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BPatG Beschluss vom 02.05.2005 – 25 W (pat) 256/03

25. Senat

BUNDESPATENTGERICHT

25 W (pat) 256/03 _______________________

(Aktenzeichen)

B E S C H L U S S

In der Beschwerdesache

betreffend die Marke 300 34 170 10.99

hat der 25. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der

Sitzung vom 2. Mai 2005 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Kliems sowie des Richters Merzbach und der Richterin Bayer

beschlossen:

Die Beschwerde der Widersprechenden wird zurückgewiesen.

G r ü n d e

I.

Die am 4. Mai 2005 angemeldete Wortmarke

CELANO

ist am 7. Dezember 2000 für die Waren

"Inkontinenzprodukte für Kranke und Pflegebedürftige, nämlich

Windeln, Windelhosen und anatomische Vorlagen"

unter der Nummer 300 34 170 in das Markenregister eingetragen worden.

Die Inhaberin der seit 29. Oktober 1996 eingetragenen und nunmehr noch für die

Waren

"Diätetische Erzeugnisse für Kinder und Kranke; alle vorgenannten Waren Vitamin C enthaltende Präparate"

Celan

geschützten Marke 396 23 980

hat dagegen Widerspruch erhoben.

Die Markenstelle für Klasse 5 des Deutschen Patent- und Markenamts hat mit

zwei Beschlüssen vom 21. November 2002 und vom 30. September 2003, von

denen letzterer im Erinnerungsverfahren ergangen ist, den Widerspruch zurückgewiesen.

Die Erstprüferin geht unabhängig davon, ob noch eine Warenähnlichkeit vorliegt,

zumindest von einem so großen Warenabstand aus, dass keine Verwechslungsgefahr mehr besteht. Die Erinnerungsprüferin verneint ausgehend von einem

mittleren Warenähnlichkeitsbereich, da die Hersteller identisch sein können und

die beiderseitigen Waren an gleichen Orten Anwendung fänden, bei einer durchschnittlichen Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke eine klangliche oder

schriftbildliche Verwechslungsgefahr. Der zusätzliche Endbuchstabe "o" ergebe

ein nicht zu übersehendes längeres und unterschiedliches Schriftbild. Die abweichende Silbenzahl mit dem dunkelklingenden Vokal am Ende der angegriffenen

Marke sei nicht zu überhören.

Hiergegen hat die Widersprechende Beschwerde eingelegt und beantragt sinngemäß,

die Beschlüsse der Markenstelle aufzuheben und die Löschung der

angegriffenen Marke anzuordnen,

Sowohl in klanglicher als auch schriftbildlicher Hinsicht liege Verwechslungsgefahr

vor. Die ältere Marke sei identisch in der jüngeren enthalten. Für den Gesamteindruck der Marke bedeute das, dass die übereinstimmenden Merkmale stärker hervorträten und leichter in Erinnerung blieben als die Abweichung, die vorliegend

allein in dem angehängten Vokal "o" bestehe. Der Verkehr werde sich an dem

gemeinsamen Anfangsbestandteil "Celan" orientieren. Auch schriftbildlich seien

die Marken nicht eindeutig voneinander abgegrenzt. Im Übrigen verweist sie auf

die Erinnerungsbegründung, in der sie zusätzlich darauf hingewiesen hatte, dass

die Waren Berührungspunkte aufwiesen. Sie kämen bei der Versorgung und

Pflege Kranker und Pflegebedürftiger zum Einsatz. Es sei auch nicht unüblich,

dass zB Arzneimittel, die mit Arzneimitteln weitgehend identisch seien, und Slipeinlagen und Binden, die den Inkontinenzprodukten ähnlich seien, demselben

Unternehmen entsprängen. Auch sei davon auszugehen, dass in immer größer

werdenden Unternehmen eine Erweiterung der Produktpalette stattfinde. Die Vertriebswege seien ebenfalls als ähnlich anzusehen, da die beiderseitigen Produkte

in Apotheken angeboten würden.

Der Inhaber der angegriffenen Marke hat keine Stellungnahme abgegeben.

Wegen der Einzelheiten wird auf den Inhalt der Akten Bezug genommen.

II.

Die zulässige Beschwerde der Widersprechenden hat in der Sache keinen Erfolg,

da keine Verwechslungsgefahr nach § 9 Abs 1 Nr 2 MarkenG vorliegt.

Es bestehen bereits erhebliche Zweifel, ob die beiderseitigen Waren einander im

Sinne des § 9 Abs 1 Nr 2 MarkenG ähnlich sind.

