Rechtsprechung / BPatG / 2001

BPatG Beschluss vom 13.12.2001 – 34 W (pat) 37/00

34. Senat

BUNDESPATENTGERICHT

_______________

(Aktenzeichen)

Verkündet am

13. Dezember 2001

B E S C H L U S S

In der Beschwerdesache

betreffend das Patent P 43 19 941

… 6.70

hat der 34. Senat (Technischer Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf

die mündliche Verhandlung vom 13. Dezember 2001 unter Mitwirkung des

Vorsitzenden Richters Dipl.-Ing. Ulrich sowie der Richter Hövelmann, Dipl.-Phys.

Dr. Frowein und Dipl.-Phys. Dr. W. Maier

beschlossen:

Auf die Beschwerde der Patentinhaberin wird der Beschluss der

Patentabteilung 24 des Deutschen Patent- und Markenamts vom

14. Januar 2000 aufgehoben.

Das Patent wird mit folgenden Unterlagen beschränkt aufrechterhalten:

Patentansprüche 1 und 2, Beschreibung Spalten 1 bis 5, sämtlich

überreicht

in

der

mündlichen

Verhandlung

vom

13. Dezember 2001

5 Blatt Zeichnungen, Figuren 1 bis 5, gemäß Patentschrift.

G r ü n d e

I

1. Die Patentabteilung 24 des Deutschen Patent- und Markenamts hat nach Prüfung dreier Einsprüche durch Beschluss vom 14. Januar 2000 das am

16. Juni 1993 angemeldete Patent 43 19 941 mit der Bezeichnung

" V e r f a h r e n u n d V o r r i c h t u n g z u m A u s s o l e n v o n

S a l z k a v e r n e n "

gemäß § 61 Absatz 1 Satz 1 PatG widerrufen.

2. Gegen diesen Beschluss hat die Patentinhaberin Beschwerde eingelegt und in

der mündlichen Verhandlung neue Ansprüche 1 und 2 überreicht.

Die Ansprüche 1 und 2 lauten:

1. Verfahren zum Aussolen von Salzkavernen für das Speichern von

Erdgas unter Verwendung des bei den in der Kaverne herrschenden

Drücken und Temperaturen gasförmig bleibenden späteren Speichermediums Erdgas als Blanketmedium,

bei dem

- zum Aussolen eine für den späteren Gasbetrieb vorgesehene, eine

Gasfördertour aufweisende Untertageausrüstung mit einem übertage

befindlichen Gasförderkopf und konzentrischen, längenveränderlichen Spülrohrtouren in das Deckgebirge eingebracht und

- das Aussolen über die Spülrohrtouren durchgeführt wird, wobei

- das

in der ausgesolten Kaverne zu speichernde Erdgas als

Blanketmedium mit einem solchen Druck in die Kaverne eingespeichert wird, daß sich ein vorgegebener Blanketspiegel einstellt,

- die freien Enden der inneren und/oder der äußeren Spülrohrtour in

Abhängigkeit vom einzustellenden Blanketspiegel verschoben werden und

- die Spülrohrtouren nach Beendigung des Aussolens

in der

Gasfördertour verbleiben.

2. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 zum

Aussolen von Salzkavernen für das Speichern von Erdgas mit

- einer im Deckgebirge (11) und im Salzstock (13) bis zum Kavernendach (15) einzementierten Rohrtour (1),

- einer darin abgedichtet eingehängten, ebenfalls bis zum Kavernendach reichenden Gasfördertour (3),

- einer den Ringraum zwischen der einzementierten Rohrtour und der

Gasfördertour ausfüllenden Schutzflüssigkeit,

- einer in die Gasfördertour eingehängten, längenveränderlichen, bis

unterhalb des Blanketspiegels reichenden äußeren Spülrohrtour (6)

und

- einer in die äußere Spülrohrtour eingehängten, längenveränderlichen, inneren Spülrohrtour (8).

