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BGH Urteil vom 21.12.2000 – VII ZR 17/99

VII. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

VERSÄUMNISURTEIL

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: nein

BGB §§ 306, 633 ff

Verkündet am: 21. Dezember 2000 Seelinger-Schardt Justizangestellte als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle

Die Gewährleistungsvorschriften des Werkvertragsrechts stellen eine Sonderrege-

lung dar, die grundsätzlich die Anwendbarkeit des § 306 BGB ausschließen. Daher

haftet der Unternehmer, der ein Bauvorhaben nach von ihm gefertigten Plänen zu

errichten verspricht, nach den §§ 633 ff BGB, wenn feststeht, daß die Baugenehmi-

gung aus Rechtsgründen nicht erteilt werden kann.

BGB §§ 633, 635

Legen die Parteien dem Bau- und Architektenvertrag eine vom Unterneh-

mer gefertigte, aber noch nicht genehmigte Planung zugrunde, so führt

ein Wegfall der ursprünglich geplanten französischen Balkone und die

Verringerung der Wohnraumhöhe von 2,5 m auf das Mindestmaß von

2,4 m in allen Stockwerken zu Mängeln des ursprünglich geplanten Bau-

werkes, sofern sich aus dem Vertrag kein Recht zur entsprechenden Um-

planung ergibt (im Anschluß an BGH, Urteil vom 24. November 1988

- VII ZR 222/87 = BauR 1989, 219, 221 = ZfBR 1989, 58).

BGH, Urteil vom 21. Dezember 2000 - VII ZR 17/99 - OLG Oldenburg LG Osnabrück

Der VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 21. Dezember 2000 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Ullmann und

die Richter Hausmann, Dr. Kuffer, Dr. Kniffka und Wendt

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 8. Zivilsenats

des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 17. Dezember 1998 auf-

gehoben.

Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung,

auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Beru-

fungsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

Die Klägerin fordert Rückzahlung einer Rate, die Beklagte widerklagend

Schadensersatz wegen Nichterfüllung.

Die Parteien schlossen am 14. Dezember 1994 einen Bauvertrag, in

dem sich die Beklagte verpflichtete, einen Neubau mit zwölf Eigentumswoh-

nungen zum Preis von 2.866.704 DM nach einem von ihr gefertigten Planungs-

entwurf auf den der Klägerin gehörenden Baugrundstücken zu errichten. Nach-

dem die Beklagte zwei Tage später den Antrag auf Baugenehmigung fertigge-

stellt hatte, forderte sie die erste der vereinbarten Raten, auf die die Klägerin

250.000 DM zahlte. Streitig ist, ob die Beklagte die Klägerin darüber aufgeklärt

hatte, daß für das westlich gelegene Nachbargrundstück, das dem Ende Okto-

ber 1994 verstorbenen Ehemann der Klägerin gehört hatte, eine Vereinigungs-

baulast und für das östlich gelegene Grundstück des Nachbarn L. eine Ab-

standsbaulast zu bewilligen war. Die Klägerin ist nach dem Testament ihres

verstorbenen Ehemanns befreite Vorerbin.

Nachdem die Bauaufsichtsbehörde die Klägerin im Januar und März

1995 zur Vorlage zahlreicher fehlender Unterlagen zum Bauantrag aufgefordert

hatte, setzte die nunmehr anwaltlich beratene Klägerin der Beklagten mit

Schreiben vom 3. April 1995 Frist, sämtliche noch fehlende Unterlagen ein-

schließlich der Erklärung über die Vereinigungsbaulast einzureichen. Mit

Schreiben vom 19. April 1995 focht sie den Bauvertrag wegen arglistiger Täu-

schung unter anderem mit der Begründung an, die Beklagte hätte sie auf die

Notwendigkeit von Baulasterklärungen nicht hingewiesen.

Die Klägerin hat Rückzahlung von 250.000 DM gefordert und sich hilfs-

weise auf Wandelung berufen. Das Landgericht hat die Klage nach Beweisauf-

nahme abgewiesen. Hiergegen hat die Klägerin Berufung eingelegt und ihr Be-

gehren auf eine Kündigung des Vertrages aus wichtigem Grund gestützt. Die

Beklagte hat im Berufungsverfahren Schadensersatz wegen Nichterfüllung in

Höhe von 550.000 DM geltend gemacht und widerklagend 300.000 DM gefor-

dert. Das Berufungsgericht hat nach Beweisaufnahme die Klageabweisung be-

stätigt und der Widerklage stattgegeben. Hiergegen richtet sich die Revision

der Klägerin.

