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BGH Urteil vom 14.09.2005 – IV ZR 216/04

IV. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

Verkündet am: 14. September 2005 Heinekamp Justizhauptsekretär als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: nein

BGHR: nein _____________________

KfzPflVV §§ 5, 6; AKB §§ 2b, 7

Verletzt der Versicherungsnehmer eine Obliegenheit vor (hier: Trunkenheitsfahrt) und eine weitere nach Eintritt des Versicherungsfalles (hier: Unerlaubtes Entfer- nen vom Unfallort), können die Beträge, bis zu denen der Versicherer Leistungs- freiheit in Anspruch nehmen kann, addiert werden.

BGH, Urteil vom 14. September 2005 - IV ZR 216/04 - LG Berlin AG Köpenick

Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat durch den Vorsit-

zenden Richter Terno, die Richter Dr. Schlichting, Seiffert, die Richterin

Dr. Kessal-Wulf und den Richter Dr. Franke auf die mündliche Verhand-

lung vom 14. September 2005

für Recht erkannt:

Die Revision gegen das Urteil der Zivilkammer 17 des

Landgerichts Berlin vom 26. August 2004 wird auf Kosten

des Klägers zurückgewiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand

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Der Kläger verursachte am 13. Oktober 2002 als Fahrer eines

PKW Audi in stark alkoholisiertem Zustand einen Verkehrsunfall, bei dem

Fremdschäden von mindestens 12.448,94 € entstanden.

Anschließend

entfernte er sich unerlaubt vom Unfallort. Halterin des Fahrzeuges war

seine Lebensgefährtin. Deren Großvater hatte den PKW bei der Beklag-

ten haftpflichtversichert. Dem Versicherungsvertrag liegen Allgemeine

Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung (AKB) zugrunde, die aus-

zugsweise wie folgt lauten:

"§ 2b Einschränkung des Versicherungsschutzes

(1) Obliegenheiten vor Eintritt des Versicherungsfalles:

Der Versicherer ist von der Verpflichtung zur Leistung frei

...

e) in der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung, wenn der Fahrer infol- ge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berau- schender Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu füh- ren.

(2) Bei Verletzung einer der Obliegenheiten gemäß Abs. 1 oder bei Gefahrerhöhung ist die Leistungsfreiheit des Versicherers in der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung gegenüber dem Versiche- rungsnehmer und den mitversicherten Personen auf den Betrag von höchstens je DM 10.000 beschränkt. ...

§ 7 Obliegenheiten im Versicherungsfall

I. (1) ...

(2) ... Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, alles zu tun, was zur Aufklärung des Tatbestandes und zur Minderung des Scha- dens dienlich sein kann. ...

V. (1) Wird in der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung eine dieser Obliegenheiten vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt, so ist der Versicherer dem Versicherungsnehmer gegenüber von der Ver- pflichtung zur Leistung in den in den Abs. 2 und 3 genannten Gre- nzen frei. ...

(2) Die Leistungsfreiheit des Versicherers ist auf einen Betrag von DM 5.000 beschränkt. Bei vorsätzlich begangener Verletzung der Aufklärungs- oder Schadenminderungspflicht (z.B. bei unerlaubtem Entfernen vom Unfallort, unterlassener Hilfeleistung, Abgabe wahrheitswidriger Angaben gegenüber dem Versicherer), wenn diese besonders schwerwiegend ist, erweitert sich die Leistungsfreiheit des Versi- cherers auf einen Betrag von DM 10.000."

2

Nachdem die Beklagte die Schäden reguliert hatte, berief sie sich

gegenüber dem Kläger auf Obliegenheitsverletzungen, die er sowohl vor

als auch nach Eintritt des Versicherungsfalles begangen habe, und nahm

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ihn in Höhe von 10.000 € in Regress. Der Kläger zah lte an die Beklagte

lediglich 5.000 €. Er ist der Auffassung, dass die Beklagte einen darüber

hinausgehenden Betrag von ihm nicht verlangen könne. Das Amtsgericht

hat seine darauf gerichtete Feststellungsklage abgewiesen. Die Berufung

des Klägers ist vor dem Landgericht ohne Erfolg geblieben. Dagegen

wendet er sich mit der Revision.

Entscheidungsgründe

Das Rechtsmittel ist unbegründet.

