Rechtsprechung / BGH

BGH Beschluss vom 12.11.2009 – IX ZR 231/07

IX. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

12. November 2009

in dem Rechtsstreit

Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter

Dr. Ganter und die Richter Raebel, Prof. Dr. Kayser, Dr. Pape und Grupp

am 12. November 2009

beschlossen:

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem

Urteil des 26. Zivilsenats des Kammergerichts vom 26. Februar

2007 wird auf Kosten der Klägerin zurückgewiesen.

Der Wert des Beschwerdeverfahrens wird auf 691.519,07 € fest-

gesetzt.

Gründe

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Die Nichtzulassungsbeschwerde ist statthaft (§ 544 Abs. 1 Satz 1 ZPO)

und zulässig (§ 544 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 ZPO). Sie hat jedoch keinen Erfolg.

Der geltend gemachte Zulassungsgrund der Sicherung einer einheitlichen

Rechtsprechung (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Fall 2 ZPO) ist nicht gegeben.

1. Die Ansicht des Berufungsgerichts, die Klägerin müsse nicht bereits

aufgrund der Streitverkündung gegen den Beklagten zu 1 im Vorprozess als

vormalige Eigentümerin des versteigerten Grundstücks behandelt werden, steht

im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu § 68 ZPO

(BGHZ 157, 97, 99 f; BGH, Urt. v. 18. März 2004 - IX ZR 255/00, NJW 2004,

1521 f; v. 8. Mai 2008 - IX ZR 180/06, FamRZ 2008, 1435, 1437). Die Interven-

tionswirkung erstreckt sich auf die tatsächlichen und rechtlichen Grundlagen,

auf denen die Entscheidung beruht. Tragende Grundlage des Urteils im Vorpro-

zess war, dass ein Schaden der Klägerin nicht festgestellt werden konnte. So-

weit dort ausgeführt wird, die Klägerin sei Eigentümerin des Grundstücks gewe-

sen, handelt es sich um eine überschießende, nicht tragende Feststellung. Sie

wird von der Bindungswirkung der Streitverkündung nicht erfasst.

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2. Der Anspruch der Klägerin auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG)

ist nicht verletzt. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verpflichtet das Gericht,

die Ausführungen der Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwä-

gung zu ziehen, nicht jedoch, sich mit jedem Vorbringen in den Entscheidungs-

gründen ausdrücklich zu befassen. Grundsätzlich kann davon ausgegangen

werden, dass das Berufungsgericht den Vortrag der Parteien zur Kenntnis ge-

nommen und in seine Erwägungen einbezogen hat, auch wenn es sich in den

Entscheidungsgründen nicht mit jedem Vorbringen ausdrücklich befasst hat.

Nur wenn besondere Umstände deutlich gemacht werden, die zweifelsfrei dar-

auf schließen lassen, dass tatsächliches Vorbringen überhaupt nicht zur Kennt-

nis genommen oder bei der Entscheidung nicht erwogen wurde, liegt eine Ge-

hörsverletzung vor (BVerfGE 86, 133, 145 f; 96, 205, 216 f; BGHZ 154, 288,

300). Solche besondere Umstände hat die Beschwerde nicht darzulegen ver-

mocht.

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Von einer weiteren Begründung wird abgesehen (§ 544 Abs. 4 Satz 2

Halbsatz 2 ZPO).

Ganter Raebel Kayser

Pape Grupp

Vorinstanzen:

LG Berlin, Entscheidung vom 15.03.2006 - 36 O 166/05 -

KG Berlin, Entscheidung vom 26.02.2007 - 26 U 117/06 -