Zur Begründung hat die Patentinhaberin im Wesentlichen ausgeführt, dass der

nunmehr beanspruchte Gegenstand gegenüber dem entgegengehaltenen Stand

der Technik patentfähig sei.

Die Patentinhaberin beantragt,

den angefochtenen Beschluss aufzuheben und das Patent mit

den im Tenor dieses Beschlusses angeführten Unterlagen beschränkt aufrechtzuerhalten.

Demgegenüber beantragen die Einsprechenden,

die Beschwerde zurückzuweisen.

Zur Begründung verweisen sie auf die bereits im Einspruchsverfahren entgegengehaltenen Druckschriften

[1] Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 4. Aufl., Bd. 17,

S 187-190, „Natriumchlorid”

[2] Amstrong R., „Developing Cavern Storage in Western Canada”

Solution Mining Research Institute, Woodstock, Illinois, Meeting Paper,

presented at the SMRI Autumn Meeting (21.-24. Sept. 1986)

in Okura Amsterdam,

[5] DE 32 34 914 C3,

[15] Ziegler K. „Optimization of Natural Gas Storage in Salt Caverns“, Studienbericht zur Konferenz der Internationalen Gas Union in Berlin,

(1991), S 58 – 62

sowie auf

[16] Grote H. W. et al., „Gaserstbefüllung einer Gasspeicherkaverne“

in: GWF-Gas/Erdgas, 130 (1989) Nr. 5, S 238 - 242

Gegenüber diesem Stand der Technik beruhe der Gegenstand des geltenden Anspruchs 1 nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit.

Ausgehend von der Erkenntnis, das spätere Speichermedium Erdgas sowohl - wie

in [2] offenbart – als Blanketmedium während des Aussolens als auch – entsprechend [5] - zum vollständigen Auslagern der Sole zu verwenden, habe es insbesondere aus Kostenersparnisgründen keiner erfinderischen Tätigkeit bedurft, die

entsprechenden Vorrichtungen für den späteren Speicherbetrieb bereits vor dem

Aussolen zu installieren, zumal es beispielsweise aus der Literaturstelle [15] bekannt gewesen sei, den Soleauslagerungsstrang, wie er beispielsweise in [16],

Bild 2 gezeigt sei, auch während des gesamten Speicherbetriebs in der Kaverne

zu belassen. Es gebe auch keinen Hinderungsgrund, den für den Aussolvorgang

vorgesehenen Gasförderkopf bereits für den Speicherbetrieb mit auszulegen. Dies

gelte auch für die Vorrichtung nach Anspruch 2.

Im Einspruchsverfahren ist noch folgender Stand der Technik genannt worden:

[3] Reichhardt H., „Untergrundspeicherung von Erdgas“

in: GWF-gas/erdgas, 112 (1971) H. 10, S 486 - 495

[4] Lux K. H. et al, „20 Jahre Erfahrungen mit Salzkavernen (2)“

in: Erdöl, Erdgas, Kohle, 104. Jg. (1988) Heft 2, S 75 – 78

[6] DD 241 281 A1

[7] DD 259 893 A1

[8] Haddenhorst H.G., „Storage of Natural Gas in Salt Caverns” in:

M.R.Tec (ed) “Underground Storage of Natural Gas”, 1989, S 177 – 191

[9] Hoscher M., „Die Aussolung von Kavernen in den alpinen Salzlagerstätten Österreichs” in: Berg- und Hüttenmännische Monatshefte,

131. Jg.(1986) Heft 4, S. 103-110

[10] Haddenhorst H.G. et al., „Hochdruck-Erdgas-Speicherung in

Salzkavernen / 1. Teil“

in: Erdoel-Erdgas-Zeitschrift, 90. Jg., Mai 1974, S. 154 – 161

[11] Fürer G., „Behälterlose Untertagespeicherung von Gas“

in: bergbau 9/83, S. 416 – 426

[12] Haddenhorst H.G. et al., „Hochdruck-Erdgas-Speicherung in

Salzkavernen / 2. Teil“, in: Erdoel-Erdgas-Zeitschrift, 90. Jg., Juni 1974, S. 197 – 204