Entscheidungsgründe

Die Revision der Klägerin hat Erfolg. Sie führt zur Aufhebung des ange-

fochtenen Urteils und zur Zurückverweisung der Sache an das Berufungsge-

richt.

I.

1. Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe folgenden Vortrag der

Klägerin übergangen:

Die Klägerin habe den Bauvertrag in ihrem Schreiben vom 19. April

1995 zugleich nach dem Gesetz über den Widerruf von Haustürgeschäften und

ähnlichen Geschäften (HWiG) widerrufen. Dies gehe aus ihrem Schreiben her-

vor, in dem sie u.a. auf die fehlende Belehrung über ihr Widerrufsrecht hinge-

wiesen habe. Die Voraussetzungen eines Haustürgeschäftes hätten vorgele-

gen. Dies habe die Klägerin in beiden Rechtszügen im einzelnen dargelegt.

2. Die Verfahrensrüge der Revision hat Erfolg.

Trifft das Vorbringen der Klägerin zu, dann haben die Parteien am

14. Dezember 1994 einen Vertrag geschlossen, auf den das HWiG uneinge-

schränkt anwendbar ist (a). Dieser Vertrag ist durch den Widerruf der Klägerin

nicht wirksam geworden, so daß die Klage Erfolg hat und die Widerklage un-

begründet ist (b).

a) Die Erklärung der Klägerin war auf den Abschluß eines Vertrages

über eine entgeltliche Leistung gerichtet (§ 1 Abs. 1 HWiG). Der Vertrag vom

14. Dezember 1994, der nach zwei mündlichen Verhandlungen in der Privat-

wohnung der Klägerin geschlossen wurde, enthält keine Belehrung über ein

Recht der Klägerin zum Widerruf.

Nach § 1 Abs. 2 Nr. 1 HWiG besteht das Widerrufsrecht dann nicht,

wenn die mündlichen Verhandlungen, auf denen der Abschluß des Vertrags

beruht, auf vorhergehende Bestellung des Verbrauchers geführt worden sind.

Dafür ergibt sich aus dem Vortrag der Klägerin kein Anhalt. Sie will vielmehr

nach der ersten, nicht von ihr veranlaßten Verhandlung versucht haben, die

weitere Planung der Beklagten zu stornieren. Bei der zweiten Verhandlung ha-

be der Geschäftsführer der Beklagten neben umfangreichen Planungsunterla-

gen bereits vorbereitete Bauverträge und -beschreibungen mitgebracht. Sie

habe den Vertrag im Hinblick auf die Erklärung des Geschäftsführers, der

Bauantrag müsse noch im Dezember 1994 gestellt werden, unterschrieben.

Eine vorhergehende Bestellung liegt auch nicht etwa deshalb vor, weil

die Klägerin als erste Kontakt zu der Beklagten aufgenommen hatte. Denn die

Klägerin wollte von sich aus zunächst nur eine Eigentumswohnung erwerben;

damit steht der später geschlossene Bauvertrag in keinem Zusammenhang

(vgl. BGH, Urteil vom 19. November 1998 - VII ZR 424/97, BauR 1999, 257 =

ZfBR 1999, 152).

Ein Widerrufsrecht der Klägerin ist nicht nach § 6 Nr. 1 HWiG ausge-

schlossen. Es ist nicht ersichtlich, daß der von der Klägerin beabsichtigte Ver-

kauf der Eigentumswohnungen als Ausübung einer selbständigen Erwerbstä-

tigkeit im Sinne dieser Vorschrift anzusehen ist.

b) Die Klägerin hat ihre auf den Abschluß des Vertrages gerichtete Wil-

lenserklärung mit ihrem Schreiben vom 19. April 1995 wirksam widerrufen. Das

Wort "Widerruf" mußte dabei nicht ausdrücklich gebraucht werden. Denn es

genügt, wenn deutlich zum Ausdruck gebracht wird, daß der Widerrufende den

Vertragsschluß nicht mehr gegen sich gelten lassen will (BGH, Urteil vom

25. April 1996 - X ZR 139/94, NJW 1996, 1965).

Das ist der Fall. Die Klägerin hat in ihrem Schreiben die Anfechtung des

Vertrages erklärt, auf weitere Bedenken gegen den Vertragsschluß wegen

fehlender Belehrung über das Widerrufsrecht nach dem HWiG hingewiesen

und die Beklagte aufgefordert, den erhaltenen Geldbetrag zurückzuzahlen.

