Rechtsprechung / BPatG / 2006
BPatG Beschluss vom 12.04.2006 – 28 W (pat) 16/05
28. Senat
BUNDESPATENTGERICHT
_______________
(Aktenzeichen)
Verkündet am
12. April 2006
…
B E S C H L U S S
In der Beschwerdesache
…
betreffend die Markenanmeldung 304 15 823.2
hat der 28. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf die
mündliche Verhandlung vom 12. April 2006 unter Mitwirkung …
Die Beschwerde wird zurückgewiesen.
beschlossen: 08.05
G r ü n d e
I.
Angemeldet zur Eintragung in das Markenregister ist das Wort
TissueTech
als Kennzeichnung für die Waren „Filze und Siebe sowie Transportbänder für Papiermaschinen, Zementmaschinen und Zellstoff- und Zellulose-Maschinen“.
Die Markenstelle für Klasse 7 hat die Anmeldung wegen fehlender Unterscheidungskraft zurückgewiesen, denn die Marke sei aus zwei unmittelbar beschreibenden Bestandteilen zusammengesetzt. „Tissue“ sei die Bezeichnung für eine
besondere Art von Papier („Tissue-Papier“) und „Tech“ sei die gängige und werbeübliche Abkürzung für „Technik“. Der Gesamtbegriff bedeute also nichts anderes als „Gewebetechnik“ und werde vom angesprochenen Verkehr auch nur im
Sinne dieser beschreibenden Bedeutung und nicht als Produktkennzeichnung verstanden.
Hiergegen hat die Anmelderin Beschwerde eingelegt. Sie wendet sich zwar nicht
gegen die Beurteilung des Bestandteils „Tissue“, meint aber „Tech“ sei für die beteiligten Verkehrskreise mehrdeutig, denn damit könnten die technischen Merkmale des Produkts selbst aber auch des Herstellungsverfahrens gemeint sein.
Zudem habe die beanspruchte Wortkombination bisher noch keine Verwendung
auf dem betreffenden Warensektor gefunden, womit ein Freihaltebedürfnis der
Mitbewerber nicht nachweisbar sei.
II.
Die zulässige Beschwerde ist nicht begründet, denn der begehrten Eintragung in
das Markenregister steht zumindest das Eintragungshindernis der beschreibenden
freihaltungsbedürftigen Angabe entgegen (§ 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG).
Das angemeldete Zeichen besteht aus zwei Worten bzw. Wortteilen, von denen
ein jedes ein für die beanspruchten Filze und Siebe wesentliches Merkmal unzweideutig und unmittelbar beschreibt.
Die Wortkombination „TissueTech“ ist zusammengesetzt aus „Tissue“, dem Namen für eine bestimmte Papiersorte (Verwendung z. B. bei Papiertaschen- oder
Küchentücher) und „Tech“, dem erkennbaren Hinweis auf „Technik“. Das Zeichen
besteht somit nicht nur aus zwei Begriffen, die jeweils eine bedeutsame Eigenschaft der Waren beschreiben, sondern es ist auch in seiner Gesamtaussage unmittelbar beschreibend, denn der Begriff „Tissue-Technik“ benennt direkt und unmittelbar die (technische) Funktion der angemeldeten Produkte bei der Herstellung
von (Tissue) Papier. Im Übrigen würde auch die bloße Zusammenfügung solch
schutzunfähiger Worte nur dann die Schutzunfähigkeit beseitigen, wenn die Kombination der Worte zu einer Wort-Neuschöpfung führt, die mehr ist als die bloße
Summe der beschreibenden Worte. Das neu entstandene Wort muss sich vielmehr hinreichend weit von dem Eindruck entfernen, der bei der Zusammenfügung
der beschreibenden Bestandteile entsteht (EuGH, MarkenR 2004, 111 - BIOMILD,
MarkenR 2004, 99 - Postkantoor). Dass mit dem Wort „Technik“ die Technizität
des Endproduktes selbst oder aber die Technologie bei der Herstellung gemeint
sein kann, beseitigt nicht den beschreibenden Gehalt der Aussage, denn es reicht
aus, dass die angesprochenen Verkehrskreise von mehreren
in Betracht
kommenden Bedeutungen einer einzigen Aussage einen beschreibenden
Charakter beimessen (EuGH, Mitt. 2004, 28 - Doublemint; BGH, MarkenR 2005,
402 - Star Entertainment, MarkenR 2004, 345 - URLAUB DIREKT). Auch der Umstand, dass die beanspruchte Wortkombination bisher noch keine Verwendung
gefunden hat, ändert nichts an der Schutzunfähigkeit des Zeichens, denn steht der
unmittelbar beschreibende Aussagegehalt einer Bezeichnung fest, so reicht dies
aus für das schützenswerte Bedürfnis der Mitbewerber an der Freihaltung einer
derartigen Angabe (st. Rspr. z. B. EuGH, GRUR 1999, 723 - Chiemsee).
Die Beschwerde war damit zurückzuweisen.
gez.
Unterschriften