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BGH Beschluss vom 04.10.2005 – VII ZB 54/05

VII. Zivilsenat

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

vom

4. Oktober 2005

in dem Zwangsvollstreckungsverfahren

Nachschlagewerk:

ja

BGHZ:

BGHR:

nein

ja

ZPO § 732

Mit dem Verfahren nach § 732 ZPO kann der Schuldner nur Einwendungen gegen

eine dem Gläubiger erteilte Klausel erheben, die Fehler formeller Art zum Gegen-

stand haben (im Anschluss an BGH, Beschluss vom 5. Juli 2005 - VII ZB 27/05).

BGH, Beschluss vom 4. Oktober 2005 - VII ZB 54/05 - AG Charlottenburg

LG Berlin

Der VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 4. Oktober 2005 durch den

Vorsitzenden Richter Dr. Dressler, die Richter Dr. Kuffer, Bauner, die Richterin-

nen Dr. Kessal-Wulf und Safari Chabestari

beschlossen:

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der Zivilkammer 52

des Landgerichts Berlin vom 7. März 2005 sowie der Antrag, die

Zwangsvollstreckung aus der 16. vollstreckbaren Ausfertigung der

Urkunden Nr. 568/1994 und 577/1994 des Notars

S. , Berlin, ohne, hilfsweise gegen Sicherheitsleistung bis

zur Entscheidung über die Rechtsbeschwerde einstweilen einzu-

stellen, werden auf Kosten des Schuldners zurückgewiesen.

Gegenstandswert: 3.914.556,53 €

Gründe

I.

2

Die Gläubigerin betreibt gegen den Schuldner die Zwangsvollstreckung

aus zwei notariellen Urkunden. Der Schuldner wendet sich gegen die Erteilung

der Vollstreckungsklausel.

Durch von dem Notar S. beurkundeten Vertrag vom 14. September 1994

verkaufte die Gläubigerin mehrere Baugrundstücke an den Schuldner. Gemäß

§ 3 des Vertrages betrug der Kaufpreis 24.024.960 €. Der notarielle Kaufvertrag

enthielt unter anderem folgende Regelungen:

"§ 5 Unterwerfung

(1)

Der Käufer unterwirft sich wegen des Kaufpreises nebst Verzugs- zinsen gemäß § 4 (6) sowie aller in dieser Urkunde eingegangenen sonstigen Zahlungsverpflichtungen, soweit sie eine feste Geld- summe zum Inhalt haben, zuzüglich etwaiger vereinbarter Zinsen und Nebenleistungen der sofortigen Zwangsvollstreckung aus die- ser Urkunde in sein gesamtes Vermögen.

Der Notar wird unwiderruflich ermächtigt, dem Verkäufer auf des- sen Antrag vollstreckbare Ausfertigung zu erteilen nach schriftlicher Darlegung, aber ohne Nachweis der Fälligkeit.

§ 18 Bedingung

Der Kaufvertrag wird unter der aufschiebenden Bedingung der Ge- nehmigung des Rahmenvertrages über die städtebauliche Entwick- lung mit der Stadt Berlin durch den Verkäufer geschlossen. Der Ein- tritt dieser Bedingung ist durch Übermittlung einer notariell beglau- bigten Kopie der Genehmigungserklärung oder einer Notarbestäti- gung dem Käufer nachzuweisen.

Der Verkäufer wird den Rahmenvertrag bis spätestens zum 25.09.1994 genehmigen, anderenfalls ist der Kaufvertrag endgültig unwirksam."

4

Der in § 18 des notariellen Kaufvertrages genannte Rahmenvertrag war

am 21. Juli 1994 von dem Notar L. beurkundet worden. Für die Gläubigerin trat

hierbei der W. als vollmachtloser Vertreter auf.

Am 21. September 1994 gab die Gläubigerin vor dem Notar L. folgende

notariell beurkundete Erklärung ab:

"Alle abgegebenen Erklärungen des Architekten S. …in der Urkun- de des Notars L. … vom 21. Juli 1994 …werden hiermit vorbehalt- los genehmigt. Der Inhalt dieser Urkunde ist bekannt".

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Von dieser Genehmigungserklärung erhielt der Notar S. am 21. No-

vember 1994 eine einfache Fotokopie übersandt.