Danach kann die Klägerin gemäß § 3 Abs. 1 HWiG ihre Leistung von der

Beklagten zurückverlangen. Ein Anspruch der Beklagten auf Schadensersatz

wegen Nichterfüllung, den sie mit ihrer Widerklage geltend macht, besteht

dann nicht.

II.

1. Das Berufungsgericht meint, die Klägerin habe den Vertrag vom

14. Dezember 1994 nicht aus wichtigem Grund kündigen können. Die Klägerin

habe die Beklagte mit sämtlichen zu einem Bauwerk gehörenden Leistungen

einschließlich der Architektenleistungen beauftragt. Da sie ihre außerordentli-

che Kündigung auf Mängel der Architektenleistungen stütze, könne sie aus

wichtigem Grund nur kündigen, wenn die Beklagte grob fahrlässig gearbeitet

habe oder ihre Planungsleistungen unbrauchbar oder wertlos seien. Das sei

nicht der Fall. Die mangelnde Genehmigungsfähigkeit habe die Beklagte nicht

zu vertreten. Unstreitig könne die Genehmigung nur erteilt werden, wenn die

Baugrundstücke der Klägerin und das westlich angrenzende, ihr ebenfalls ge-

hörende Grundstück im Wege einer Vereinigungsbaulast zu einem Grundstück

gemacht würden. Die Weigerung der Klägerin, eine Baulasterklärung abzuge-

ben, sei treuwidrig. Anderes könnte gelten, wenn die Beklagte sie auf das Er-

fordernis einer Vereinigungsbaulast nicht hingewiesen haben sollte. In diesem

Fall habe die Klägerin jedoch mit Schreiben vom 3. April 1995 die Planung der

Beklagten gebilligt, so daß sie sich hierauf nicht mehr berufen könne. Eine

Baulasterklärung des Grundstücksnachbarn L. sei nicht erforderlich. Die Zu-

fahrt zur geplanten Tiefgarage lasse sich mit Hilfe einer Spundwand herstellen;

dem müsse L. nicht zustimmen.

2. Das hält revisionsrechtlicher Nachprüfung nicht stand.

Nach dem im Revisionsverfahren zugrunde zu legenden Sachverhalt

kann die Klägerin als Schadensersatz die Rückzahlung ihrer ersten Rate ver-

langen (§ 635 BGB). Das Berufungsgericht stellt fest, der Vertrag der Parteien

umfasse sowohl Architekten- als auch Bauleistungen mit der Maßgabe, daß

dem Vertrag die noch nicht genehmigte Planung der Beklagten zugrunde ge-

legt wurde. Die von der Klägerin gerügten Gründe, die Planung des Bauvorha-

bens sei mangels erteilter Vereinigungsbaulast nicht genehmigungsfähig

(nachfolgend a) und bedürfe der Zustimmung des Nachbarn L. (nachfolgend b),

sind gegeben. Sie führen dazu, daß das geplante Bauvorhaben nach den der-

zeitigen Feststellungen aus von der Beklagten zu vertretenden Gründen nicht

durchführbar ist.

a) Die Beklagte schuldete eine dauerhaft genehmigungsfähige Planung.

Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts konnte eine Baugenehmigung

für das von der Beklagten geplante Bauvorhaben nur erteilt werden, wenn die

vorgesehenen Baugrundstücke und das westlich angrenzende, ebenfalls der

Klägerin gehörende Grundstück im Wege einer von ihr zu übernehmenden

Vereinigungsbaulast gemäß § 4 Abs. 1 der Niedersächsischen Bauordnung

(NBauO) zu einem Baugrundstück gemacht wurden. Das Risiko, daß die Pla-

nung nur dann genehmigungsfähig war, wenn die Klägerin eine Vereinigungs-

baulast übernahm, trug die Beklagte, sofern die Klägerin sich nicht vertraglich

zur Übernahme verpflichtet hatte oder rechtzeitig vor Vertragsschluß über die

Notwendigkeit einer Vereinigungsbaulast aufgeklärt worden und mit der Über-

nahme einverstanden war.