[13] DD-Buch: Niquet P., „Kavernenspeicher“, (1977)

VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, S 36-39, 43, 47,

50, 51

[14] DE-Buch: Eberhardt R. et al, „Handbuch der Gasversorgungstechnik“,

2. Aufl. (1990), R. Oldenbourg Verlag München Wien, S 628 - 631

Wegen weiterer Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen.

II

Die zulässige Beschwerde hat Erfolg. Das Patent ist beschränkt aufrechtzuerhalten.

1. Das angefochtene Patent betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Aussolen von Salzkavernen für das Speichern von Erdgas.

Ausgehend von einem derartigen Verfahren nach Literaturstelle [4] oder [11], wonach zum Aussolen als Blanketmedium flüssige oder gasförmige Kohlenwasserstoffe eingesetzt werden (Patentbeschreibung Sp 1, Z 6 bis 8), liegt der Erfindung

das Problem zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Aussolen von

Salzkavernen für das Speichern von Erdgas zu schaffen, das sich kostengünstig

durchführen lässt (Sp 2, Z 47 bis 50).

Zur Lösung der vorgenannten Aufgabe schlägt das Patent sowohl ein Verfahren

mit den im Anspruch 1 angeführten Merkmalen als auch eine Vorrichtung zur

Durchführung dieses Verfahrens mit den Merkmalen des Anspruchs 2 vor.

2. Die geltenden Ansprüche 1 und 2 sind zulässig.

Der Anspruch 1 stützt sich auf die Merkmale der erteilten Ansprüche 1 und 2. Ursprünglich sind seine Merkmale in den Ansprüchen 1 bis 3 und in der Beschreibung S 6, Abs. 2 und 3 iVm den Figuren offenbart, wobei Erdgas bekanntlich eine

Kohlenstoffverbindung ist, die bei den in der Kaverne herrschenden Drücken und

Temperaturen gasförmig bleibt.

Der geltende Anspruch 2 entspricht dem erteilten Anspruch 3 sowie dem ursprünglichen Anspruch 4.

3. Das Verfahren nach Anspruch 1 ist unstreitig neu.

In keiner der Entgegenhaltungen ist nämlich das Merkmal offenbart, wonach

- zum Aussolen eine für den späteren Gasbetrieb vorgesehene, eine

Gasfördertour aufweisende Untertageausrüstung mit einem übertage

befindlichen Gasförderkopf eingebracht und

- die Spülrohrtouren nach Beendigung des Aussolens

in der

Gasfördertour verbleiben.

4. Das Verfahren nach Anspruch 1 beruht auch auf einer erfinderischen Tätigkeit.

Der Stand der Technik nach Druckschrift [2] kommt dem beanspruchten Verfahren

am nächsten. Den Ausführungen dieser Entgegenhaltung ist ein Verfahren zum

Aussolen von Salzkavernen für das Speichern von Erdgas zu entnehmen, bei dem

als Kontrollflüssigkeit (= Blanketmedium) das spätere Speichermedium Erdgas

Verwendung finden soll (vgl. dort Abstract, Abs 2 sowie S 8, Abs 3). Wie in den

Figuren 3 und 4 dargestellt, wird das Aussolen über konzentrische längenveränderliche Spülrohrtouren durchgeführt, die in das Deckgebirge eingebracht sind.

Die freien Enden der inneren und der äußeren Spülrohrtour können dabei in Abhängigkeit vom einzustellenden Blanketspiegel verschoben werden (vgl. insb.

