Berücksichtigung
finden, dass nach dem Ergebnis des vom Landgericht eingeholten Sachver-
ständigengutachtens die Beseitigung des - geringfügigen - Schadens am rech-
ten Rahmenlängsträger nur mit unverhältnismäßigen Kosten möglich ist. Das
würde zwar möglicherweise die Beklagte dazu berechtigen, die Beseitigung des
Mangels gemäß § 439 Abs. 3 Satz 1 BGB zu verweigern, den Kläger aber nicht
von der Notwendigkeit befreien, von der Beklagten gemäß § 439 Abs. 1 BGB
Nacherfüllung in Form der Mangelbeseitigung oder in Form der Ersatzlieferung
zu verlangen. Absatz 3 der Vorschrift gewährt dem Verkäufer eine Einrede ge-
genüber der vom Käufer beanspruchten Art der Nacherfüllung (vgl. Begründung
zum Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Schuldrechts, BT-Drucks.
14/6040, S. 232). Dieses Recht kann der Verkäufer ausüben, er muss es aber
nicht. Ihm soll durch die Ausgestaltung als Einrede vorbehalten bleiben, die
vom Käufer gewählte Art der Nacherfüllung auch mit überobligatorischen An-
strengungen vorzunehmen (Staudinger/Matusche-Beckmann, BGB (2004),
der Käufer nicht unter Hinweis auf § 439 Abs. 3 BGB wegen unverhältnismäßi-
ger Kosten der Nacherfüllung sogleich die Minderung des Kaufpreises erklären,
ohne zuvor dem Verkäufer zumindest Gelegenheit zur Nacherfüllung gegeben
zu haben.
Dr. Deppert
Dr. Leimert
Dr. Wolst
Dr. Frellesen
Hermanns
Vorinstanzen:
LG Stuttgart, Entscheidung vom 14.07.2004 - 14 O 383/03 -
OLG Stuttgart, Entscheidung vom 18.01.2005 - 10 U 179/04 -