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BPatG Beschluss vom 08.12.2008 – 25 W (pat) 53/07

25. Senat

BUNDESPATENTGERICHT

25 W (pat) 53/07 _______________________

(Aktenzeichen)

B E S C H L U S S

In der Beschwerdesache

betreffend die Markenanmeldung 306 36 100

hat der 25. Senat (Marken Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am

8. Dezember 2008 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Kliems sowie des

Richters Merzbach und der Richterin Bayer

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

beschlossen: 08.05

G r ü n d e

I.

Die Wort-/Bildmarke

ist am 8. Juni 2006 für die Dienstleistungen

"Beratung von Angehörigen steuerberatender Berufe in berufsfachlichen Bereichen; Vorbereitung und Durchführung von Schulungsveranstaltungen, Seminaren, Workshops, Organisation von

Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, Herausgabe und

Veröffentlichung von Informationsmaterial, Arbeitshilfen und wissenschaftlichen Publikationen; Erstellung von Gutachten und

Erteilung von Auskünften in Steuerfragen und berufsrechtlichen

Fraugestellungen"

zur Eintragung in das Markenregister angemeldet worden.

Mit Beschluss der Markenstelle für Klasse 41 des DPMA vom 8. Mai 2007 wurde

durch eine Prüferin des höheren Dienstes die Anmeldung gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1

MarkenG zurückgewiesen. Ob auch ein Schutzhindernis nach § 8 Abs. 2 Nr. 2

MarkenG besteht, ließ die Markenstelle dahingestellt. Der Bestandteil "BeraterRat"

könne sowohl im Sinne von "Rat von Beratern" als auch im Sinne von "Rat für

Berater" verstanden werden, wobei letztere Bedeutung im Zusammenhang mit

den beanspruchten Dienstleistungen nahe liege. Der Bestandteil "Fortbildung" und

der Slogan "Bleiben Sie in Führung" sei ebenfalls beschreibend für die Art der

Kanzleiführung, für die sich die Berater Wissen aneignen sollen. Mit der Gesamtbezeichnung würden die angesprochenen Verkehrskreise lediglich die Aussage

verbinden, dass den Beratern von einem Gremium bzw. Verband Rat auf einem

bestimmten Gebiet erteilt werde, hier die Fortbildung der Berater selbst, damit

diese führend blieben. Es handle sich dabei lediglich um einen Hinweis auf die Art

und Beschaffenheit der beanspruchten Dienstleistungen, nicht jedoch um einen

Unternehmenshinweis. Die Binnengroßschreibung der ersten Aussage sei ebenso

üblich wie die grafische Ausgestaltung der Marke in verschiedenen Farben und in

mehrzeiliger Anordnung.

Dagegen richtet sich die Beschwerde des Anmelders mit dem Antrag (sinngemäß),

den Beschluss der Markenstelle des Deutschen Patent- und Markenamts für Klasse 41 vom 8. Mai 2007 aufzuheben.

Der Begriff "BeraterRat" solle nicht ausschließlich auf "Ratschläge eines berufsmäßigen Beraters" hinweisen. Es gehe vielmehr um Angebote für (Steuer)berater

(im Sinne von "Rat für Berater"). Andererseits sollen sich die angesprochenen

Verkehrskreise auch selbst als "Berater, die Rat erteilen" angesprochen fühlen. In

keinem Fall handle es sich bei dem Begriff "BeraterRat" um ein gebräuchliches

Wort, dessen Sinn eindeutig und klar verständlich sei. Die darin enthaltene

Wiederholung wirke zunächst irritierend - erst nach weiteren Überlegungen

erschlössen sich für den Verkehrsteilnehmer die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten. Der in der Anmeldung verwendete Bestandteil "Berater" spreche

nicht nur die von dem Anmelder vertretene Berufsgruppe an, sondern weise

außerdem als Namensbestandteil der Organisation des Anmelders direkt auf das

veranstaltende bzw. anbietende Unternehmen hin. Die von den Dienstleistungen

angesprochenen Verkehrskreise, nämlich die in den Mitgliedsverbänden organisierten Berater, dürften ein auf diese Weise gekennzeichnetes Angebot unmittelbar mit dem Anmelder in Verbindung bringen. Dies gelte insbesondere in Verbindung mit der grafischen Darstellung, die sich in Schriftzug und farblicher

Darstellung am sonstigen Auftreten des Anmelders orientiere. Die Farbkombination Orange-Blau-Schwarz befinde sich im Logo der Anmelderin auf sämtlichen Print- und elektronischen Medien und werde in den Verkehrskreisen seit

Jahren als Hausfarben des Anmelders verstanden.

Wegen der Einzelheiten wird auf den Inhalt der Akten Bezug genommen.