I. Das Berufungsgericht hat ausgeführt: Die Beklagte sei im Innen-

verhältnis gegenüber dem Kläger als dem mitversicherten Fahrer des

PKW von der Verpflichtung zur Leistung frei geworden. Sie könne diesen

daher gemäß § 3 Nr. 9 Satz 2 PflVG in Regress nehmen. Der Kläger ha-

be schuldhaft Obliegenheiten verletzt, die er sowohl vor (§ 2b Abs. 1

Satz 1 Buchst. e AKB) als auch nach dem Verkehrsunfall (§ 7 I Abs. 2

Satz 3 AKB) zu beachten gehabt habe. In beiden Fällen sei die Leis-

tungsfreiheit der Beklagten allerdings beschränkt, und zwar nach § 2b

Abs. 2 Satz 1 AKB auf 10.000 DM und nach § 7 V Abs. 2 Satz 1 und 2

AKB auf ebenfalls 10.000 DM, da der Kläger durch das vorsätzliche Ent-

fernen vom Unfallort eine besonders schwerwiegende Obliegenheitsver-

letzung begangen habe. Eine Kumulierung beider Regressbeträge auf

- nach entsprechender Umstellung der DM-Beträge - jedenfalls 10.000 €

sei zulässig. Durch die Addition werde die versicherte Person nicht un-

verhältnismäßig belastet, weil ihre wirtschaftliche Existenz bei einer Ver-

pflichtung zur Zahlung von 10.000 € allenfalls in A usnahmefällen bedroht

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sei. Der Kraftfahrzeug-Pflichtversicherungsverordnung (KfzPflVV) lasse

sich keine Regelung entnehmen, die einer Zusammenrechnung entge-

genstehe. Die AKB seien insoweit auch nicht unklar gefasst. Einem

durchschnittlichen Versicherungsnehmer oder Mitversicherten könne

schlechterdings nicht verborgen bleiben, dass es sich um zwei völlig ver-

schiedene Bestimmungen handele, welche - ohne jeweils abschließend

zu sein - die Folgen eines Fehlverhaltens vor und nach dem Versiche-

rungsfall regelten.

II. Das hält rechtlicher Nachprüfung in jeder Hinsicht stand.

1. Die Beklagte hat den Kläger zu Recht in Höhe von 10.000 €

nach § 3 Nr. 2, 9 PflVG i.V. mit § 426 Abs. 1 BGB in Regress genommen;

diese Bestimmungen kommen auch auf den nach § 10 Abs. 2c AKB in

das Haftpflichtversicherungsverhältnis einbezogenen Fahrer des PKW

zur Anwendung (BGHZ 55, 281, 287; BGH, Urteil vom 10. Juni 1986 - VI

ZR 113/85 - VersR 1986, 1010 unter II 2 b aa). Im Innenverhältnis zum

Kläger ist die Beklagte leistungsfrei geworden, weil er als mitversicherte

Person in den Versicherungsbedingungen festgelegte Obliegenheiten

verletzt hat. Er hat den PKW in alkoholisiertem Zustand geführt (§ 2b

Abs. 1 Satz 1 Buchst. e AKB) und sich nach dem Unfallereignis unerlaubt

vom Unfallort entfernt (§ 7 I Abs. 2 Satz 3 AKB). Auf die Obliegenheits-

verletzung gemäß § 2b Abs. 1 AKB und die nach den Versicherungsbe-

dingungen daran knüpfende Leistungsfreiheit kann sich die Beklagte

auch ohne Kündigung des Versicherungsvertrages (§ 6 Abs. 1 Satz 3

VVG) berufen. Denn der Kläger hat die Obliegenheitsverletzung began-

gen, ohne zugleich Repräsentant des Versicherungsnehmers zu sein.

Folge seines Verstoßes ist lediglich, dass er seinen eigenen Versiche-

rungsanspruch gegenüber der Beklagten verloren hat. Demgemäß be-

steht weder ein Recht der Beklagten, nach § 6 Abs. 1 Satz 2 VVG ge-

genüber dem Versicherungsnehmer zu kündigen, noch weitergehend ein

Kündigungserfordernis nach § 6 Abs. 1 Satz 3 VVG (Senatsurteil vom

29. Januar 2003 - IV ZR 41/02 - VersR 2003, 445 unter II 2).

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2. Nach den Versicherungsbedingungen ist die Leistungsfreiheit

der Beklagten der Höhe nach beschränkt, und zwar nach § 2b Abs. 2

Satz 1 AKB - in Entsprechung zu § 5 Abs. 3 Satz 1 KfzPflVV in der da-

mals geltenden Fassung - auf 10.000 DM und nach § 7 V Abs. 2 Satz 2

AKB - in Entsprechung zu § 6 Abs. 1, 3 KfzPflVV in der damals gelten-

den Fassung - auf ebenfalls 10.000 DM, wenn die Verletzung der Oblie-

genheit vorsätzlich erfolgt und besonders schwerwiegend ist. Letzteres

hat das Berufungsgericht bejaht; die Revision nimmt dies hin.