Figur 3, „movable hanging tubes“). Dass beim Aussolen das Blanketmedium - also

das Erdgas, das bekanntlich bei den in der Kaverne herrschenden Drücken und

Temperaturen gasförmig bleibt - mit einem solchen Druck in die Kaverne eingespeichert wird, dass sich ein vorgegebener Blanketspiegel einstellt, ist dabei für

die steuernde Funktion des Blanketmediums selbstverständliche Voraussetzung.

Weitere Hinweise darauf, dass bereits zum Aussolen eine für den späteren Gasbetrieb vorgesehene, eine Gasfördertour aufweisende Untertageausrüstung mit

einem übertage befindlichen Gasförderkopf in das Deckgebirge eingebracht wird,

und dass die Spülrohrtouren nach Beendigung des Aussolens in der Gasfördertour verbleiben, sind dieser Literaturstelle jedoch nicht zu entnehmen. Vielmehr

wurde bei dem dort zunächst beschriebenen Verfahren das zum Nachsolen verwendete Erdgas wieder entnommen, um eine abschließende Echolotprüfung

durchzuführen, dann die übliche Fertigstellung vorzunehmen und alle Rohrtouren

zu überprüfen, bevor letztlich die Kaverne entwässert wurde (s. S 7, Abs 2). Es

wird weiter berichtet, dass sich dieses Verfahren zur Herstellung der gewünschten

Kavernenform und Speicherkapazität als ausnehmend erfolgreich erwiesen hat

(vgl. S 7,Abs 2, letzter Satz). Diese Lehre ist folglich der üblichen Zäsur zwischen

Aussolen ggf. mit Nachsolen und dem eigentlichen Speicherbetrieb mit dem einleitenden Entwässerungsvorgang verhaftet.

Entsprechend Seite 8, Abs. 3 wird dann in Erwägung gezogen, den Einsatz von

(Erd-)gas als Kontrollfluid während der gesamten Herstellung der Kaverne vorzusehen.

Hinweise darauf, diese Zäsur zwischen Herstellung und Speicherbetrieb entgegen

der erfolgreichen Verfahrensführung nicht vorzunehmen und ohne die Notwendigkeit eines Um- oder Nachrüstens bereits zu Beginn des Aussolens sämtliche

Maßnahmen für den späteren Speicherbetrieb vorzusehen, bei dem die beiden

Spülrohrtouren in der Gasfördertour verbleiben, ist dieser Druckschrift an keiner

Stelle zu entnehmen.

Dem Einwand, dass diese Maßnahmen bei dem Einsatz von dem später zu speichernden Erdgas als Blanketmedium unter dem Gesichtspunkt der aufgabengemäßen Kostenreduzierung für den Fachmann nahegelegen hätte, kann nicht gefolgt werden. Vielmehr sieht der Senat gerade in diesen nicht vorgegebenen

Merkmalen die erfinderische Tätigkeit zu der der Stand der Technik keinerlei Hinweise gibt. Nur in rückschauender Betrachtung mag diese zeitsparende und daher

kostengünstige Lösung sofort überzeugen, da dadurch schon von Beginn an Aussolen, Nachsolen und Speicherbetrieb zeitlich ineinander greifen und somit mehrere Jahre bis zum Speicherbetrieb eingespart werden können.

Der weitere Stand der Technik, der weiter ab als die Druckschrift [2] liegt, konnte

in die patentgemäße Richtung auch keine Hinweise geben.

So wird in der Druckschrift [1] lediglich Gas als Blanketmedium erwähnt (vgl. dort

S 188, Abschn. 4.3.2, Abs 2).

Zwar beschreibt die Druckschrift [5] den Einsatz von Erdgas. Dieses wird jedoch

erst nach Abschluss des Aussolens zum Verdrängen der Sole eingesetzt, und

zwar durch Einleitung oberhalb des Abdeckmediums. Nach nahezu vollständiger

Verdrängung der Sole steht das Erdgas dem Speicherprozess zur Verfügung (vgl.

dort insb. Sp 1, Z 56 bis 67 sowie Sp 2, Z 37 bis 44). Es wird somit nicht gelehrt,

das Speichermedium Erdgas bereits zum Aussolen als Blanketmedium zu verwenden.

