Rechtsprechung / BPatG / 2004
BPatG Beschluss vom 06.04.2004 – 24 W (pat) 212/02
24. Senat
BUNDESPATENTGERICHT
24 W (pat) 212/02 _______________________
(Aktenzeichen)
…
B E S C H L U S S
In der Beschwerdesache
betreffend die Markenanmeldung 300 57 131.3
hat der 24. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der
Sitzung vom 6. April 2004 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Dr. Ströbele
sowie des Richters Prof. Dr. Hacker und der Richterin Kirschneck
Die Beschwerde wird zurückgewiesen.
beschlossen: 10.99
G r ü n d e
I.
Mycolab
Die Bezeichnung
soll als Marke für die Waren und Dienstleistungen
„chemische Erzeugnisse, pharmazeutische Erzeugnisse, wissenschaftliche und industrielle Forschung“
in das Register eingetragen werden.
Die mit einer Beamtin des höheren Dienstes besetzte Markenstelle für Klasse 42
des Deutschen Patent- und Markenamts hat die Anmeldung wegen fehlender Unterscheidungskraft und wegen eines bestehenden Freihaltebedürfnisses zurückgewiesen. Zur Begründung hat sie ausgeführt, daß die Bezeichnung „Mycolab“
sprachregelgerecht aus den Bestandteilen „Myco-“ und „-lab“ zusammengesetzt
sei. „Myco-“ sei die Abkürzung für „Mykologie“ bzw. – englisch – „mycology“. Bei
„-lab“ handle es sich um ein gängiges Kurzwort für „Labor“. Die angesprochenen
Verkehrskreise – in erster Linie Fachleute aus dem Bereich der Medizin und
Pharmazie – würden die angemeldete Marke daher ohne weiteres im Sinne von
„Labor für Pilzkulturen“ bzw. „Labor für Mykologie“ verstehen. Insoweit beschreibe
die Bezeichnung „Mycolab“ lediglich die Herstellungs- bzw. Angebotsstätte der
beanspruchten Waren und Dienstleistungen.
Gegen diese Beurteilung richtet sich die Beschwerde des Anmelders. Nach seiner
Auffassung handelt es sich bei der angemeldeten Marke um eine lexikalisch nicht
nachweisbare Wortneubildung. Der Wortbestandteil „Myco-“ sei auch keine gängige Abkürzung für den Fachbegriff „Mykologie“ bzw. „mycology“. Der weitere
Wortbestandteil „-lab“ weise eine Vielzahl von Bedeutungen auf. Aber auch wenn
man mit der Markenstelle annehme, „Myco-“ stehe für „Pilz“ und „-lab“ für „Labor“,
ergebe sich keine sinnvolle beschreibende Angabe, da es den Begriff „Pilzlabor“
nicht gebe und auch nicht ersichtlich sei, was damit zum Ausdruck gebracht werden solle. Im übrigen seien vergleichbare Marken bereits zur Eintragung gelangt.
Der Anmelder beantragt,
den angefochtenen Beschluß der Markenstelle aufzuheben.
Hilfsweise regt er an,
die Rechtsbeschwerde zuzulassen.
Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Akteninhalt Bezug genommen.
II.
Die Beschwerde ist zulässig, in der Sache jedoch nicht begründet. Die Markenstelle hat zu Recht und mit zutreffender Begründung angenommen, daß der angemeldeten Marke das Schutzhindernis der fehlenden Unterscheidungskraft entgegensteht (§ 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG).
Unterscheidungskraft im Sinne dieser Vorschrift ist die einer Marke innewohnende
(konkrete) Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel für die von der Marke
erfaßten Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens gegenüber solchen
anderer Unternehmen aufgefaßt zu werden. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unterliegen Wortmarken u.a. dann dem Eintragungshindernis der
fehlenden Unterscheidungskraft, wenn sie im Hinblick auf die erfaßten Waren oder
Dienstleistungen einen im Vordergrund stehenden beschreibenden Sinngehalt
aufweisen (vgl. BGH GRUR 2003, 342, 343 „Winnetou“; GRUR 2003, 343, 344
„Buchstabe Z“). Das ist hier der Fall.
Wie die Markenstelle zutreffend ausgeführt und anhand des „Roche Lexikon Medizin“ auch belegt hat, handelt es sich bei dem Wortbestandteil „Myco-“ um eine in
Wortzusammensetzungen übliche Abkürzung für den Fachbegriff „Mykologie“
(= Pilzkunde). Der weitere Bestandteil „-lab“ ist – wie von der Markenstelle
ebenfalls nachgewiesen worden ist – ein geläufiges Kurzwort für „Labor“. Die
angesprochenen Verkehrskreise – in erster Linie Fachleute aus dem Bereich der
Medizin und Pharmazie – können der Wortverbindung „Mycolab“ daher ohne
Schwierigkeit einen beschreibenden Hinweis auf ein pilzkundliches Labor bzw. ein
Labor für Mykologie entnehmen, das die mit der Anmeldung beanspruchten
Waren herstellt bzw. die betreffenden Dienstleistungen anbietet und erbringt. In
dem genannten Sinne wird die Bezeichnung „Mycolab“ auch bereits im Verkehr
verwendet. Wie der dem angefochtenen Beschluß beigefügten Internet-Recherche
zu entnehmen ist, weist etwa die Universität Oslo/Department of Biology auf
verschiedene Telefonnummern hin, und zwar für „Office“, „Mycolab“, „DNA-lab“
und „Telefax“. Der Begriff „Mycolab“ wird in diesem Zusammenhang offensichtlich
in einem rein beschreibenden Sinne zur Bezeichnung des dortigen mykologischen
Labors verwendet. Vor diesem Hintergrund ist die Annahme fernliegend, die
angesprochenen Fachkreise würden in dem Wort „Mycolab“ einen individuellen
betrieblichen Herkunftshinweis sehen.
Unerheblich ist insoweit, daß die genannte Website der Universität Oslo in englischer Sprache abgefaßt ist. Denn Englisch ist weltweit Fachsprache im Bereich
von Forschung und Medizin. So wendet sich auch der Anmelder selbst mit den
englischsprachigen – und im übrigen gleichermaßen sachbeschreibenden – Bezeichnungen „Mycolab Department of Microbiology University of Erlangen“ bzw.
„Mycolab at Microbiology, University Erlangen“ an inländische wie ausländische
Adressaten (vgl. hierzu die mit der Terminsladung übersandte Internet-Recherche
des Senats).
Soweit der Anmelder darauf hinweist, daß vergleichbare Marken bereits eingetragen worden seien, ist dies für das vorliegende Verfahren ohne Bedeutung (vgl.
EuGH, Urteil vom 12.2.2004, C-218/01 (Nr. 64) „Waschmittelflasche“).
Die Rechtsbeschwerde war nicht zuzulassen, da weder eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung zu entscheiden war noch die Fortbildung des Rechts
oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Befassung des Bundesgerichtshofs erfordert.
Ströbele
Kirschneck
Hacker
Bb