Die Klägerin hat sich im Vertrag nicht verpflichtet, eine Vereinigungs-

baulast zu übernehmen. Sie war auch nicht ohne weiteres gehalten, für ein be-

nachbartes Grundstück eine Baulast zu übernehmen, die als öffent-

lich-rechtliche, im Baulastverzeichnis einzutragende Verpflichtung die Bebau-

barkeit des belasteten Grundstückes nachhaltig einschränkt.

Eine rechtzeitige Aufklärung der Klägerin über die Notwendigkeit, eine

Vereinigungsbaulast zu bewilligen, stellt das Berufungsgericht nicht fest. Es

unterstellt vielmehr, die Beklagte habe die Klägerin bei Vertragsschluß hier-

über nicht aufgeklärt. In diesem Fall, von dem in der Revision auszugehen ist,

hat die Klägerin die Planung, zu der die Übernahme der Vereinigungsbaulast

gehörte, in ihrem Schreiben vom 3. April 1995 auch nicht gebilligt. Das gegen-

teilige Verständnis des Berufungsgerichts trifft nicht zu. Aus der Sicht der Be-

klagten als Erklärungsempfängerin enthielt das Schreiben keine rechtsge-

schäftliche Erklärung, die als Billigung verstanden werden konnte. Die Klägerin

gab der Beklagten lediglich auf, innerhalb bestimmter Frist zahlreiche als feh-

lend gerügte Unterlagen beizubringen, darunter auch die "von der Beklagten"

abzugebende Erklärung der Vereinigungsbaulast. Dies verdeutlicht, daß die

Klägerin keine Vorstellung hatte, in diesem Punkt eine rechtsgeschäftliche Er-

klärung abzugeben, die als Billigung der bisherigen Planung mit dem Erforder-

nis einer Vereinigungsbaulast verstanden werden konnte. Denn eine Vereini-

gungsbaulast kann nur vom Grundstückseigentümer übernommen werden.

Die Planung der Beklagten war danach mangelhaft. Da sie mangels Zu-

stimmung der Klägerin zur Vereinigungsbaulast nicht genehmigungsfähig ist,

ist der Beklagten die Beseitigung des Mangels unmöglich. Es kommt daher

nach den bisherigen Feststellungen nicht auf die weitere Frage an, ob die

Tochter als Nacherbin der Klägerin der Übernahme dieser Baulast zustimmen

mußte.

b) aa) Dasselbe gilt auch hinsichtlich der Abstandsbaulast, die nach der

ursprünglichen Planung der Grundstücksnachbar L. zu bewilligen hatte. Soweit

die Revision allerdings rügt, auch eine geänderte Planung der Beklagten setze

eine Abstandsbaulast des Nachbarn L. voraus, hat sie keinen Erfolg. Der Senat

hält die Verfahrensrügen zu der Feststellung des Berufungsgerichts, die Tief-

garagenzufahrt könne so umgeplant werden, daß sie ohne eine Abstandsbau-

last des L. genehmigungsfähig ist, nicht für durchgreifend; er sieht von einer

Begründung ab (§ 565 a ZPO).

bb) Die Revision rügt zu Recht, das Berufungsgericht habe den Vortrag

der Klägerin übergangen, es fehle ein aus privatrechtlichen Gründen erforderli-

ches Einverständnis des Grundstücksnachbarn L. zu dem geplanten Bauvor-

haben.

Die Klägerin hat behauptet, dem Grundstück des Nachbarn L. werde

durch die Errichtung einer bis zu 2,12 m unter Geländeoberfläche reichenden

Stützmauer an der gemeinsamen Grundstücksgrenze die erforderliche Stütze

entzogen. In welchem Umfang eine Stütze im Einzelfall notwendig ist, richtet

sich nach den örtlichen Verhältnissen, darunter auch der vorhandenen oder

der zu erwartenden Benutzung des Nachbargrundstückes (BGH, Urteil vom

25. Oktober 1974 - V ZR 47/70, BGHZ 63, 176, 179). Feststellungen hierzu

fehlen. Der Sachverständige A. hat weder in seinem schriftlichen Gutachten

noch bei seiner mündlichen Anhörung hierzu Stellung genommen. Solange die

geplante Vertiefung noch nicht vorgenommen worden ist, kann dem Nach-

barn L. nach § 909 BGB ein Anspruch auf Unterlassung gegenüber der Kläge-

rin als Grundstückseigentümerin zustehen. An einer Zustimmung des Nach-

barn L. zum Bauvorhaben der Klägerin fehlt es.

