BGH Beschluss vom 28.11.2007 – XII ZB 188/04
XII. Zivilsenat
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
vom
28. November 2007
in der Familiensache
Nachschlagewerk: ja
BGHZ:
BGHR:
nein
ja
BGB §§ 1587, 1587 a Abs. 2 Nr. 3, Abs. 4 i.V.m. BarwertVO
Zur Bewertung von Anrechten bei der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse
Baden.
BGH, Beschluss vom 28. November 2007 - XII ZB 188/04 - OLG Karlsruhe AG Karlsruhe
Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 28. November 2007 durch
die Vorsitzende Richterin Dr. Hahne und die Richter Sprick, Weber-Monecke,
Prof. Dr. Wagenitz und Dose
beschlossen:
Auf die Rechtsbeschwerde der Antragstellerin wird der Beschluss
des 2. Zivilsenats - Senat für Familiensachen - des Oberlandesge-
richts Karlsruhe vom 24. Juni 2004 aufgehoben und das Urteil des
Amtsgerichts - Familiengericht - Karlsruhe vom 11. November
2003 zu Nr. 2 des Entscheidungssatzes dahin abgeändert, dass
- neben den im Wege des Splittings übertragenen Rentenanwart-
schaften in Höhe von 271,74 € - zu Lasten der Versorgung des
Antragsgegners bei der Zusatzversorgungskasse des Kommuna-
len Versorgungsverbandes Baden-Württemberg auf dem Versi-
cherungskonto der Antragstellerin bei der Deutschen Rentenversi-
cherung Bund Rentenanwartschaften in Höhe von monatlich
87,34 € begründet sowie vom Versicherungskonto des Antrags-
gegners bei der Deutschen Rentenversicherung Bund auf das
Versicherungskonto der Antragstellerin bei der Deutschen Ren-
tenversicherung Bund weitere Rentenanrechte in Höhe von mo-
natlich 3,80 € übertragen werden, und zwar jeweils bezogen auf
den 31. Juli 2001.
Die Kosten der Rechtsmittelverfahren trägt der Antragsgegner.
Beschwerdewert: 2.000 €
Gründe
I.
Die Parteien streiten um die Höhe des Versorgungsausgleichs.
Die am 22. Juli 1966 geschlossene Ehe der Parteien wurde auf den am
23. August 2001 zugestellten Antrag durch Verbundurteil vom 11. November
2003 geschieden (insoweit rechtskräftig) und der öffentlich-rechtliche Versor-
gungsausgleich durchgeführt.
In der Ehezeit (1. Juli 1966 bis 31. Juli 2001, § 1587 Abs. 2 BGB) haben
beide Ehegatten Anrechte in der gesetzlichen Rentenversicherung erworben,
und zwar der Antragsgegner (im Folgenden Ehemann, geb. am 24. Februar
1940) in Höhe von 2.471,82 DM (= 1.263,82 €), und die Antragstellerin (im Fol-
genden Ehefrau, geb. 30. Juni 1942) in Höhe von 1.408,89 DM (= 720,35 €),
jeweils monatlich und bezogen auf den 31. Juli 2001. Außerdem hat der Ehe-
mann in der Ehe Anrechte der Zusatzversorgungskasse des Kommunalen Ver-
sorgungsverbandes Baden-Württemberg (ZVK-KVBW) in Höhe von 650,57 DM
(= 332,63 €) sowie Anrechte beim Pensions-Sicherungsverein (PSVaG) in Höhe
von 49,80 DM (= 25,46 €) erworben, und zwar jeweils monatlich und bezogen
auf den 31. Juli 2001. Er bezieht seine gesetzliche Rente ebenso wie die Rente
der ZVK-KVBW seit dem 1. April 2002. Die Ehefrau hat in der Ehe zusätzlich
Anrechte der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse Baden (KZVK) in Höhe von
(richtig:) 379,14 DM (= 193,85 €), monatlich und bezogen auf den 31. Juli 2001,
erworben.