Auch die Druckschrift [16] befasst sich nicht mit dem Aussolen, sondern erst mit

der Gaserstbefüllung einer Gasspeicherkaverne.

Die Druckschrift [15] berichtet über unterschiedliche Verfahren zum Aussolen von

Erdgaskavernen. Das Speichergas wird zum Soleaustrag eingesetzt (vgl. S 60,

Abschn. 2.3.3.4); es handelt sich folglich auch hier um den unmittelbar vor der

Erstbefüllung des Speichers mit Gas durchgeführten Verfahrensschritt, der nach

dem abgeschlossenen Aussolen stattfindet. Im Zusammenhang mit der Fertigstellungsinstallation wird zwar beschrieben, dass in allen beschriebenen Fällen die

Soleaustragsleitung nach Beendigung des Soleaustrags nicht entfernt wird. Dies

betrifft jedoch erst den genannten Verfahrensabschnitt nach der Fertigstellung des

Aussolens und ist nicht mit dem streitpatentgemäßen Merkmal gleichzusetzen,

wonach die (beiden) Spülrohrtouren nach Beendigung des Aussolens in der Gasfördertour verbleiben.

Auch die in der Patentschrift einleitend genannten Literaturstellen konnten keinen

Beitrag zu der Gesamtheit der im Anspruch 1 genannten Merkmale leisten.

Entsprechend dem in der Druckschrift [4] offenbarten Verfahren, werden zunächst

zum Aussolen u.a. flüssige oder gasförmige Kohlenwasserstoffe als Sperrmedium

(Blanket) eingesetzt (s. S 75, re Sp, Abs 2); erst nach Fertigstellung der Kaverne

und Komplettierung der Bohrung für die Erstbefüllung erfolgt ein (zweiter) Dichtheitstest mit Erdgas bei maximal zulässigem Gasdruck (vgl. S 76, li Sp, le Abs).

Auch hier sind die Verfahrensabschnitte Aussolen und Speichern deutlich von einer Testphase getrennt.

Einen ähnlichen Verfahrensablauf offenbart die ebenfalls in der Patentschrift einleitend genannte Druckschrift [11]. Auch dort wird zunächst beim Aussolen als

Schutzflüssigkeit ein Propan-Butan-Gemisch, oft auch Rohöl oder Gasolin benutzt

(vgl. dort S 418, mtl. Sp, vorl. Satz). Erst nachdem der angestrebte Hohlraum ausgesolt ist, wird diese Schutzflüssigkeit entnommen, die Spülrohrstränge gezogen

und die Kaverne steht für den geplanten Speichereinsatz bereit (aaO S 419, li Sp,

le Satz). Nach weitgehender Soleentleerung wird anschließend die Kavernenbohrung für den Gasspeicherbetrieb umgerüstet. Somit sind auch hier die Verfahrensschritte des Aussolens und des Speicherbetriebs durch Umrüsten streng voneinander getrennt.

Somit ist das Verfahren nach Anspruch 1 auch hierdurch nicht nahegelegt.

An dieser Beurteilung ändert sich nichts, wenn darüber hinaus die weiteren im Beschwerdeverfahren nicht mehr aufgegriffenen Entgegenhaltungen des Einspruchsverfahrens [3], [6] bis [10] und [12] bis [14] berücksichtigt werden, da

diese von dem vorgenannten Stand der Technik nach Aufgabe und Lösung noch

weiter ab liegen, und aus denen die Einsprechenden auch keine Patenthinderungsgründe mehr geltend gemacht haben.

Da das Verfahren nach Anspruch 1 auch zweifelsfrei gewerblich anwendbar ist,

hat dieser Anspruch Bestand.

5. Anspruch 2 betrifft eine Vorrichtung zum Aussolen einer Salzkaverne mit der

das Verfahren nach Anspruch 1 durchgeführt werden soll.