III.

Auch die weiteren Ausführungen des Berufungsgerichts halten einer

rechtlichen Prüfung nicht stand.

1. Das Berufungsgericht meint, die ursprünglich von der Beklagten ge-

fertigte Planung des Bauvorhabens sei nach den Ausführungen des Sachver-

ständigen A. mit geringfügigen Änderungen, aber ohne eine grundlegende

Umplanung genehmigungsfähig. Die Planung enthalte nur kleinere und unbe-

deutende Mängel, weise jedoch keine gravierenden Verstöße gegen bauord-

nungsrechtliche Vorschriften auf. Es sei neben der erforderlichen Vereini-

gungsbaulast lediglich eine Reduzierung der lichten Höhe der Wohnungen in

den drei Stockwerken um jeweils 10 cm sowie die Umwandlung der französi-

schen Balkone zu Dachgauben erforderlich. Alsdann werde der zu den ande-

ren Nachbargrundstücken erforderliche Grenzabstand eingehalten. Zu dieser

Umplanung hätte die Klägerin der Beklagten Gelegenheit geben müssen.

2. Der Klägerin kann auch in dem Fall, daß die Beklagte für das Fehlen

der Vereinigungsbaulast nicht einzustehen haben sollte, ein Anspruch auf

Schadensersatz nach § 635 BGB zustehen, der sie zur Rückforderung der ge-

zahlten Rate berechtigt.

a) Die Erwägungen des Berufungsgerichts zu den Planungsleistungen

der Beklagten berücksichtigen nicht in erforderlichem Maße deren Verpflich-

tungen. Nach seinen bisherigen, allerdings ohne ergänzende Auslegung ge-

troffenen Feststellungen hatte die Klägerin die Beklagte mit Architektenleistun-

gen und sämtlichen zur Errichtung eines Bauwerks gehörenden Leistungen

beauftragt. Nach Abschnitt "zu § 1 Leistung" des Vertrages ergab sich Art und

Umfang der zu erbringenden Leistung u.a. aus der zur Anlage dieses Vertrages

genommenen Entwurfskizze. Bei Vertragsschluß lag unstreitig eine Detailpla-

nung vor, die die Beklagte bereits zwei Tage später als Bestandteil ihres An-

trages auf Baugenehmigung einreichte. Danach war das vereinbarte Vertrags-

soll darauf gerichtet, das Bauvorhaben nach den bei Vertragsschluß vorliegen-

den Plänen zu errichten. Diese Pläne waren jedoch aus mehreren Gründen

nicht genehmigungsfähig. Dies beruht nach den Feststellungen des Beru-

fungsgerichts neben der fehlenden Vereinigungsbaulast u.a. auch auf fehlen-

den Grenzabständen zu den der Klägerin nicht gehörenden Nachbargrund-

stücken.

b) Ausgehend von diesem Vertragsinhalt konnte die Beklagte ihre

Pflichten nicht erfüllen, da eine Baugenehmigung für die ursprüngliche Planung

zu Recht nicht erteilt worden wäre und die Klägerin die vorgeschlagene Um-

planung nicht akzeptieren mußte. Ein solcher Vertrag ist auf eine unmögliche

Leistung gerichtet. Dann hat die Beklagte Schadensersatz nach § 635 BGB zu

leisten.

aa) Die aus Rechtsgründen gegebene Unmöglichkeit eines Unterneh-

mers, die versprochene Planung umzusetzen, führt nicht zur Nichtigkeit des

Vertrages nach § 306 BGB. Grundsätzlich stellen die Gewährleistungsvor-

schriften des Werkvertragsrechtes eine Sonderregelung dar, die die Anwend-

barkeit der §§ 306, 307 BGB ausschließen. Wer es übernimmt, ein Bauwerk

nach von ihm gefertigten Plänen zu errichten, haftet nach den §§ 633 ff BGB,

wenn feststeht, daß die Baugenehmigung aus Rechtsgründen nicht erteilt wer-

den kann (vgl. BGH, Urteil vom 9. Juli 1970 - VII ZR 70/68, BGHZ 54, 236,

237 f). Ansprüche gemäß den §§ 634, 635 BGB stehen dem Besteller dann

nicht zu, wenn eine Nachbesserung möglich ist oder sich aus dem Vertrag et-

was anderes ergibt.

