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BGH Beschluss vom 01.02.2007 – IX ZB 209/06
IX. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
1. Februar 2007
in dem Insolvenzverfahren
Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter
Dr. Fischer, die Richter Raebel, Vill, Cierniak und die Richterin Lohmann
am 1. Februar 2007
beschlossen:
Auf die Rechtsbeschwerde des Schuldners wird der Beschluss der
1. Zivilkammer des Landgerichts Frankenthal
(Pfalz) vom
9. Oktober 2006 aufgehoben.
Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten
des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht zu-
rückverwiesen.
Gerichtskosten für das Rechtsbeschwerdeverfahren sind nicht zu
erheben.
Gründe:
I.
1
Durch den angefochtenen Beschluss hat das Landgericht die sofortige
Beschwerde des Schuldners "aus den zutreffenden Gründen des angefochte-
nen Beschlusses zurückgewiesen". Das Insolvenzgericht hatte dem Schuldner
die beantragte Restschuldbefreiung versagt.
II.
2
3
Damit ist der angefochtene Beschluss nicht mit Gründen versehen. Dies
nötigt zu seiner Aufhebung gemäß § 576 Abs. 3 i.V.m. § 547 Nr. 6 ZPO.
Beschlüsse, die der Rechtsbeschwerde unterliegen, müssen den maß-
geblichen Sachverhalt, über den entschieden wird, wiedergeben. Denn das
Rechtsbeschwerdegericht hat grundsätzlich von demjenigen Sachverhalt aus-
zugehen, den das Beschwerdegericht festgestellt hat (§ 577 Abs. 2 Satz 4,
§ 559 ZPO). Fehlen tatsächliche Feststellungen, so ist es zu einer rechtlichen
Überprüfung nicht in der Lage. Ausführungen des Beschwerdegerichts, die eine
solche Überprüfung nicht ermöglichen, sind keine Gründe im zivilprozessualen
Sinne. Dies hat das Rechtsbeschwerdegericht - unabhängig von der hier vorlie-
genden Rüge - von Amts wegen zu berücksichtigen (st. Rspr., vgl. BGH,
Beschl. v. 20. Juni 2002 - IX ZB 96/01, NJW 2002, 2648, 2649; v. 18. Mai 2006
- IX ZB 205/05 Rn. 5; v. 28. September 2006 - IX ZB 256/05 Rn. 3).
4
Im vorliegenden Fall lassen die Ausführungen des Beschwerdegerichts
nicht einmal den Verfahrensgegenstand erkennen. Das Landgericht hat keine
Feststellungen in tatsächlicher Hinsicht getroffen. In welchem Umfang das Be-
schwerdegericht auf erstinstanzliche Feststellungen oder bestimmte Aktenbe-
standteile Bezug nehmen darf (vgl. § 540 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO), braucht hier
nicht entschieden zu werden. Denn der Beschluss des Insolvenzgerichts vom
2. Juni 2006 enthält ebenfalls keine in sich geschlossene Sachverhaltsdarstel-
lung. Auch aus den Gründen dieses Beschlusses lässt sich der entscheidungs-
erhebliche Sachverhalt nicht hinreichend entnehmen. Unter diesen Umständen
kommt es nicht darauf an, dass der Schuldner seine Erstbeschwerde nicht nä-
her begründet hat (Hk-Kayser, ZPO § 572 Rn. 16).
III.
5
Wegen des bezeichneten Verfahrensfehlers hat der Senat gemäß § 21
GKG angeordnet, dass Gerichtskosten für das Rechtsbeschwerdeverfahren
nicht zu erheben sind.
Fischer
Raebel
Vill
Cierniak
Lohmann
Vorinstanzen:
AG Neustadt a.d. Weinstraße, Entscheidung vom 02.06.2006 - 1 IN 40/03 -
LG Frankenthal, Entscheidung vom 09.10.2006 - 1 T 321/06 -