Das Amtsgericht hat die Versorgungen des Ehemannes bei der ZVK-
KVBW und der Ehefrau bei der KZVK als statisch angesehen und den Versor-
gungsausgleich dahin geregelt, dass es vom Versicherungskonto des Eheman-
nes bei der Deutschen Rentenversicherung Bund auf das Versicherungskonto
der Ehefrau bei der Deutschen Rentenversicherung Bund Rentenanwartschaf-
ten in Höhe von 271,74 € (Splitting) und von 3,75 € (erweitertes Splitting) über-
tragen sowie zu Lasten des Versicherungskontos des Ehemannes bei der ZVK-
KVBW auf dem Versicherungskonto der Ehefrau bei der Deutschen Rentenver-
sicherung Bund Rentenanwartschaften in Höhe von 63,55 € begründet hat.
Auf die hiergegen gerichteten Beschwerden der Ehefrau und der ZVK-
KVBW hat das Oberlandesgericht die Entscheidung des Amtsgerichts abgeän-
dert. Es hat dabei - wie bereits zuvor das Amtsgericht - die Versorgungen des
Ehemannes bei der ZVK-KVBW und der Ehefrau bei der KZVK als statisch an-
gesehen, aber - anders als das Amtsgericht - den Rentenbezug des Eheman-
nes berücksichtigt. Es hat deshalb vom Versicherungskonto des Ehemannes
bei der Deutschen Rentenversicherung Bund auf das Versicherungskonto der
Ehefrau bei der Deutschen Rentenversicherung Bund Rentenanwartschaften in
Höhe von 271,74 € (Splitting) und von 3,56 € (erweitertes Splitting) übertragen
sowie zu Lasten des Versicherungskontos des Ehemannes bei der ZVK-KVBW
auf dem Versicherungskonto der Ehefrau bei der Deutschen Rentenversiche-
rung Bund Rentenanwartschaften in Höhe von 55,60 € begründet. Die weiter-
gehende Beschwerde der Ehefrau, die die Versorgung des Ehemannes bei der
ZVK-KVBW für volldynamisch erachtet, hat es zurückgewiesen. Hiergegen
wendet sich die Ehefrau mit der zugelassenen Rechtsbeschwerde.
Das Rechtsmittel ist begründet.
II.
1. Das Oberlandesgericht geht davon aus, dass die für den Ehemann bei
der ZVK-KVBW und für die Ehefrau bei der KZVK bestehenden Anrechte auf
Zusatzversorgung statisch sind. Das trifft nicht zu.
Wie der Senat - nach Erlass des angefochtenen Beschlusses - entschie-
den hat, sind die Versorgungsanrechte bei der ZVK-KVBW nach der Neufas-
sung der Satzung der ZVK-KVBW zum 1. Januar 2002 als im Anwartschafts-
stadium statisch und im Leistungsstadium dynamisch zu bewerten (Senatsbe-
schlüsse vom 23. März 2005 - XII ZB 255/03 - FamRZ 2005, 878 und vom
25. April 2007 - XII ZB 206/06 - FamRZ 2007, 1084; vgl. auch Senatsbeschluss
BGHZ 160, 41, 43 ff. betr. VBL). Für die Versorgungsanrechte der Ehefrau bei
der KZVK, deren zum 1. Januar 2002 neugefasste Satzung der Regelung der
übrigen Zusatzversorgungskassen des öffentlichen Dienstes entspricht, gilt
nichts anderes.
2. Die in der Ehezeit vom Ehemann bei der ZVK-KVBW und von der
Ehefrau bei der KZVK erworbenen Anrechte auf Zusatzversorgung sind anhand
der Barwert-Verordnung (in der Fassung der Dritten Verordnung zur Änderung
der Barwert-Verordnung vom 3. Mai 2006, BGBl. 2006 I 1144; zur Anwendung
des aktuellen Rechts vgl. etwa Johannsen/Henrich/Hahne Eherecht 4. Aufl.