II.

Die Beschwerde ist zulässig, hat aber in der Sache keinen Erfolg, da dem

angemeldeten Zeichen die Unterscheidungskraft fehlt.

Unterscheidungskraft im Sinne von § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG ist nach ständiger

Rechtsprechung im Hinblick auf die Hauptfunktion der Marke, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen zu gewährleisten, die

einer Marke innewohnende (konkrete) Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel für die von der Marke erfassten Waren oder Dienstleistungen eines

Unternehmens gegenüber solchen anderer Unternehmen aufgefasst zu werden

(vgl. zur st. Rspr. BGH GRUR 2003, 1050 - Cityservice; EuGH GRUR 2004, 674 -

Postkantoor). Es muss also eine Kennzeichnungskraft mit der Eignung zur Ausübung der Herkunftsfunktion verbunden sein, auch wenn eine Marke zusätzlich

noch weitere Funktionen haben kann (Ströbele/Hacker, Markengesetz, 8. Aufl. § 8

Rdn. 39).

Keine Unterscheidungskraft besitzen nach der Rechtsprechung vor allem solche

Marken, denen die angesprochenen Verkehrskreise für die fraglichen Waren und

Dienstleistungen lediglich einen im Vordergrund stehenden beschreibenden Begriffsinhalt zuordnen (vgl. EuGH GRUR 2004, 674, 678 - Postkantoor). Jedoch hat

der EuGH auch darauf hingewiesen, dass eine unmittelbar beschreibende Bedeutung nicht Voraussetzung für die Annahme fehlender Unterscheidungskraft ist.

Vielmehr kann die Unterscheidungskraft auch aus anderen Gründen fehlen (vgl

EuGH GRUR 2004, 674 - Postkantoor; GRUR 2004, 680 - Biomild).

Die Unterscheidungskraft ist zum einen im Hinblick auf die angemeldeten Dienstleistungen und zum anderen im Hinblick auf die beteiligten Verkehrskreise zu

beurteilen, wobei auf die mutmaßliche Wahrnehmung eines durchschnittlich

informierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsabnehmers der fraglichen Dienstleistungen abzustellen ist.

Die Dienstleistungen "Beratung von Angehörigen steuerberatender Berufe in

berufsfachlichen Bereichen" wenden sich vorwiegend an Fachleute, nämlich die

Angehörigen steuerberatender Berufe. Die Dienstleistungen "Vorbereitung und

Durchführung von Schulungsveranstaltungen, Seminaren, Workshops, Organisation von Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, Herausgabe und Veröffentlichung von Informationsmaterial, Arbeitshilfen und wissenschaftlichen Publikationen; Erstellung von Gutachten und Erteilung von Auskünften in Steuerfragen

und berufsrechtlichen Fragestellungen" können sich an diese wie auch an breite

Verkehrskreise wenden.

Aufgrund seines Aussagegehalts liegt es nahe, dass das angemeldete Zeichen

von den einschlägigen Verkehrskreisen dahingehend verstanden wird, dass die

beanspruchten Dienstleistungen darin bestehen, Ratschläge von Beratern oder für

Berater zu geben oder solcher Rat deren Thema und Gegenstand ist, wobei der

Wortbestandteil "Fortbildung" die Zielrichtung der Dienstleistungen angibt, nämlich

dass sie bzw. ihre Inanspruchnahme der Fortbildung dienen. In dem Slogan

"Bleiben Sie in Führung" sieht der Verkehr lediglich eine werbemäßige Anpreisung

der Dienstleistungen, nämlich dass man damit eine führende Stellung sicherstellen

kann.

Der Wortbestandteil "BeraterRat" ist unabhängig davon, ob man diese Wortkombination als Rat von Beratern oder für Berater ausfasst, im Hinblick auf die

angemeldeten Dienstleistungen als beschreibende Abgabe nicht unterscheidungskräftig. Allein die Mehrdeutigkeit einer Bezeichnung führt noch nicht zur

Schutzfähigkeit. So wird ein Wortzeichen schon dann von der Eintragung ausgeschlossen, wenn es zumindest in einer seiner möglichen Bedeutungen ein

Merkmal der in Frage stehenden Waren oder Dienstleistungen bezeichnet. (EuGH

GRUR 2004, 146 Doublemint). Werden vorliegend beide Bedeutungen, die die

Wortkombination haben kann, als beschreibend aufgefasst, so wird der Verkehr

darin lediglich eine beschreibende Angabe sehen und keinen individualisierenden

Betriebshinweis. Hinzu kommt, dass sich die beiden Bedeutungen - Rat von

Beratern bzw. für Berater - nicht einmal gegenseitig ausschließen, also beides

zutreffen kann. Auch Berater können ihrerseits Beratungsdienstleistungen in

Anspruch nehmen. Die Begriffsbildung wirkt daher nicht irritierend, sondern hat

unabhängig davon, welche der möglichen Bedeutungen der jeweilige Kunde der

Bezeichnung entnimmt, lediglich beschreibenden Charakter.