Bei der Beurteilung der Warenähnlichkeit sind alle erheblichen Faktoren zu berücksichtigen, die das Verhältnis zwischen den Waren kennzeichnen; hierzu gehören insbesondere die Art der Waren, ihr Verwendungszweck und ihre Nutzung

sowie ihre Eigenart als miteinander konkurrierende oder einander ergänzende

Waren (EuGH WRP 1998, 1165, 1166 Tz. 23 - Canon). Dabei ist für die Bejahung

der Ähnlichkeit nicht die Feststellung gleicher Herkunftsstätten entscheidend

(EuGH WRP 1998, 1165, 1168 Tz. 29 - Canon), sondern die Erwartung des Verkehrs von einer Verantwortlichkeit desselben Unternehmens für die Qualität der

Waren. Ob diese Erwartung schon allein dadurch gerechtfertigt ist, dass vereinzelt

ein großes Unternehmen sowohl Hustenpräparate als auch Papierwindeln und

Slipeinlagen herstellt und die beiderseitigen Waren im Krankenhaus oder am

Kranken zu Hause angewendet werden, mag dahinstehen. Jedenfalls ist die Beschaffenheit, das äußere Erscheinungsbild, der spezielle Verwendungszweck und

die Anwendungsweise der beiderseitigen Waren so unterschiedlich, dass allenfalls

eine am Rande liegende Warenähnlichkeit in Betracht gezogen werden könnte.

Bei durchschnittlicher Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke, von der

mangels anderer Anhaltspunkte auszugehen ist, und – unterstellter - allenfalls geringer Warenähnlichkeit reichen die Unterschiede in den sich gegenüber stehenden Zeichen aus, um eine Verwechslungsgefahr bei den hier zu berücksichtigenden Verkehrskreisen, zu denen vorwiegend Laien gehören, zu verhindern.

Bei der Beurteilung der Verwechslungsgefahr kommt es maßgeblich auf den Gesamteindruck der Zeichen an (Ströbele/Hacker, Markengesetz, 7. Aufl, § 9

Rdn 152). Da die angegriffene Marke ein einheitliches zusammengehöriges Wort

ist, hat der Verkehr keinen Anlass, bei ihr die Buchstabenfolge "CELAN" als einen

diese Marke prägendenden Bestandteil anzusehen. Die angegriffene Marke ist

vielmehr in ihrer Gesamtheit zu würdigen. Auch wenn die Widerspruchsmarke als

Buchstabenfolge vollständig in der angegriffenen Marke enthalten ist, verhindert

der zusätzliche Buchstabe "o" unter Berücksichtigung der Warenferne sowohl

schriftbildlich durch die dadurch hervorgerufene unterschiedliche Zeichenlänge

und das unterschiedliche Wortende als auch klanglich durch den anderen Sprechrhythmus, die unterschiedliche Silbenzahl und abweichende Vokalfolge eine Verwechslungsgefahr. Die aufgezeigten Unterschiede sind so deutlich, dass bei den

sehr unterschiedlichen Waren selbst aus der Erinnerung heraus nicht mit Verwechslungen zu rechnen ist.

Eine Verwechslungsgefahr unter dem Gesichtspunkt des gedanklichen in Verbindung Bringens besteht ebenfalls nicht. Das Erkennen einer Zeichenserie setzt

beim Verkehr Kenntnisse, Überlegungen und eine sorgfältige Prüfung der Kollisionszeichen voraus. Selbst

identische Buchstabenfolgen

legen noch nicht

zwangsläufig den Gedanken an Serienmarken nahe. Vielmehr müssen sie nach

Art eines eigenständigen Wortstamms hervortreten. Davon kann in der Regel bei

unselbständigen Lautfolgen – wie hier bezüglich der angegriffenen Marke - nicht

ausgegangen werden (Ströbele/Hacker, Markengesetz, 7. Aufl, § 9 Rdn 482). Es

gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Widersprechende bereits eine Zeichenserie verwendet, in welche sich die angegriffene Marke einfügen würde, oder dass

der Bestandteil "CELAN" so kennzeichnungsstark ist, dass allein die Übereinstimmung in dieser Lautfolge den Verkehr veranlassen könnte, in dem Wort "Celano"

ein Serienzeichen der Widersprechenden zu sehen.

Die Beschwerde der Widersprechenden hat daher keinen Erfolg.

Zu einer Kostenauferlegung aus Billigkeitsgründen bot der Streitfall keinen Anlass,

Kliems

Merzbach

Bayer

Na