Diese Vorrichtung zum Aussolen von Salzkavernen für das Speichern von Erdgas

weist folgende Merkmale in gegliederter Form auf:

a) eine im Deckgebirge und im Salzstock bis zum Kavernendach einzementierte

Rohrtour,

b) eine darin abgedichtet eingehängte, ebenfalls bis zum Kavernendach

reichende Gasfördertour,

c) eine den Ringraum zwischen der einzementierten Rohrtour und der

Gasfördertour ausfüllende Schutzflüssigkeit,

d) eine in die Gasfördertour eingehängte, längenveränderliche, bis unterhalb

des Blanketspiegels reichende äußere Spülrohrtour und

e) eine in die äußere Spülrohrtour eingehängte, längenveränderliche, innere

Spülrohrtour.

6. Diese offensichtlich gewerblich anwendbare Vorrichtung ist unstreitig neu, da

im Stand der Technik keine solche beschrieben ist, die sämtliche Merkmale des

Anspruchs 2 gleichzeitig aufweist. Dies entspringt, wie bereits oben zum Verfahren nach Anspruch 1 beschrieben, der bisherigen strikten Trennung von Aussolen

und dem späteren Speicherbetrieb.

So zeigt die Entgegenhaltung [2] in den Figuren 3 und 4 eine diesbezügliche Aussol-Vorrichtung mit den Merkmalen a) und e) sowie teilweise c) und d), da die äußere Spülrohrtour lediglich in der äußeren Rohrtour eingehängt ist und der entsprechend dazwischenliegende Ringraum mit einer Schutzflüssigkeit ausgefüllt ist.

Für den anschließenden Speicherbetrieb ist in der Figur 7 eine Anlage gezeigt,

welche allenfalls die Merkmale a) und b) erkennen lässt.

Das in [1] gezeigte Aussolschema entspricht im Wesentlichen der in [2] gezeigten

Darstellung nach Figur 4, wobei in [1] deutlich zum Ausdruck kommt, dass die äußere Rohrtour entsprechend dem Merkmal a) einzementiert ist (s dort Abb 7 iVm S

188, reSp Z 1 bis 4).

Die Druckschrift [5] zeigt und beschreibt in den Figuren 1 bis 6 im Wesentlichen

eine Verrohrung zur Soleentleerung nach Beendigung des Soleprozesses. Dies

trifft auch für die schematische Darstellung nach Bild 2 in Druckschrift [16] zu. Dabei sind analog Figur 7 von [2] lediglich die Merkmale a) und b) offenbart. Die in

Bild 3 von [16] gezeigte Süßwasserleitung dient lediglich dazu, das Auskristallisieren der auszulagernden Sole zu vermeiden (vgl. dort S 239, re Sp unten).

Letztlich zeigt oder beschreibt der Report [15] keinerlei Verrohrungsschema.

Über diesen Stand der Technik gehen auch nicht die weiteren im Einspruchsverfahren genannten Druckschriften [3], [4] und [6] bis [14] hinaus, die im Beschwerdeverfahren nicht weiter aufgegriffen wurden.

7. Die Vorrichtung nach Anspruch 2 beruht auch auf einer erfinderischen Tätigkeit.

Wie schon im Rahmen der Beurteilung des Verfahrens nach Anspruch 1 herausgestellt wurde, lässt sich aus den vorgenannten Literaturstellen ersehen, dass die

Vorrichtungen für den Aussol-Prozess sich von denen für die Soleauslagerung

(mit nachfolgendem Speicherbetrieb) unterscheiden. Eine Kombination dieser Vorrichtungen lag aus der oben bereits erörterten Verfahrens-Zäsur mit entsprechender Umrüstung nicht nahe.

Somit hat auch der Anspruch 2 Bestand.

Ch. Ulrich

Hövelmann

Dr. Frowein

Dr. W. Maier

Bb