Am 28. Juni 1996 hat der Notar S. der Gläubigerin eine vollstreckbare

Ausfertigung der notariellen Urkunde erteilt. Der Schuldner hat dagegen am

26. November 2004 Erinnerung eingelegt. Das Amtsgericht hat mit Beschluss

vom 2. Dezember 2004 die Erinnerung zurückgewiesen. Die hiergegen einge-

legte sofortige Beschwerde des Schuldners hat das Landgericht mit Beschluss

vom 7. März 2005 zurückgewiesen. Dagegen richtet sich die vom Landgericht

zugelassene Rechtsbeschwerde, mit der der Schuldner zugleich beantragt, die

Zwangsvollstreckung aus der vollstreckbaren Ausfertigung ohne, hilfsweise ge-

gen Sicherheitsleistung bis zur Entscheidung über die Rechtsbeschwerde ein-

zustellen.

II.

Die gemäß §§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 3 Satz 2, 575 ZPO statthafte

und auch im Übrigen zulässige Rechtsbeschwerde ist unbegründet.

Das Landgericht ist der Ansicht, der Schuldner sei mit den geltend ge-

machten Einwendungen präkludiert, da es sich vorliegend um das dritte von

ihm betriebene Klauselerinnerungsverfahren handele.

Unabhängig davon sei das Amtsgericht zutreffend davon ausgegangen,

dass die Voraussetzungen für die Erteilung der Vollstreckungsklausel gegeben

gewesen seien, insbesondere habe auch eine Genehmigung des Rahmenver-

trages vorgelegen. Damit sei die in § 18 des Vertrages genannte aufschiebende

Bedingung eingetreten.

10

Die Erinnerung sei aber selbst dann unbegründet, wenn letzteres nicht

der Fall sei. Die Regelung in § 18 des notariellen Kaufvertrages sei von der Un-

terwerfungserklärung unabhängig und betreffe lediglich die materiell-rechtliche

Wirksamkeit des Kaufvertrages.

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2. Die hiergegen gerichteten Rügen des Schuldners haben keinen Erfolg.

a) Es bedarf keiner Entscheidung, ob auf das Klauselerinnerungsverfah-

ren nach § 732 ZPO die Regelung des § 767 Abs. 3 ZPO entsprechend ange-

wandt werden kann mit der Folge, dass der Schuldner mit seinen in diesem

Verfahren gegen die Erteilung der Vollstreckungsklausel vorgebrachten Ein-

wendungen präkludiert sein könnte. Denn jedenfalls haben diese Einwendun-

gen aus anderen Gründen keinen Erfolg.

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b) Die Rechtsbeschwerde macht geltend, der Kaufpreisanspruch der

Gläubigerin sei nicht entstanden. Die in § 18 des notariellen Kaufvertrages ge-

nannte Bedingung, die Genehmigung des Rahmenvertrages, sei nicht eingetre-

ten, weil die Gläubigerin nicht die Erklärung des W., sondern eine solche des S.

genehmigt habe. Diesen Umstand habe auch der Notar S. bei der Erteilung der

vollstreckbaren Ausfertigung beachten müssen.

Mit diesem Einwand kann der Schuldner im Klauselerinnerungsverfahren

nicht gehört werden.

aa) Ob der Kaufpreisanspruch der Gläubigerin entstanden ist, ist im

Klauselerinnerungsverfahren regelmäßig unbeachtlich. Der Notar prüft lediglich

nach den allgemeinen Regeln, ob ein formell wirksamer Titel mit vollstreckungs-

fähigem Inhalt vorliegt. Eine weitere Prüfungsbefugnis steht dem Notar nicht zu

(BGH, Beschluss vom 5. Juli 2005 - VII ZB 27/05, in Juris dokumentiert).

16

Es kann dahinstehen, ob von diesem Grundsatz eine Ausnahme zu ma-

chen ist, wenn für den Notar offenkundig ist, dass der materiellrechtliche An-

spruch nicht besteht (vgl. z.B. BayObLG, DNotZ 1998, 194, 195; BayObLG,

DNotZ 1997, 77, 79; OLG Frankfurt/M., JurBüro 1997, 544, 546). Dies ist hier

nicht der Fall.