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a) Nach zutreffender Ansicht, der sich das Berufungsgericht ange-

schlossen hat, sind die Regressbeträge zu addieren, wenn - wie hier -

die eine Obliegenheitsverletzung vor Eintritt des Versicherungsfalles und

die andere im Anschluss daran begangen worden ist (OLG Köln ZfS

2003, 23; SchlHOLG VersR 2003, 637; OLG Saarbrücken ZfS 2003, 501;

OLG Bamberg RuS 2002, 2; OLG Hamm VersR 2000, 843; Knappmann,

NVersZ 2000, 558; Stiefel/Hofmann, Kraftfahrtversicherung 17. Aufl. § 2b

AKB Rdn. 139 und § 5 KfzPflVV Rdn. 19; Langheid in Römer/Langheid,

VVG 2. Aufl. § 5 KfzPflVV Rdn. 11; Römer in Anwalts-Handbuch, Ver-

kehrsrecht [2003] Rdn. 243; Bauer, Die Kraftfahrtversicherung 5. Aufl.

Rdn. 667). Maßgeblich dafür ist eine Auslegung der Versicherungsbe-

dingungen, die danach zu erfolgen hat, wie ein durchschnittlicher Versi-

cherungsnehmer sie bei verständiger Würdigung, aufmerksamer Durch-

sicht und Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs ver-

stehen muss (BGHZ 123, 83, 85 und ständig).

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(1) Ein solcher Versicherungsnehmer - und die ihm gleichgestellte

mitversicherte Person - entnimmt § 2b Abs. 1 AKB, dass der Versicherer

ihm gegenüber unter anderem dann von der Verpflichtung zur Leistung

frei ist, wenn der Fahrer des Fahrzeuges infolge des Genusses alkoholi-

scher Getränke nicht in der Lage gewesen ist, das Fahrzeug sicher zu

führen. Aus § 2b Abs. 2 AKB erfährt er, dass die Leistungsfreiheit auf ei-

nen Betrag von höchstens 10.000 DM beschränkt ist. Er weiß daher,

dass er bis zu dieser Höhe in Anspruch genommen werden kann, sollte

eine der in § 2 Abs. 1 AKB genannten Obliegenheitsverletzungen vorlie-

gen.

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Unabhängig davon legt § 7 I Abs. 2 AKB die Obliegenheiten "im"

Versicherungsfall fest, wenn es also zu einem Schadenereignis gekom-

men ist, für das der Versicherer eintrittspflichtig ist. Zu diesen Obliegen-

heiten gehört, dass Versicherungsnehmer und Versicherter alles zu tun

haben, was zur Aufklärung des Tatbestandes und zur Minderung des

Schadens dienlich sein kann (Satz 3). Wird diese in § 7 AKB aufgeführte

Obliegenheit verletzt, besteht für den Versicherer erneut Leistungsfrei-

heit bis zu 10.000 DM (§ 7 V Abs. 2 AKB).

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(2) Der verständige Versicherungsnehmer wird die Klauseln in § 2b

einerseits und § 7 AKB andererseits getrennt voneinander betrachten. Er

wird erkennen, dass es sich bei ihnen um Regelungen handelt, die

selbstständig nebeneinander stehen und unterschiedliche Sachverhalte

erfassen. Wer eine Obliegenheit nach § 2b Abs. 1 AKB verletzt - etwa

wie der Kläger in angetrunkenem Zustand Auto fährt - muss nicht not-

wendig auch eine Obliegenheitsverletzung nach § 7 I Abs. 2 AKB bege-

hen, sich beispielsweise unerlaubt vom Unfallort entfernen. Umgekehrt

wird nicht jede Straftat, die unter § 142 StGB einzuordnen ist, unter Al-

koholeinfluss begangen. Schon deshalb wird der Versicherungsnehmer

nicht davon ausgehen, dass der in den Versicherungsbedingungen bei

Verletzung einer Obliegenheit nach § 7 I Abs. 2 AKB ausgewiesene Re-

gressbetrag in demjenigen aufgeht, der bei Verletzung einer Obliegen-

heit aus § 2b Abs. 1 AKB vorgesehen ist. Er wird gerade nicht den

Schluss ziehen, dass es bei einer Leistungsfreiheit in Höhe von bis zu

10.000 DM verbleibt, selbst wenn auf die erste Obliegenheitsverletzung

noch eine weitere folgt. Vielmehr wird er die Versicherungsbedingungen

dahin verstehen, dass Leistungsfreiheit in Höhe von jeweils bis zu

10.000 DM eintritt, wenn Obliegenheiten sowohl vor als auch nach Ein-

tritt des Versicherungsfalles verletzt werden.