Eine Nachbesserung ist dann unmöglich, wenn der Mangel durch die

technisch und rechtlich möglichen Maßnahmen nicht behoben werden kann

oder wenn die zur Beseitigung der Mangelfolgen geeignete Maßnahme die

Grundsubstanz oder die Konzeption des Werkes nicht unwesentlich verändert

(BGH, Urteil vom 24. November 1988 - VII ZR 222/87, BauR 1989, 219, 221 =

ZfBR 1989, 58).

Ein Besteller ist vorbehaltlich einer vertraglichen Vereinbarung nicht

verpflichtet, sein Bauvorhaben entsprechend der allein genehmigungsfähigen

Planung anzupassen (vgl. BGH, Urteil vom 19. Februar 1998 - VII ZR 236/96,

BauR 1998, 579 = ZfBR 1998, 186). Dies gilt auch, wenn die Parteien einen

Bauvertrag geschlossen haben, dem eine vom Unternehmer gefertigte, aber

nicht genehmigungsfähige Planung zugrunde liegt (vgl. BGH, Urteil vom

24. November 1988 - VII ZR 222/87, aaO).

bb) Nach den bisherigen Feststellungen des Berufungsgerichts scheidet

eine Nachbesserung der nicht genehmigungsfähigen Pläne gemäß § 633

Abs. 1 BGB aus; die Klägerin mußte der Beklagten daher auch keine Frist set-

zen (§ 634 Abs. 2 BGB). Der Wegfall der ursprünglich geplanten französischen

Balkone und die Verringerung der Wohnraumhöhe von 2,5 m auf das Mindest-

maß von 2,4 m in allen Stockwerken würden zu Mängeln des ursprünglich ge-

planten und geschuldeten Bauwerkes führen. Eine derartige Umplanung weicht

von dem vereinbarten Vertragssoll in nicht zumutbarer Weise ab. Sie würde die

Konzeption des Werkes nicht unwesentlich verändern.

cc) Das Berufungsgericht stellt nicht fest, ob die Parteien etwas für den

Fall vereinbart haben, daß die Beklagte ihre Pflicht, eine genehmigungsfähige

Planung zu erstellen, nicht erfüllen kann, weil sie andernfalls gegen ihre bau-

vertraglichen Pflichten verstoßen würde. Der Vertrag vom 14. Dezember 1994

enthält dazu keine Regelung. Das Berufungsgericht wird daher im Wege der

ergänzenden Vertragsauslegung festzustellen haben, was die Parteien für die-

sen Fall gewollt oder vereinbart hätten, wenn sie diesen Sachverhalt bedacht

hätten.

IV.

Das angefochtene Urteil kann danach nicht bestehenbleiben; es ist auf-

zuheben. Das Berufungsgericht wird zunächst Feststellungen dazu treffen

müssen, ob die Klägerin den Vertrag wirksam nach dem HWiG widerrufen hat

und, sofern das nicht zutrifft, ob sie über die Notwendigkeit einer Vereini-

gungsbaulast aufgeklärt worden ist. Ist die Klägerin rechtzeitig aufgeklärt wor-

den und reichte ihr Einverständnis als Vorerbin, so wird das Berufungsgericht

zu prüfen haben, ob ein Gewährleistungsanspruch aus § 635 BGB wegen der

anderen Mängel der ursprünglichen Planung gegeben ist. Hält das Berufungs-

gericht die Klage weiterhin für unbegründet und die Widerklage dem Grunde

nach für gerechtfertigt, so wird es jedenfalls die Höhe des Minderwertes für die

geringere

Raumhöhe entsprechend der hierzu ausgeführten Revisionsrüge weiter aufzu-

klären haben. Die "grobe Schätzung", die der Sachverständige A. bei seiner

mündlichen Anhörung aus dem Stegreif vorgenommen hat, läßt keine nachvoll-

ziehbare Grundlage erkennen.

Ullmann Hausmann Kuffer

Kniffka Wendt