17

bb) Die Erteilung der Vollstreckungsklausel war auch nicht nach §§ 726

Abs. 1, 794 Abs. 1 Nr. 5, 795, 797 ZPO davon abhängig, dass die Gläubigerin

dem Notar S. den Eintritt der in § 18 des notariellen Kaufvertrages genannten

Bedingung mit öffentlichen oder öffentlich beglaubigten Urkunden nachweist

oder zumindest darlegt.

18

Die Parteien können in der Unterwerfungserklärung in zulässiger Weise

vereinbaren, dass der Gläubiger von dem Nachweis des Eintritts bestimmter

Tatsachen als Vollstreckungsvoraussetzung entbunden wird (BGH, Urteil vom

25. Juni 1981 - III ZR 179/79, NJW 1981, 2756, 2757; OLG Frankfurt/M., JurBü-

ro 1997, 544, 545; Musielak/Lackmann, ZPO, 4. Aufl., § 726 Rdn. 5).

19

Dem notariellen Kaufvertrag ist die Regelung zu entnehmen, dass die Er-

teilung einer vollstreckbaren Ausfertigung lediglich voraussetzen sollte, dass die

Gläubigerin dem Notar gegenüber darlegt, dass die Kaufpreisforderung fällig ist.

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Nach § 5 Abs. 1 des notariellen Kaufvertrages ist der Gläubigerin auf ih-

ren Antrag eine vollstreckbare Ausfertigung zu erteilen nach schriftlicher Darle-

gung, aber ohne Nachweis der Fälligkeit. Das Beschwerdegericht hat rechtsfeh-

lerfrei diese Vereinbarung in dem Sinne ausgelegt, dass hiernach die Gläubige-

rin nicht nur vom Nachweis der Fälligkeit, sondern sowohl von dem gesonder-

ten Nachweis wie auch der Darlegung der Genehmigung des Rahmenvertrages

befreit war.

21

Ohne Erfolg bezieht sich die Rechtsbeschwerde in diesem Zusammen-

hang auf eine in der Literatur vertretene Auslegungsregel, wonach dann, wenn

die Unterwerfungsurkunde auch das Rechtsgeschäft des materiellen Rechts

enthält, die Vollstreckung im Zweifel vom Nachweis all der Umstände abhängig

ist, die der Gläubiger zusätzlich zum Inhalt der vollstreckbaren Urkunde zur

schlüssigen Begründung einer Klage gleichen Inhalts vortragen müsste (vgl.

MünchKommZPO-Wolfsteiner, 2. Aufl., § 794 Rdn. 200; Stein/Jonas/ Münzberg,

ZPO, 22. Aufl., § 794 Rdn. 122).

22

Ob eine derartige Auslegungsregel besteht, kann dahinstehen. Denn je-

denfalls soll diese selbst nach Auffassung ihrer Vertreter dann keine Anwen-

dung finden, wenn, wie hier, in der Unterwerfungserklärung ausdrücklich gere-

gelt ist, von welchen Voraussetzungen i. S. von § 726 Abs. 1 ZPO die Erteilung

der Vollstreckungsklausel abhängig sein soll (vgl. Stein/Jonas/Münzberg, aaO.).

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cc) Hatte die Gläubigerin nach dem Inhalt der Unterwerfungserklärung

daher dem Notar nach §§ 724, 726 Abs. 1, 794 Abs. 1 Nr. 5, 795, 797 ZPO le-

diglich die Fälligkeit ihrer Kaufpreisforderung darzulegen, ist die Annahme des

Beschwerdegerichts, dass die Gläubigerin diesem Erfordernis mit ihren anwalt-

lichen Schreiben vom 23. Mai 1995 und 1. Juni 1995 nachgekommen ist, im

Rechtsbeschwerdeverfahren nicht zu beanstanden. Einwendungen hiergegen

erhebt die Rechtsbeschwerde auch nicht.

III.

24

Nachdem die Rechtsbeschwerde keinen Erfolg hat, war auch der Antrag

auf Einstellung der Zwangsvollstreckung gemäß § 732 Abs. 2 ZPO zurückzu-

weisen.

Dressler Kuffer Bauner

Kessal-Wulf Safari Chabestari

Vorinstanzen:

AG Berlin-Charlottenburg, Entscheidung vom 02.12.2004 - 70 II 261/04 -

LG Berlin, Entscheidung vom 07.03.2005 - 52 T 146/04 -