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b) Bestätigt wird dies dadurch, dass der Versicherer - für den

durchschnittlichen Versicherungsnehmer erkennbar - mit beiden Klauseln

unterschiedliche Interessen wahren will. Die Regelung in § 2b Abs. 1

AKB soll schon den Eintritt des Versicherungsfalles verhindern, indem

sie besonders gefahrenträchtige Verhaltensweisen sanktioniert und das

versicherte Risiko dadurch begrenzt (Knappmann, aaO). Bei § 7 I Abs. 2

AKB steht hingegen das Aufklärungsinteresse des Versicherers im Vor-

dergrund, der gesicherte Feststellungen zum Versicherungsfall treffen

möchte und bestrebt ist, den Schaden und damit seine Einstandspflicht

möglichst gering zu halten. Schon diese unterschiedlichen Schutzrich-

tungen rechtfertigen es - entgegen einer teilweise vertretenen Auffas-

sung (OLG Nürnberg VersR 2001, 231; Wessels, NVersZ 2000, 262;

Hübner/Schneider, RuS 2002, 89, 96; Feyock/Jacobsen/Lemor, § 5 PflVV

Rdn. 13 und § 2b AKB Rdn. 91) - die Regressbeträge zu addieren (Rö-

mer, aaO).

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c) Der Versicherungsnehmer wird §§ 2b, 7 AKB entnehmen, dass

ihn die bei Obliegenheitsverletzungen drohende Leistungsfreiheit des

Versicherers dazu anhalten soll, den vertraglich vereinbarten Obliegen-

heiten nachzukommen. Die Sanktion, mit der Obliegenheitsverletzungen

belegt sind, würde indes für § 7 AKB leer laufen, sollte ein Versiche-

rungsnehmer, der bereits vor Eintritt des Versicherungsfalles bestehende

Obliegenheiten nicht beachtet hat, ohne zusätzliches versicherungs-

rechtliches Risiko nach Eintritt des Versicherungsfalles eine weitere Ob-

liegenheitsverletzung begehen können (vgl. Knappmann, aaO: "Frei-

brief"). Einen erweiterten Verlust des Versicherungsschutzes hätte er

nicht zu befürchten; in jedem Falle würde sich die Leistungsfreiheit des

Versicherers auf höchstens 10.000 DM beschränken. Der Versiche-

rungsnehmer wird die §§ 2b und 7 AKB auch deshalb so auffassen, dass

jeweils Leistungsfreiheit bis zu 10.000 DM für eine Verletzung der dort

genannten Obliegenheiten besteht; denn nur so kann der Versicherer

sein mit den Obliegenheiten verfolgtes Ziel erreichen. Eine von der Revi-

sion in diesem Zusammenhang geltend gemachte Unklarheit der von der

Beklagten verwendeten Klauseln (§ 305c Abs. 2 BGB) ist nicht ersicht-

lich.

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d) Ferner ist der Revision nicht darin zu folgen, durch eine Be-

schränkung der Leistungsfreiheit auf insgesamt höchstens 10.000 DM

gelte es, unverhältnismäßige Belastungen vom Versicherungsnehmer

oder der mitversicherten Person abzuwenden. Dabei kann dahinstehen,

ob die mit der Zusammenrechnung der Regressbeträge verbundene fi-

nanzielle Belastung generell geeignet ist, die wirtschaftliche Existenz des

Versicherungsnehmers zu bedrohen. Denn einer möglichen Existenzge-

fährdung wird schon dadurch ausreichend begegnet, dass die aufgrund

der Obliegenheitsverletzungen eintretende Leistungsfreiheit des Versi-

cherers überhaupt betragsmäßig beschränkt ist, unabhängig davon, in

welcher Höhe der Versicherer im Außenverhältnis Schäden zu regulieren

hatte. Ohnehin ist eine besondere Schutzwürdigkeit des Versicherungs-

nehmers, der zwei Obliegenheitsverletzungen begeht, nicht erkennbar.

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3. Die Kfz-Pflichtversicherungsverordnung, die den gesetzlichen

(Mindest-)Umfang der Kfz-Haftpflichtversicherung festlegt, steht dem

nicht entgegen. Die §§ 5, 6 KfzPflVV führen ebenfalls Obliegenheiten mit

unterschiedlichem und eigenständigem Charakter auf, die in ihrer Ziel-

setzung differieren und als Sanktion - jeweils - eine beschränkte Leis-

tungsfreiheit des Versicherers vorsehen. Auch wenn die Kfz-Pflichtver

sicherungsverordnung eine Zusammenrechnung der Regressbeträge

nicht ausdrücklich vorsieht, schließt sie eine Verdoppelung der Leis-

tungsfreiheitsbeträge jedenfalls nicht aus.

Terno Dr. Schlichting Seiffert

Dr. Kessal-Wulf Dr. Franke

Vorinstanzen:

AG Köpenick, Entscheidung vom 14.01.2004 - 15 C 236/03 -

LG Berlin, Entscheidung vom 26.08.2004 - 17 S 10/04 -