§ 1587 Rdn. 38 m.w.N.) neu zu berechnen. Der Ehezeitanteil beträgt für den
Ehemann 650,57 DM x 12 = 7.806,84 DM x 16,52 (Vervielfältiger gemäß § 2
Abs. 2 Satz 2 Halbs. 2, Satz 4 i.V.m. Tabelle 2 Anm. 1 und Tabelle 1 Anm. 2
[Lebensalter 61, vorzeitiger Rentenbezug 2 Jahre]: 9,1 + 21 v.H. + 50 v.H.)
= 128.969 DM
x 0,0000957429
(Umrechnungsgröße Ehezeitende) =
12,3479 EPe x 49,51 DM (aktueller Rentenwert Ehezeitende) = 611,34 DM. Für
die Ehefrau beträgt der Ehezeitanteil 379,14 DM x 12 = 4.549,68 DM x 13,05
(Vervielfältiger gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. Tabelle 2 Anm. 2 [Lebensal-
ter 59]: 8,7 + 50 v.H.) = 59.373,32 DM x 0,0000957429 (Umrechnungsgröße
Ehezeitende) = 5,6846 EPe x 49,51 DM (aktueller Rentenwert Ehezeitende)
= 281,44 DM.
3. Die von dem Ehemann in der Ehezeit erworbene statische Betriebs-
rente beträgt - umgerechnet nach der Barwert-Verordnung (in der Fassung der
Dritten Verordnung zur Änderung der Barwert-Verordnung vom 3. Mai 2006,
BGBl. 2006 I 1144) - (49,80 DM x 12 = 597,60 DM x 9,4 [Vervielfältiger gem.
Tabelle 1, Lebensalter 61] = 5.617,44 DM x 0,0000957429 = 0,5378 EPe x
49,51 DM =) 26,63 DM.
4. Damit ergibt sich folgende Ausgleichsbilanz: Der Ehemann hat in der
Ehe
(dynamische) Versorgungsanrechte
in Höhe von
(2.471,82 DM +
611,34 DM + 26,63 DM =) 3.109,79 DM erworben, die Ehefrau (dynamische)
Versorgungsanrechte in Höhe von (1.408,89 DM + 281,44 DM =) 1.690,33 DM.
Der Ehefrau gebührt die Hälfte der Differenz, mithin (3.109,79 DM -
1.690,33 DM = 1.419,46 DM : 2 =) 709,73 DM. Dieser Ausgleichsanspruch ist
- wie geschehen - in Höhe von (2.471,82 DM - 1.408,89 DM = 1.062,93 DM : 2
=) 531,47 DM = 271,74 € im Wege des Splittings zu erfüllen. Hinsichtlich des
verbleibenden Ausgleichsbetrags von (709,73 DM - 531,47 DM =) 178,26 DM
sind nach der Quotierungsmethode zu Lasten der Anrechte des Ehemannes bei
der ZVK-KVBW im Wege des Quasisplittings für die Ehefrau Anrechte in der
Deutschen Rentenversicherung Bund in Höhe von (178,26 DM x 611,34 DM :
[611,34 DM + 26,63 DM =] 637,97 DM =) 170,82 DM = 87,34 € zu begründen.
In Höhe des restlichen Ausgleichsbetrags in Höhe von (178,26 DM - 170,82 DM
=) 7,44 DM = 3,80 € sind der Ehefrau im Wege des erweiterten Splittings Ren-
tenanrechte des Ehemannes bei der Deutschen Rentenversicherung Bund zu
übertragen.
Hahne
Sprick
Weber-Monecke
Wagenitz
Dose
Vorinstanzen:
AG Karlsruhe, Entscheidung vom 11.11.2003 - 4 F 274/01 -
OLG Karlsruhe, Entscheidung vom 24.06.2004 - 2 UF 23/04 -