Dies trifft insbesondere für die angemeldeten Dienstleistungen "Beratung von

Angehörigen steuerberatender Berufe in berufsfachlichen Bereichen" zu, da

insoweit bereits in der Formulierung der Dienstleistungen klargestellt ist, dass die

Beratungsdienstleistungen für Personen gedacht sind, die selbst beraten.

Aber auch hinsichtlich der Dienstleistungen "Vorbereitung und Durchführung von

Schulungsveranstaltungen, Seminaren, Workshops, Organisation von Aus-, Fort-

und Weiterbildungsveranstaltungen, Herausgabe und Veröffentlichung von Informationsmaterial, Arbeitshilfen und wissenschaftlichen Publikationen; Erstellung

von Gutachten und Erteilung von Auskünften in Steuerfragen und berufsrechtlichen Fragestellungen" ist der Begriff "BeraterRat" in beiden Bedeutungen

beschreibend, denn diese Dienstleistungen können die Beratung von solchen

Personen zum Gegenstand und Inhalt haben, die selbst beratend tätig sind.

Eine Schutzfähigkeit lässt sich nicht daraus herleiten, dass Einzelheiten über den

BeraterRat, die Fortbildung und darüber wie man in Führung bleiben kann, in der

angemeldeten Marke nicht genannt sind. Auch relativ allgemeine Angaben können

von Fall zu Fall als verbraucherorientierte Sachinformation zu bewerten sein,

insbesondere wenn sie sich - wie hier - auf allgemeine Sachverhalte beziehen

(Ströbele/Hacker, Markengesetz, 8. Aufl., § 8 Rdn. 58).

Bei Wortneubildungen ist auch kein lexikalischer oder sonstiger Nachweis

erforderlich, dass die Angabe bereits im Verkehr bekannt ist oder verwendet wird

(s. Ströbele/Hacker, 8. Auflage, § 8 Rdnr. 89).

Soweit der Anmelder meint, die von den Dienstleistungen angesprochenen

Verkehrskreise, nämlich die in den Mitgliedsverbänden organisierten Berater,

dürften ein mit der angemeldeten Marke gekennzeichnetes Angebot, da sie den

Bestandteil "Berater" enthalte, unmittelbar mit dem Anmelder in Verbindung

bringen, da dieser Bestandteil als Namensbestandteil der Organisation des

Anmelders direkt auf das veranstaltende bzw. anbietende Unternehmen hinweise,

kann nicht gefolgt werden. Wenn der Name eines Anmelders aus beschreibenden

Angaben besteht, bedeutet dies nicht, dass der Verkehr in der beschreibenden

Angabe in Bezug auf die jeweiligen Dienstleistungen eine Marke sieht. Erst recht

gilt dies, wenn eine beschreibende Angabe, die hier sogar in den Gesamtbegriff

"BeraterRat" eingebunden ist, lediglich mit einem Teil des Namens übereinstimmt.

Die grafische Gestaltung der angemeldeten Bezeichnung bewirkt nicht die

Schutzfähigkeit.

Die versetzte Anordnung der farblich und teilweise größenmäßig unterschiedlichen

Wortbestandteile "BeraterRat", "Fortbildung" und "Bleiben Sie in Führung" begründen keine Unterscheidungskraft, da es sich um einfache, werbeübliche Gestaltungsmittel handelt. In der Werbung ist es üblich, beschreibende Angaben oder

Werbehinweise auch farblich und in Größe und Anordnung unterschiedlich zu

gestalten. Auch die Kombination dieser gängigen Gestaltungsmittel führt vorliegend nicht dazu, dass die Ausgestaltung betriebskennzeichnend wirkt.

Dem Vortrag des Anmelders, die grafische Gestaltung orientiere sich am sonstigen Auftreten des Verbandes und die Farbkombination Orange-Blau-Schwarz

werde bei den angesprochenen Fachkreisen als Hausfarben des Anmelders

verstanden, lässt sich keine Geltendmachung einer Verkehrsdurchsetzung gemäß

§ 8 Abs. 3 MarkenG hinsichtlich der angemeldeten Marke in Bezug auf die

angemeldeten Dienstleistungen entnehmen. Es werden auch keine näheren

Angaben zu Art und Weise sowie Umfang der Verwendung dieser Farben gemacht oder Benutzungsunterlagen eingereicht.

Die Beschwerde war deshalb zurückzuweisen.

Kliems

Merzbach

Bayer

Na